Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lust, f.

lust, f.
libido, voluptas. goth. lustus; ahd. mhd. alts. ags. fries. niederl. engl. schwed. lust; altnord. dän. lyst; auch das ags. kennt neben lust eine form lyst, die im heutigen engl. list fortdauert. das geschlecht des wortes ist theils das masculine, wie im goth., ags. und zum theil im mhd., theils das feminine, wie alts., ahd.: das ältere nhd. verwendete mit vorliebe lust als masculinum, namentlich oberdeutsche schriftsteller des 16. und noch des 17. jahrh. schrieben stets so, wie denn in dem gebiete der alemannischen und bairischen mundarten noch heute der lust gehört wird; Luther braucht in seinen früheren schriften mehr das masc., in seinen spätern das fem. geschlecht. die älteste bedeutung des wortes, wie sie einzig im gothischen vorkommt, ist begierde, verlangen, ἐπιθυμία, andere bedeutungen erscheinen erst später und sind sichtbar daraus entwickelt; deswegen hat die zusammenstellung von lust mit sanskr. lash, begehren, verlangen haben, griech. λάω für λασω will, lat. las-civus (vgl. Fick² 175) hohe wahrscheinlichkeit.
1)
lust, heftiges verlangen, begierde: appetitus lust Dief. 42ᶜ; lust .. appetentia, desiderium, cupido, concupiscentia Maaler 276ᵇ; mit dem sinnverwandten begierde formelhaft verbunden: gar ersoffen in lust und begirde dises lebens. Luther 5, 533ᵃ; nicht nur der stärke nach von der folgenden bedeutung (no. 3) unterschieden, sondern auch dem wesen nach, indem in den zunächst aufzuführenden fällen mehr der mit der thierischen natur zusammenhängende trieb, in den folgenden das seelische und geistige verlangen sich hervorhebt; doch findet hie und da begreiflich ein übergang der begriffe statt.
a)
es entspricht der angeführten betonung des natürlichen triebes, wenn die bibel die lust in beziehung zur sünde bringt: aber die sunde erkandte ich nicht, on durchs gesetz. denn ich wuste nichts von der lust, wo das gesetz nicht hette gesagt, las dich nicht gelüsten. da nam aber die sünde ursach am gebot, und erreget in mir allerlei lust. Röm. 7, 7. 8 (goth. untê lustu nih kunþêdjau, nih vitôþ qêþi: ni gaírnjais. iþ lêv nimandei fravaúrhts þairh anabusn gavaúrhta in mis allana lustu); die, so da wandeln nach dem fleisch, in der unreinen lust. 2 Petr. 2, 10; die reizende lust verkeret unschüldige herzen. weish. Sal. 4, 12.
b)
gern wird namentlich lust auf den geschlechtlichen trieb gewendet:
zwei wîb wolde habin er
offinlîch durch sîne lust.
Jeroschin 16503;
da ubergab ich sie in die hand jrer bulen, den kindern Assur, gegen welche sie brandten fur lust. Hes. 23, 9; zusamen gerunnen, aus mans samen durch lust, im beischlafen. weish. Sal. 7, 2; unter den gefangenen jungfraun, aus denen die Boiaren, russische und littauische herrn die schönsten zu ihrer lust auslasen. Schütz Preuszen 60; nach dem lust, willen und begird, eines üppigen weibs, ad arbitrium libidinosissimae mulieris. Maaler 276ᵈ;
da wurde vom glühenden hauche der lust
die unschuld zu tode vergiftet.
Bürger 61ᵃ;
und durch adjectiva wie fleischlich, böse, oder verbindungen wie lust des fleisches gekennzeichnet (vergl. auch fleischeslust theil 3, 1758, sinnenlust): ich irfichto carnales delectationes (fleiscliche luste) unde uuirdo in oberoro. Notker ps. 17 (Hattemer 2, 67ᵇ); voluptas fleischlich lust o. begirde Dief. 628ᶜ; wann der geistlich lust machet schönd allen lust des fleisches. Keisersberg seelenpar. 40ᵃ; sie ... reizen durch unzucht zur fleischlichen lust. 2 Petr. 2, 18; des fleisches lust, und der augen lust, und hoffertiges leben. 1 Joh. 2, 16; schöne weiber haben manchen bethöret, und böse lust entbrennet davon, wie ein fewr. Sir. 9, 10; du weist, herr, das ich keins mannes begert habe, und meine seele rein behalten von aller böser lust. Tob. 3, 17; du weist, das ich nicht böser lust halben, diese meine schwester zum weibe genommen. 8, 9; es ist ohn disz eine schande, dasz die zarte jugend durch dergleichen ärgerliche händel zu böser lust angereizet wird. Chr. Weise erzn. 159 Braune;
auch die bekämpfte böse lust
stirbt niemals ganz in unsrer brust.
Gellert 2, 108;
sie heiszt den mann, der schande hehler, trinken,
steht auf und schmieget sich an eines fremden brust;
es mag ein mäkler ihr, es mag ein schiffherr winken,
als die meistbietenden für manche schnöde lust.
Hagedorn 3, 27;
begraben in des wurmes triebe,
umschlungen von des sinnes lust (war der mensch).
