Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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loos

loos,
s. los.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1145, Z. 33.

los, n.

los, n.
sors.
1)
goth. hlauts, masc., κλῆρος; ahd. mhd. hlôʒ, lôʒ, masc. und neutr., sors; alts. hlôt. das ags. und fries. zeigen in der masculinform hlot, ags. auch hlyt, kurzen vocal; im altnord. bedeutet das zur gothischen und hochdeutschen form stimmende neutr. (nach Vigfusson 269ᵇ fem.) hlaut das blut des opferthiers, aus dem die zukunft vorhergesagt wurde. zu dem substantiv gehört das (im gothischen nicht aufgewiesene) ablautende verbum ahd. hlioʒan, alts. hliotan, ags. hleótan, altnord. hlióta erlosen, durchs los erhalten, erlangen; mhd. aber heiszt lieʒen auch wahrsagen (Lexer 1, 1914. Schm. 1, 1514 Fromm.), eine gewis alte bedeutung (aus der sich auch die des murmelns ablöst). an diese wird sich das subst. lôʒ anschlieszen, mit dem allgemeinen sinne der schicksalsbefragung, ohne bezug auf die form derselben, die eine verschiedene ist. sichere vergleiche aus den urverwandten sprachen entgehen. die historisch richtige neuhochd. schreibung des wortes losz, im 16. jahrh. noch häufig, weicht zu gunsten der schreibungen los, loos, loosz, von denen die erstere, auch von Luther gebrauchte, die jetzt wieder angenommene ist.
2)
häufige form war das werfen des loses: alts.
êr sia an irô hwaraƀe   hlôtôs wurpun,
hwilîk irô skoldi hebbian   thia hêlagun pêda.
Heliand 5549;
ahd. thô rietun thie ginôʒa,   sie wurfin irô lôʒa,
thaʒ sie mit thiu gizâmi,   welîh sa (die tunica) imo nâmi.
Otfrid 4, 28, 9;
mhd. sie wurfen dâ ûf sîn gewant
ein lôʒ under in zehant.
Barlaam 73, 22;
ir blûtekirl (opferpriester) der warf zû hant
sîn lôʒ nâch ir alden site.
livländ. chronik 4681;
nhd. jr aber beschreibt das land der sihen teil, und bringet sie mir hie her, so wil ich euch das los werfen fur dem herrn unserm gott. Jos. 18, 6; und sie worfen los uber jre ampt zu gleich, dem kleinesten wie dem gröszesten, dem lerer wie dem schüeler. 1 chron. 26, 8; das sie .. das los umb mein volk geworfen haben. Joel 3, 3; da sie jn aber gecreuziget hatten, teileten sie seine kleider, und worfen das los darumb, auf das erfüllet würde, das gesagt ist durch den propheten, sie haben meine kleider unter sich geteilet, und über mein gewand haben sie das los geworfen. Matth. 27, 35; das losz werfen, wölche am ruͦder söllend ziehen, wenn und wo, sortiri remos Maaler 275ᵇ;
und die kriegsknecht teilten sein gwand,
warfen das los darob zu hand.
H. Sachs 1, 73 (1, 312, 14 Keller);
uber mein gewand das losz zu werfen.
Weckherlin 91;
man warf das loos (beim blindekuhspiel), das loos traf Görgen.
Lichtwer fabeln 4, 14;
daher bildlich: ich habe nie verschmäht, mit meinen guten kriegsgesellen um kleinen gewinnst das blutige loos zu werfen; und sollt ich knickern, wenns um den ganzen freien werth des lebens geht? Göthe 8, 216; um mein ganzes geschick wird ja doch dieszmal das loos geworfen. 20, 189.
3)
darum fällt das loos:
die frowen wurfen ir lôʒ,
wâ der purpur unt die sîden
von rehte scholten belîben ...
dô geviel daʒ lôʒ an daʒ kint.
Wernhers Maria, fundgr. 2, 176, 9;
und sie worfen das los uber sie, und das los fiel auf Matthian, und er ward zugeordenet zu den eilf aposteln. ap. gesch. 1, 26; los wird geworfen in den schos, aber es fellet wie der herr wil. spr. Sal. 16, 33;
wiewol das losz auf in gefalln.
Schmelzl Saul 23ᵇ;
wir maichen ein los, up wen it valle,
dat eme de anderen volgen alle ...
des maichten si ein los van hulze,
dat veil up hern Gotschalc Overstulze.
d. städtechron. 12, 74, 1845;
der rock bleibt unzerstücket;
er wird dem losz anheimgestellt,
desz soll er sein, wem jenes fällt.
P. Gerhard 36, 225 Gödeke;
und bildlich: o Egmont, welch preiswürdig loos fällt dir! Göthe 8, 284;
ouwê! tôdeʒ lôʒ, du bist gevallen!
minnes. 3, 343ᵇ Hagen;
dem edeln greise, dem das loosz des todes fiel.
Hölty 44 Halm;
ach, fiele
nie das eiserne trennungsloos!
94;
o armes volk, dem je das loos
solch eines herschers fiel!
Gotter 1, 64;
ein erhabenes loos, ein göttliches, ist ihm gefallen.
Schiller das glück;
auch es trifft: die jungen bursche (bei der aushebung zu den soldaten) müssen spielen; den guten Jacob Humbel trifft das loos, soldat zu werden. Hebel 2, 75; bildlich:
ein vielerfahrner wäre zu bedauern,
wär ihm das loos gefallen, das dich trifft.
Göthe 9, 335.
4)
auch gemessen, gezogen (vgl. dazu halm 6, theil 4², 239), gelegt, gegeben wird das los: er gibt das los uber sie, und seine hand teilet das mas aus unter sie. Jes. 34, 17; das losz auszhin ausz dem hafen ziehen, sortem trahere Maaler 275ᵇ;
des nam aber Tristan kleine war,
wan gienc et baltlîchen dar,
da man in daʒ lôʒ maʒ.
Trist. 153, 27;
wir wöllen legen hie das losz.
H. Sachs 3, 1, 158ᵇ;
nun heb das losz.
ebenda;
vom Eumenidenchor geschrecket,
zieht sich der mord, auch nie entdecket,
das loos des todes aus dem lied.
Schiller die künstler v. 231.
5)
das loos bestimmt die zutheilung von amt und würde, es entscheidet bei theilungen unter gleichberechtigten über besitz und eigenthum, als unanfechtbarer ausdruck eines göttlichen willens, vergl. Haltaus 1277 fgg.: doch man sol das land durchs los teilen, nach dem namen der stemme jrer veter sollen sie erbe nemen, denn nach dem los soltu jr erbe austeilen, zwisschen den vielen und den wenigen. 4 Mos. 26, 55; das man das land zum erbteil geben solt durchs los den kindern Israel. 36, 2; er ordnet sie aber (die kinder Aaron) durchs los. 1 chron. 25, 5; das los ist mir gefallen auf liebliche, mir ist ein schön erbteil worden. ps. 16, 6; erwellung der richteren durch losz, sortitio judicum Maaler 275ᵇ; durchs los einem etwas zu theilen, sorte adsignare alicui aliquid Frisch 1, 623ᵇ; dabei solte ich zusehen, dasz es recht zuginge, und die ämter, ohn ansehung der personen, durch das losz ausgetheilet würden. Simpl. 1, 332 Kurz; bei den komischen wettstreiten konnte jeder atheniensische bürger durch das loos zum richter ernennt werden; bei den tragischen wurden nur solche bürger zu dem loose zugelassen, die mit zu felde gewesen waren, und ansehnliche kriegsbedienungen bekleidet hatten. Lessing 6, 327; ernennt man die, über die man das loos wirft? 331;
ich kenne zwei, drei orte, wo wir gut
und sicher wohnen; dort vertheilen wir
die beute, wie es loos und glück bestimmt.
Göthe 10, 263;
sprichwörtlich: das los stillet den hadder, und scheidet zwisschen den mechtigen. spr. Sal. 18, 18.
6)
das über den menschen waltende verhängnis wird als ein lose austheilendes gedacht:
jetzt aber
ruft das geschick mich fort, das auf dem schlachtfeld
noch richtend sitzt und seine loose schüttelt.
Schiller jungfrau 3, 6;
o schicksal, wechsle leicht nur mit den loosen:
den dichter führe wieder zu der schönen!
die lieder mögen mit dem bilde kosen.
Uhland ged. 138;
ebenso die zeit, die dem menschen das beschiedene zutheilt:
ihm (dem neugebornen kinde) ruhen noch im zeitenschoosze
die schwarzen und die heitern loose.
glocke v. 53;
krieg oder frieden! noch liegen die loose
dunkel verhüllt in der zukunft schoosze!
braut von Messina v. 323;
und jenes über dem menschen waltende verhängnis heiszt auch selbst ein los:
vollbracht hab ich den lauf, den mir das loos beschieden.
Dido 118
(vixi et quem dederat cursum Fortuna peregi.
Verg. aen. 4, 653).
7)
los, das was gott oder das schicksal dem menschen zuweist, das geschick; in manigfachen wendungen. mit possessiven, adjectiven und genitiven dessen, der das los empfängt: meine tage, nach dem gemeinen menschlichen losz, sind nahe verschlissen. J. Grimm, vorr. zu bd. 1, lxviii; ich bin meinen kriegsgesellen verpflichtet, so lange das tuch an der standarte weht, mit ihnen zu reiten und ihr schicksal zu theilen; das ist des soldaten loos. Freytag ahnen 5, 137;
du bist mein gott, und willst mein glück.
von ewigkeit hast du mein loos entschieden.
Gellert 2, 223;
der menschheit loos.
Stolberg 1, 243;
glück ist der klugheit loos,
der weisheit loos ist freude.
Gökingk 1, 256;
wars mein loos, an jenem tag zu enden.
Schiller zerstör. von Troja 76;
heil dir, würdiger greis! für beide (kunst und natur) bewahrst du im herzen
reges gefühl, und so ist ewige jugend dein loos.
einem freund ins stammbuch;
das ist das loos des schönen auf der erde!
Wallensteins tod 4, 12;
unter allen irdschen loosen,
hoher vater, preis ich deins.
das siegesfest;
mischt der beste sich zum plebse, duldet er des plebses loos.
H. Heine 1, 192;
wenn mein loos dereinst erfüllet ist (wenn ich gestorben bin). Siegfr. v. Lindenberg 2, 68; im plural: so will ich hoffen, ... dasz uns das land verbleibe, wie dunkel auch jetzt unsere loose seien. Hauff werke 6, 110; mit dem genitiv dessen, der das los ertheilt:
das loos der waffen wechselt hin und her:
kein kluger streiter hält den feind gering.
Göthe 9, 81;
doch ich stehe selbst
in meinen jahren noch dem feinde, bin
bereit mit dir der waffen loos zu wagen.
94;
mit dem genitiv dessen, was durch das los, das geschick, gewährt wird:
der verachtung bittres loos.
Gotter 1, 260;
nachtigall und lerche singen
euch der liebe selig loos.
Schiller die blumen;
mit adjectiven des werthes: wer ist von diesem elenden loose ausgenommen? Lessing 1, 185;
dem armen sei das schönste loos bescheert.
Schiller die begejnung;
noch köstlicheren samen bergen
wir trauernd in der erde schoosz,
und hoffen, dasz er aus den särgen
erblühen soll zu schönerm loos.
glocke v. 243;
doch das glück hab ich genossen,
und das schönste loos war mein.
Hero u. Leander v. 246;
im kampfe, wo solch heilig banner wallet,
da wird der sänger kräftig neugeboren:
hat Aeschylos, desz lied vom siege hallet,
hat Dante nicht dies schönste loos erkoren?
Uhland ged. 145;
auf deinen hoffnungen, o Konradin,
beruhn die meinigen, ein gleiches loos
verbindet uns.
185;
allzu leichter siege zeichen,
ungebetnes minneglück,
bann und fessel nennt euch Paris,
stöszt sein süszes loos zurück.
264;
frau Berta sasz in der felsenkluft,
sie klagt ihr bittres loos.
333;
mit angabe dessen, was das los bringt:
ein loos voll herrlichkeit und voll tumult.
Gotter 1, 18;
ich dacht an Roland und die Pyrenäen;
o wär auch ich zu solchem loos ersehen:
ein kämpfend leben, Saracenenflucht,
und das signalhorn in der todesschlucht!
Freiligrath dicht. 1, 30;
im plural:
von ferne mit verworrnem sausen
arbeitet der geschäftge tag,
und durch der stimmen hohles brausen
erkenn ich schwerer hämmer schlag.
so sauer ringt die kargen loose
der mensch dem harten himmel ab.
Schiller das geheimnis.
