Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lunte, f., früher auch m.

lunte, f., früher auch m.
1)
lumpen, fetzen: also trug die königin Ester jre königliche krone, und sprach doch zu gott, du weist, das das zeichen meines prangens auf meinem heubt mir noch nie gefallen hat, und achte sein wie ein böse (nichtswerte, schlechte) lunten. Luther 1, 246ᵇ; (hemden und kittel aus leinwand) werden zurissen, darnach brauchet mans zum wischen, schmieret pflaster drauf, die leget man auf die wunden und schweren, item, die lunten nimmet man darausz, leget sie in stempfel auf der pappirmühl, zustösts klein, darausz macht man pappir. tischr. 221ᵇ.
2)
docht für die lampe: und geschicht dem herzen gleich wie ein lüntten in der ampel, der brinnet erstlich hell, je lenger aber dasselbig wehret, je härter, verbrannter, ausgemergelter und erbrechlicher er wird, verleurt also von weil zu weil sein sterk. Wirsung arzneib. (1572) s. 566 (in der ausgabe von 1597 lunte). noch jetzt niederdeutsch lunte der docht Schambach 127ᵇ.
3)
die bedeutung des zündstricks für die feuerwaffe tritt erst später auf, sie gründet sich auf die vorige, wie denn in einem Nürnberger vocabular von 1530 die flintenlunte noch als docht (zauche) genannt wird: ellychnium zoch sclopeti Dief. 199ᵃ; sie ist im 16. jahrh., wahrscheinlich vom Niederrhein her, empor gekommen, da sie sich zu dieser zeit bereits niederl. findet: lonte, fomes igniarius, igniarium, elychnium bombardicum, funis bombardicus, funale ignitum: spartea materia e lino stuppave convoluta, qua milites sclopetarii utuntur in alendo igne. Kilian; und von jener zeit ab allgemein geworden, auch in andere verwandte sprachen übernommen (engl. lunt, schwed. lunta, dän. lunte): alte fässer, die leichtlich hinab laufen und zerbrechen, werfe man von oben herab auf die feinde. die ersten mit angezündten gespickten fewerwerk und schlägen, darunder töpfen, darinnen lunden gelegt, und von anderm fewerwerk angesteckt mögen werden. Kirchhof mil. disc. 44; eine starke leine oder seil, daran viel brennende lunten hangen, .. ein schlag voll pulver, von der nechsten lunden angezündet. 177; die zündruhte mit brennender lunten, solle bei dem stück (geschütz) unter wind in die erde eingesteckt stehen. Böckler kriegsschule (1668) 207; legt die musquet in die linke hand .. nembt mit zwei fingern (daumen und zeiger) den lunten ausz der linken hand. mit verwendeter hand blast den lunten hinter der pfann ab, probirt den lunten auf die pfann (commandoworte für die musketierer). 298; da ich nun (bei einem zweikampf) an meinem bestimmten ende mit doppelt-brennendem lunden in angeregtes feld trat. Simpl. 1, 281 Kurz; kamen .. sechs muszquetierer samt einem corporal mit fertigem gewehr und aufgepasztem lunden ins häuszlein. 446; ich sehe wol, der protector Cromwell verstehet besser, wie man mit seinen consiliis durchdringen könne, wann man 50000 schreiber bei sich hat, welche an statt des dintefasses muszqueten und brennende lunten brauchen. Schuppius 93; haben einen brinnenden lunden samt einen zunter ihr in die truhen gestecket. Abr. a S. Clara 1, 378; ein theil war auch mit donnerbüchsen bewaffnet, die man mit lunten losbrannte. Hauff Lichtenstein 3, 22;
wenn eine seeschlacht lorbeern uns geschlungen
um unsre lunten und um unsre säbel.
Freiligrath dicht. 3, 102;
