lodern verb
Fundstelle: Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1117, Z. 61
flammigare; eine mitteldeutsche bildung, seit dem 15. jahrh. nachzuweisen: flammare ludern Dief. 238ᵃ, von Luther nur einmal verwendet, aber seit dem 17. jahrh., namentlich in poetischer rede mehr und mehr beliebt werdend, gehört als eine iterativbildung zu dem subst. loden 1 in der bedeutung flocke, zotte, und ist von derselben anschauung aus gebildet, die für das wabernde feuer das verbum flocken (th. 3, 1811) gebraucht, welches sich wieder mit flackern, ahd. flokarôn, flogarôn (ebenda 1706) berührt. lodern wird gesagt
1)
von dem feuer, der flamme, lohe, glut: wie eine flamme loddert im stro. Joel 2, 5; das feuer lodert, ignis flammas spargit. Steinbach 1, 1068; sie (ein in feuer sich verwandelndes mädchen) flammt auf und lodert in die höhe. Göthe 41, 238;
(wann) gluht und fluht im kampf sich mischt,
alles lodert, braust und zischt.
Brockes 1, 356;
alsdann funkelt, lodert, blitzet,
schnaubt und braust sie (die gluth) mit gewalt.
368;
zauderer gruben den brand
lässiges armes ab, lehnten sich oft auf den spaden,
drangen nicht tief; und so kams denn, und hinüber
leckt es (das feuer) über den kindergraben,
lodert in andres gebüsch.
Klopstock 2, 73;
die flamme lodert, milder schein
durchglänzt den düstern eichenhain.
Matthisson ged. 44;
lodre, lohe, kessel brodle!
Bürger 303ᵇ;
wie ich blitzend niederfahre,
lodert hell ein weltbrand auf.
Rückert 202;
am schwarzen kamin
da sitzet mein lieber,
doch geh ich vorüber,
die bälge dann sausen,
die flammen aufbrausen
und lodern um ihn.
Uhland ged. 31;
sie dort zogen einher, wie wenn gluth durchs ganze gefild hin
loderte.
Ilias 2, 781;
lodernd brannt auf dem herde die flamm.
Odyssee 5, 59;
vom blitz:
thor! der den himmel wagt, herauszufodern,
vergessend schon, wie gottes blitze lodern.
Gries Tassos befr. Jerus. 1, 91;
von der sonne selbst: als die sonne wie eine lodernde welt .. untersank. J. Paul Hesp. 4, 73;
im raum, wo deine (gottes) sonne lodert.
Bürger 79ᵃ;
in bildern:
ja ja, es lodern itzt verzehrnde kriegesflammen.
Brockes in Hamanns poet. lex. (1737) 63;
denn was flecken war, vermodert;
nur der himmelsfunke lodert
einst, geläutert, zur verherrlichung.
15ᵇ;
und der funke der freiheit ist glühend erwacht,
und lodert in blutigen flammen.
Körner 1, 97;
hast du den ewgen tempel dir gebaut,
wo deines namens flammenzüge lodern.
2, 189.
2)
von dem gerät, das eine flamme gibt, fackel, kerze, licht: (der zank) steckt und zündet ihn (den zornigen) an wie ein brennende fackel, welche, je mehr man sie beweget und hin und wieder schwenket, je sehrer sie brennet und dahin lodert. Mathesius Syrach 1, 48ᵃ; um einen lodernden kronleuchter. J. Paul mumien 3, 18;
allein ein lodernd licht musz bald in staub verfallen.
Lohenstein blumen s. 46;
(es) wird dem herrscher der bergkluft und Glyceren
Hymens fackel am goldnen torus lodern.
Matthisson ged. 41;
vor ihrem (der kerze) hellem lodern.
Rückert 180.
3)
von dem was vom feuer ergriffen wird, in brand gerät:
die erden loder und verbrenne!
A. Gryphius 1698 2, 18;
meinen groll will ich der erde weihen,
schlage, flamme, durch den holzstosz hin!
glücklich, glücklich! seine briefe lodern,
seine eide friszt ein siegend feur,
seine küsse! wie sie hochauf lodern!
Schiller die kindesmörderin;
bildlich:
wär ich im bann von Mekkas thoren (geboren) ...
dann abends wohl vor meinem stamme,
in eines zeltes luftgem haus,
strömt ich der dichtung innre flamme
in lodernden gesängen aus.
