Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lohnen, verb.

lohnen, verb.
mit lohn versehen, ahd. alts. lônôn, mhd. lônen; ags. leánian, fries. lânia, altn. launa; nach den verschiedenen verwendungen des subst. lohn.
1)
nach lohn 2, einem arbeiter für einen dienst eine gegenleistung entrichten.
a)
altüblich ist die fügung mit persönlichem dativ und ursächlichem genitiv, einem eines dinges lohnen (vgl. nachher no. 2. 3): were ich bei Türken oder haiden, hett denen dermaszen gedienet, mir were meiner dienst anderst gelohnet. W. Pirkhaimer an den rath 1511 (zum andenken W. Pirkhaimers s. 9);
er sprach: so wirb eʒ, Rüedegêr,   als liep ich dir sî.
und sol ich Kriemhilde   geligen immer bî,
des wil ich dir lônen   sô ich beste kan.
Nib. 1091, 3;
statt des genitivs eine präposition: einem für etwas lohnen; ein abhängiger satz: sie .. lohnen dem goldschmide, das er einen gott draus mache. Jes. 46, 6; es steht auch nur der dativ der person: nim hin das kindlin, und seuge mirs, ich wil dir lohnen. 2 Mos. 2, 9;
zum sklaven sollt ich sagen, dingtet ihr
den sonst so freien, jetzt bedrängten mann.
ihr lohnt ihm zwar, doch immer noch versagt
ihr ihm dén lohn, den er verlangen darf.
Göthe 9, 307;
auch dieser ist unterdrückt: der tag, auf den man lonen soll. Tucher baumeisterb. 63, 20; dasz der eine dient, der andere lohnt. Kant 5, 385;
lohnen, doch den dienst entbehren, ..
dieses bringt die wirthschaft mite.
Logau 1, 65, 61 ('hauswesen').
b)
mit persönlichem accusativ, einen lohnen: darauf habe der vetter vorgeschlagen, sie solle es bei einer putzmacherin versuchen, die jetzt eben eine gehülfin brauche. man sei mit der frau einig geworden, sie gehe täglich so viele stunden hin, werde gut gelohnt. Göthe 24, 284;
nun soll ich zahlen, alle lohnen.
41, 14.
c)
mit einem sächlichen subject: der arbeiter sagt diese arbeit lohnt gut, die arbeit die ich früher machte, lohnte zu wenig; der dienst bei diesem herrn lohnt mäszig.
2)
lohnen (nach lohn 3), von dem was gott den menschen für ihre thaten zutheilt.
a)
für gute werke; mit persönlichem dativ: du lônôst iegelîchemo nâh sînen werchen. Notker ps. 61 (Hattemer 2, 210ᵃ; bei Luther bezalest einem jglichen, wie ers verdienet); der herr .. gebe einem jglichen nach seinen werken, und lohne jnen, wie sie es verdienet haben. Sir. 35, 24; gott hat mir gelohnet, das ich meine magd meinem manne gegeben habe. 1 Mos. 30, 18; in der alten sprache dazu mit ursächlichem genitiv:
got lône iu iuwer bouge,   sprach dô Ekewart.
Nib. 1575, 1,
was noch in der wunschformel gott lohne es euch! nachklingt, obschon es vom sprachgefühl nicht mehr als genitiv verstanden wird; gewöhnlich ist jetzt sächlicher accusativ zu persönlichem dativ: will die wohlgeneigte frau den meinen etwas gutes thun, so wird es der himmel lohnen. Freytag ahnen 5, 125;
gott lohn euch eure gutthat.
Schiller Tell 4, 1;
selten sächlicher dativ: solchen gottseligen thaten kann nur gott lohnen, und zwar in ewigkeit. Göthe 43, 286.
b)
für das böse (vgl. lohn 3, b); mit persönlichem dativ und ursächlichem genitiv:
gott wird ihm dessen lohnen fein,
das musz sein.
der wird die wurzel samt den stamm
ins teufels nam
wol werfen in die ewige flamme.
Opel u. Cohn 11, 33.