8)
los, namentlich auch der antheil am besitz und gewinn, der durch das los gewährt wird (vgl. no. 5); eben auch mehrfach.
a)
durch das los zum eigenthum angewiesenes land: das los des stams der kinder Juda unter jren geschlechtern, war die grenze Edom an der wüsten Zin. Jos. 15, 1; und das los des stams der kinder BenJamin fiel nach jren geschlechten, und die grenze jres los gieng aus zwisschen den kindern Juda und den kindern Joseph. 18, 11; da sprach Juda zu seinem bruder Simeon, zeuch mit mir hinauf in meinem los, und las uns wider die Cananiter streiten. richt. 1, 3; dir wil ich das land Canaan geben, das los ewers erbes. ps. 105, 11;
mit dem land Canaan, das dein losz und erbland.
Weckherlin 231.
b)
beim straszen- und eisenbahnbau eine gewisse strecke, die ein bauunternehmer durch das los zugewiesen erhält und die er gegen bezahlung fertig zu stellen hat: die bahnstrecke von A. bis B. war in zwölf lose eingetheilt; die übernehmer eines loses an der Gotthardbahn arbeiteten wegen eines erdrutsches ohne gewinn.
c)
töpfer auf jahrmärkten haben die gewohnheit, verschiedene ihrer waaren zusammenzustellen und mit einander zu veräuszern; das heiszt ein los töpfergeschirr.
d)
auch im allgemeineren sinne los das was man gewinnt, erlangt; es heiszt zum lose fallen, ins los fallen, empfangen:
den göttern fiel zum loose dauer
und macht und weisheit und liebe.
der junge Göthe 3, 453;
denn solcher heldenruhm
fiel keinem zepterführer je ins loos,
als ihm, den Zeus verherrlicht hat.
Bürger 145ᵃ;
Atreus sohn
empfing ins loos die rosenwangige
Chryseis.
146ᵇ.
9)
los, das was ein geschick anzeigt, symbol eines glückes oder verderbens:
ein kelchglas ward zum loos mit fug
dem freudgen stamm von Edenhall.
Uhland ged. 354.
10)
los, niederl. lot, ein schein auf gewinnantheil in einem glücksspiele (vgl. lotterie): die frau schwägerinn hat mich vor einiger zeit ersucht, ein loos in der berlinischen lotterie für sie auszunehmen. Gellert 3, 230; mein mündel, herr Simon, hat das loos schon in händen. ich kriege vier thaler dafür, und wenn das loos gewinnt, den dreizehnten theil des gewinnstes. 292; wir brauchen uns gar nicht vor diesem herrn zu genieren, der kennt mich, hat manches loos bei mir gespielt. H. Heine 2, 181; das grosze loos, der schein, auf den in einem solchen spiele der hauptgewinn fällt: gestern nacht habe ich geträumt: nummero 1538 wird als das grosze loos herauskommen (aus dem glücksrade). 269; und dieser gewinn selbst: wenn ich das grosze loos in der Hamburger lotterie gewönne. 241; bildlich: ein das grosze loos in Südamerika gewinnendes Spanien. J. Paul dämmer. 129.
11)
los hat in der ältern sprache auch die bedeutung parole, erkennungswort, auch sonst erkennungszeichen unter zugehörigen (wie lat. tessera): ein fürst hat etwan ein liberei, losz, kreid und zeichen. kriegb. d. fr. 51; an disen zweien stucken, kreiden, losz und hoffarben werde man erkennen, dasz sie seine (gottes) kinder seien. 31;
der untrew knecht der kunt sich regen
mit seiner schalkhait grosz:
'herr, so reitet uns entgegen
und gebt uns auch ain losz
nur ain halbe meil hindan'.
Uhland volksl. 347;
nun hört mir zu, jhr lieben gesellen!
weiln wir die wach versehen söllen,
so wolt fein dapfer zsamen halten ...
sanct Marx will ich euch zum losz geben,
das soll ein jeder merken eben,
wenn er gfragt wird, was das losz sei,
auf dasz man jhn erkenn darbei.
J. Ayrer 182ᵇ (906, 11 Keller);
thet eins mals in Ungern ein zug,
da hett ich auch desz losz vergessen.
ebenda (906, 22);
erkennungszeichen unter liebenden:
er gab jhr ein losz in seinen garten,
darinn er jhr wolt frölich warten.
Ambraser liederb. 241, 7;
plur. hier lös: ausz disen warten kan man allenthalben in die weiten sehen, also das sich nichts regen möge, das man nit innen werd, auch mögen lösz darauf gegeben werden, mit aufgereckten körben, reuchen, und püchsenschützen oder feuer. Dürer unterricht zu befestigung D. vgl. loszeichen.
12)
im deichbau ist los so viel wie deichfach (theil 2, 906), der antheil den jemand an einem deich hat, für dessen erhaltung er sorgen musz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1153, Z. 1.

los, n.

los, n.
losung, excremente beim wild: wann die schweindächse das losz von sich geben, graben sie ein grüblein vorher. Hohberg 2, 634ᵃ. vgl. gelos. — In der Wetterau und in Oberhessen bezeichnet los, plur. löser, die nachgeburt beim vieh.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1156, Z. 68.

los, f.

los, f.
mutterschwein, s. lose.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1156, Z. 72.

los, adj.

los, adj.,
solutus, liber.
I.
Form.
1)
goth. laus leer, eitel, nichtig; altnord. lauss frei, lose, schwach, dän. schwed. lös, los und lose; alts. altnfr. lôs, ledig, frei, auch nd. niederl. lôs; ags. leás los, böse, trügerisch, engl. loose, lose, als suffix -less frei wovon; fries. lâs, ledig, verlustig; ahd. mhd. lôs, frei, ledig, fröhlich, mutwillig. der unzweifelhafte zusammenhang des adjectivs mit dem verbum goth. fra-liusan, alts. altnfr. far-liosan, ags. for-leósan, fries. ur-liasa, ahd. fir-liosan, mhd. ver-liesen, vliesen, nhd. ver-lieren und dem subst. ver-lust, in welchen bildungen die vorsilbe ver- nur den dem verbum und subst. innewohnenden begriff kräftigen und abrunden will, ergibt als die eigentliche bedeutung von los das getrenntsein, befreitsein von einem oder etwas, eine bedeutung, die auch durch die uralte allitterierende verbindung los und ledig (vgl. unten II no. 1 und sp. 498, no. 2) bestätigt wird.
2)
die adverbialform mhd. lôse, im nhd. fortdauernd, ruft hier wieder eine adjectivform lose hervor, die von los dem sinne nach absteht, und über die an alphabetischer stelle.
3)
in seiner eigentlichen bedeutung frei, ledig, einer sache baar steht schon das mhd. einfache lôs nicht attributiv, sondern nur prädicativ; anders wenn es, wie seit alter zeit ungemein häufig, als letztes glied einer zusammensetzung in jenem sinne fungiert, wo es ebensogut attributiv wie prädicativ vorkommt, vergl. unter achtlos, arglos, athemlos, bewustlos u. s. w. Überhaupt ist dieses einfache los im eigentlichen sinne nicht sowol ein mhd., als ein mitteldeutsches wort, das in das letztere aus den niederdeutschen dialekten, wo es häufig ist, hinein ragt; unsere schriftsprache hat es von daher bekommen, und langsam von norden nach süden verbreitet. bei den alemannischen lexicographen des 16. jahrh., Dasypodius, Frisius, Maaler wird einfaches los gar nicht erwähnt, und streng oberdeutsche beispiele dafür entgehen selbst noch aus dem 17. jahrh.
II.
Bedeutung.
1)
los, frei, getrennt, von gefangenschaft, knechtschaft, strafe: wenn dein bruder verarmet neben dir, und verkeuft sich dir, so soltu jn nicht lassen dienen als einen leibeigen, sondern wie ein taglöhner und gast sol er bei dir sein, und bis an das halljar bei dir dienen. denn sol er von dir los ausgehen. 3 Mos. 25, 41; da entsatzt sich der könig NebucadNezar, ... und sprach zu seinen reten, haben wir nicht drei menner, gebunden in das fewr lassen werfen? ... sehe ich doch vier menner los im fewr gehen, und sind unverseert. Dan. 3, 25; ein entlaufener diener, der umbgebracht werden soll, und sich losz redet. pers. rosenth. 1, 25; ein zum tode verdampter redet sich losz. 1, 33; vielleicht leide ich eben jetzt diese strafe, weil ich gezaudert habe, mich ihnen ganz zu zeigen, wie ich bin; .. sie hätten mir zur rechten zeit los geholfen. Göthe 20, 304; in der allitterierenden verbindung los und ledig: will ich euch hiemit ledig und losz gesprochen, und in alle vorgehabte freiheit widerumb gesetzet haben. Garg. 269ᵇ;
kein sarg macht ihm beschwerde:
los, ledig, sonder druck,
grüszt er sein bett, die erde,
im blut- und waffenschmuck.
Freiligrath dicht. 1, 51 (banditenbegräbnis);
frei, los und ledig singe der poet,
nicht an der scholle bleib er kleben!
2, 195;
los aber auch frei von dem was an einem haftet oder hängt, was einen begleitet, drückt oder beengt; als commandowort los! weg von etwas:
nein, gnade, gnade! los die hand!
los!
Freiligrath dicht. 3, 66;
auch hier in gleicher allitterierender formel: indessen habe ich alles geordnet und bin so los und ledig als jemals. Göthe 43, 12.
2)
los in diesen bedeutungen steht mit dem genitiv dessen, wovon man befreit ist:
um los zu gehn der fesseln, die mich binden,
musz ich noch inniger gebunden werden.
Rückert 252;
dann, wie ein rosz, los seiner müdigkeit,
brech ich aufs neu aus meines kerkers stäben.
Freiligrath dicht. 4, 143;
oder mit der präposition von: wenn das gute mädchen in manchen augenblicken ganz von der erde los schien. Göthe 20, 179;
durch jhn losz von aller angst und noht.
Weckherlin 114;
o könnt ich, einmal los
von all dem menschentreiben,
natur, in deinem schoosz
ein herzlich kind verbleiben!
J. Kerner in Wackernagels leseb. 2 (1876) 1493.
3)
besonders häufig ist hier die verbindung los sein, in manigfachem gebrauche.
a)
einfaches los sein kann sich auf die befreiung von gefangenschaft und knechtschaft beziehen: ist er gebunden, das er mus im sterben bleiben, seinem nehesten zu dienst, so befehle er sich gott, ... ist er aber los, und kan fliehen, so befehl er sich abermal und spreche, herr gott ich bin schwach und furchtsam, darumb fliehe ich das ubel. Luther 3, 393ᵇ; unser seele ist entrunnen, wie ein vogel dem stricke des voglers, der strick ist zurissen, und wir sind los. ps. 124, 7; alles was du auf erden binden wirst, sol auch im himel gebunden sein, und alles was du auf erden lösen wirst, sol auch im himel los sein. Matth. 16, 19; der kerkermeister verkündigte diese rede Paulo, die heubtleute haben her gesand, das jr los sein solt. ap. gesch. 16, 36; auch der löwe ist los, auch hier nach dem gebirg ist er hin. Göthe 15, 321; oder von verpflichtungen: so ist jr gelübd los das sie auf jr hat. 4 Mos. 30, 9;
fröhlich glaub ich mich befreiet (von der verpflichtung, dem tode zu folgen),
als er schnell sein drohn erneuet.
narre, für dein gläschen wein
denkst du, spricht er, los zu sein?
Lessing 1, 64.
b)
hieher auch die redensart der teufel ist los, die den höchsten grad von aufregung und verwirrung bezeichnet, und aus der stelle offenbarung 20, 2. 3 sich gebildet hat: und er greif den drachen, die alte schlange, welche ist der teufel und der satan, und band jn tausent jar, und warf jn in den abgrund, und verschlos jn und versiegelt oben darauf, das er nicht mehr verfüren solt die heiden, bis das vollendet wurden tausent jar, und darnach mus er los werden eine kleine zeit; und die im 16. jahrh. schon gäng und gebe ist: es ist freilich kein gröszer trübsal auf erden gewest, auch nicht komen wird, .. denn des Mahomets und bapsts grewel, .. das man sagen mus, der teufel sei los, und herrsche leibhaftig drinnen, nach allem grim und mutwillen. Luther 5, 1ᵇ; der teufel ist los, oder: die verwandelten weiber. titel einer kom. oper von C. F. Weisze; was wirds geben, du rabenaas? der teufel ist los, und dich soll das wetter schlagen. Schiller cab. u. liebe 2, 4; die famose epistel von Rost zeigt, dasz gute köpfe es doch wohl auch gerne sehen mochten, wenn der teufel manchmal auf dem theater los war. Göthe 49, 169; so ist die ganze hauptstadt, .. wo der teufel völlig los und der heilige geist in der wüste ist. J. Paul uns. loge 3, 43;
was reimt der junge, der Franzos,
uns alte herren zu belehren!
die zeit ist wie der teufel los,
die weisz allein uns zu bekehren.
