Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lunze, f.

lunze, f.
1)
wie klunse, klunze theil 5, 1299 fg., spalt, kleine öffnung; tirolisch. Schöpf 403, mit der nebenform lunte, die sich in Kärnthen wiederfindet: lunte, loch, spalt, besonders die risse, welche in den hölzernen wänden der häuser entstehen, und die man um hacken, beile u. s. w. hineinzustecken und aufzubewahren verwendet. Lexer 182; auch zu klunze findet sich die nebenform klunte (theil 5, sp. 1300). schlesisch heiszt lunze feminale Weinhold 55ᵇ.
2)
die jäger nennen lunze das geschlinke vom rot- und schwarzwildpret, das aus lunge und leber besteht. öcon. lex. 1464; aber auch bei schlachtbaren thieren wird der ausdruck verwendet: sauerkraut, die bratwürste, das gekriese, die lunze, die leber (speisen vom schweine). Chr. Weise comöd. 124; es wird eine alte kuh geschlacht, davon sollen die vornehmsten aus dem dorfe die lunze zum besten haben. Jephtha 146; und selbst bei menschen: ich durchkratzte newlich mein bein, da machte ich dasz vier wasser heraus flossen. und sprach zu meinem kindlin, ah das gott so feine schwarze euglin in ein stück fleisch kan setzen, ausz einem stinkenden sacke, der mutter leibe. es gemant mich eben, als neme einer lunzen, und setzte feine euglin drein, nase und maul, hend und füsze, also wird ausz einem stück fleisch ein mensch in mutter leibe. Luther tischr. 54ᵃ.
3)
lunze, ein weibsbild, mit beziehung auf schmutz oder faulheit, die an solcher haftet: ich wolt der schinder erschlüg den doctor mit seiner arznei und dich schelm darzu, antwortet die junge und faule lunze. Kirchhof wendunm. 114ᵃ; bairisch die lunzen concubina Schm. 1, 1406 Fromm.; kärntn. die lunze und der lunze, träger mensch. Lexer 182; schweiz. die lunze bettlägerin, und der lunzi, nachlässiger, etwas liederlicher mensch Seiler 196ᵃ, im letzteren masculin spielt, wie im kärntnischen, die koseform des eigennamens Leontius ein: Lunzi Leontius Rochholz bei Fromm. 6, 451, welche, ähnlich wie Lenz sp. 752, appellativ verwendet wird; die luntsch, luentsch, schlumpe. Stalder 2, 185.
4)
lunze heiszt nordböhmisch eine bergmannslampe. Petters andeut. 59; das ist in Tirol lutze, lampe, bestehend in einem irdenen tiegel, lutschêr, lutschear lampe mit hängeisen Schöpf 405; hier ist verstümmelung von lat. lucerna wahrscheinlich. im Waldeckschen lunze die irdene pfeife, der stummel. Curtze 483.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1309, Z. 42.

lunzen, verb.

lunzen, verb.
ruhen, faul sein, sich faul wälzen (vergl. lunze 3): ganz im sause lebet ir, wol gebettet und bekleidet, fürwar wüstet jrs anders, jr würdet die bette und lustige lager, mit augenthrenen waschen, da jr nu auf (darauf ihr nun) lunzet und lust habt. Luther 1, 21ᵃ;
sîn vil lôseʒ lunzen
machet mir vil grâwen loc,
swenne er in ir schôʒ sich leit.
Neithard 68, 8;
und (die frauen) wollen nun pulen haben
die hinden nach in traben,
und die in allezeit in der schosz
lunzen, das uns ye verdrosz.
fastn. sp. 1411;
lunschen, lunsen, lunzen, svaviter adniti, cubando ludere in lecto, ut infantes et alii, cum vigilant, nec tamen surgunt. Stieler 1055; hessisch lunzen, leicht schlummern, halbschlummernd sich im bette halten, sich behaglich zum schlummer niederlegen, im fuldaischen loinzen Vilmar 255; henneberg. lunzen, mit geschlossenen augen, aber mit wachem bewustsein ausruhen Fromm. 3, 135; nassauisch lunzen, lonzen, lunzeln, leicht schlummern, besonders morgens, wenn der eigentliche schlaf vorbei ist, im bette bleiben und den faulen machen Kehrein 267; bairisch lunzen, lunzeln, lünzeln, leicht schlummern Schm. 1, 1495 Fromm.; in Tirol lunzen sich legen, sanft schlummern Schöpf 403; in Kärnthen lunzen, morgens noch im bette liegen. Lexer 182; auch niederdeutsch, in Waldeck, lunzen, schlummern Curtze 483ᵃ; in Göttingen luntjen, lunschen, lunzen, den kopf zum schlafen anlehnen, namentlich von einem kleinen kinde, welches auf den armen getragen wird, oder auf dem schosze sitzt, auch leicht schlummern Schambach 128ᵃ; in Hamburg lunschen, aflunschen, ein mittagsschläfchen machen Schütze 3, 58; in Stade aber heiszt lunschen hinken, kümmerlich gehen. brem. wb. 3, 100; schweiz. luntschen schlumpen, von kleidern, auch sich schlaff bewegen, den faulen spielen. Stalder 2, 185; die sinnliche bedeutung, die dem verbum bei all seinem verschiedenen sinne zu grunde liegt, zeigt das bair. adj. lunzig, lunzet, in der Oberpfalz und in Nürnberg lünzen, weich, lind, als gegensatz des steifen, körnichten, von tuch und leinwand Schm. a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1310, Z. 4.

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Zitationshilfe
„lunzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lunzen>, abgerufen am 15.10.2021.

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