Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lumperei, f.

lumperei, f.
lumpichtes wesen;
1)
armseligkeit: lumperei, scrutaria, titivilitia, futilia, frivola, res nihili. Stieler 1140; armseliges wesen: es ist lauter lumperei mit ihm, torpet desidia, cunctator, morator, procrastinator est, ineptus ad omnia. ebenda; häufiger nichtswertes, armseliges ding: ich kan mich mit solcher lumperei nicht schleppen. Schoch stud. leben D; aber man glaube ja nicht, dasz also der belesene hr. hauptpastor nur eine 7 anstatt einer 2 drucken lassen. er würde sich sehr freuen, wenn ich eine solche lumperei zu rügen im stande wäre. Lessing 11, 527; ich bin ihm ... noch einige hundert mark schuldig. ich will mein möglichstes thun, sie ihm nächstens zu übermachen. ich weisz wohl, dasz ihn diese lumperei nicht retten kann. 12, 327; fluchen, schreien, schelten, über eine lumperei lärmen. Fr. Müller 2, 51; ein solch ausgewählt leben, von trivialen lumpereien fern. Heinse Ardingh. 1, 331; ists im grunde nicht einerlei, ob ich erbsen zähle oder linsen? alles in der welt läuft doch auf eine lumperei hinaus. Göthe 16, 57; schwur, er wolle keine groszen arbeiten mehr machen, sondern sich auf solche lumpereien legen, da sie so gut bezahlt würden. ich antwortete darauf: er möchte es immer versuchen, doch ich sagte ihm voraus: seine arbeiten wollte ich wohl auch machen, aber diese lumpereien würden ihm nicht gelingen. 34, 58; was kostbar? eine wahre lumperei. Kotzebue dramat. sp. 3, 241;
geld und gewalt, gewalt und geld,
daran kann man sich freuen,
gerecht- und ungerechtigkeit
das sind nur lumpereien.
Göthe 56, 111;
armselige, verächtliche arbeit: er muszte scheuern und fegen und lauter solche mägdearbeiten verrichten, und wenn die bettelvögtin nichts schnödes für ihn zu thun hatte, so lieh sie ihn den nachbarsweibern aus gegen miethsgeld, um ihnen alle lumpereien zu thun, die sie begehrten. G. Keller leute von Seldwyla 2, 176.
2)
liederliches, unordentliches wesen und thun: horch, es ärgert mich so schon, dasz ich wie ein narr mit dir herum ziehe; daheim haus und hof, küch und keller und alles im stich lasse. bin deiner utzereien, deines foppens und all der lumperei dazu müde. Fr. Müller 2, 180; er liesz sich gehen und fiel so aus einer lumperei in die andere. Riehl gesch. u. novellen (1878) 2, 155.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1300, Z. 49.

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lumpenleute lügengeist
Zitationshilfe
„lumperei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lumperei>, abgerufen am 27.11.2020.

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