Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lüppe, luppe, f.

lüppe, luppe, f.
coagulum: coagulum rennen, käszrennen, lüppe Dasypod. (an anderer stelle lippe); lebbe, libbe, luppe, coagulum Stieler 1099; von der lupp aus dem hasenmagen werden die käse blau. Hohberg 2, 277ᵃ (vergl. dazu hasenlupp); die käshärten oder lupp zu machen, wäscht man einen kälbern-magen .. ebenda; ein einiger löffel von lupp kan scheiden in die 100 maasz milch. Scheuchzer 1, 34; lusernisch lupp, neutr., lab Zingerle 41ᵇ. Das wort, öfter in der form lipp, lippe (sp. 1054) erscheinend, ist das ahd. chesiluppa coagulum Graff 2, 77, mhd. kæse-luppe, kæse-lüppe, und gehört zum ahd. neutr. luppi succus lethiferus, goth. lubja-leisei φαρμακεία, ags. lyb fascinum, venenum, plur. lybbu (cus-lybbu) käselab Leo gloss. 654, 46, altnord. lyf arznei, alles als scharfer saft gedacht. etymologische verwandtschaft zu lab (sp. 3) und leber (sp. 460) scheint aber ausgeschlossen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1312, Z. 27.

luppe, f.

luppe, f.
1)
in den eisenhütten ein aus zwei oder mehr stücken zusammengeschmolzener klumpen eisen. Jacobsson 2, 647ᵇ. es ist das franz. loupe in gleichem sinne Littré 2, 350ᵃ. vgl. unten luppenfeuer.
2)
ein vergröszerungsglas, ebendaher übernommen, gewöhnlicher in der form lupe, s. d.:
dems vom auge fiel wie schuppen,
seit du mich von fern erblicktest
durch der liebe goldne luppen.
Platen 198.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1312, Z. 42.

luppe, f.

luppe, f.
eine hündin. Nemnich; canis foemina, auch scortum salacissimum, capraena, mulier ardentissimae libidinis. Stieler 1088. schles. lûpe hündin, hund. Weinhold 55ᵇ. ein niederdeutsches luppe bündel heu Schütze 3, 58, liegt wol gänzlich fern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1312, Z. 51.

luppen, lüppen, verb.

luppen, lüppen, verb.
1)
milch gerinnen machen, zur käsebereitung (vgl. dazu lippen sp. 1059): da lert sie in küw melken und milch luppen und die allerbesten kesz machen. Keisersberg trostsp. cc 2ᵇ.
2)
auf grund der früheren allgemeinen bedeutung des subst. lüppe (s. oben) hiesz lüppen aber auch arzneikunst treiben: ahd. luppôn medicare Graff 2, 77; theils mit zaubersäften, die ein geschosz vergifteten; daher ahd. giluppôt, mhd. gelüppet, tinctus, toxicatus, venenatus (vgl. auch oben lipfen sp. 1054):
jâ sint der Sarrazîne geschôʒ
gelüppet sam diu nâtern biʒ.
Wolfram Willeh. 324, 4;
sîn swert daʒ ist gelüppet; er ist mort den eʒ erreichet.
Neithard 92, 7;
theils auf chirurgischem wege, lüppen bedeutete castrieren: spadonare lubben, luppen, lyppen, lippen (neben die geile uszschnyden, munchen) Dief. 544ᵇ, was sich bis heute im westfälischen lübben, brem. lubben (brem. wb. 3, 92), holländ. lubben verschneiden erhalten hat; aber auch vögeln die zunge lösen: sy (zwei gefangene nachtigallen) erzeltend aber über die täglichen und gmeinen wort, so sy stäts von gesten gehört .. und als ich den wirt gefraget, ob disen vöglen villicht geluppet wäre, oder ob er sy etwas reden geleert hette, do sagt er, gar nit. Heuszlin vogelb. 179ᵇ; und daher bildlich von geschwätzigen weibern:
den ist gelüpt die zung so wol,
das sie dick brennet wie ein kol,
disz klagt, die klappert, dise lügt ..
Brant narrensch. 64, 23;
und bezüglich eines, den man reden machen will:
er wirt siner zungen fast grob luppen.
trag. Joh. H 3;
scherzhaft sodann von dem leeren eines bechers oder einer flasche gebraucht, welche man gleichsam einer operation unterwirft:
dem goben wir versalzen suppen,
das er dem fläschlin wol möcht luppen.
Brant narrensch. 81, 4;
so wend wir dem schenkfasz luppen!
N. Manuel 402, 355 Bächtold;
dem becher wöl wir desz basz luppen.
H. Sachs 2, 2, 40ᵃ;
da aszen sie ein wassersuppen
und theten der bierstützen luppen.
4, 3, 73ᶜ;
du bist ein fechter hinderm ofen,
da die würst und die hering trofen,
und bei den feisten klostersuppen,
darauf du möchtst dem fläschlein luppen.
5, 3, 340ᵃ;
mit acc. statt des dativs:
(sie sollen) darzu das fleschlein luppen.
1, 533ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1312, Z. 55.

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Zitationshilfe
„luppen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/luppen>, abgerufen am 08.12.2021.

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