Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lotter, adj.

lotter, adj.
schlaff, nicht fest sitzend, hangend; ahd. lotar, cassus, vanus, inanis Graff 2, 204; mhd. loter, locker, leichtsinnig, leichtfertig; die sinnliche bedeutung tritt im bairischen (hier neben der übertragenen) und im Fuldaischen noch heute auf: lotter, locker, abgespannt Schm. 1, 1540; lotter, locker, wackelig, schlaff Vilmar 254 (vgl. auch lottericht, lotterig); wann derselbig stein, der doch mit einem kalch oder katt wurd vergossen, anfahe lotter werden und wacken. Zimm. chron. 3, 131, 24; damit aber solche helm und sturmhüt durch die hitz und schweisz des kopfs nicht von einander fallen und lotter werden. Fronsperger kriegsb. 3, 149ᵇ; wickelt das hun mit ein oder zwei kälber-netzlein über und über ein, das netz aber musz ganz lotter über dem hun sein. Hohberg 3, 3, 54ᵇ. auch Steinbach 1, 1081 kennt lotter für locker. Der stamm von lotter tritt als lod- in einer sp. 1116 fgg. aufgeführten und als lud- in einer unten folgenden reihe von worten auf, in denen gemeinsam mehr oder weniger deutlich der begriff der zotte und des lumpens zu tage tritt. das schwanken der dentale wie in dem wol auch verwandten verbum schlottern, für das sich, namentlich mitteldeutsch, auch slodern, bei Luther schloddern findet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1210, Z. 11.

lotter, m.

lotter, m.
nequam. das wort bezeichnet bei seinem frühesten vorkommen als ags. loddere, schlechthin einen zerlumpten kerl: ac se rîca besihđ on his pällenum gyrlum, and cwyđ: nis se loddere mid his tættecum (lumpen) mîn gelîca. Älfric Homil. 1, 256; im mhd. und noch später geht loter, lotter, loder vornehmlich auf den herumziehenden gaukler und spaszmacher, possenreiszer um geld, mit schimpflichem nebensinne: histrio loder, lodder Dief. 279ᵃ; nebulo lotir 377ᵇ; scurra lotter 522ᵃ; lotter, vispilio, parasitus, lotricus, fictum a sono, est homo scurrilis et inutilis, ut histrio et leno. voc. inc. theut. n 2ᵃ; lotter, speivogel, der vil glächters anricht, damit und er mulefe mög machen. Maaler 274ᵈ; item man sol auch ainicherlei spillewt oder lotter zu ainicher hochzeit nit herein, noch zu der malzeit laden, noch da essen lassen, ausgenomen die, die mit ainem preutigam oder praut vom land herein komen, oder die der statt schilt trügen. Nürnb. pol.-ordn. 79; da kommen den tag allerlei spilleuth, lotter, freiharten, die haben auch jr ernd auf der hochzeit. S. Frank weltb. 130ᵃ; naszpfriemenborer, lotter, jaufskinder, träumendäuter. Fischart groszm. 89;
sô springet der grille hin und her,
als loter und ander hovenager.
Renner 5690;
richter ohne recht,
lotther und spitzknecht ...
mag man auf erden wol gerathen.
Luther tischr. 457ᵇ;
thun solchs (gaukelspiel treiben) die freien lotter nit,
und gewinnen dannoch gelt darmit?
grob. A 8ᵇ (b. 1, cap. 3);
dann aber auch lotter, wie taugenichts, fauler oder liederlicher kerl schlechthin, mehr oder weniger scharf hervorgehoben: die gemein (hure) werd nit von den töchtern Israhel, noch der lotter von den sünen Israhel. bibel von 1483 94ᵇ (non erit meretrix de filiabus Israël nec scortator de filiis Israël. 5 Mos. 23, 17); er bestellet mit dem silber arm man und lotter und die volgten im nach. 115ᵇ (qui conduxit sibi ex eo viros inopes et vagos, secutique sunt eum. richt. 9, 4); luͦg aber du, das du dem lotterbetlin nit entsprechest, das du nit ein lotter seiest. Keisersberg evang. 1517 48ᵃ; der welt leben, das ein yeder mörder, lotter, dieb .. kan zucken. kriegb. d. fr. 27; selbst nur in bezug auf niedrige geburt gesagt: nicht ein sölchen eiden (eidam) als der, die do von edeler art geporn sein, sunder einen loter. Steinhöwel dec. 101, 11 Keller;
mainswerer und maintäter,
lotter, glisner und verräter.
teuf. netz 13349;
als schimpfwort:
du zututtler, verreter und fensterloser,
du lotter, du schalk und hurntreiber.
fastn. sp. 89, 10;
find ich dich hie, du lotter und schalk?
253, 13;
schelm, schelm, keib, keib, böswicht, kätzer,
mörder, lotter, lugner, schwätzer!
864, 27;
du frouwenschänder, verfluechter lotter!
865, 14;
was streichst du hier herum, du träger lotter?
Tieck 3, 298;
endlich verliert das wort auch den schimpflichen beisinn, und sagt nicht mehr wie kerl in derber rede (vgl. theil 5, 585 unten 586): rufet der bauer seinem jungen und gesind: buben wo seid ihr lotter? Kirchhof wendunm. (1602) 4, 144; im bairischen steht loder, gerade wie allgemein bueb, gewöhnlich ohne gerade übeln nebenbegriff für bursche, kerl, geliebter, mannsperson überhaupt. Schm. 1, 1541 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1210, Z. 32.

lotter, f.

lotter, f.
in Baiern die lotterbank, faulbank hinter dem ofen. Schm. 1, 1541 Fromm. in Schwaben aber bezeichnet die lotter das gehänge am schnurrrade. Schmid 360. in Hessen bedeutet die lotter die latte. Vilmar 253.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1211, Z. 13.

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Zitationshilfe
„lotter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lotter>.

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