Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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luder, m.

luder, m.
cadaver, vita dissoluta.
1)
das nur noch mittelhochdeutsch und mitteldeutsch vorkommende wort heiszt dort luoder, lûder, die ahd. form ist nicht belegt; lautete sie, wie anzunehmen, hluodar, so sind die nächsten verwandten des wortes zuvörderst in der ältesten nachweisbaren zeit das altniederfränkische hlôtha und das ags. hlôđ (beides fem.); jenes in der bedeutung beute: (garu te) hlôthu (paratus ad) praedam gloss. Lips. 578; dieses im sinne von haufe, schaar (Grein sprachschatz 2, 87), woneben aber eine glosse hlêđa praedator (ebenda 1, 87) auch auf die altniederfränkische bedeutung hinweist; beides deutet auf etymologischen zusammenhang mit dem verbum goth. hlaþan, ags. hladan, unserem laden (sp. 41), wobei die beute als das auf- oder in schiffe eingeladene gedacht sein musz, und der begriff haufe, schaar sich wie in dem verwandten last ausgebildet hat (vgl. sp. 250). dem ags. hlôđ in der bedeutung steht zunächst mhd. luot, schaar, menge in verächtlicher bedeutung (vergl. Germ. 7, 301), mitteld. lût auch ohne diesen nebensinn:
vor der werdin vrouwin lût.
Jeroschin 18926;
aber auch hier zeigt das mitteldeutsche verbum lûden berauben:
irscheinit ôt in der geschicht,
als ir in in dî bûdin
wolt loufin und sî lûdin.
3331,
die beziehung auf beute und beutezug; und von dieser beziehung geht nun auch die weitere bildung mitteld. lûder aus, die bei Jeroschin einigemal geradezu hinterhalt, auflauern bedeutet:
des hatten ir genumen war
von Libenzelle Fridderîch,
von Aldinburc brûdir Dîterîch
in einre lâge lûdere (beim auflauern in einem hinterhalt).
23200;
nû wurden doch der vlucht gewar
in der lâge dî brûdere
und sprengeten ûʒ dem lûdere.
25951.
2)
mhd. luoder scheint in dieser allgemeinern bedeutung nicht gestanden zu haben, vielmehr schon früh auf die technische sprache, zunächst der falkner, beschränkt gewesen zu sein; mit luoder, später luder, bezeichneten dieselben das, was sie dem falken als raub oder beute hinhielten, eine in gestalt eines vogels geformte lockspeise: man sol auch dem valken von der paisze wider locken mit groszer grober stimme als man den hunden locket, nit zu der hand, sunder zu dem luder usz vier oder usz fünf flügeln in ains vogels weise zusamen gepunden, und das selb luder sol an ein schnur gehenkt sein und der selb valkner sol auch das selb luder mit der schnur bewegen und umbwerfen und den valken darzu .. mit grober stimme locken. Mynsinger 6 (vergl. auch lockluder sp. 1114); einen falken mit werfung des vorloszes oder federspiels, welches von einigen luder genennet wird, ... zu sich locken. Eggers kriegslex. 2, 86;
ich schrai und lies mein luder laufen umbe ...
dô begund er (der falke) keren,
als er das luder sæhe.
minnefalkner 111. 112;
in einem bilde:
dîn luoder hât dem valken schône gelocket
daʒ er sich durch die himel swanc.
meisterl. der Kolmarer handschr. 172, 22;
ausnahmsweise als masc.: ihr sollt ihnen etwas lebendiges auf den luder binden. falconaria von 1617 s. 116.
3)
luder, auch von den jägern aufgenommen, eine lockspeise für raubthiere: luder .. bei der jägerei wird insonderheit dasjenige darunter verstanden, womit ein wildes reiszendes thier herzu gelocket wird, damit es desto besser und beqvemer gefangen oder geschossen werden möge. öcon. lex. 1459; im winter fressen sie (die füchse) auch pflaumen und gedörrete birnen, mit denen man sie auch ludert. das beste luder aber für sie ist ein gebratener hering, mit dem man sie leicht an einen ort gewöhnen, und hernach schieszen kan. Becher jägercabinet (1778) 898.
4)