3)
lohnen (nach lohn 4) von der vergeltung für ein nicht dienstliches oder geschäftsmäsziges verfahren; eben auch in mehrfacher wendung.
a)
mit persönlichem subject und persönlichem dativ, einer lohnt einem: den wol verdienten lonen, praemia bene meritis tribuere Maaler 275ᵇ; thue ichs gerne, so wird mir gelohnet. 1 Cor. 9, 17;
mir half, zu bändgen deinen feind, das glück,
du lohntest mir, doch nimm den lohn zurück!
Platen 223;
der auch unterdrückt sein kann:
und kein tropfen des seelengifts
fleckt die palme, die uns lohnend die tugend wand!
Hölty 98 Halm;
und dazu früher mit ursächlichem genitiv:
sînes herren arbeit,
die er ie durch in geleit,
der lônder im dâ.
Iwein 6755;
ich sol der triwen lônen dir,
die dû hast erzeiget mir.
Barl. 19, 19;
was die moderne sprache nur in alterthümelnder rede noch kennt:
und der liederwerthen thaten wurden viel,
viel gethan, und mancher dank erstritten,
und sie (die frauen) lohnten desz der lieb und mir.
Wieland 18, 370,
weil hier (im gegensatz zum subst. lohn 4, a sp. 1134, welches die verbindung mit dem genitiv der sache noch immer liebt), gewöhnlicher die verbindung mit der präp. für oder mit abhängigem satz gebraucht wird: er hat ihm für seine anhänglichkeit nicht gelohnt; er weisz ihre wohnung; lasz dich von ihm führen, und lohn ihm bis an sein ende, dasz er dir den weg zu diesem kleinode zeigt. Göthe 8, 295.
b)
ebenso mit persönlichem dativ und angabe des mittels, einem mit, durch etwas lohnen:
er hât sô vil durch mich getân,
daʒ ich im gerne lônen wil
beidiu mit ernste und mit spil
swie er sîn geruochet.
Wigal. 225, 10;
sein weib, sein würdigs weib, erleichtert ihm die müh,
lohnt ihm mit zärtlichkeit, und er empfindet sie.
Gellert 2, 38;
er lohnt ihm mit der hand der schönen Cunigunde,
die ihm die grafschaft Mainz, als brautschatz, zugebracht.
Alxinger Doolin 1, 5;
du allein
vollbrachtest alles. sprich, wie lohn ich dir!
Schiller jungfrau 3, 4;
der könig sprach: ich lohne
dir nicht mit spiel und tand,
ich gebe dir meine krone
aus der schönsten königin hand.
Uhland ged. 233;
von personificationen:
du (rosenbusch) lohntest mir mit dufte.
Gotter 1, 261;
die mäszigkeit, die durch sich selbst uns lohnt.
412.
c)
mit persönlichem accusativ, einen lohnen:
dein vater liebte dich, und deine mutter! lohne
mit deinem leben sie und einer ehrenkrone!
Gleim 5, 278;
es lohnet mich heute
mit doppelter beute
ein gutes geschick.
Göthe 1, 42;
erwählst du mich,
so lohnst du weit mich über mein verdienst,
wo nicht, so lohnt ein blick des danks genug.
Platen 223.
d)
mit dem acc. der sache, die der grund des lohnens ist, und persönlichem dativ, einem etwas lohnen: werdet erst männer, dann werdet ihr weiber finden, die euren werth euch lohnen. Klinger 1, 485;
ihm ward .. schon oft die schönste that
durch worte nur gelohnt.
Gotter 1, 168;
dasz die unsterblichen dir diese wohlthat lohnen!
2, 43;
wie lohn ich dir so viele schöne thaten!
Gökingk 3, 118;
im gegensatz zu bezahlen, was den sinn von lohnen 1 ausdrückt: dasz ich meine zwölf stunden des tags seinen garten beschicke, .. das bezahlt mir der gnädige herr mit geld. aber dasz ich es mit freuden thue, weil ich es ihm thue, dasz ich des nachts davon träume, dasz es mich mit der morgensonne heraustreibt — das, mein fräulein, musz er mir mit seiner zufriedenheit lohnen. Schiller menschenfeind, 1. scene. der persönliche dativ fehlt:
hinter jenem berge wohnt
sie die meine liebe lohnt.
Göthe 3, 40;
etwas mit, durch etwas lohnen: erlauben sie, dasz ich ihre unzähligen sprüche (das mittheilen derselben) wenigstens mit einem lohne. Klinger 1, 482; man soll liebe durch treue lohnen;
desz herzens, das sich selbst nicht schont,
mit treue treue lohnt,
bin ich gewohnt.