Göthe 47, 257.
c)
an diese redensart schlieszen sich ähnliche, nach ihr gebildete an: schaut her! schaut her! die gesetze der welt sind würfelspiel worden, das band der natur ist entzwei, die alte zwietracht ist los, der sohn hat seinen vater erschlagen. Schiller räuber 4, 5;
der tod ist los — schon wogt der kampf,
eisern im wolkigen pulverdampf,
eisern fallen die würfel.
die schlacht;
heute sind die narren los.
Göthe 41, 28.
im gemeinen leben fragt man, wenn man lärm oder aufgeregtes treiben wahrnimmt: was ist denn da los?; selbst in bezug auf geräuschvolle vergnügungen heiszt es heute ist etwas im wirthshaus, im theater los; und einen, der sich nicht geltend zu machen weisz, beurtheilt man es ist nichts los mit ihm.
d)
der schiffer sagt der anker ist los, wenn er nicht hält, fortgeschleppt wird ( Campe); bei den jägern ist das wild los, wenn es keinen stand hält;
wenn die kugel los ist aus dem lauf,
ist sie kein todtes werkzeug mehr.
Schiller Wallensteins tod 3, 21.
e)
los sein, mit dem genitiv einer drückenden sache: so wollen wir des eids los sein, den du von uns genomen hast. Jos. 2, 20; dasz er was darum geben wollte, wenn er der seinen (vernunft) mit ehren losz wäre. Liscov 524; ich bin einer groszen last los. Klinger 1, 183; durch ihn bin ich der sorgen los und der schmerzen, der furcht und jedes ängstlichen gefühls. Göthe 8, 298; ich habe mich schon lange vor dem augenblicke gefürchtet, den ich so sehr wünschte, meines werks los zu sein. Schiller an Göthe 571;
gel pedeutet, das ich sol sein
ledig und los aller pein.
fastn. sp. 779, 20;
was, liebste, mangelt euch vor glücke?
ihr sitzt der ehren in dem schosz,
und seid der furcht und hoffnung losz.
P. Fleming 370;
da ist es (ein verstorbenes kind) alles kummers los,
darf nicht, wie ihr, sich kränken.
P. Gerhard 99, 56 Gödeke;
dich, Atreus, ehr ich, auch dich Thyesten:
wir sind hier alle der feindschaft los.
Göthe 9, 58;
wär ich der gedanken los,
die mir herüber und hinüber gehen
wider mich!
12, 200;
nun bist du los der allzulästgen schwere,
bist frei und frank, nun frisch zu deiner sphäre!
41, 49;
mit persönlichem genitiv, frei von einer lästigen person: dasz man jetzt meiner los wird. Felder reich u. arm 385;
da einem breutigam sein braut
hat sollen werden anvertraut,
und doch der lust nicht war gar grosz,
wer jhrer gern gewesen losz ...
Sandrub kurzweil s. 16;
der zehende wolte der spulwürmer gerne losz sein. Chr. Weise erzn. 92 Braune.
f)
für diesen genitiv wird erst seit dem vorigen jahrhundert gewöhnlich der acc. gesetzt (das früheste beispiel, ebenso wie bei los werden unten 4, c, aus dem 17. jahrh.); es ist eine ursprünglich nur der gemeinen rede des lebens angehörige fügung nach dem sinne, insofern als los sein wie das transitive weg haben, nicht mehr haben empfunden und gebraucht wird: so wenig war mir geholfen, den irrthum los zu sein. Göthe 26, 26; ich möchte meinen divan mit seinen zugaben eben so gerne los sein, als ich ihn zu ostern in euren händen wünschte. an Zelter 321;
wie gern wär ich sie los die schmerzen!
der junge Göthe 1, 107;
wo wir uns der sonne freuen,
sind wir jede sorgen los.
werke 23, 15;
der herr selbiger kirche ... wolte den rufer gerne losz sein. pers. rosenth. 4, 13; ich will gott danken, wenn ich dich narren wieder aus dem hause los bin. Lessing 1, 302; wie wir die spanischen besatzungen los waren, holten wir wieder athem. Göthe 8, 178; sie wünschten die neuen ankömmlinge gleich wieder los zu sein. 18, 168; man antwortete nicht auf meine fragen; man wollte mich los sein. 21, 33.
g)
ungewöhnlich steht der dativ, obschon er berechtigter ist als der acc.: er erzählte dem meister die begegnung mit Anne Lisi, und wie er froh sei, dasz er nun dem kummer und dem mensch ein für alle male los sei. J. Gotthelf Uli der knecht 38 (cap. 4).
h)
los sein mit präpositionen: da sie aber Jhesus sahe, rufet er sie zu sich, und sprach zu jr, weib, sei los von deiner krankheit. Luc. 13, 12; bistu aber los vom weibe, so suche kein weib. 1 Cor. 7, 27;
wer sich nun da stellet ein,
suchet frei und los zu sein
aus des satans reich und rachen,
der macht gott und engel lachen.
P. Gerhard 63, 54 Gödeke.
4)
ebenso los werden,
a)
in einfacher stellung: da nu Mose sahe das das volk los worden war. 2 Mos. 32, 25 (variante frei war, septuag. ὅτι διεσκέδασται); bistu an ein weib gebunden, so suche nicht los zu werden. 1 Cor. 7, 26; und alsbald thaten sich seine ohren auf, und das band seiner zungen ward los. Marc. 7, 35; das ewer bund mit dem tode los werde, und ewer verstand mit der hellen nicht bestehe. Jes. 28, 18; konten die knechte und mägde bei ihren herren nicht losz werden, bisz sie frei gegeben wurden. Schuppius 354;
wann deine lügen hasen wären,
wer wolte jene mehr beschweren?
die andren hasen würden los,
dann deine wären mächtig grosz.
Logau 1, 81, 31.
b)
mit genitiv: die des priesterthums los sind worden. Neh. 13, 29; auf diese art werden ich und du vieler sorge los. Gellert 3, 271; vieler irrigen einbildungen los zu werden. Wieland 2, 137; doch hoff ich mit der zeit auch dieser plage los zu werden. der junge Göthe 1, 322; so lange ich ... bei ihr lebte, konnte sie der augenblicklichen besorgnisse nicht los werden. Göthe 17, 19; dieser unedle kunstgriff, ihres gegebenen wortes wieder los zu werden. Schiller 840ᵇ; mit dem genitiv der person: darumb treibt jn sein falsches wesen dahin, das er des gerechten los werde, jn umbbringe. Luther 3, 294ᵇ; so du aber mit deinem widersacher fur den fürsten gehest, so thu vleis auf dem wege, das du sein los werdest, auf das er dich nicht etwa fur den richter ziehe. Luc. 12, 58; dasz sie deiner nur losz werden. pers. rosenth. 4, 14; wann du deines feindes losz werden wilst. pers. baumg. 9, 13; damit ich dieser unfreundlichen gäste nur desto eher wieder los werden möchte, führte (ich) sie den nächsten weg gegen dem dorf zu. Simpl. 1, 49 Kurz; da ist meine frau in die wochen kommen, und hat einen jungen sohn bracht. nun soll ich ja vor allen dingen drauf denken, wie ich des jungen heidens los werde, und einen neuen christen davor kriege. Chr. Weise erzn. 96 Braune; noch antwortete er bescheiden und suchte ihrer in güte losz zu werden. polit. stockf. 286; Danischmend hatte lange nichts so angenehmes gehört als die nachricht, dasz er so unverhofft .. eines gastes los werden sollte, der ihm mit jedem tage unerträglicher wurde. Wieland 8, 293; Feridun und seine freunde freuten sich, eines mannes los zu werden, der ihnen bei allem, was sie zu unternehmen lust hatten, immer im wege gestanden wäre. 320; so kann ich meines moralisten auf einmal mit der besten art von der welt los werden. 439;
herr Gawin schlendert mit (mit dem mohren), und, seiner los
zu werden, wirft er bald
sich hin auf mutter erde schoosz
und thut als schlief er ein.
18, 334.
c)
mit accusativ: ich denke wir wollen unser biszgen eier und was wir haben bald los werden (durch verkauf auf dem markte). Schoch stud. leb. C; er kann den schein nicht los werden. Kant 2, 307; plackereien, die ein jeder wünscht los zu werden. 10, 146; hier sind sie (die juwelen). so dacht ich sie nicht los zu werden. Göthe 14, 242; ich läugne nicht, dasz ich gewünscht hatte ein leben los zu werden, das mir ohne sie nichts weiter nütze ist. 17, 344; dazu kam noch ein körperliches übel, .. welches ich erst später sehr leicht los wurde. 26, 8; so war jene verwünschung, anstatt dasz ich sie hätte los werden sollen, von meinen lippen in mein eigenes herz zurückgeschlagen. 23; wir sehen alsdann recht gut, dasz wir ihn (den aberglauben) los werden können, sobald wir wollen. 24; das carneval in Rom musz man gesehen haben, um den wunsch völlig los zu werden, es je wieder zu sehen. 27, 286;
was hilft mir mein palast, was helfen millionen?
würd ich diesz elend los, in hütten wollt ich wohnen.
Gellert 2, 15;
das giebt so melancholsche laune,
und ihre pein
würd ich nicht los, und hätt ich sechs alraune.
der junge Göthe 1, 29;
sprich, wie werd ich die sperlinge los? so sagte der gärtner.
Göthe 1, 385;
was fange ich mit diesem menschen an, den ich auf ewig los geworden zu sein hoffte. Wieland 8, 417; um den teufel losz zu werden. der junge Göthe 2, 220; die ungeduld der niedersächsischen staaten, einen so hungrigen gast wieder los zu werden. Schiller 993ᵃ;
die ich rief, die geister,
werd ich nun nicht los.
Göthe 1, 240;
noch nicht bin ich gewohnt, vom fremden die gabe zu heischen,
die er oft ungern gibt, um los zu werden den armen.
40, 245.
d)
mit präpositionen: auf das sie von der bosheit los werden, und an dich, herr, gleuben. weish. Sal. 12, 2; darumb wurden sie vom priesterthumb los. Esra 2, 62 (vgl. Neh. 13, 29 oben unter b); und wenn tausent jar volendet sind, wird der satanas los werden aus seinem gefengnis. offenb. 20, 7; um von diesem zwange los zu werden. Kant 6, 310; ein einfältiger mensch in Mailand wollte sein haus verkaufen. damit er nun um so eher davon los werden möchte, brach er einen groszen stein aus demselben heraus, .. und setzte sich damit unter die verkäufer. Hebel 2, 96;
die berg-krystallen gleiche bäche,
von ihres eises banden los,
versilbern Tellus grüne schos.
Brockes 1, 28;
und aus ihren felsengrüften
werden alle stürme los.
Schiller Hero u. Leander.
5)
über verbindung von diesem los mit anderen verben, namentlich transitiven, s. unten no. 10.
6)
los bezeichnet das heraustreten aus einem ruhenden, und insofern gebunden gedachten zustand in einen thätigen; in diesem sinne wird das adverb häufig im gewöhnlichen leben als eine aufforderung oder ein commandowort gebraucht (im sinne verschieden von dem oben II, 1 angeführten); los! ruft man einem zu, der eine thätigkeit beginnen soll; na mal los! in Norddeutschland aufforderung endlich einmal anzufangen; los! kommandoruf auf der mensur: wir legten uns nach alter fechtweise aus, die klingen waren gebunden (vgl. theil 2, 33, no. 12), die sekundanten schrieen: los! und unsere schläger schwirrten in der luft. Hauff 7, 42. vergl. dazu die verbindung mit den verben beichten, bersten, brennen, donnern, dringen, gehen, lassen, machen, platzen, prasseln und andere unten no. 10.
7)
in dieser bedeutung auch mit angabe des zieles durch die präposition auf: auf einen los kommen, gehen, den gang, das kommen in der richtung jemandes unternehmen; dasz die bauern zusammen kamen, und mit vollem haufen auf ihn losz wolten. Chr. Weise kl. leute 175; da sind sie mit stöcken auf mich los. Scheffel Ekkeh. 341; auf etwas los arbeiten, um einen bestimmten punkt zu erreichen; ich studirte auf einen generallieutenant los. Felsenb. 2, 97; ich studierte auf einen doctor los, dasz mir der kopf hätte mögen rauchen. jugend eines reuigen studenten A 4ᵇ; in verbindung mit drauf: nun frisch drauf los! auf eine arbeit, ein ziel; weil die menschen zu nachlässig sind, ihre zwecke recht kennen zu lernen, und wenn sie solche kennen, ernsthaft drauf los zu arbeiten. Göthe 19, 339; doch hat hier drauf auch einen unbestimmten sinn, drauf los leben, ins unbestimmte, unbekümmert leben, drauf los schieszen, ohne rücksicht auf einen bestimmten treffpunkt; dasz alle diese menschen ... so herzhaft drauf los leben. Wieland 24, 61; er soll nur drauf los schaben und scharren. Schiller räuber 1, 2; angenommen, dasz Bürger nicht knall und fall sich hingesetzt, die erste, die beste versart ergriffen, und ohne weiteres bedenken drauf los gedolmetscht, sondern der übersetzungsgedanke erst lang in ihm gewogt und gegohren habe, eh er noch eine zeile aufs papier geworfen. Bürger 177ᵃ; fahr den ketzer drauf los, sagte er, dasz die räder davon fliegen. Hebel 2, 202;
dem Marius ward prophezeiet,
sein ende sei ihm nah.
nun lebet er drauf los, verschwelgt, verspielt, verstreuet:
sein end ist wirklich da!