luder der körper gefallener thiere (in ähnlichem bedeutungsübergange wie aas theil 1 sp. 6): luder heiszet soviel als ein gefallenes vieh, oder ein aas; ferner ein verendetes und schon verdorbenes stück wildpret. Heppe leithund 433 (doch ist der ausdruck in bezug auf wild in der sprache der rechten jäger verpönt: der ausdruck luder oder aas darf überhaupt von keinem jagdthier weder im ernste noch im scherze gebraucht werden. Hartig lehrbuch für jäger 1, 16); luder, beim wallfischfang, das fleisch des wallfisches, das als unbrauchbar in die see geworfen wird. Frisch 1, 626ᶜ; halb verfaulte luder .. sie mögen wildpret heiszen oder nicht. ehe eines mannes 453; drum hat er (der rabe) zu viel luder gefressen, als unsere schönen pferde verreckten. Hebel 2, 106; sich aus dem luder schleppen, vom frasze weg, in der fabel vom esel, der es dem löwen gleich thun wollte (vgl. dazu die stelle aus Lessing unter ludern 3):
ein esel schleppt sich aus dem luder;
ein löwe kömmt ihm zu gesicht;
zu diesem naht er sich, und spricht:
ich grüsze dich, mein lieber bruder!
Hagedorn 2, 25;
luder vom menschlichen cadaver, der den thieren zum frasze dient: teiche (hat das vorwerk), in welchen sich mehr menschen ersäuft haben, als tropfen wasser darinne sind. und da sich also die fische von lauter menschlichem luder nähren, so können sie leicht denken, was das für fische sein mögen? Lessing 1, 488. luder wird auch vom fleisch lebender pferde gebraucht ( Adelung): das luder fällt dem pferde von dem leibe, wenn es mager wird; es bekommt luder, setzt luder an, wenn es fleisch ansetzt; es ist in diesem sinne landschaftlich meisznisch: auf dem pferde leit (liegt) recht luder, es ist fleischig, feist.
5)
anlehnend an die bedeutungen 3 und 4 heiszt luder lockung, anreizung, lockmittel überhaupt: wan sich dein huͤner umb das luͦder ziehen, ie vier umb ein bissen brots. Ulenspiegel 8, s. 9 Lappenberg;
sonder beid mann und weib sich fleiszen,
das sie uns alle schmach beweisen
mit leimruten und gprentenwein,
und was dergleichen luder sein.
Fischart flöhh. 662;
namentlich auch lockmittel für menschen; das folgende beispiel zeigt besonders deutlich den übergang: sie seint dem teufel als ein luder oder als asz die selen zu fahen. Keisersberg narrensch. 27ᵇ; solches luder (des teufels) ist die fleisches lust. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. 2, 135;
für böser weiber stank und luder
bewahre dich.
Brodtkorb umarbeitung von Ringwalds wahrh. 379;
es heiszt ein luder legen, eine lockung als falle: uns sei gewis ein luder gelegt. Schertlin br. 67;
alsdann mag auch ein klosterbruder
legen im sacrament ein luder,
und in der osty auch vergeben
eim kaiser (mit bezug auf Heinrich VII).
Fischart ermanung an die bünd bäpstler v. 56;
ein luder vorwerfen:
und bist dar zuo ein feind der pfaffen,
und aller gerechten frumen cristen,
und meinst, wollest in dise lant zu nisten,
und würfst in für ein süszes luoder.
fastn. sp. 290, 12.
6)
luder, sündliches wolleben, schlemmerei (als das, was in die hölle lockt, vergl. 5):
er (ein herr) sol ouch ritters namen sô tragen,
daʒ in der lîp iht muge verjagen
ûʒ gêrten siten in leckerlîcheʒ luoder.
minnes. 2, 189, 68 Hagen;
luoder verderbet manegen man.
Renner 9814;
dô dirre selbe brûdir
gelîʒ des werlde lûdir
und in den ordin sich geswûr.
Jeroschin 10416;
die welt ist bodenlosz, gelt regiert alle ding. was sagt aber der herr zu diesem luͦder? S. Frank trunkenh. g 4ᵃ; ich sahe bettler im luder und reiche filze hunger leiden. Simpl. 1, 346 Kurz;
ich und all mein pruder (spricht der abt)
müszen haben volles luder.
ich und auch die münch mein
müszen allweg vol sein.
fastn. sp. 605, 15.
es heiszt ins luder fallen, gerathen: wie leichtlich die jugent verlassend alle erbarkeit, besunder so sy kein zucht hat, in allen luͦder und wollust fellt. S. Frank chron. 1531 139ᵃ; als ich noch jung, war ich der arbeit heftig gram, schlug dieselbige aus und gerieth ins luder. A. Gryphius 1698 1, 186; im luder leben: wann sie im luder leben, fressen und saufen. Hohberg 1, 82ᵇ; der säufer lebte tag und nacht im luder. Chr. Weise lustredner 397; dabei aber unaufhörlich im ärgsten luder lebten. ehe eines weibes 286; häufig im luder liegen: im luͦder ligen und zächen, perbacchari, pergraecari Maaler 276ᵃ; so dann der fürst im luͦder liegt und lasset die räth regieren, wie gehet es? S. Frank trunkenh. e 3;
