Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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loh, lohe, m.

loh, lohe, m.
wallende glut; zumal bei Opitz für das fem. lohe (s. d.) erscheinend: also legte sie es auf wacholderholz und eisenkraut, .. zündete es auf, und wie der lohe in die höhe schlug, redete sie folgende wort. 2, 281;
so geht das feuer an, wie etwan von den winden,
wann ihr ergrimmter sturm den wald zusammen treibt,
ein baum so oft und viel desz andern äste reibt,
dasz durch erhitzung sich der liechte loh empöret.
1, 41;
der loh der heiszen flammen
umbringte deinen leib, schlug über dir zusammen.
428;
in der genitivischen formel lichtes lohes, vgl. dazu lichter lohe unter dem fem. lohe: nun wolte ich, dasz der thaler glüendt heisz were, und brennete dem fürsten lichtes lohes auf dem herzen. Melander jocos. 1, 757. es ist die fortsetzung des mhd. der lohe, neben welchem aber auch eine interessante form der lohen bezeugt wird:
sô merket, wie man biche ein vaʒ:
die wîle der bodem ist vür geschoben,
sô schadet der lohen niemant oben.
wirt aber der bodem abe getân,
sô sleht der lohe des viures ûf sân.
Renner 13961;
später flamma der loe, der lone Dief. 238ᵃ, das letztere jedenfalls aus lohen oder lohene, wie auch lahn, lan flamma sp. 77 wol auf lahen, mit hell gewordenem vocal für lohen zurückgeht; schlesisch der lohen, lohn flamma Steinbach 1, 1070; noch heute ist dort der lohn flamme gewöhnlicher als die lohe, der lohn schlägt aus dem dache Weinhold 54ᵇ; niederd. löchen flamme Schütze 3, 46, löhneken ein flämmchen Curtze 482.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1128, Z. 34.

lohe, f.

lohe, f.
wallende glut. ahd. nicht bezeugt, es wird durch louc flamma, gen. louges vertreten, welches sich im mhd. fortsetzt und auch im nhd. als lauch sp. 300 vereinzelt noch lebt. mhd. findet sich zuerst daneben der lohe (vergl. oben sp. 1128), und eine mitteldeutsche form die lohe (Lexer handwb. 1, 1952): flamma dye loe Dief. 238ᵃ (eine form die sich zu der lohe verhält, wie die lauge flamma sp. 339 zu der lauch, so steht auch der flamm neben die flamme, vgl. theil 3 sp. 1711. 1712); jene femininform hat sich seit dem 16. jahrh. in der schriftsprache festgesetzt, oberdeutschen mundarten ist sie fremd geblieben. die gekürzte form loh, sofern sie nicht mit dem weiblichen artikel steht: das die loh oben aus dem ofen schlug. Dan. 3, 47, kann dem masc. loh zufallen: weder loh noch feuer. unwürd. doctor 7;
(wie) mit loh und lichter glut die häuser sind gekrönet.
A. Gryphius 1698 2, 303.
lohe gehört, wie das ahd. louc, zu der unter licht sp. 855 aufgeführten wortfamilie. Das wort bezeichnet
1)
die einheitliche, zusammen brennende und wogende feuermasse, verschieden von den sich theilenden flammen, und der ruhigen gluth:
hoch zu flammen entbrannte die mächtige lohe noch einmal,
strebend gegen den himmel, und Ilios mauern erschienen
roth, durch die finstere nacht; der aufgeschichteten waldung
ungeheures gerüst, zusammenstürzend, erregte
mächtige gluth zuletzt.
Göthe 40, 341;
flüchtend sah ich, durch rauch und gluth
und der züngelnden flamme lohe
gräszlich zürnender götter nahn.
41, 188;
da nam Manoah ein zigenböcklin und speisopfer, und opferts ... und da die lohe auffuhr, vom altar gen himel, fuhr der engel des herrn in der lohe des altars hin auf. richt. 13, 20; wie des fewrs flamme stroh verzeret, und die lohe stoppeln hin nimpt. Jes. 5, 24; da die lohe allenthalben in die pfannen schlug. 2 Macc. 7, 5; die aufsteigende lohe verkündigte bald dasz sie (die feuerkugeln) ihr ziel zu erreichen gewuszt. Göthe 30, 296;
vom wind gegeiszelt wehn
die flammen schon bis an des giebels höhn,
zum himmel schlägt die fürchterliche lohe.
Schiller zerstörung von Troja 127;
wehend umleckt ihn die loh, und es braust aussiedend der kessel.
Voss Luise 1, 332;
es heiszt feurige lohe: da war mirs, als säh ich aufflammen den ganzen horizont in feuriger lohe. Schiller räuber 5, 1; aus den tannen ... schlug die feurige lohe. Scheffel Ekkeh. 116; und lichte lohe: sein odem ist wie liechte lohe. Hiob 41, 12; zumal in der genitiven verbindung lichter lohe brennen, vgl. dazu auch beispiele sp. 856: das nu die ganze welt nicht liechter lohe brennet. Luther 5, 336ᵇ; wird er also zublasen, das hut und treibherd, und alles, was in der groszen hütten gottes webert, liechter loh brennen wird. Mathes. Sar. 11ᵇ;
des corper brandt gar liechter loh.
B. Ringwald tr. Eck. H;
die heilige lohe, in der beschwörung:
du siehst, dasz ich nicht vergebens drohe.
ich versenge dich mit heiliger lohe!
Göthe 12, 69;
goldene lohe, hier vom licht der kerzen:
es flackern tausend kerzen
den saal entlang in schöner goldner lohe.
Platen 318.
2)
übertragen auf die empfindungen des menschlichen innern, die sonst auch einem brande (theil 2, 395, no. 9), einem feuer (3, 1586 fg.), einer flamme (1713), einer hitze (theil 4², 1582), einer gluth verglichen werden: im ersten anstosz einer unbesonnenen hitze waren die gewaltsamsten masznehmungen immer die ersten, auf die er fiel. aber man brauchte ihm nur den schatten einer gefahr dabei zu zeigen, so legte sich die auffahrende lohe wieder. Wieland 2, 351 (299); aber Roquairol war in seiner rothen lohe (höchst aufgeregt). J. Paul Tit. 2, 134;
wie ist ihm (Christo in der angst zu Gethsemane) doch zu sinnen!
er betet brünstiger das abba in der loh,
das abba, welches uns in letzter angst macht froh.
Fleming 7;
jehovah, straf mich nicht, wenn deines zorrens flammen
verzehren alle gunst, gehn über mir zusammen,
wenn deines grimmes loh in vollem sturme fährt.
18;
wenn sie (die stürme der empfindung) auf die dicken flammen
meiner liebe blasen zu,
so schlägt über mich zusammen
ihrer wirbel ganze loh.
509;
wohl dem! der beszre glut in seinem herzen fühlet,
und dem kein ungemach die heisze lohe dämpft,
der mit entflammtem muht nach kunst und tugend zielet,
und, in der freiheit selbst, verbothne lust bekämpft.
Caniz 65;
erhielt getreue, rege wachsamkeit
die heilge lohe (eifer für die wissenschaft) rein und schön
und hoch vom anbeginn bis heut.
Bürger 78ᵃ;
hier (im kloster) verlosch die lohe meiner triebe
vor des finstern kirchenwahnes hauch.
96ᵃ.
3)
der plur. die lohen (wie die gluthen) ist selten gebraucht:
einst bricht in heilgen lohen
doch deine freiheit auf.
Körner 1, 95;
liebe, diesen leib verzehren
müssen deine lohen ganz.
Rückert 234.
4)
lohe heiszt es, wenn die blätter der gerste und des weizens von allzutrockner witterung eine rothgelbe farbe bekommen. Nemnich. eine ähnliche pflanzenkrankheit heiszt brand, vgl. th. 2, 295 no. 6.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1129, Z. 30.