Lessing 1, 28.
8)
los, wie ledig 7 und 8, von einer stelle die frei ist oder wird: (dasz es für die bischöfe) tausent mal besser were, das sie sich durch gemeine reichsordnung in weltlichen stand begeben, und solch stift und klöster güter vom reich zu lehen genomen und gegeben würden denen, so des wirdig weren, wie sonst geschicht, wenn eine herrschaft los stirbt, denn es doch nicht anders ist, denn das durchs evangelium die bistum alle los sterben, und den stiftern oder dem reich heimfallen. Luther 3, 194ᵇ; wo aber eine stätt (an Luthers tische) los wurde. briefe 4, 668.
9)
los, unfest, locker: rarus losz, nit dig (dicht), nd. los dat nicht dicht en is Dief. 484ᵇ, ist schon in der alten sprache unhäufig, da es seit mindestens dem 15. jahrh. seine stelle mit dem neu aufgekommenen lose (s. d.) theilt, in der neuern sprache nur ausnahmsweise verwendet: mir werden die thränen los (ich bin dem weinen nahe), da ich dieses schreibe. Stilling 1, 91;
auf ein hügel mit grünen mosz,
uberwachsen, schön weich und losz.
Froschmäus. C 5ᵃ (1, 1, 2);
es liebt ein jeder nur
sich selbst, unsicher, los und wandelbar
sind alle bande, die das leichte glück
geflochten.
Schiller braut v. Mess. v. 358;
adverbial, in der bedeutung schlaff:
die lumpgen fahnen hängen ärmlich los,
und höhnend schüttelt unsre luft sie durch.
Shakesp. Heinrich V, 4, 2;
their ragged curtains poorly are let loose;
in der übertragenen bedeutung wankend, unstät, vom willen:
want vil veste und nicht lôs
was sîn sêligir wille.
Jeroschin 9490;
oder leichtfertig, mutwillig, frech:
sie wâren kûne unde lôs.
livl. reimchron. 1438,
läszt es sich später nicht sicher von lose trennen, da z. b. in stellen wie: ein jungfrewlin, da sie von jrer mutter zu des königs sone, für ein losz weib und hure, mit gewalt geführet ward. Luther tischr. 324ᵃ;
sondern es ist ein losz gedicht.
B. Waldis hist. von zweien meusen 52,
losz für loses stehen, und somit die frage, ob hier noch die form los oder schon lose vorliegt, danach nicht zu entscheiden ist; vgl. das weitere unter lose.
10)
los, in häufiger verbindung mit verben, wobei es, oft mit einem und demselben, in verschiedenem sinne stehen kann. von dergleichen verben wird hier eine auslese gegeben, da eine vollständige sammlung bei der häufigkeit der verbindungen unmöglich erscheint. die schreibung beider theile ist in der älteren litteratur gewöhnlich überall getrennt, und noch die neuern schriftsteller, selbst die heutigen, schwanken in bezug auf zusammenrückung oder trennung; das gefühl, dasz los mehr als blosz eine trennbare partikel sei, ist noch nicht erloschen. ackern, mit los in der bedeutung 1, etwas durch ackern frei, getrennt machen: erde los ackern; er ackerte einen groszen stein los. arbeiten,
1)
nach los 1, durch arbeiten trennen, befreien: sich von einem, von etwas los arbeiten; er arbeitet sich los, incredibili opera erumpit. Steinbach 1, 33; in Berlichingens gewalt! von dem ich mich kaum losgearbeitet habe! Göthe 8, 27; ich habe mich vom müsziggange losgearbeitet. J. Paul a. d. teuf. pap. 1, xv.
2)
nach los 7, auf ein ziel hin arbeiten: auf eigene moralische bildung loszuarbeiten, ist das einfachste und thunlichste was der mensch vornehmen kann. Göthe 48, 27; die schriftsteller .. arbeiteten mit deutscher biederkeit und gradem verstande auf diesen zweck los. 49, 170. bäumen, durch bäumen befreien: wir strebten umsonst es (das rosz) an den heiligen wagen zu spannen. es wollte sich von dem losbäumen, der ihm in der mähne hing, aber er blieb. Klopstock 9, 335. beichten, nach los 6:
in vollheit (trunkenheit) gibt sich mancher blosz,
beicht dapfer ungemartert losz
von vielen groszen bubenstückn.
B. Ringwald laut. warh. 74.
bersten, nach los 6:
wild nur zu zeiten, mit gebrochnem stosz
den kampf belebend, birst sein (des hüfthorns) schmettern los.
Freiligrath dicht. 1, 31.
binden, einen oder etwas angebundenes befreien: losbinden, liberare, exsolvere Stieler 159; einen hund von der kette los binden;
ich sasz, entfernt von meines Mentors blicken,
auf eines raschen kleppers rücken,
und commandirt als feld- — nein waldherr — einer schaar
von zwanzig wohlgeübten hunden,
auf einen keiler losgebunden.
Bürger 104ᵇ;
hebt himmelan die losgebundne hand.
Schiller zerstör. von Troja 26;
sie selbst, das opferbrod in frommer hand
mit bloszem fusz, mit losgebundenem gewand,
zum tod entschlossen, steht an den altären.
Dido 95;
die rosse harren noch im sande,
gezäumt, gesattelt und geschirrt.
ihr bindet los sie von den bäumen.
Freiligrath dicht. 1, 121;
und nun ist schelten, schimpfen, schreien, auf einmal losgebunden. Göthe 27, 147; das part. losgebunden auch in bezug auf sittliche oder gesellschaftliche freiheit übertragen: lasz diese leidenschaft rasen, lasz mich losgebunden klagen! 8, 290; jeder zustand hat seine beschwerlichkeit, der beschränkte sowohl als der losgebundene. 17, 296; bauerburschenschaft, lustig losgebunden. 33, 193; aufgeweckt, zutraulich, kühn, verwegen, losgebunden bis zum cynismus. 37, 10; die andre hälfte (der briefe) ist aus Italien geschrieben. sie behalten ihren derben losgebundnen charakter. 12. bitten, durch bitten von strafe oder gefangenschaft lösen: vor wenig jahren wurden zwei brüder von familie wegen einer schändlichen handlung zur bergwerksarbeit verdammt, die noch bis diese stunde nicht losgebeten sind. Sturz 1, 237. blatten, blattförmig von etwas lösen: die tapete hatte sich an einer stelle losgeblattet. L. Tieck ges. nov. 1, 129. blättern, ebenso: der kalk blättert sich von der wand los;
stille sasz ich zu hause. da blätterte los sich vom zweige
manche rose, so auch dorrte die nelke dahin.
Göthe 1, 311.
borgen, nach los 7: romanschreiber, welche oft in den ersten kapiteln keck und leicht auf irgend einen vorfall in den spätern kapiteln auf geradewol losborgen. J. Paul komet 3, 67. brausen, ebenso: was! den strom nicht zu fürchten, der auf ihn losbraust? Göthe 8, 97. brechen,
1)
nach los 1, transitiv, etwas brechend abtrennen: einen stein von der mauer losbrechen; der dieb hat sich losgebrochen, fur carceres effregit, vincula rupit, claustra revulsit. Stieler 235. bildlich: wir aber haben nichts anders gethan, denn mit unsern gesetzen die leute und gewissen getrieben, und gesagt, so thu und nicht anders, so doch ein bischoff solt sein gesetz beide los brechen und setzen, das es nutz brechte. Luther 3, 265ᵇ.
2)
nach los 6, intransitiv, mit plötzlichem ungestüm aus der ruhe in die handlung übergehen; von elementen:
so bricht aus tiefer höhlen schoosz
das heer der winde brüllend los.
Hagedorn 3, 130;
o brich, wie ein volkan,
nach dumpfer stille los!
Gotter 1, 223;
und aus des horizontes tiefe
steigt mitternächtliches gewölk empor, ..
ergrimmte winde brechen los.
H. v. Kleist werke 5, 15;
des himmels losgebrochne
schleuszen.
Rückert 289;
die Scyllen und Charybden,
Vesuv und Aetna brachen los.
Freiligrath dicht. 3, 157;
bildlich: das volk steht auf, der sturm bricht los;
wer legt noch die hände feig in den schoosz?
Körner werke 1, 140;
in bezug auf thätliche angriffe: wer will das volk hindern loszubrechen? Göthe 8, 258; der herzog von Guise war ... mit seiner rotte gegen des admirals wohnung losgebrochen. Schiller 1075ᵃ; in bezug auf pläne, affecte, wortstreit, zurückgehaltene äuszerungen u. ähnl.: mein zorn bricht endlich los. Rabener 2, 84; tempelherr (geht, mit sich selbst kämpfend, auf und ab; bis er losbricht). Lessing 2, 284; hilf, herr und heiland! jetzt bricht auch der alte los. Schiller cab. u. liebe 2, 6; er lebte viel in sich, und wenn er mit andern war, so verhielt er sich gewöhnlich nur handelnd gegen sie. brach nun einmal unter freunden seine rede los, ... so rollte sie ohne rücksicht fort. Göthe 17, 400; man stritt, man überwarf sich, man schwieg, man brach los. 24, 70; in Hamburg brach aber der streit hauptsächlich darüber los, inwiefern ein geistlicher selbst das theater besuchen dürfe. 49, 170;
den stolzesten entwurf (kriegsplan), der schon verderben
brütet,
und loszubrechen fertig steht,
hat oft der ewige, der königen gebiethet,
durch einen hauch verweht.
Uz 1, 265;
los brach die schlacht mit ihrem dräun!
Freiligrath dicht. 2, 84;
der Rhein? seit heut erst kannt er seinen lauf!
losbrach mein stolz.
142;
von singenden:
und wie er zum letztenmale
endet (sein vorsingen), bricht mit einem male
los der volle kräftge chor:
'prinz Eugen, der edle ritter!'
1, 45;
mit allgemeinem subject:
Söller (vor sich). nun bricht es los.
der junge Göthe 1, 221;
die jäger nennen losbrechen, wenn ein rudel hirsche, wildpret oder sauen plötzlich aus ihrem lager in einem abgetriebenen dickicht hervorkommen; in bezug auf einen aus versehen oder durch übereilung losgegangenen schusz sagen sie der schusz ist mir zu früh oder zu spät, oder unversehens losgebrochen. Jacobsson 2, 633ᵃ. brennen, nach los 6 und 7: man brennt heute abend ein feuerwerk los; öfter nach los 1, einen schusz aus dem gewehre los brennen; metonymisch ein gewehr los brennen;
wenn für jeden donner und blitz,
den ihr losbrennt mit eurer zungenspitz,
die glocken müszt leuten im land umher,
es wär bald kein meszner zu finden mehr.
Schiller Wallenst. lager, 8. auftr.;
mit langen rohren auf ihn losbrennen. Wertheimer deduct. 238; dem (fuchs) begegnet der jäger und brennet auf ihn los. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. (1653) 1, 293;
so von seltsamen gewalten
ward ich plötzlich übermannt,
dasz ich fast vor eitel liebe
auf die schönste losgebrannt.
Uhland ged. 283.
bringen, nach los 1, frei bringen: der gefangene ist losgebracht, captivus e vinculis solutus est. Stieler 243; von dingen: die staubkruste von einem gegenstande los bringen. bröckeln, nach los 1, bröckelnd trennen: steinchen aus der wand los bröckeln; zu schreiben oder vielmehr aus der feder loszubröckeln. Herder an Carol. Flachsland (Erlangen 1847) 1, 238; auch intransitiv: der kalk bröckelt von der wand los. bürgen, ebenso, durch bürgen befreien:
also ward eure that
beschauet, bisz Neptun euch losz gebürget hat.
Opitz 1, 91.
donnern, nach los 6, mit donnern beginnen: starke gewitter überladen sich, um mit schrecklichen schlägen los zu donnern. Klinger 2, 38; bildlich: los donnern mit dem bannfluch. Hahns hist. (1721) 2, 13; der prediger donnerte über die sündige menschheit los. drehen, drehend trennen: sie stellte das spinnrad zur seite, und Judith drehte die schnur los. Freytag ahnen 5, 107. dringen, nach los 6 und 7:
da brach von beiden seiten
die schranke der verstellung, drang gewalt,
dem staate selbst gefährlich, drohend los.
Göthe 9, 330;
die vereinigte macht der seeländischen und antwerpischen flotten, wenn sie zu gleicher zeit und im rechten moment auf ihn losdringen sollten. Schiller 871ᵇ. drücken, durch drücken los machen, einen schusz, einen pfeil; mit rückumlaut:
(die lüge) kehrt,
ein losgedruckter pfeil, von einem gotte
gewendet und versagend, sich zurück
und trifft den schützen.