si neiden mich, das ich im luder nit ligen wil,
und auch das mein mit in verspil.
fastn. sp. 784, 25;
grosz boch und nit vermügen,
im brasz und luͦder ligen (thun adel und knechte).
Uhland volksl. 372;
ich lig auch gern im luder.
598 (Garg. 93ᵃ);
die bawren führen grosze fuder,
ligen mit den forstern im luder.
H. Sachs 1, 424ᵈ;
dagegen war der ander bruder,
der soff sich voll und lag im luder,
und lebt beid, tag und nacht, im sausz.
B. Waldis Esop 3, 94, 28;
darneben auch das eure wart,
liegt nicht im luder, arbeit hart.
B. Ringwald getr. Eck. J 3ᵇ;
Hans Fratz, ein schlucker und zechbruder,
der stehts gelegen in dem luder.
Weckherlin 825.
7)
luder (ausgehend von oben 4) als äuszerst kräftiges schimpfwort wie aas, vgl. auch keibe theil 5, 431:
si sprach: eʒ tuot mîn muoter
mit mir niht wan bâgen;
si ist des tiuvels luoder.
minnes. 3, 227ᵇ Hagen;
von weibern, mit hinblick auf geschlechtliche verführung: dieser Gumprian het ain hipsch, jungs, raisigs weib, dem er halt ganz ungleich und ungemesz war; dann so sie nachts gern bocket het, so war er nit gefast und ganz zu leucht uf disz luder. Zimm. chron. 1, 492, 21; haben sie uf dem landt zwo jung nehernen ufgelesen; dieselbigen luder haben sie geen Mösskirch .. beschaiden. 2, 598, 24; ja er wendete nicht geringe geldsummen an dieses luder (eine französische comödiantin). Felsenb. 4, 209; so red doch, so sag was dir fehlt, das luder (die braut) ist deiner nicht werth gewesen. Lenz 1, 283; eine ganz bestialische leidenschaft eines überkräftigen, gottbegabten helden (des Simson) zu dem verfluchtesten luder, das die erde trägt. Göthe an Zelter 179; von andern personen und thieren: befahl er, das luder von einem elenden bescheeler in den hof zu führen. J. Paul uns. loge 1, 22;
(hierein komme) bei leib kein schafsgro katzenwollen luder (kein Franciscanermönch).
Garg. 279ᵇ;
ich merkte kurz darauf, wen dieses luder schalt (die misgunst als person).
Günther 515;
ja, bruder, glaube mir, das luder mit drei rachen
wollt ich, mein seel, so zahm wie einen schoszhund machen.
Zachariä 1, 73;
und dennoch tanzt man, wenn die luder pfeifen (Mephisto von den Lamien).
Göthe 41, 144;
auch von sich selbst in derber gutmütiger rede gebraucht: wenn ich kein so geldscheues luder wär, wollt ihn auf der stelle ausgelöst haben. Fr. Müller 2, 113; und endlich bei einem baumstamme liesz er (der schneidergesell) sich sachte niedersinken, .. und wehmüthig lächelnd rief er: da bin ich armes schindluderchen schon wieder marode! H. Heine 1, 22. auch bedauernd heiszt es mit derbem ausdruck: er ist ein armes luder;
hungern musz das stolze pferd.
dem armen luder, dem esel, aber
wird niemals fehlen sein heu und haber.
H. Heine 18, 255;
beim gemeinen mann meint ein oft gehörtes du bist ein dummes luder nicht mehr als du bist dumm; er ist ein gutes luder, ist gutmütig.
8)
auch von sachen: mit dem luder von einer feder kann man nicht schreiben; das luder von tisch wackelt; vgl. Schm. 1, 1446 Fromm. so steht luder für etwas abscheuliches, verächtliches schlechthin, namentlich in der formel des gemeinen lebens das ist unter dem luder, das ist unter allem luder; vgl. unten ludergaul schlechtes pferd, luderleben 2, gemeines, verächtliches leben; wiederum aber auch verstärkend (wie schweiz. keibe theil 5, 432, vergl. unten luderkerl, ludermäszig): wie's luder im bairischen und alemannischen sprachgebrauche, überaus, höchst, namentlich in bezug auf ausgelassenes wesen gebraucht Schm. 1, 1417. Fromm. 4, 502; elsässisch:
wenn 'r e schêns meidel sieht,
lôcht er wie 's lueder.
5, 113, 12;
schweiz. ist luder, lueder ausgelassene fröhlichkeit, ein luder haben, ungebunden lustig sein. Stalder 2, 182.
9)
luder, in enger berührung mit dem zuletzt angegebenen gebrauche, spott, hohn: sein luder oder gespot treiben, illudere voc. theut. von 1482 bei Lexer wb. 1, 1986. vergl. schindluder.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1231, Z. 23.

