Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lung, adj.

lung, adj.
weich, nachgibig: aichenholz ist gedigen und hart, tennenholz lung und weich. Henisch bei Schm. 1, 1492 Fromm. vgl. unter dem folgenden.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1303, Z. 3.

lunge, f.

lunge, f.
pulmo. ein gemeingermanisches wort, dessen gothische und altsächsische form uns jedoch nicht überliefert ist; ahd. lunge und lungunna, lunginna, mhd. lunge und lungene; niederl. longe; fries. lungene, lungen; ags. lungen (Dief. 472ᵃ), lunge, engl. lungs, plur.; altnord. lûnga, schwed. lunga, dän. lunge; es wird angenommen, dasz die bedeutung des wortes auf der vorstellung des aufspringens, leicht seins fusze, und dasselbe mit ags. lungre rasch, mhd. lingen vorwärtsgehen, altirisch lingim salio zusammenhänge (vgl. Fick² 861. 391); ebenso gehört zu der familie mhd. lunger hurtig, schnell, ahd. lungar, das vorher angeführte adj. lung, und das bair. subst. lung, trieb, freiheit sich zu bewegen Schm. 1, 1492 Fromm., in denen allen der begriff des elastischen liegt: und dar umb ist diu lung lind sam ain padswamp, daʒ si den luft gevâhen müg; und wenn si den luft in sich zeucht, sô grœʒt si sich, wenn aber si den luft von ir sleht, so klaint si sich. Megenberg 29, 25; ain iegleich tier hât ain lungen daʒ auf dem land gêt und den luft in sich zeucht zuo ainer küelung des herzen. aber andriu tier, sam die visch in dem wâg, bedürfent der lungen niht. 29, 28; lunge, pulmo, est quoddam intestinum. voc. inc. theut. n 2ᵇ; ein man aber spannet den bogen on gefehr, und schos den könig Israel zwisschen den magen und lungen. 1 kön. 22, 34 (in den ausgaben bis 1541, seit 1545 zwisschen dem panzer und hengel);
der rock zerrisz, es fuhr tief in die lunge der schaft,
todwund sank Ekkefrid.
Scheffel Ekkeh. 374 (Waltharilied);
krankheiten der lunge: die lung ist ganz und gar verzeert von krankheit, pulmo totus afficitur. Maaler 276ᵃ; der andorn gesotten und getrunken, ist gut für den husten, und fürs keuchen, dan er reinigt die lung und die brust, macht den koder auszwerfen. Sebiz 247; husten und siechtage der lungen. 413 (vgl. lungensiech, lungensüchtig); ein geschwüre in der lunge, vomica pulmonum Steinbach 1, 1083;
wie dampf und nebel, der sich diebisch hebt,
die lunge friszt und leben untergräbt.
Seume gedichte 221;
hohlhustend, mit beklemmter lunge.
A. v. Droste-Hülshoff 155;
lunge als werkzeug des athmens: die lunge ist des atems kammer, pulmo est spirandi officina. Stieler 1185; und als sitz der stimme:
wiʒʒet swelh tier niht lungen hât,
deist âne stimme an aller stat.
Renner 20818;
sie weint vor freuden, dasz der himmel ihren sohn mit so vieler weisheit und lunge ausgerüstet hat. Rabener satiren 4, 366; es ist schrecklich, wenn ein kerl, der eine lunge hat wie ein rhinoceros, zu drei worten dreimal athem holen musz. Zelter an Göthe 2, 266; es heiszt die lunge brauchen, erschöpfen; die lunge schonen; eine gute, gesunde lunge haben, gut schreien können; sich die lunge aus dem leibe schreien, rufen, predigen; sohn, erhitze dich doch nicht so! schone deine lunge! Lessing 1, 245; die beste lunge erschöpft sich; auch so gar eine weibliche. sie hören alle auf zu schreien, wenn sie nicht mehr können. 2, 155; wie, bist du taub? musz mir die lunge abkeuchen. Fr. Müller 2, 175; will nicht lang athem schöpfen, sprünge zu machen, oder meine lunge an einem schwall von geschickten ausdrücken, gleichnissen, distinctionen et cetera abarbeiten. 179;
la gut sin, swig; es ist noch frü,
der hirt ist glichs erst usz gefarn;
schon din lung des es dich nicht enmüe.
altd. bl. 1, 32, 30 (15. jahrh.);
Meph. ich hab doch recht! F. hör! merk dir diesz —
ich bitte dich und schone meine lunge —
wer recht behalten will und hat nur eine zunge,
behälts gewisz.
Göthe 12, 159;
ein jeder, bettler und minister ...
treibt sporenstreichs, mit feder oder schwert,
mit spaten, mesztisch oder lunge,
als hing das wohl der welt an seiner zunge,
mit heiszem blut sein steckenpferd.
Seume ged. 38;
auch der plur. lungen wird von éiner lunge gebraucht (wie engl. lungs), obwol seltener, weil die lunge in zwei flügel zerfällt und man von ihnen als von einer rechten und linken lunge spricht: wenn ihr ihn jemals begegnet, und seine originalität hält euch nicht fest, so verstopft ihr eure ohren gewisz mit den fingern, oder ihr entflieht. gott, was für schreckliche lungen! Göthe 36, 4. lunge und leber in allitterierender verbindung, vergl. sp. 461, beide sitz der lebenskraft: und verdammen inn rücken den unschüldigen s. Paulum, des sie sich hernach in jr lung und leber schemen müssen. Mathes. Sar. 15ᵃ; es kehrt sich lung und leber um, wann man ein jahr vor einem den hut abgezogen, und siehet, was hinder ihm ist, und wie fromm er ist. Lehmann 17; der dritte hatte dicke dicke strümpfe angezogen, als wann ihm lunge und leber in die waden gefahren wären. Chr. Weise erzn. 37 Braune;
ich wil nit stechen,
lung und leber brechen.
ring 3ᵈ, 25;
als fluch:
lasz lunggen und leber sant Veltin han!
H. R. Manuel 323, 518 Bächtold;
botz lung, botz leber, wo bin ich doch!
H. Sachs 3, 3, 61ᶜ;
wie auch lunge allein im fluche gebraucht wird:
sammer pox lung, das ist gelogen.
fastn. sp. 68, 8.
Eine mehrfach widerkehrende redensart entbehrt hier der deutung: so solt man uns doch ... mit hunden aushetzen, und mit lungen auswerfen. Luther 4, 386ᵇ; o das were ein küner helt, den man solt anspeien und mit lungen zum dorf auswerfen. das diese worte Christi noch feststehen (1527) c 3ᵃ; man solt uns mit lungen auswerfen. hauspostille, festtheil bl. 58ᵃ (Diez wb. 1, 193ᵃ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1303, Z. 6.

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Zitationshilfe
„lung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lung>, abgerufen am 16.10.2021.

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