Göthe 9, 63;
metonymisch, die flinte, die armbrust losdrücken; und ohne object:
fleht umsonst, denn, loszudrücken,
legt er schon den bogen an.
Schiller d. alpenjäger:
übertragen auf das äuszern einer meinung, einer nachricht: setzten sich in den schatten, da druckte dieser frembde gast losz wer er wäre. Chr. Weise erzn. 85; ich will einmal ganz losdrücken. hören sie mich aus. Klinger 1, 445; ich spannte den flintenhahn meiner nase auf und drückte mich folgendergestalt — los: verflucht und verdammt! u. s. w. J. Paul teuf. pap. 2, 33. eilen, vgl. los 7:
ein thor eilt stets auf neue wirbel los:
ein weiser ist, auch in der stille, grosz.
Hagedorn 1, 71.
eisen, einen oder etwas angefrorenes vom eise befreien. übertragen einen los eisen, aus einer mislichen lage befreien; von einem bösen schuldner konnte er noch ein paar thaler los eisen, mit anstrengung erlangen. fahren,
1)
heftig bewegend gelöst werden (vgl. los 1 und fahren 4, theil 3, 1249): der teufel stampfte auf den boden, dasz die villa erbebte. Faust und Lukretia sahen durch die losgefahrnen thüren den papst .. knien. Klinger 3, 254.
2)
vgl. los 7 und fahren 7, c, theil 3, 1250, heftig auf einen eindringen: er fuhr mit fluchen und drohen auf die gesellschaft los. Göthe 19, 49; hinweg! rief Hermann und fuhr auf den fremden los. Freytag ahnen 5, 184; jedesmal, dasz der pfarrer auf der kanzel einen neuen tadel auf die verläumdung abschosz, liesz Habermann in der loge ein neues lob auf sie losfahren. J. Paul teuf. pap. 2, 43. fallen, nach los 1, abfallen:
alle bande fallen von mir los.
Göthe 9, 133;
nach los 7, auf einen zu fallen: und in diesem augenblicke fallen alle die dummen streiche auf mich los, die der Franzose pas de clerc zu nennen pflegt. Klinger 9, 63. fesseln: losfesseln, solvere a catenis. Stieler 438. vergl. los binden. feuern, wie los brennen: einen schusz los feuern; eine flinte los feuern. flechten, ein geflecht lösen: sie flocht ihre zöpfe los. geben, frei geben, aus der gefangenschaft: da sandte der könig hin, und lies jn los geben. ps. 105, 20; ist das der man, .. der den erdboden zur wüste machete, und die stedte drinnen zubrach, und gab seine gefangene nicht los? Jes. 14, 17; auf das feste aber hatte der landpfleger gewonet, dem volk einen gefangen los zu geben, welchen sie wolten. Matth. 27, 15; also auch der könig zu Babylon ist ein groszer stolzer seufer, nicht der da wein saufe, sondern wie Habacuc selbs sich auslegt, das er seinen rachen weit aufsperret .., rafft, seuft und verschlingt alle land und leute. nu wolan, der wein gehet süsze ein, denn es thut sanft und wol, so grosze land und leute unter sich werfen, und so mechtig werden, das ist, so vol und trunken werden. aber zu letzt gehet es schendlich zu, wenn er sie mus alle wider speien und los geben, das er gar zu nicht wird, und kein königreich, land, leute, noch stad behelt. Luther 3, 244ᵇ; warum gibt er ihn (einen gefangenen buben) nicht wieder los? Göthe 8, 32; freiheit der meere gibt uns nicht von der kaufmännischen knechtschaft des landes los, sobald England uns bei dem frieden mit dem ausgeschütteten fabrikluxus gold und fabriken zugleich wegschwemmt. J. Paul dämmer. s. 105;
ach herr! gib nunmehr gnädig losz
mein abgediente seele!
A. Gryphius 1698 2, 246 ('nunc dimittis servum tuum, domine');
in der verbindung frei los geben: wenn sich dein bruder ein Ebreer oder Ebreerin verkauft, so sol er dir sechs jar dienen, im siebenden jar soltu jn frei los geben. und wenn du jn frei los gibest, soltu jn nicht leer von dir gehen lassen. 5 Mos. 15, 12. 13; las dichs nicht schwer dünken, das du jn frei los gibst. 18; in anderer wendung: einen von seinem eide losgeben, juramentum remittere Stieler 655; von der stimme: ja kind, es ist süsz und anmuthig, die stimme so aus der brust loszugeben. Tieck ges. nov. 4, 53. gehen,
1)
nach los 1, abgehen, sich trennen von etwas: das bret geht los, asser disjungitur. Steinbach 1, 550; das eisz geht los, glacies solvitur. ebenda; ein teich voll wasser, welches, wann der damm losz gehet, unversehens verflieszet. Schuppius 367; die schleife ist vom kleide los gegangen; das gewand ist los gegangen, vom körper, hält nicht mehr fest; ihr verwirrtes haar, und losgegangenes gewand vollendeten das bild einer bezaubernden heiligen. Heinse Ardingh. 1, 199; hier ist ein knebel losgegangen. H. v. Kleist Käthchen v. Heilbronn 2, 6; bildlich:
dann was ich rieth, wolt und beschlosz,
das gieng in allen puncten los (war unfest, versagte überall).
Ringwald tr. Eck. G 6ᵃ;
ein schusz gieng los, aus dem gewehre; alle von uralten belagerungen in gebäuden wie augäpfel eingesetzte kanonenkugeln wurden ausgehoben, um von neuem loszugehen (als die stadt Ziebingen belagert werden sollte). J. Paul Nepomukkirche 115; und metonymisch das gewehr geht los; die büchse geht los, bombarda exploditur. Steinbach 1, 550. bildlich: die vierdte hatte biszher still geschwiegen, nun gieng ihre klapperbüchse auch losz. Chr. Weise erzn. 195 Braune.
2)
nach los 6, in einen thätigen zustand kommen:
alsdann kan erst ein mensch sich einen menschen nennen,
wann seine lust ihn trägt, was über uns zu kennen,
steigt eifers voll empor und dringt sich in die schosz
und gründe der natur: da geht sein herze los.
Opitz 1, 26;
ein thun anfangen, mit dem subst. einer thätigkeit als subject: der plan zur decoration des theatersaals ist nun regulirt, morgen geht die arbeit selbst los. Göthe an Schiller 477; als der grosze lärmen eures glorreichen einzuges hier losging. L. Tieck ges. nov. 4, 249; alle unarten gehen losz, die knaben balgen sich. Bettine briefe 1, 232; mit anklang an oben 3, b:
1. cürass. den aus Mailand sollen wir hinbegleiten ...
1. jäger.     den pfaffen? da geht der teufel los.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
mit allgemeinem subject, es geht los, es fängt an: wenn sie (die musiker) lange genug gestimmt und uns die ohren mit allerlei misztönen zerrissen haben, so glauben sie steif und fest, die sache sei nunmehr aufs reine und ein instrument passe genau zum andern. der capellmeister selbst ist in diesem glücklichen wahn, und nun geht es freudig los, unterdesz uns andern immerfort die ohren gellen. Göthe 23, 100; namentlich von krieg und streit: gott sei dank, dasz doch noch irgendwo in der welt krieg ist! ich habe lange gehoft, es sollte hier wieder los gehen. Lessing 1, 523;
festen tons zu seinen leuten spricht der herr der druckerei:
morgen, wiszt ihr, soll es losgehn, und zum schieszen braucht man blei!
Freiligrath dicht. 3, 131.
bei den studenten heiszt los gehn, mit persönlichem subject, auf die mensur gehen: N. N. ist gestern zum ersten male los gegangen.
3)
nach los 7, einem ziele zuschreiten: vom vorsaal her vernahm er schon die wirthin, die auf das zimmer losging, um es dem gast anzuweisen. Göthe 17, 387; übertragen: ist das nicht eine thorheit bei uns Teutschen, dasz wir so unbarmherzig auf das liebe getränke loszgehn, als könnten gottes gaben sonst nicht durchgebracht werden. Chr. Weise erzn. 151 Braune; sie kennen ihn und seine eigenheit, wie er immer nur auf éines losgeht und das erst zu stande bringt. Göthe 21, 198; ich fing sogleich an auf den sinn der sache loszugehen. 24, 202; indem er entschieden seinen vortheil versteht und ohne weitere rücksichten auf seine zwecke losgeht. 45, 298; in kriegerischem sinne: auf den feind los gehen; das jahrhundert .. ladet seine nachfolgerinn zu weitern und genauern forschungen ein, die ihm auch nicht fehlen werden, da es jetzt von allen seiten so stark auf die keil- oder pfeilschrift losgehet (um ihre kenntnis zu erobern). Herder z. litt. 18, 165; zeitlich: es geht schon stark auf mittag los. Gotter 3, 235. gürten, etwas gegürtetes lösen: das schwert von ihrer seite loszugürten. Klinger 2, 425. haben, wie weg haben, etwas haftendes befreit haben; bildlich von dem, was man durch angestrengtes forschen sich erworben hat:
er schaut, studirt und kann nicht ruhn,
bis es im kopfe reift.
auf einmal hats der biedre los,
wie er das beste kann.
Göthe 4, 133;
im gemeinen leben viel gebraucht: jetzt hab ichs los (jetzt habe ichs herausgebraucht, verstehe ichs); auch bezüglich einer wissenschaft: er hat viel los, tüchtige kenntnisse erworben; die pandecten los haben, sie gründlich verstehen. hämmern, nach los 1, den putz von der wand los hämmern; nach los 7, der schmid hämmert auf das eisen los. hauen, nach los 1, hauend lösen: da indesz .. (der frost) seinen wagen des morgens so stark eingemauert, dasz er ihn mit unsäglicher mühe und kosten loshauen lassen müssen. Möser patr. phant. 1, 289; nach los 7: es (das weib) fuhr in der küche mit lebensgefahr herum, fast wie ein würgengel, klopfte und hauete drauf los. J. Gotthelf schuldenb. 199. helfen, durch hilfe befreien: hilf mir los, prospice meae libertati. Steinbach 1, 777; sie hätten mir beigestanden, sie hätten mir zur rechten zeit los geholfen. Göthe 20, 304; Jenner hatte .. nie etwas angenehmers gehöret, als Viktors behauptung, die ihn vom bisherigen liegen, medizinieren und hungern loshalf. J. Paul Hesp. 2, 37; mit dem acc. der person (vgl. helfen II, 6, theil 4², 956 fg.): auch selbst die im dorfe erkaufte hülfe hatte ihn (einen stecken gebliebenen fuhrmann) nicht vor eintritt der nacht loshelfen können. Möser patr. phant. 2, 289. hüllen, als hülle losreiszen:
dort seh ich langsam heilige schatten gehn;
nicht jene, die sich traurig von sterbenden
loshüllen, nein, die, in der dichtkunst
stund und der freundschaft, um dichter schweben!
Klopstock 1, 14 (1771, später in erheben geändert).
husten, hustend lösen: wenig oder nichts ist an der botschaft schon darum, weil der apotheker nur sein eigenlob loshusten und in das lob Viktors verkleiden wollte. J. Paul Hesp. 4, 39. kaufen, loskaufen, redimere Stieler 940: zwar hatte das schwert der verfolgung viele tausend familien nach Africa getrieben; aber ein weit gröszerer theil, von dem geliebten himmelsstriche der heimat gehalten, kaufte sich mit dem gaukelspiele verstellter bekehrung von dieser schrecklichen nothwendigkeit los. Schiller 790ᵃ;
ich kaufe mich durch kein verbrechen los.
Wieland 23, 268 (Ober. 12, 35);
aber den Austrier führt, den jüngling, das neidische kriegsglück
in die fesseln des feinds, der ihn im kampfe bezwingt.
mit dem throne kauft er sich los.
Schiller deutsche treue.
ketten, von ketten befreien: einen hund los ketten;
wanke näher an das sterbebette,
wo Lucindens hülle starrt,
wo ihr geist von seiner sklavenkette
losgekettet ward!
Hölty 141 Halm;
wo ich einsam oft, im tiefsten haine,
von der erde losgekettet, sasz.
Seume (1835) 568.
kommen,
1)
frei kommen, befreit werden von etwas fesselndem oder lästigem: er wird mit einer geltstrafe wol loskommen, mulcta pecuniaria eximet eum ex calamitate judiciorum. Stieler 1006; wenn ich ihn nur einmal beim lappen habe, er soll nicht los kommen. Göthe 8, 84; er wollte gleich alles herausgeben, den knaben und noch geld darauf, nur euch zu befreien. da er aber hörte, ihr solltet ohne das loskommen, .. da wollte er absolut den Berlichingen vertagt haben. 48; unser freund, der auszerordentlich erfreut war, um einen so wohlfeilen preis loszukommen (von erwarteten vorwürfen), antwortete sogleich. 19, 110;
Söller. erlauben sie, mein herr! Alc. wohin? S. beiseit zu gehn.