luder, m.

luder, m.
nebenform zu ludel fetzen sp. 1230: den stain (in der büchse) mit guten ludern wol verschoppen. codex von 1429 bei Schm. 1, 1445; nimm ludern oder hadern. ebenda; luͦder (statt luder), lunte, eine büchse loszuschieszen 1447.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1234, Z. 12.

luder, adj.

luder, adj.
lumpicht, schlaff wie fetzen: luck, luder, laxus, flaccidus Dasyp.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1234, Z. 16.

ludern, verb.

ludern, verb.,
nach luder in mehreren bedeutungen.
1)
vgl. luder 2, einen falken mit dem luder locken: ludern heiszt auch insonderheit bei der falknerei, einen falken mit werfung des vorloszes oder federspieles, welches von einigen luder genennet wird, oder durch schwingung eines handschuhes zu sich locken. Eggers kriegslex. 2, 86; die vögel ludern, falcones vel accipitres pascere Stieler 1174; wenn du den vogel ludern willst, so .. schwing den luder einmal und rufe ihm io, io oder vallausz, vallausz, und wenn er kommt, so verberg den luder. falkonaria von 1617 s. 16;
ach, wie was er (der falke) gemuͦdert
und adelich geschicket,
und doch nit wol geluͦdert!
minnefalkner 17.
2)
vgl. luder 3 und 4, raubthieren eine lockspeise vorlegen: ludern, welches so viel heiszet, als etwas stark riechendes an einen gewissen ort legen, ein wildes thier damit anzulocken und zu fangen. also wird der wolf durch das aas eines toden pferdes, der fuchs durch weiszes in schweinsfett geröstetes brod, oder durch einen gebratenen häring geludert. öcon. lex. 1459; füchse ludern, carne morticina vulpes obescare. Stieler 1174; den wolf ludern. Becher jägercabinet 78; sie schnupperte unterwegs wie ein fuchs, wann er geludert wird. polit. colica 85; dasz ein kraut, marcillium genannt, im speck eim bären geluͦdert, denselben, auch wölf und füchs, umbring. Forer thierb. 18ᵃ. ludern selbst in bezug auf fische, doch ungewöhnlich: wie ein erfahrner fischer einen solchen anbisz an seinen angel ludert (als lockspeise ansteckt). Harsdörfer lust- u. lehrreiche gesch. 2, 135.
3)
ludern, sich von aas nähren (vergl. luder 4): von dem wilden esel ist es bekannt, dasz er ludert; und folglich konnte er an der beute (in der fabel vom bären und esel) theil nehmen. Lessing 5, 416.
4)
ludern, menschen locken (vgl. luder 5); als bild noch eng angeschlossen an die bedeutung 2:
im was der valscheite gampf
vorholn und ouch den brûderin,
dâmitte sî in lûderin
woldin ûf des tôdis âs.
Jeroschin 12420;