Fleming 530;
gemäht ist die wiese, das lohn ich mit reichlicher spende.
Uhland ged. 239;
statt des acc. der sache selten ein dativ (vgl. oben 2 a. e.):
so lohnst du meiner liebe?
Schiller Phädra 1, 3.
e)
lohnen, mit dem sächlichen subject einer that oder eines verfahrens.
α)
absolut, ohne persönlichen dativ: wer darf sagen, dasz er an der freude verzweifle, solange noch arbeiten lohnen, und hoffnungen einschlagen? Schiller menschenfeind, 1. scene;
mein gott! was verträgt man nicht,
freuret, schwitzet, fastet, wachet, ..
bisz man etwas angewohnet,
das doch endlich wenig lohnet.
Fleming 298;
das lied, das aus der kehle dringt,
ist lohn, der reichlich lohnet.
Göthe 1, 179.
β)
mit persönlichem dativ, ein ding lohnt einem:
seiner güter schenkte man das beste,
seiner lämmer liebstes gab der hirt,
und der freudentaumel seiner gäste
lohnte dem erhabnen wirth.
Schiller götter Griechenlands, 1. bearb., v. 100;
diademe, purpur-zonen,
demant-ringe hab ich nicht:
hätte gleich, ihr voll zu lohnen,
schmuck, erkauft für millionen,
ein genügendes gewicht.
Bürger 72ᵃ;
brausender beifall lohnte dem redner.
γ)
mit persönlichem accusativ, ein ding lohnt einen: keiner, dessen hand nur irgend dabei (bei einem vertheidigungsbau) geschäftig gewesen, war so verächtlich und so klein, dasz er sich nicht einen theil der ehre zueignete, die den groszen urheber lohnte. Schiller 871ᵇ;
drum lohne dich der palmenkranz,
den Jesus dir verhiesz.
Hölty 186 Halm;
wer hohes muths sich rühmen kann,
den lohnt nicht gold, den lohnt gesang.
Bürger 36ᵃ.
δ)
mit sächlichem accusativ, ein ding lohnt die mühe, die arbeit u. s. w.: der acker lohnt den fleisz des landmanns durch doppelten ertrag;
was kostet unser fried? o wie viel ströme blut!
was kostet unser fried? o wie viel tonnen gut!
ergetzt er auch dafür und lohnt so viel veröden?
Logau 2, 51, 87;
der ruhm ist nur ein schöner traum!
wenn du ihn träumest, wird er kaum
die müdigkeit am morgen lohnen.
Gökingk 3, 144;
des vaters untergehende sonne lohnt
das neue tagewerk nicht mehr.
Schiller don Carlos 5, 9.
ε)
mit reflexivem dativ, ein ding lohnt sich: woher kömmt doch dem menschen dieses eigensinnige verharren auf dingen, die sich so schlecht lohnen? Klinger 11, 5;
und lohnt sich nicht rechtschaffenheit
durch achtung bei der welt, durch innern seelenfrieden?
Gotter 1, 252.
ζ)
häufig ist die formel etwas lohnt der mühe, wobei noch auf alte weise (vgl. oben 1 und 3, a) ein genitiv der ursache statt hat (der mühe = wegen der mühe, für die mühe), mit ihren varianten: die dienste der groszen sind gefährlich, und lohnen der mühe, des zwanges, der erniedrigung nicht, die sie kosten. Lessing 1, 592; der verfasser sei indesz, wer er wolle; so ist er doch der einzige, um den es mir der mühe lohnt, mit meinem krame ganz an den tag zu kommen. 12, 229;
hienieden lohnts der mühe nicht, zu zagen.
Platen 99;
lasest du nicht im Homerus, ich sei ein unsterbliches übel?
lohnt es der müh, mich nun zu behelligen wegen des flohstichs?
125;
dafür etwas lohnt die mühe: welche abweichung aber hier mit demonstrationen zu beweisen nicht die mühe lohnte. Göthe 53, 185;
allein, wann endlich schon die ehre
der weg zu der vergnügung wäre,
auch also lohnt sie nicht die müh.