Alc. sie kommen hier nicht los!
7, 107;
mit dem genitiv (vgl. los 2):
haut zu! so komm ich doch der quaal auf einmal los.
Gellert 1, 201;
erhaschte mit glück
am fenster stehend den augenblick,
des tranks, den ich zum schein genommen,
unbemerkt wieder los zu kommen.
Wieland 18, 260;
mit der präp. von: es ist für sie recht gut, herr major, dasz sie auf diese art von ihr (der braut) los gekommen sind. Lessing 1, 582; wenn man .. beobachtet, wie eine ganze nation von einem einmal gegebenen und in einer gewissen form mit glück behandelten gegenstand nicht wieder loskommen kann. Göthe 25, 37.
2)
nach los 7, auf einen zukommen: er kam auf mich los und begrüszte mich aufs herzlichste. kratzen, durch kratzen lösen: man geht mit fremden poetischen bildern um, wie im mittelalter mit heiligen, von welchen man farben loskratzte, um solche im abendmalwein zu nehmen. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 37. kriegen, vgl. oben los bringen: hätt ich nicht alles gegeben, um dich loszukriegen? Göthe 42, 78. lassen, frei lassen; mit persönlichem object: einen aus der dienstbarkeit loslassen, servitute liberare, eripere aliquem e servitiis gravioribus Stieler 1076; er sol meine stad bawen, und meine gefangen los lassen. Jes. 45, 13; da jamert den herrn des selbigen knechts, und lies jn los, und die schuld erlies er jm auch. Matth. 18, 27; darumb wil ich jn (Jesum) züchtigen und los lassen. Luc. 23, 16; seit vierzehn tagen, sitz ich wieder fest. im anfange dieses jahrs, war ich auf parole losgelassen, das biszgen freiheit ist auch wieder aus. der junge Göthe 1, 42; adieu, lieber mann. ich lasse sie nicht los. ich lasse sie nicht! Jacob rang mit dem engel des herrn. 259;
Egle. willst du ihn je bekehren,
muszt du ihn ruhig sehn sich nahn, ihn ruhig hören.
das wallen aus der brust! die röthe vom gesicht!
und dann — Amine. o lasz mich los! so liebt Amine nicht.
120;
liebe! liebe! lasz mich los!
werke 1, 78;
liesz ihn (den bruder) nicht
aus meinen armen los.
9, 63;
in den verbindungen ledig und los, frei und los lassen: czu hant lyesz der köning yren vater usz dem thorme holen und von den banden lyesz he en ledig und loesz. altd. blätter 1, 162; wenn jemand seinen knecht oder seine magd in ein auge schlegt und verderbts, der sol sie frei los lassen, umb das auge. 2 Mos. 21, 26;
und führte mich auf ihr bezaubertes schlosz,
und liesze nicht eher mich ledig und los,
als bis ich in liebe mich zu ihr gesellt.
Bürger 59ᵃ;
in bezug auf thiere: den hund von der kette los lassen; die meute auf ein wild los lassen; in bildern: allein ein mir aufsätziger egoist und transzendentaler realist liesz einen gedanken aus seinem kopfe los, der ein tödtendes basiliskenauge für alle wesen, und der stoszvogel des universums war. J. Paul teuf. pap. 1, xx; und dennoch, da nun der könig, nach gegebenem mordsignale, über der pforte des Louvres in den balcon gegen die stadt hervortritt, ... da die furien, jetzt von ihren fesseln losgelassen zu werden, knirschten, erstarrt diesen häuptern des frevels das herz. die menschheit in ihnen fühlt die letzten zuckungen. Schiller 1074ᵇ;
jetzt in deines stromes mitte,
da die rückkehr sich verschlosz,
lässest du auf den verrathnen
alle deine schrecken los!
Hero u. Leander v. 189;
wie eine losgelaszne hölle tobt
der sturm.
jungfr. v. Orleans 5, 1;
etwas los lassen: ehe sie noch die hand der schwester los liesz. Göthe 20, 300; allein wie soll eine schmeichelnde leidenschaft uns voraussehen lassen, wohin sie uns führen kann? denn auch selbst alsdann, wenn wir schon ganz verständig auf sie verzicht gethan, können wir sie noch nicht loslassen. 26, 81;
wir lassen los, was wir begierig faszten.
9, 181;
in des schreckens wahn
lasz ich los der koralle umklammerten zweig.
Schiller taucher v. 130;
die rechte (des todten), die im kampfe
das schwert mit macht geführt,
hälts noch mit starrem krampfe,
dasz sie es nicht verliert.
es blitzte tod dem sbirren;
er läszt es nimmer los.
Freiligrath dicht. 1, 50;
nach los 6, anfangen: über ihr lieszen alle bäume ihr blüthenspiel los. Fr. Müller 1, 6. legen, frei legen, etwas geheim oder still bewahrtes an die öffentlichkeit bringen; im gemeinen leben, mit unterdrücktem object für beginnen, rücksichtlich einer geräuschvollen thätigkeit: da hörte ich in den gewundenen seulen der bettstelle die todtenwürmchen picken; eins nach dem andern legte los, wie geschäftige gesellen in einer waffenschmiede. Bettine briefe 1, 261; um diesem (ziele) näher zu kommen, muszte die stimme allerdings des gewöhnten loslegens sich entäuszern und zu erhabener milde gesänftigt .. werden. Didaskalia v. 23. oct. 1873. lösen, das verstärkte lösen: indem er ein stückchen stein vom gipfel loslöste. Göthe 21, 42; das einsichtige wohlwollen der unschätzbaren frau hatte die schale losgelöst und den gesunden kern veredelt und belebt. 176; heute nun konnte sich unser junges paar von dem glatten boden nicht loslösen. 22, 102; allein gegen das ende drängte sich alles gar gewaltsam über einander, wie es immer zu gehen pflegt, wenn man sich von einem orte loslösen soll. 26, 82; eh sich die gesellschaft von Darmstadt loslöste. 48, 96; da müszt ich ein erbärmlicher stümper sein, wenn ichs nicht einmal so weit gebracht hätte, einen sohn vom herzen des vaters loszulösen, und wenn er mit ehernen banden daran geklammert wäre. Schiller räuber 1, 1;
vom alten bande löset ungern sich
die zunge los, ein langverschwiegenes
geheimnis endlich zu entdecken.
Göthe 9, 15.
machen,
1)
frei machen, von etwas befreien oder trennen: kan man dem gerechten seine gefangen los machen? Jes. 49, 24; mache dich los aus dem staube, stehe auf du gefangene Jerusalem, mache dich los von den banden deines halses, du gefangene tochter Zion. 52, 2; ich wil .. die seelen, so jr fahet und vertröstet, los machen. Hes. 13, 20; ich wil euch von aller ewr unreinigkeit los machen. 36, 29; las dir meinen rat gefallen, und mache dich los von deinen sünden. Dan. 4, 24; wann er einen flusz möcht losz machen (si flumen liberasset). Fronsperger 3, 234ᵃ; mein vater wurde das erste opfer; der herzog liesz ihn gefangen setzen. er machte sich los, und flüchtete nach Venedig. Heinse Ardingh. 1, 106; wenn ihre gesichtszüge sich aus dem nebel der imagination nicht losmachen können. der junge Göthe 1, 373; eine riesige felsplatte war bei der höhle niedergestürzt, schmelzendes schneewasser hatte sie im frühling losgemacht. Scheffel Ekkeh. 327; in der verbindung frei und los machen:
darüber hast du umb mein gelt
ein ablaszbrief mir zugestellt,
von dieser sünd mich frei gemacht,
und losz, ade zu guter nacht.
Sandrub kurzweil 176;
du springst ins todes rachen,
mich frei und los zu machen
von solchem ungeheur.
P. Gerhard 72, 44 Gödeke;
bei den malern sind die figuren wohl los gemacht, wenn sie aus dem felde hervor zu treten scheinen, wenn sie nichts verwirrtes haben, sondern wohl entwickelt sind, und wenn es scheint, als könne man um sie herumgehen; los machen heiszt bei denselben auch, übertriebene oder verhüllte partien entwickeln, sie ins licht setzen; bei den formenschneidern ist es los machen, wenn sie mit der nadelspitze um die bereits geschnittenen züge und umrisse fahren. Jacobsson 2, 634ᵃ.
2)
nach los 6, beginnen zu machen: nu mache einmal los! aufforderung an einen zögernden, mit einer thätigkeit endlich anzufangen. marschieren, nach los 7:
und nun marschir ich ohne scheu und scham ..
gerade auf den kammerherrn los.
Körner werke 2, 214.
platzen, plötzlich herausfahren, vergl. heraus platzen theil 4², 1040: eine so wunderliche handlung habe sie .. nicht ohne lachen ansehen können, und sei zum saal hinausgelaufen um nicht loszuplatzen. Göthe 27, 257; es war mir ungemein verdrüszlich, dasz, wenn ich den schlaf bis auf wenige schritte herangekörnet hatte, der hauptmann wieder mit etwas abdrückte und losplatzte, was das beste schlafpulver sogleich in alle lüfte blies. J. Paul Siebenk. 1, 12. prasseln, nach los 6, prasselnd an den tag kommen: der autor hat funken der leibnitzischen philosophie gesehen, aber das feuer, woraus diese funken losprasseln, ist ihm verborgen. Herder in Mercks briefs. 2, 9. raffen, wegraffen:
losgerafft vom kettenband der glieder,
küssen sich die langgetrennten brüder
wiederkennend wieder.
Schiller geheimnis der reminiscenz.
ranken, reflexiv, sich wegwinden: man spielte. ich rankte mich aber auf eine gute art davon los. J. M. Miller K. von Burgheim 1, 84. regen, regend befreien:
gott, der in tag und nacht umwelzet seinen himmel,
regt seine winde losz mit sausendem getümmel.
Schottel 1004.
reiszen, reiszend trennen; intransitiv: ob es an hohen höfen verantwortlich wäre, löwen, beeren, tigerthier, luchse und dergleichen zu halten, weil man unzehlige exempel hätte, dasz sie entweder losz gerissen und schaden gethan, oder doch ihre wächter biszweilen so empfangen wären, dasz ihnen das fell über dem kopfe herunter gehangen. Chr. Weise erzn. 168 Braune; der strick reiszt los, funis solvitur, der hund reiszt los, canis catena ligatus elabitur. Steinbach 2, 269; der brocken machte die reise durch alle enten samt und sonders hindurch, ohne von seinem faden loszureiszen. Münchhausens reisen 27; transitiv, mit persönlichem oder sächlichem object: die schlösser los reiszen, claustra revellere Steinbach 2, 269; ein sinnloser wiegengesang .. reiszet die alten thränen los, wie ein geringer laut die wankende lavine. J. Paul Hesp. 2, 94;
stark sind die magern arme
wie panther-arme,
er schüttelt dich,
und reiszt dich los.
der junge Göthe 1, 91;
so rissen fehler, unglücksfälle
ein edles herz von tugend los.
Gotter 1, 225;
reflexiv: der provocant that, als könte er sich vom wirth und vom hauszknecht nit losz reiszen. Chr. Weise erzn. 90 Braune; der händedruck eines fürsten, und das lächeln einer schönen frau! da reiszt sich kein Weisling los. Göthe 8, 55; süszes leben! ... ich soll deine hand fassen, dir noch einmal in die augen sehn, deine schöne, deinen werth recht lebhaft fühlen, und dann mich entschlossen losreiszen und sagen: fahre hin! 292;
der pöbel ist der gröszte hauf auf erden:
von diesem reiszt euch los.
Gellert 1, 169;
sprich nicht: gott kennt mein herz; ich hab es ihm verheiszen,
mich noch dereinst, mich bald vom laster loszureiszen.
2, 177;
und du, seliger geist, reisze dich lächelnd aus
Jähns umarmungen los.
Hölty 58 Halm;
nur von euch, geliebte beide,
reiszt mein herz sich blutend los.
Gotter 1, 261;
er reiszt sich aus den väterlichen hallen,
aus lieben armen los.
Schiller dem erbprinzen von Weimar;
und er hörts mit stillem harme,
reiszt sich blutend los,
preszt sie heftig in die arme,
schwingt sich auf sein rosz.
ritter Toggenburg;
der, ein greis, sich schweren herzens
losrisz vom ererbten grund.
Freiligrath dicht. 1, 66.
rennen, nach los 6, anfangen zu rennen: endlich fällt das seil und die pferde rennen los. Göthe 9, 263; nach los 7, auf ein ziel zurennen: er rannt auf mich los, es war mir als wenn mich der donner in die erde nein schlüg. der junge Göthe 2, 121. ringeln, entringeln: wenn .. der abendthau meine haare los ringelte. Bettine tageb. 48; die losgeringelte locke. J. Paul Tit. 2, 16. ringen, ringend befreien:
keime, die dem auge starben
in der erde kaltem schosz,
in das heitre reich der farben
ringen sie sich freudig los.