lohe, f.

lohe, f.
rinde, welche die gerber zum garmachen der häute brauchen, verschieden von dem eben angeführten wort, da es seit alters langen vocal zeigt, und der stammschlieszende consonant anders behandelt wird: es ist ahd.tanum Graff 2, 33, mhd. lô, das als neutr. (vgl. oben sp. 1128), aber wenigstens später auch als fem. erscheint: frunium lowe, lohe, loe Dief. 249ᵇ; loe als die ledrer haben, frunium, frunum, frulonium. voc. inc. theut. n 1ᵇ; mangel an loe. d. städtechr. 2, 335, 1; das sie nach loe hieben. Tucher baumeisterb. 90, 6; mühlen zum kleinmahlen der lohe. Göthe 43, 308.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1130, Z. 50.

lohen, m.

lohen, m.
flamma, s. unter loh flamma sp. 1128.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1130, Z. 61.

lohen, verb.

lohen, verb.
in wallender glut emporsteigen:
was feurig ist, loht himmel-an.
Birken östl. lorb. 380;
feuer flammt und lohet über sich.
433;
prasselnd fängt es an zu lohen,
hebt sich wirbelnd vom altar.
Schiller d. eleus. fest;
blickt voll huld auf unser schiff,
wenn gewitter lohen.
Matthisson ged. 245;
wehe! wehe! welche glut
loht um uns in wilder runde!
Körner 1, 124;
jetzt auf ihr antlitz, das blutrünstge, fiel der rothen
wachtfeuer glut, die da vor jedem zelte lohten.
Freiligrath dicht. 1, 104;
nur lohte durch das dunkel der scheiterhaufen brand.
4, 35;
nach lohe 2: indem ich aber hierüber hin- und hersann, entstand und lohete schon eine grosze dankbarkeit in mir für alles mögliche und unmögliche, was irgend in dem vorfalle liegen mochte. Keller leute v. Seldwyla 1 (1876) 36; schon seit dem mittag, wo jene wirthin es (das mädchen) für eine braut gehalten, ... lohte ihm das brautwesen im blute. 142. das mhd. lohen heiszt wie lohe glänzen:
der treit ûf sîme houbte   einen helmen glanz,
lûter unde herte,   starc unde ganz:
ouch lohent im die ringe,   sam daʒ viwer tuot.
Nib. 1779, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1130, Z. 62.

lohen, verb.

lohen, verb.
bei den gerbern, mit lohe gar machen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1131, Z. 6.

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Zitationshilfe
„lohen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lohen>.

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