später weniger an jene bedeutung erinnernd: die selben üwer froͮwen luͦdernt und raizent die menschen und habend doch die nützit lieb. N. v. Wyle 62, 38; gabend kein gut wort mer, als si anfangs getan, do sis durch hohe vertröstung und vilfalte zusagung groszer guttaten und gnaden usz des richs und der gottzhüsern handen an sich gebracht, und geluͦdert hatten. Tschudi 1, 321ᵇ; luͦdertend mithin etlich mer zu inen in ir pündtnusz. 326ᵇ; demnach in tödtlichen krieg durch dieselb herrschaft wider ire getrüwen nachburen die dry länder geluͦdert. 333ᵃ; (die in der stadt) hatten gesehen, dasz sich die viend mit aller macht von der statt gelassen, si gedachtend aber, es gescheh usz aventhür, si harusz ze luͦderen, und ze hinderschlichen. 359ᵇ; wann sie (die irrenden schäflein) in widerwertigen begegnussen vom satana gelockt, von seinen aposteln mit versprechung gewisser hülfe angereizt, ... und also von allen orten her so wol angekünt und geludert, als mit schärpfe angesporet werden, von der rechten bahn abzutretten! Simpl. 4, 15 Kurz; wer aber war anders schuldig dran als mein schönes weib, die mich mit vorzeigung dieser schönheit gleichsam geludert (hatte). 46; du kanst die kerl nicht ludern, nescis inescare homines. Stieler 1174.
5)
ludern, schlemmen, in völlerei leben (vgl. luder 6): wir hant ouch ein regel wie wir uns halten sollen. ich sol kein dirnen by mir haben. ich sol nit spilen und luderen. Keisersberg bilg. 120ᵃ; ein fromes weib der ehren, kan kein huͦren und luͦdern dulden und ungestraft lassen. Agr. spr. 82ᵇ;
Bâchus er (der gott) was geheiʒen
und schein sîn lop breit unde wît.
swer vaste luodert alle zît,
der lebte gar in sîme gebote.
troj. krieg 16182;
si tuond ir lib und sel verganten
mit swätzen, luodran und tanten.
teuf. netz 4695;
das almuͦsen (die geistlichkeit die von solchem lebt) das luͦdert unde spilt.
Uhland volksl. 424;
auch unordentlich leben oder handeln, sich gegen den anstand aufführen:
Purist. ach mein unglück führt mich her;
wie wird nicht hier geludert!
und von dem ganzen hexenheer
sind zweie nur gepudert.
Göthe 12, 225;
luderst du noch hier? Lenz 1, 150. vgl. dazu auch ausludern theil 1, 912.
6)
ludern, einen luder schimpfen (vgl. luder 7): er fluchte, er teufelte, er luderte; das fluchen und ludern nützt gar nichts, beruhigend zu einem schimpfenden gesagt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1235, Z. 30.

ludern, verb.

ludern, verb.
1)
wie ein luder, fetzen, hängen (vgl. luder sp. 1234 und ludeln):
da sie die diernen weidlich schluddern
das jn die gwand zun knien luddern.
B. Waldis päpstl. reich Qq iijᵃ.
2)
zündpulver streuen (vgl. ebenda); in der umgelauteten form lüdern:
zum zündloch da wolts helfen nit
das lüderen wie dann ist der sit;
gab wol fünf mal im tigel führ (das laufpulver brannte fünf mal in der pfanne auf),
aber ausz der büchs wolt nichts herfür.
Grob ausreden der schützen, bei Haupt 3, 251.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1236, Z. 35.

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Zitationshilfe
„ludern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ludern>, abgerufen am 27.01.2022.

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