Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lupf, m.

lupf, m.
handlung des lüpfens, bewegung, einzelne hebung: ein lupf zuͦ eeren gradus Maaler 276ᵇ. schwäb. lupf augenblick der erholung Schmid 363. vgl. unten lüpflein.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1310, Z. 43.

lupfe, f.

lupfe, f.
der kolben am samenträgerhanf. Nemnich; schwäbisch Schmid a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1310, Z. 46.

lupfen, lüpfen, verb.

lupfen, lüpfen, verb.
laxare, solvere.
1)
das wort berührt sich der bedeutung nach mit lüften 5 sp. 1250, ohne mit demselben in etymologischer beziehung zu stehen. es ist ein verhältnismäszig spät erst auftauchendes, nur oberdeutsches wort, ahd. und im früheren mhd. nicht bezeugt, nach und nach sich verbreitend und selbst in der neueren schriftsprache seit dem vorigen jahrh. einigen raum gewinnend: über seine abstammung kann nur vermutet werden, dasz es, wie mhd. und bair. supfen, nhd. schnupfen als intensivbildungen zu saufen, schnaufen treten, so sich zu laufen stellen möge, welches verbum oberdeutsch häufig aus der reihe der reduplizierenden in die der ablautenden übertrat und prät. loff, part. geloffen bildete (vgl. sp. 315); lupfen, lüpfen würde demnach eigentlich aussagen einen oder etwas mit anstrengung zur bewegung bringen, was durch angreifen und heben geschieht.
2)
lupfen, levare, allevare, tollere, attollere, sustollere Maaler 276ᵇ; heute ist, soweit das wort in der schriftsprache verwendung findet, was immerhin nicht häufig geschieht, die umgelautete form die gebrauchte, während noch Wieland und Göthe lupfen schreiben (unten b. c. e). es steht
a)
mit persönlichem object, einen lüpfen: dann wann er (der kranke) also hin und wider getragen, gelupft oder gezogen wirdt, so bleibt er nicht so recht verbunden. Würtz practica der wundarzn. 218; mit unterdrücktem object: liebkoser und federklauber, die jren herrn die orn melken, lupfen und under alle elenbogen küszlin schieben. Frank sprichw. 2, 28ᵃ; mit präpositionen oder adverbien der richtung: einen hoch aufhin lupfen, collocare aliquem in aliquo gradu Maaler 276ᵇ;
Pollux was im ze râme komen
von âventiure bî der zît,
des wart er zuo dem plâne wît
gevellet und gelüpfet.
troj. krieg 36219;
reflexiv, sich lüpfen:
der blindt gundt, sich hoch auf zu lupfen,
sprang, was er mocht leibes, daher.
B. Waldis Esop 4, 92, 70.
b)
lüpfen in bezug auf gliedmaszen, sie hebend bewegen: gon on setzung der subteilen trit und schwenken der arm und on lupfen der achslen. Keisersberg narrensch. 37ᵃ; (ein mann) der nicht etwa ganz gemächlich von der neunzehnten stufe zur zwanzigsten hinauf stieg, wozu es freilich nicht viel mehr braucht als dasz man den einen fusz lüpfe und den andern nachziehe. Wieland 24, 243;
wie jeder doch die beine lupft!
sich wie er kann herauszieht!
der krumme springt, der plumpe hupft
und fragt nicht wie es aussieht.
Göthe 12, 228;
in einer sprichwörtlichen wendung: die füsz redlich lupfen, viam corripere Maaler 276ᵇ; in der zusammensetzung auflupfen (theil 1, 689):
und (der wolf) warf sie (die gans) nider in das grasz,
hub an, und wolt sie da berupfen.
die gansz jhr haupt gunt aufzulupfen,
und sprach, herr wolf ein kleine bitt
hab ich.
H. Wolgemuth Esop 1, 120.
c)
lüpfen, eine last, eine bürde: ich bin unden gebrochen und nit tuglich und geschickt schwere burdin ze tragen, darum so heb und lupf das selbs oder lasz es underwegen. N. Wyle Lucretia; dieweil ich einen hebel fand, den etwan ein holzhauer ligen lassen, nahm ich denselben und trat an diese bildnusz (statue), sie umzukehren, um zu sehen, wie sie auf der andern seite eine beschaffenheit hätte. ich hatte aber derselben den hebel kaum untern halsz gesteckt und zu lupfen angefangen, da fing sie selbst an sich zu regen. Simpl. 2, 166 Kurz; demselben (adriatischen meer) vertrauten sie die segel, nachdem die anker gelupft waren. 3, 204; wenn ihr mir meinen procesz (die akten davon) abkaufen wollt ... lupft ihn einmal! Hebel 3, 122;