Freiligrath dicht. 1, 25;
auch von dem, was durch das feuer ergriffen erscheint und in seinem glanze gleichsam brennt: ihrer hütte zu, die in Lunens silberflammen loderte. J. Paul uns. loge 3, 110;
wie schön der mond die wellen
des erlenbachs besäumt,
der hier durch binsenstellen,
dort unter blumen schäumt,
als lodernde kaskade
des dorfes mühle treibt,
und wild vom lauten rade
in silberfunken stäubt.
Matthisson ged. (1794) 86;
und von dem in eigenem glanze brennenden: feurige büsche von arabischen bohnen loderten tiefer aus laubvorhängen. J. Paul Hesp. 1, 219.
4)
von empfindungen und trieben der seele und des herzens, die sonst als feurig, glühend, glutvoll, flammend geschildert werden: die ruhe des äuszern anblicks täuschte das auge, aber sie war nur scheinbar, und in ihrem stillen schosze loderte die gefährlichste zwietracht. Schiller 799ᵇ;
kein feuer, worvon Zeus in flüszend gold zerronnen,
kein lodernd seufzen flöst ihr laulicht lieben ein.
Lohenstein blumen 32;
kein hasz in meinem busen lodert.
Gotter 1, 431;
(ihr ergebner knecht) sieht nicht ein, warum ihr zorn so heftig lodert.
Göthe 7, 100;
waffenklang wird auch gefodert,
dasz auch die drommete schmettre!
dasz, wenn glück zu flammen lodert,
sich im sieg der held vergöttre.
5, 12;
zu gleichem preise sieht sich aufgefodert
wem gleicher trieb im edlen busen lodert!
11, 336;
becher! deinen purpursaft
schlürf ich froh hinunter,
denn des herzens stolze kraft
lodert im Burgunder.
Körner 1, 197.
5)
aber auch die seele selbst, herz, geist, muth, brust lodern: aber warum wollen einige von ihnen mir nicht glauben? dasz dieser feurige geist nicht immer sprüete und loderte. Lessing 10, 3; der feurige geist, der in dem buben lodert. Schiller räub. 1, 1; der wirbelwind der töne wehte in seine lodernde seele. J. Paul Tit. 2, 237; ich fühl, dasz meine seele lodert. Bettine briefe 1, 144; wie der sänger vom lodern des geistes in ihm aufgezehrt ward und dahin starb. Scheffel Ekkeh. s. 399;
mein herze lodert schon von tausend süszen flammen.
Lohenstein blumen s. 60;
es lodert seel und leib und steht in voller glut.
Menantes galante ged. 1 (1704) 43;
die augen sagen dir durch ihre lieblichkeiten:
wer einmal uns gesehn, dem lodert schon die brust.
2 (1703) 154;
immer blick ichs (das vergehen der liebe) an und immer lodert
hoch das herz bei seinem anblick mir.
Bürger 98ᵇ (Heloise an Abelard);
lodern (wollen) seelen in vereinter glut.
Schiller fantasie an Laura;
ihrer blicke sanfter schein
war in mir zu wildem lodern (geworden).
Uhland ged. 254;
und der mensch selbst, von seiner innern glut ergriffen:
wie wird mir? ich vergeh! ich loder, ich verbrenne!
es überschwemmet mich ein ganzes wollust-meer.
Lohenstein blumen 61;
es ist ein gutes volk, in seiner liebe
raschlodernd, wie in seinem zorn.
Schiller jungfr. von Orl. 3, 2;
sowie sein antlitz, seine wangen, seine augen: der sterbende .. schlug zwei lodernde augen auf. J. Paul uns. loge 3, 172; es war rührend und hart zugleich, wenn er lachend unter seinen freunden und deren freunden sasz mit einem entfärbten gesicht, mit höhern, schärfern knochen der augen und der nase, mit einem wildern auge, das aus einer dunklern knochentiefe loderte. Tit. 3, 156; die marquise blickte mit tödtender wildheit bald auf den grafen, bald auf die mutter ein; ihre brust flog, ihr antlitz loderte. H. v. Kleist werke 4, 28;
ein mann (ihn nenne dir das lodern deiner wangen!)
hat freventlich sich gegen uns vergangen.
Wieland 21, 335.
Zitationshilfe
„lodern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lodern>, abgerufen am 15.12.2019.

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