Haller (1768) 17 (frühere lesart: der müh);
reflexiv, etwas lohnt sich der mühe: es lohnt sich der mühe nicht, dasz man davon redet. Schiller räuber 2, 3;
nun, sagen sie, ob ihn zu sehn der mühe sich lohnet?
Wieland 4, 31 (neuer Amadis 2, 12);
ha! (ruft sie laut genug, dasz hört wer ohren hat)
das lohnt sich auch der müh, dasz eine ganze stadt
um einen solchen bärenhäuter
so närrisch thut!
18, 137;
mit persönlichem subject: lohnen die damen der mühe? Klinger 1, 111. auch ohne genitiv, nur es lohnt: G. bleibt ihr noch lange? B. wenn ihr geht, lohnts einem hier nicht. Klinger theater 4, 120.
η)
ähnliche bildungen:
der raub
lohnt oft des athems nicht, den man um ihn verschwendet.
Gotter 1, 241;
raubt, was des raubes lohnt!
3, 501.
f)
lohnen in ironischem sinne (vgl. lohn 4, d a. e.), indem etwas rechtes oder gutes durch böses vergolten wird; in der oben angegebenen manigfaltigkeit der fügung: er aber erdappte einen prügel und wolte mir um meine waarsagung (dafür dasz ich die wahrheit gesagt hatte) lohnen. Simpl. 1, 431 Kurz; und du verdenkst es mir noch, dasz ich mich dafür lieber in die theologie werfe? freilich, wenn mir am ende die theologie eben so lohnt, als das theater! Lessing 12, 482; rühmt er sich seiner siege, so lohnt er seinen dienst durch schaale prahlerei. Klinger 2, 16; tugend, die man nur mit leeren worten lohnt. 390; die wenige geistesfreiheit, deren sie (die katholiken) genieszen, verdanken sie ihnen (den protestanten) doch, und sie lohnen es, wie menschen immer wohlthaten lohnen. 11, 93; ich habe dir übel gelohnt, Albert, und du vergibst mir. Göthe 16, 187; so hab ich es mit keinem gehalten, der mir mit undank lohnte. Schiller menschenfeind, 5. scene;
was hattest du an der (welt) für lust,
von welcher dir doch war bewust,
dasz sie für dein verschonen
dir schändlich würde lohnen?
P. Gerhard 257, 64 Gödeke;
und ich sollte mit niedrigem spott die frömmigkeit lohnen?
Klopstock 5, 361;
und tod von henkershand wird ihrer treue lohnen.
Gotter 2, 156;
nicht mit undank lohne mir.
Platen 326;
oder indem etwas böses die vergeltung des guten empfängt:
doch den auswurf von den ärgsten schelmen
lohnte sie, für seine heuchelkunst,
oft mit sternen, oft mit ritterhelmen,
und mit überschwang von fürstengunst.
Bürger 57ᵃ.
g)
lohnen endlich für die gerechte vergeltung des bösen (vgl. lohn 4, e): indem er .. vermeinte, dasz er den dieb zu wenig gelohnet (nicht genug gezüchtigt). Olearius pers. reise b. 4, cap. 42; den Heribald lohnten sie mit faustschlägen, dasz er betrübt hinweg schlich. Scheffel Ekkeh. 173. vgl. ablohnen, auslohnen, belohnen, verlohnen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1137, Z. 47.

löhnen, verb.

löhnen, verb.
lohn geben; eine vom vorigen unterschiedene bildung vom subst. lohn, die ein ahd. lônjan lônan voraussetzt und mhd. als lœnen vorhanden ist. in der bedeutung von lohnen 1, und als transitives verbum zunächst mit acc. der person: wenn man in (den arbeiter) dann löne. Tucher baumeisterb. 63, 12; es hing von dem bischofe ab, so viel lehn- und dienstleute anzunehmen, als er löhnen konnte. Möser osn. gesch. 2, 145; als wächter wurde immer ein alter kriegsmann gelöhnt. Arnim kronenw. 1, 12; mit dem dat. der person: auch sullen sie sweren, das sie den knechten, die für sie geen auf dem walde, lönen von irem gelt also, das sie sust von dem walde keinen nutz haben. Nürnb. pol.-ordn. 304.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1141, Z. 1.

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linkseitig lumpenmann
Zitationshilfe
„lohnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lohnen>.

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