Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lotterbube, m.

lotterbube, m.
bube eines lotters, lotter selbst, gaukler (vergl. auch unter lotterholz): histrio lodderboeve Dief. 279ᵃ; scurra loterbuob 522ᵃ; in der fürsten hofe vindet man loterbuben, spilleute, schmaicher. A. v. Eybe 41ᵃ; begert sich aber mit musziggehn zu erneren, darum übt er sich in reimen und sprechen, wie dann solche lotterbuben vor jaren in sondren deliciis bei unsern vordern sein gewest. Zimm. chr. 3, 7, 9; lieber aber welchen spilman oder welchen landstreicher und lotterbuben woltestu lieber sehen, dann dise (mönche), wann sie in irer predig nach der kunst der rhetorik daher faren. S. Frank mor. encom. 56ᵇ; auch mensch, der niedrige arbeiten verrichtet: du dorechter mensch, was erspringst du vor freuden under der schweren bürden, ... du soltest dich billiger beclagen und übel gehaben als ein lotterbuͦb der ein sack treit. Keisersberg bilg. 98ᵇ; verächtlich für einen herumziehenden oder herumlungernden menschen, landstreicher, vagabunden: etliche sprachen, was wil dieser lotterbube sagen? apost. gesch. 17, 18, mit der anmerkung: spermologos im griechischen heiszen lotterbuben, tyriackskremer, freiheten und des gesindes das mit unnützem gewesch hin und wider im lande sich neeret. Bindseils bibel 7, 353; treffliche kunst were das (etwas so verkehrt zu übersetzen), welche auch die lotterbuben wol köndten. Luther 3, 342ᵇ; wer der zerrissene lotterbube were. Bocc. (1580) 1, 32ᵇ; ein sauberes kleid zieret den mann zwar, es machet ihn aber nicht gelehrter; es folget aber nicht, dasz man deswegen wie ein schmiracke herein ziehen, und als ein lotterbube die straszen durchstreichen soll. unw. doctor 530;
ein lotterbub trieb jmmer fort
scherzweise des Menalcæ wort.
L. Sandrub kurzweil 126;
als eine schelte für einen sittlich verwarlosten menschen: das ich mich an diesen lotterbuͦben rechen mög. Aimon bog. e; weich von mir, du lotterbuͦb. ebenda; der verwegenste lotterbube von der welt. avantür. 2, 219; ein aus den zehn hälsen dieser lotterbuben gestoszenes schimpfwort. Thümmel 2, 42; ohne sich vor dem kothe zu fürchten, den lotterbuben darfür auf ihn werfen würden. Lessing 8, 158; ich betrat die festung .. als ein verirrter und verliesz sie als ein lotterbube. Schiller 707ᵇ. zusammenstellung mit ähnlichen bezeichnungen: tolle, unsinnige narren, oder lotterbuben, die uber tissche, von eisern vogeln sagen, so uber den see fliegen, oder vom schwarzen schnee, der im sommer fellt, damit sie ein gelechter den gesten anrichten. eben solchen tollen narren oder lotterbuben machen die schwermer aus Christo auch. Luther 3, 474ᵃ; diese wort sind durch den mund gottes gesprochen, ob sie wol die schwermer nit höher achten, denn als hette sie etwa ein lotterbube oder trunkenbold gesprochen. 489ᵇ; hiesz ein mönch auf dem predigstuel s. Paul einen lotterbuben und lügner. tischr. 262ᵇ; du lebest nit als ein christ, nicht als ein edelmann, sonder als ein lotterbub, zunichtiger, verzweifelter, schandlichster und fäulester schelm. Bebel facet. 1589 72ᵃ; (reden, hergenommen) ausz den commenten des cölnischen kartenhäuserbruders Laurentii Surii, ... welchen doctor Peucer in seiner chronic deszhalben ein scurram, das ist ein carthäuserischen lotterbuben und holhieper nennet. Fischart bienk. 194; das sind werk, die den lotterbuben und bösen leuten zugehören. Bocc. (1580) 1, 15ᵇ; und das ist wieder ein streich von diesem verwünschten taugenichts! ha, lotterbube! Schiller neffe als onkel 3, 2;
wir dürfen keinen narren schmeicheln,
und keinen lotterbuben heucheln,
berangt, betitelt, wie sie sind!
Gökingk 1, 116;
gegensatz zu ehrender benennung:
nach kurzem lärm legt Fama sich zur ruh,
vergessen wird der held so wie der lotterbube.
Göthe 57, 279.
in der form lottersbube: lottersbuͦb, nüt söllender mensch, nebulo, planus Maaler 274ᵈ; (Caligula) war der aller ungeheürest mensch, der alle verthanen lotthers buͦben übertraf. S. Frank teutscher nat. chron. (1539) 23ᵇ; also kommen auch in die arznei alle die faulen und heillosen lottersbuben und verkaufen ihr arznei, es reime sich oder nit. Paracelsus 1589 2, 180;
was meinstu loters pub do mit?
H. Folz, fastn. sp. 1277;
sag her du lottersz pub.
1291;
war ists, er schilt uns lottersbuben.
trag. Joh. K 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1211, Z. 65.

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Zitationshilfe
„lotterbube“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lotterbube>.

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