Schiller klage der Ceres.
rütteln, durch rütteln frei machen: geister ausgespien aus gräbern — losgerüttelt das todtenreich aus dem ewigen schlaf! Schiller räuber 5, 1. sagen, frei sprechen, von der lehre:
wolt ihr ausgelernet kriegen,
wäbt ein kindlein in der wiegen,
eine wöchnerin ins bett.
loszgesagt geht ihr; ich wett.
A. Gryphius 1698 2, 73 (hochzeitscherz auf eine braut, namens Weber, deren bräutigam als ihr lehrling gedacht wird);
von schuld, verdacht:
doch ist es, wie ihr wiszt,
genug, die göttin los zu sagen,
dasz sie es nicht gemeint.
Wieland 10, 155;
reflexiv, sich los sagen, sich durch eine erklärung von einem oder etwas trennen: Eduard der zweite war gezwungen worden, sich von der regierung los zu sagen. Lessing 6, 214; die mordbrenner! ich sage mich von ihnen los. Göthe 8, 146;
nein, ich ertrag es länger nicht. ich sage
mich los von diesem könig, der unrühmlich
sich selbst verläszt.
Schiller jungfr. v. Orleans 1, 1;
sag ich mich los hier aller vaterpflicht,
aller gemeinsamkeit und blutsverwandtschaft.
Shakesp. könig Lear 1, 1;
here I disclaim all my paternal care,
propinquity and property of blood.
saufen, nach los 7:
da soff man nun mit ganzen pässen
auf aller h .... wohlsein los.
Günther 165.
schälen, schälend trennen: die haut von einer wurst los schälen; bildlich: v. T. in leberreimen lasz ich gern jedermann den vorzug. L. hört ihrs? wie er sich los zu schälen weisz. Gotter 3, 311. schelten, nach los 1, frei sprechen, von einer verpflichtung:
hab groszen nutz geschafft,
und dich zu hohem glück erhaben,
beger doch keine grosze gaben
dafür, denn das du jetzundt dich
erzeigest dankbar gegen mich.
mit einem schaf nur werd vergolten:
damit soltu sein losz gescholten.
B. Waldis Esop 3, 93, 142;
nach los 7: die andern scholten auf ihn losz. Chr. Weise erzn. 220 Braune. schieszen,
1)
nach los 1, transitiv einen schusz losschieszen, metonymisch dann auch ein gewehr, eine pistole losschieszen (vgl. los brennen, drücken oben): die schossen in der zuruckkunft ihre musqueten losz. Chr. Weise erzn. 125 Braune; einen bogen losschiszen, sagittam emittere Steinbach 2, 500; wir bereiteten uns zum eingang in die höhle, zündeten lichter an und luden eine pistole, die wir losschieszen wollten. Göthe 16, 241; weszhalb der anführer, wenn es keine feinde und nichts zu rauben gab, unter dem gelagtisch eine pistole losschosz, damit es auch im frieden nicht an wunden und schmerzen fehlen möge. 26, 330; bildlich: hat grosze feuermörser, ganze und halbe cartaunen mit lügen und verleumbdungen wider mich geladen und loszgeschossen. Schuppius 786. in mehr burschikoser rede heiszt es heute eine rede, einen vortrag losschieszen; auch mit unterdrücktem object: schiesz los, wenn du etwas zu sagen hast!
2)
nach los 6, intransitiv, sich plötzlich in bewegung setzen: doch wagt ers nicht, ihn von vornen anzugehen (der löwe den elephant); da steht er wie ein blitz hinter dem fels, harret, bis er von hinten zukommt, dann schieszt er auf einmahl los und zerwühlt ihm die unbewaffnete seite. Fr. Müller 1, 25; und nach los 7, mit angabe des zieles: sie schosz auf sie los, begrüszte sie. Göthe 15, 213; die ungeheuer schieszen los auf uns, und alles entrinnen ist vergebens. Schiller 1129ᵇ. schlagen,
1)
nach los 1, durch schlagen lösen: ein schlosz los schlagen, ictibus seram removere Steinbach 2, 435; symbolisch: hier meine tochter schlagen wir dich los von allem gehorsam gegen uns. Lenz 1, 112; von waaren, die wie auf einer gant, zu irgend einem preise verkauft werden: endlich auch seine schöne halstücher mit spitzen schlug er aus dürftigkeit los. polit. stockf. 20; die schatulle schlug ich zuletzt los, weil ich immer dachte, sie sollte sich noch einmal füllen. Göthe 23, 104; um zugleich zu verhindern, dasz einzelne nicht die ganze ladung aufkaufen, und, um sie nachher desto theurer loszuschlagen, in ihren magazinen aufschütten möchten. Schiller 868ᵃ;
der täuscher, hoch vergnügt, die waare loszuschlagen,
schlägt hurtig ein.
Schiller Pegasus im joche;
(der kaufmann der) seine perle
dem reichen meere wiedergab, zu stolz,
sie unter ihrem werthe loszuschlagen.
don Carlos 2, 8;
die höchste, letzte münze meines schatzes:
nicht niedriger fürwahr gedenk ich sie
als um ein königsscepter loszuschlagen.
Wallenst. tod 3, 4;
mit nur verstandenem object: der arme verkäufer, der aus noth losschlägt. Möser patr. phant. 2, 117;
wenn sich der zeug verliegt, pflegt man bald loszuschlagen.
A. Gryphius 1698 2, 67.
2)
nach los 6, beginnen zu schlagen: der vater droht höre auf, oder ich schlage los; bildlich, anheben zu reden: jetzo schien es, als wenn ich zum schlagworte käme, als die fünfte ... mit den worten losschlug: die sache sei kurz so u. s. w. J. Paul vorsch. d. ästh. 3, 141; nach los 7, mit angabe des zieles: ich achte sie oft nicht so gut, dasz ich auf sie loszgeschlagen hätte. Chr. Weise erzn. 100 Braune; indessen andere wacker auf ihn losschlugen. Göthe 18, 296; und mit unbestimmter angabe: drauf los schlagen; er schlug drauf los, und achtete nicht, wohin die schläge fielen. schlieszen, angeschlossenes befreien: wen das nicht aus seinem schlummer jagt, der keuche ewig am ruder, bis ihn die posaune des weltgerichts losschlieszt. Schiller Fiesko 4, 6;
siehst, wie der frühling den warmen rosenleib
ins schmelzende meer legt!
wie er losschleuszt die bäche.
Stolberg 1, 195.
schmelzen, schmelzend lösen:
(die freiheit) wird seinen thron zermalmen,
schmelzt deine (die deutschen) fesseln los.
Körner werke 1, 134.
schnallen, die schnallen lösen: entschnallen, sive los schnallen Stieler 1891; schnalle das pferd los, abjunge equum, solve lora ac cingulas laxa! ebenda;
besäh nur ich nicht wäsch und kleid,
so liesz er, glaub ich, beides gar aus fäulnisz von dem leibe fallen;
ja manchmal thät es gar wohl noth, ihm schuh und hosen losz zu schnallen.
Günther 437.
schneiden, schneidend befreien oder trennen: ich musz einmal das kerbholz los schneiden (die kerben im holz abtrennen und dadurch die schuld tilgen). Luther br. 5, 448; viel vornehme leute, die munkelten, als hätte er sich selbst gehenkt, und wäre darnach von den seinen losz geschnitten worden, so wohl die schande als des scharfrichters unkosten zu vermeiden. Chr. Weise erzn. 94 Braune; ich will (ein ausgeber spricht) lieber mein amt antreten, und dem specke sein urtheil sprechen; und will die armen aufgehangnen schinken los schneiden lassen. Lessing 3, 70. schnellen, schnellend trennen: einen pfeil von dem bogen los schnellen; rund um des schiffes bord war ein eiserner rand und auf diesem standen maschinen, welche, gegen feindliche schiffe losgeschnellet, sie fest halten und an die galeere hinan bringen konnten. Stolberg 9, 150. schrauben, aus- et losschrauben, evolvere, retorquere cochleam Stieler 1918; ein schlosz los schrauben. schützen, den schutz entfernen:
und darumb läst er (gott) sich an seiner kirchen sehen,
schützt losz des zornes strom, verstopft für ihrem flehen
die ohren seiner gunst.
Opitz 3, 271.
schwätzen, schwätzend lösen oder entfernen: wohl ist mirs, dasz mein herz sich wieder öffnen, dasz ich das alles losschwätzen kann, was mich so drängt. Göthe 10, 151; auch nach los 7: drauf los schwätzen oder schwatzen, ohne zu überlegen. schwören, durch schwören frei machen oder trennen: aber der stolze hat sich von seiner mutter losgeschworen. Tieck 8, 8;
mein wille schwört sich los von dir,
warum mich zwingen dich zu lieben?
Wieland 21, 132.
sein, s. oben 3. spalten, spaltend trennen: von ihm (dem körper) und dessen ketzerischen einflüssen seine seele losspalten. J. Paul teuf. pap. 2, 21. spannen, vom angespanntsein lösen: ich habe auf mehr grabmälern einen losgespannten, oder gar zerbrochenen bogen .. als ein .. bild des verbrauchten lebens überhaupt, gefunden. Lessing 8, 231;
wo der Skamander mit dem Simois
zusammen strömt, hielt Juno Schwanenarm
die zügel an, spannt ihre rosse los.
Bürger 167ᵇ;
an Trojas mauern fängt es an zu schweigen,
der schlummer spannt die müden glieder los.
Schiller zerstör. von Troja 43;
alsbald spannt von dem langen harme
die ganze stadt der Teukrier sich los.
5.
spinnen, spinnend lösen: der ungeheure knäuel spinnt sich los. Klinger 2, 227; das gute essen, das gute trinken hat mich ganz umgeschaffen, und ganz andre empfindungen in mir losgesponnen. theater 3, 236. sprechen,
1)
nach los 1, frei sprechen, von schuld, strafe: da du unrecht urteil sprachest, und die unschüldigen verdamptest, aber die schüldigen los sprachest. Susanna 53; wen der geheime rath verdammt hatte, sprach der staatsrath wieder los. Schiller 809ᵇ; von der lehrzeit: sie hatte nicht unrecht, dasz sie auf ein gesellenstück bestand, ehe ich losgesprochen werden sollte. Hippel lebensl. 1, 119; deine lehrjahre sind vorüber; die natur hat dich losgesprochen. Göthe 20, 128; los sprechen mit dem genitiv der sache, von der man befreit wird: e. kurf. g. wollt uns desselben korns bei genanntem schösser los sprechen. Luther br. 2, 582;
zwangt ihr mit frechem possenspiel die richter,
den schuldigen des mordes los zu sprechen.
Schiller M. Stuart 1, 4;
da du dich sprachst der ehre los,
gabst mir den schwersten herzensstosz.
Göthe 12, 198;
mit der präp. von: sie (die kaiserliche majestät) verzeiht euch eure übertretungen, spricht euch von der acht und aller wohlverdienter strafe los. der junge Göthe 2, 145;
dann nehm ichs auf mich selbst, dich völlig los zu sprechen
von jeder andern forderung.
Wieland 22, 224 (Ober. 5, 62);
losgesprochen sind von allen pflichten
die in dieses heiligthum sich flüchten,
(von) allen schulden sterblicher natur.
Schiller das ideal u. d. leben.
2)
nach los 7, intransitiv auf einen los sprechen; ich sprach immer auf ihn los, aber er hörte nicht. sprengen,
1)
sprengend lösen: einen stein von der felswand lossprengen;
wurzelfasern, wie sie dringen,
sprengen wohl die felsen los.
Göthe 13, 280.
2)
nach los 7, auf ein ziel hin springen machen; mit acc.:
und als ich seinen (des rosses) zorn entflammet,
rasch auf den drachen spreng ichs los.
Schiller kampf mit d. drachen v. 141;
und ohne solchen, vom reiter selbst:
als der cid auf seinem rosse
lossprengt auf den haufen krieger.
Herder z. litt. 5, 118.
springen,
1)
springend sich lösen: ein knopf springt vom kleide los; stücke kalk sprangen von der wand los;
nimmer wird sein ruhm verhallen,
ehe nicht die letzte saite
schnarrend losspringt von der letzten
andalusischen guitarre.
H. Heine 18, 63.
2)
nach los 6, in springende bewegung geraten, aufspringen: man hört den kanonenschusz. Fiesko springt los. Schiller Fiesko 4, 14; und nach los 7, mit angabe des zieles: der hund sprang auf den mann los. spülen, spülend lösen: das entweichende vertönen (einer sich entfernenden musik) spülte die aufgehobenen seelen vom erdenufer los. J. Paul Hesp. 3, 239. steuern, nach los 7, nach einem ziele sich steuernd wenden: auf ein land lossteuern. Beckers weltgesch. 7, 37; sie liebt mich, so sehr sie sich auch verstellt, und darauf will ich lossteuern. Klinger 1, 408; weil ihr bisheriges geschäft sich nur vorbereitend auf das grosze unternehmen bezog, auf welches wir sie lossteuern sehen. Göthe 23, 199. streichen, streichend entfernen:
gleich wie ein wilder ochs, als er am kopf empfindet,
das man die hörner jhm mit einem seile bindet,
aufspringet hin und her, und wind sich umb und umb,
kan aber doch darvon sich nicht losstreichen drumb.