bleicher primeln keime lüpfen
sanft das moos das sie umgab.
Salis in Wackernagels leseb. 2², 1217;
denn der unsichtbare gute gesell
geht mit und lüpft ihm die schwere bürde,
und raunt ihm ein lustiges hoffnungsliedlein.
Lenau neue ged. 48;
mit richtungsbestimmung: lüpf es (das fäszchen) ein wenig in die höhe, das soll der letzte trunk sein. Platen 212; bildlich:
wiewol ich leb in bübery,
noch mög ich die seel in himel lupfen.
N. Manuel 342 Grüneisen;
lüpfen empor heben, in bezug auf waffen: da aber der nomofylax sich von seinem elfenbeinernen thron erhob, der herold abermahls stille gebot, und die bürgerwache, die an den stufen stand, ihre langen spiesze lupfte. Wieland 20, 158.
d)
lüpfen, eine bekleidung, eine decke, eine fessel: stund damit auf, wendet sich, lupfet die kleider, und ward der gut edelmann gezwungen jm den hindern zu küssen. facetiae Bebelii (1589) 112ᵇ;
und was der roc dar under (unter dem mantel)
getwenget an ir lindeʒ vel,
sô daʒ ir brüste sinewel ..
enbor die keiserliche wât
gelüpfet heten über sich.
troj. krieg 20217;
da lüpfe mir, heilige freiheit,
die klirrende fessel am arme.
Schubart ged. (1787) 1, 298;
weswegen trinkt die holde schöne nicht?
sie lüpft den schleier kaum.
Platen 223.
e)
namentlich den hut lüpfen, als begrüszung, zeichen der achtung: der erzbischof aber hingegen seinen hut kaum lupfen thäte. exilium melanch. (1655) 105; dasz der unbedeutendste jakobinerklubs-genosse dem könige viel ehre zu erweisen glaubt, wenn er den hut vor ihm lupft. Wieland 29, 359; ihr werdet keinen sehen, der nicht die kapp vor mir lupft. Auerbach dorfgesch. 1 (1845), 498;
indesz bleib ich den herren verbunden,
die sich (hier lupft er ein wenig den hut)
mit solcher waare beladen.
Wieland 5, 180 (n Amadis 18, 32);
anders etwas lüpft den hut, erregt haarsträubendes entsetzen:
kurz, hat ein feind nur fleisch und blut,
ich bin sein mann! allein, das musz ich frei gestehen,
um mitternacht an einem kirchhof gehen
das lupft ein wenig mir den hut.
22, 68 (Oberon 2, 20).
3)
mundartliches vielgestaltiges leben führt lüpfen noch im alemannischen und bairischen sprachgebiete: schweiz. lüpfen, heben, vom boden in die höhe Stalder 2, 186; in Appenzell lopfa, lupfa, heben, emporheben, es lopft-mi, ich bekomme neigung, anregung zu etwas, besonders habe übelkeit, neigung zum erbrechen Tobler 301ᵇ; im Baselbiet lüpfe, auch mit dat. aim lüpfe, ihm helfen eine last heben, ferner er hett ais glüpft, ein glas zu viel getrunken, ' s hett-in glüpft, er macht bankerott, falliert, 's lüpft mi, ekelt mich, auch reiszt mich hin, z. b. musik, ein gedicht, eine rede u. s. w. Seiler 196ᵇ; in Bern auch lüpfe eine, provehere aliquem ad honores Fromm. 3, 296ᵇ; elsässisch lipfe heben 5, 117, 55, lüpfe 6, 260, 45; der kirchehammer lipft si, un d' zwelferglocke schlât. 2, 558 (Straszburger mundart); schwäbisch lupfen, in die höhe heben (es lupft mir der magen hebt sich bis zum erbrechen), auch spotten, und stark trinken Schmid 363; bair. lupfen, vom boden empor bringen Schm. 1, 1498 Fromm.; ebenso tirolisch Schöpf 404; kärntn. lupfen und luppen, etwas vom boden soweit emporheben, dasz es denselben gerade nicht mehr berührt. Lexer 182.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1310, Z. 48.

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Zitationshilfe
„lupfen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lupfen>, abgerufen am 01.08.2021.

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