die lunte hat einen scharfen geruch, der die anwesenheit eines schützen verrät, auch ohne dasz man ihn sieht: die hellebardierer hatten sich auf den bauch in das dickicht gelegt, die schützen standen weiter hinten, dasz man die brennenden lunten nicht riechen sollte. Schiller 1096ᵇ; die Preuszen schieben uns batterien unter die nase — fast riech ich die lunten. Grabbe Napoleon s. 175; daher sprichwörtlich die lunte riechen, auch nur lunten, lunte riechen, eine gefahr oder auch einen verborgenen sachverhalt wittern: er reucht lunte, odoratur discrimina rerum, animadvertit periculum. Stieler 1139; soll ich die wahrheit sagen: so wird Lelio lunte riechen, und sich nicht ausreden lassen, dasz da, wo sechs tausend thaler gelegen, nicht noch mehr liegen könnte. Lessing 1, 476; ich konnte nicht anders glauben, als Mark Anton habe lunte gerochen, und warnte und beschwur ihn mit bitten inständig, äuszerst auf seiner hut zu sein. Heinse Ardingh. 1, 132; ich bin zehnmahl gröber hintergangen worden als sie. sie haben wenigstens die lunte gerochen. Gotter 3, 415; und hier, glaube ich, war ich mit meiner ketzerei wirklich in einer etwas unangenehmen lage. ein stück von geistlichkeit hatte lunte gerochen und nahm mich sehr in anspruch. Seume spazierg. 2, 43; indem er die freimaurerreden, die er schreibe, genau durchlese und zu verstehen trachte: so merk er zuletzt allerhand wunderdinge und komme weit und rieche im ganzen genommen lunten. J. Paul uns. loge 3, 131;
sie (die weisheit) nimmt, wie vor der zeit in Rom und Griechenland,
die tochter ihrer schoosz, Hygeen, bei der hand,
und will sie da, wo recht und wahrheit triumphiren,
es geht zwar mühsam her, mit cron und scepter zieren;
so sehr es auch forthin den alten trupp verdrieszt,
der, weil er lunten riecht, voll groll und eifer nieszt.
Günther 384;
anders: er kan keine lunte riechen, abjicit, despondet animum, instrenuus miles est. Stieler 1139.
4)
lunte, der brennend rote schweif des fuchses, gehört erst der neueren sprache an, denn um 1730 noch hat der fuchs in der weidmännischen sprache nur den schwanz (Nehring hist. pol. lex. 1736 4. anh. s. 94): herr Reineke stand dicht bei einem baume. augenblicklich zog ich meine kugel aus dem laufe, lud dafür einen tüchtigen brettnagel in mein gewehr, feuerte und traf so künstlich, dasz ich seine lunte fest an den baum nagelte. Münchhaus. 26;
noch hat der fuchs die rechte weite,
gelassen trabt er, schleppt den schweif, ..
doch bald hebt er die lunte frisch.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 30.
5)
die früheste bedeutung von lunte lumpen, fetzen, weist das wort zu mittelniederl. lunderen, defunctorie aliquid agere, tempus terere rebus ineptis, cunctari. Hoffmann gloss. belg. 68ᵃ, niederd. luntern, loddern, lodderig sein, lodderig einhergehen. Schambach 127, vgl. auch unten lunterei und lunterus; dies luntern aber scheint nichts als eine nasalierte nebenform zu lottern sp. 1217, während ein fränkisch-hennebergisches lunnern, jedenfalls aus luntern assimiliert, lodern, hell aufbrennen, lohen bedeutet (Fromm. 2, 79, 15); und es kommt hierdurch das subst. lunte in die verwandtschaft der wortreihen lod- sp. 1116 fgg. und lot- sp. 1209 fgg., die alle auf dem begriffe des zerlumpten, zerfetzten sich ausgebildet haben; vgl. loden sp. 1116, lodern sp. 1117, und lotter sp. 1210; ebenso ludel sp. 1230.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1307, Z. 32.

luntern, verb.

luntern, verb.
lottern, lottrig einhergehen. vgl. oben unter lunte 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1309, Z. 27.

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Zitationshilfe
„luntern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/luntern>, abgerufen am 16.10.2021.

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