D. v. d. Werder Ariost 11, 42, 4.
streifen, abstreifen: den strumpf vom beine los streifen. stricken, festgestricktes lösen:
ein plötzlich unvermögen
strickt jede sehne mir in allen gliedern los.
Wieland 22, 153 (Oberon 4, 14);
und nach der letzten schale (des trankes)
strickt unvermerkt, am quell auf kühlem moos,
der süsze tröster alles kummers
das band der müden glieder los,
und lieblich ruhn sie aus im weichen arm des schlummers.
23, 40 (7, 61).
stufen, im bergwesen, mit dem fimmel grobschlächtiges und schiefriges gestein in groszen wänden oder stücken losschlagen. Jacobsson 2, 634ᵇ. stürmen, nach los 7: auf den feind los stürmen, in hostem irruere. Steinbach 2, 762; er stürmt auf seine gesundheit los, vires corporis frangit. ebenda; dasz er als ein wahrer gartengott, ohne wahl, ohne geschmack auf alles, was weiblichen geschlechts gewesen, losgestürmet sei. Lessing 4, 40; die Araber stürmten sogleich auf alle bücher los, nach ihrer ansicht nur überflüssige oder schädliche schreibereien. Göthe 6, 39. stürzen, ebenso: er stürzte auf einen bekannten los, der ihm zufällig begegnete;
sie (die schlange) stürzt mit furchtbarer stimme
auf ihren raub sich los.
Schiller räthsel (der blitz);
reflexiv:
da stürzt sich mit der ehrnen kette
hoch vom gebirg der winter los;
er macht die welt zur grabesstätte.
Körner werke 2, 16.
thauen, aufthauen:
(dasz wir) uns endlich wagten in die losgethaute see.
Freiligrath dicht. 2, 125.
thun, aufthun:
da thut sich herz und keller los,
die küche darf nicht ruhn;
auf weicher betten flaumen-schoos
kann man sich gütlich thun.
Göthe 1, 149.
trennen, abtrennen: platten von mauerstärke haben sich von dem übrigen gesteine losgetrennt. Göthe 16, 222; läszt sich denn, um den sinn auf eine andere weise auszusprechen, ein ideeller bezug aufs wirkliche von diesem lostrennen? 29, 177; denn man findet doch überall ein irrsal unter den menschen, das sie vom vertrauen lostrennt, indem sie es anzuknüpfen wünschen. an Knebel 547. walken, nach los 7, auf einen losschlagen: herr Dipsychus walkte zehnmal auf mich los, ohne mir zu sagen warum? und mein puckel konnte es doch nicht wissen. Hermes Sophiens reise 3, 227. wälzen, fortwälzen von sich:
und alle schmerzen jammervoller liebe
wälz ich im letzten seufzer auf ihn los.
Göthe 7, 314.
weinen, durch weinen von sich entfernen: sich lindrung zu schaffen, empfindungsdrang von ihrem wunden herzen loszuweinen. Fr. Müller 1, 8; durch weinen lösen (hier vom körper):
Anna stöhnt; die schlanken glieder
neigen sich, die blumen wallen
aus den zarten händen nieder:
o da bricht ihr mattes, losgeweintes herz.
2, 338.
werden, s. oben 4. wickeln, gewickeltes lösen: garn von der winde los wickeln; übertragen: kaum hatte ich meinen freund losgewickelt (von einem unangenehmen begleiter). Göthe 38, 123; gewöhnlich reflexiv: dasz sie sich von ihrer wissenschaft niemals loswickeln können. J. E. Schlegel 5, 73; gedächte man sich von der mühsamkeit dieser untersuchungen .. loszuwickeln. Kant 2, 122; mein freund ist hier in gewissen verhältnissen, woraus er sich wohl so bald nicht los wickeln kann. Wieland 8, 275; kaum hatte dem herzog von Anjou seine wahl zum könig von Polen den scheinbaren vorwand gegeben, von den Rochellern durch einen vertrag .. sich loszuwickeln. Schiller 1077ᵇ; o feurig faszt ich wieder den entschlusz, mich von so manchen mängeln loszuwickeln. J. Paul Titan 2, 59. winden, windend lösen: ein seil vom pfahl los winden; er wand die schnur vom packet los; mit einem eurer blicke mich von der marter loszuwinden, wie wenig kostet das! Klinger 1, 45;
hoch im lichte jener scene
wand aus Amphitritens schoosz
Cypris Anadyomene
sanft die schönen glieder los.
Bürger 1ᵇ;
reflexiv: bis ich in der halle mich bei der hand ergriffen fühle ... aus scham muszt ich stand halten: mich von ihm loszuwinden, würde die vorbeigehenden zu aufmerksam auf uns gemacht haben. Lessing 2, 137; mit mühe musz ich mich von dem plane loswinden. Herder z. litt. 4, 41; Viktor hatte sich leise von den kindlichen lippen losgewunden. J. Paul Hesp. 1, 275;
winde von deinem jammer dich los, du geliebter!
Klopstock 4, 222;
er .. wand aus ihrem arm sich los.
Wieland 18, 36;
und macht es ihr so schwer,
mit guter art sich von ihm los zu winden.
187;
bis sich sein geist
vom staube loswand.
Hölty 45 Halm;
wohl gedeiht die lust der gatten
wohl durch sie (die liebe) im mutterschoosz;
ohne weh im myrtenschatten
windet sich ihr segen los.
Bürger 3ᵃ;
jetzt wand sich von dem sinnenschlafe
die freie schöne seele los.
Schiller die künstler v. 180;
und jetzo windet sich aus Tithons goldnem schoosz
des morgens junge göttin los.
Dido 106;
was ich hatt empfunden
in der brust so warm,
wie sichs losgewunden,
steht es da so arm.
Rückert ges. ged. 1, 302;
wie wenn im frühling tausendfältig sich
ein buntes grün hat ringend losgewunden.
326;
und als ihr holder bräutigam
sie innig in die arme schlosz,
da wanden blümlein wonnesam
sich aus den knospen los.
Uhland ged. 196.
wirken,
1)
nach los 1, durch anwendung von mühe frei machen: einen aus der gefangenschaft los wirken; reflexiv: womit sie sich los wirken, damit machen sie uns auch los. Luther 3, 450ᵇ;
es (das thier) streubt sich sehr, und kann doch nicht los würken sich.
D. v. d. Werder Ariost 11, 42, 8;
mit dem genitiv der zu entäuszernden sache:
dasz schlechter vorsatz sich nicht würkt der strafe los.
Lohenstein Epichar. 96, 528;
mit präp. von oder aus: kaum hat er (der mensch) sich von der gefahr seiner kindheit losgewirket, so fället er in eine andere seiner jugend. Butschky kanzl. 640; wenn erhebliche und grundmäszige ursachen einen von seiner getahnen pflicht loswirken. 115; hammer, strick und dergleichen brechzeug, sich aus der verhaft loszuwürken. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. (1653) 1, 309.
2)
nach los 7, seine thätigkeit gegen einen richten:
blitzelement! seht, aus zwölf feuerschlünden
wirkt jetzt der Wrangel auf den Hennings los!
H. v. Kleist prinz Friedr. v. Homburg 2, 2.
wischen, nach los 7, auf einen oder etwas zufahren: wischten sie auf einander los. Harnisch 99; tapfer mit der speise zum maule loswischen. 124. wühlen, wühlend lösen:
so deckte die Achäer weiszer staub,
der unter ihnen, von dem hufgalopp
herum geschwenkter rosse los gewühlt,
empor zum firmament des himmels stieg.
Bürger 164ᵃ.
zählen, frei sprechen: da sind die beklagten schon loszgezehlet. Chr. Weise comöd. 12; meinetwegen mag Naboth gar loszgezehlet werden. freim. redner 147;
lasz, wenn der sachen eigenschaft
und ihre fälle zweifelhaft,
mich mehr geneigt sein loszuzählen,
als strenge strafen zu erwählen.
Brockes 3, 691;
vielleicht hat man dich losgezählet,
die ketten sind für uns, für dich der tod gewählet.
J. E. Schlegel 1, 160;
mit gen.: mich meines dienstes los zu zählen. Schweinichen 2, 154; damit die geleitsleute des bestricknisses (der haft) los gezählet worden. 3, 54; da zehlete er auch die andern ihrer missethaten losz. pers. baumg. 2, 15; mit präp. von: bitte ich, mein geehrter herr wolle mich von meinem versprechen loszehlen. Butschky kanzl. 105; will mich herr Isaac von der verantwortung losz zehlen. Chr. Weise comöd. 104; Henricus V versprach bei des vaters lebzeiten sich keiner regierung anzumaszen, ob ihn gleich Paschalis II nachgehends von dieser verbündlichkeit eigenmächtig loszehlte. Hahn hist. 3 (1723), 101; der ehebruch war das einzige (laster), wovon ihn auch seine freunde nicht loszehlen konnten. Lessing 4, 26; ein jeder glaubte nun, durch meine verderblichen anschläge gegen die republik von der dankbarkeit vollkommen losgezählt zu sein, die er mir für dienste oder wohlthaten schuldig sein mochte. Wieland 2, 121; das volk ... hält sich von aller pflicht der dankbarkeit losgezählt, so bald es sich in seinen ausschweifenden erwartungen betrogen sieht. 7, 45; gesetze, von deren verbindlichkeit uns nichts loszählen kann. 129; nun wüszte ich aber in der welt gottes kein privilegium, welches irgend einen schreibenden menschen in irgend einem falle von der wahl dieser einzigen, angemessensten, zweckmäszigsten, vollkommensten bezeichnungsart loszählen könnte. Bürger 374ᵇ; durch den eigenen arm Wallensteins zum dictator von Deutschland gemacht, konnte er (Gustav Adolf) gegen diesen selbst seine waffen kehren und sich von jeder pflicht der erkenntlichkeit gegen einen verräther für losgezählt halten. Schiller 952ᵇ;
ich weisz zwar, dasz dein sohn sein heilges blut vergossen,
und von der missethat uns alle loszgezehlt.
Caniz 16;
von jeder pflicht, die mich an Griechen band,
erklär ich mich auf ewig losgezählet.
Schiller zerstör. von Troja 27;
und eben das ist meiner sendung zweck,
von jeglicher verpflichtung, jedem eide,
wodurch ihr euch gebunden möchtet glauben,
euch loszuzählen, wie andurch geschieht.
Uhland Ludwig 134.
ziehen,
1)
nach los 1, ziehend entfernen: einen aufgenähten besatz vom kleide los ziehen.
2)
nach los 6, zu ziehen beginnen; übertragen: er hat trefflich los gezogen, omnia detexit et in aperto posuit. Steinbach 2, 1115.
3)
nach los 7, mit angabe des zieles, sich gegen einen oder etwas in bewegung setzen; örtlich: auf einen ort los ziehen; er zog mit den trümmern seines heeres auf die stadt N. los; übertragen, in bezug auf den tadel jemandes, gewöhnlich mit auf: dieser als er sahe, dasz er keine hoffnung zum leben mehr hatte, begunnte heftig auf den könig los zu ziehen. pers. rosenth. 1, 1; wie wird der alte auf mich losziehen! Lessing 1, 285; wir zogen auf Sickingen los. der junge Göthe 2, 152; auch mit gegen, wider: gegen etwas mit mürrischem tadel losziehen. Kant 7, 410; glaubte ich der filosofie noch die genugthuung schuldig zu sein, öffentlich gegen ihn und die edle römische jugend, die ich in seinem hause kennen gelernt hatte, in einem sehr heftigen tone los zu ziehen. Wieland 28, 175; er empfing täglich und stündlich nachrichten, wie unziemlich der zunftmeister und der priester Strobylus mit ihrem anhange wider ihn loszögen. 20, 55; mit über: über einen abwesenden los ziehen. zucken, nach los 7:
zischend zuckt die meeresschlange,
die gewaltge auf ihn los.
Freiligrath dicht. 1, 16.
zünden, wie los brennen: ein stück los zünden, exonerare tormentum Stieler 2654; jetzt aber hab ich alles losgezündet. J. Paul uns. loge 1, 173; morgen zünd ich sonach los (verwirkliche meinen plan). Hesp. 2, 34. zupfen:
ich träumt, ich war ein vögelein,
und flog auf ihren schoos,
und zupft ihr, um nicht lasz zu sein,
die busenschleifen los.
Hölty 35 Halm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1156, Z. 73.

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Zitationshilfe
„loos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/loos>.

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