Schiller die künstler v. 198.
c)
lust, auch die begierde wie sie schwangere frauen empfinden, wofür gewöhnlich gelüst: Eurylas sasz in seiner grandezze und asz qvitten: der gute schlucker gegenüber verwandte kein auge von ihm, und hatte gröszere lust als eine schwangere frau. Chr. Weise erzn. 121 Braune.
d)
lust, mit dem genitiv des objects: also wird auch die seele getödtet ... als denn auch Eva durch den lust desz apfels ist geschehen, dardurch sie ist zu sünden kommen. buch d. liebe 292ᵇ; mit nach: ich fühle nun nichts mehr als durst nach rache, lust nach vernichtung (begier meinen feind zu vernichten). Klinger 2, 222.
e)
es heiszt seine lust büszen (in anderer bedeutung von lust unten no. 3, h wiederkehrend), erfüllen: disz der Amadis ersehende, damit er jhn vollends tödtet, sprenget er jhm etlich mal uber den leib, und sagt: der gestalt wirst du den lust büszen, und verlieren, den du zu schwechung und unehr der frauwen getragen hast. Amadis 222; einem ehrlichen weib ists herz schwerlich, wenn der mann seinen lust bei andern weibsbildern büszt. Lehmann 160; und vermeinet seinen lust an jhr zu erfüllen (er wollte sie beschlafen). b. d. liebe 285ᶜ; lust vollbringen:
er legt sich zu dem schönen weib,
ganz heimlich in der stille, ..
da sie vollnbrachten jren lust.
Ambraser liederb. no. 225, 246.
2)
der plur. lüste steht hier seit alters gern zur bezeichnung heftiger und mannigfaltiger sinnenreize: die sorge dieser welt, und der betriegliche reichthum, und viel ander lüste gehen hinein, und ersticken das wort. Marc. 4, 19 (goth. þai bi þata anþar lustjus); so leget nu von euch ab, nach dem vorigen wandel, den alten menschen, der durch lüste im jrrthum sich verderbet. Ephes. 4, 22 (goth. ei aflagjaiþ jus bi frumin usmêta þana faírnjan mannan þana riurjan bi lustum afmarzeinais); fleuch die lüste der jugent. 2 Tim. 2, 22 (goth. iþ juggans lustuns þliuh); denn wir waren auch weiland unweise, ungehorsam, jrrige, dienend den lüsten und mancherlei wollüsten. Tit. 3, 3; ein man der zuvor seer zertlich und in lüsten gelebt hat unter euch. 5 Mos. 28, 54; sie würden mich geradeweg einen ruchlosen gescholten haben, der sich der religion nur deswegen zu entziehen suche, damit er seinen lüsten desto sicherer nachhängen könne. Lessing 1, 390; wenn nun bald ihn sättigung und eckel von lüsten zu lüsten treiben; so vergälle die erinnerung, diese eine lust nicht gebüszet zu haben, ihm den genusz aller! 2, 178; seid ihr einmal nicht mehr, so ist er herr eurer güter, könig seiner triebe. der damm ist weg, und der strom seiner lüste kann itzt freier dahin brausen. Schiller räuber 1, 1;
sie (viele christen) wagen auf der bahn der tugend einen schritt,
und sehn darauf nach ihren lüsten,
und nehmen ihre lüste mit.
Gellert 1, 195;
verwesung schändet sein (eines ausschweifenden jünglings) gesichte,
und predigt schrecklich die geschichte
der lüste, die den leib verheert.
2, 139;
zu niedrig ist für ihn der lüste hitzger brand,
weil er ein besser gut in Doris küssen fand.
Cronegk 2, 32;
mit entsprechenden adjectiven oder andern beisätzen: daʒ si (die frau in der schwangerschaft) niht pœse lüst hât. Megenberg 40, 25 (vgl. dazu oben 1, c); behüt mich fur unzüchtigem gesicht, und wende von mir alle böse lüste. Sir. 23, 5; folge nicht deinen bösen lüsten. 18, 30; da wir im fleisch waren, da waren die sündlichen lüste .. kreftig in unsern gliedern. Röm. 7, 5; das wir sollen verleugnen das ungöttliche wesen, und die weltlichen lüsten. Tit. 2, 12 (variante absagen dem ungottlichen wesen und weltlichen begirden); darumb hat sie gott auch dahin gegeben in schendliche lüste. Röm. 1, 26; wandelt im geist, so werdet jr die lüste des fleisches nicht volnbringen. Gal. 5, 16;
stolze härtigkeit und wilder lüste brut.
Uz 2, 112;
er siehts, und brennet schon, von ungewohnten lüsten.
59;
natürlich schlummerten in seinem öden winkel
in solcher zeit und bei so magerer diät
die bösen lüste ein.
Wieland 18, 76;
weh euch, wenn sie (die welt) von euren thaten einst
den ehrenmantel zieht, womit ihr gleiszend
die wilde glut verstohlner lüste deckt.
Schiller Maria Stuart 3, 4;
zusammengestellt werden lüste und begierden (vgl. dazu oben 1 im eingange): welche aber Christum angehören, die creuzigen jr fleisch sampt den lüsten und begirden. Gal. 5, 24 (goth. miþ vinnôm jah lustum);
begierden sind es, die uns schänden ...
wenn du vor ihnen nicht erröthest,
nicht durch den geist die lüste tödtest:
so rühme dich der keuschheit nicht!
Gellert 2, 138.
3)
lust, in milderem sinne, von dem verlangen, welches durch seelische und verstandeskräfte bestimmt wird, hinneigung zu einem thun oder einem zustande.
a)
diese lust wird als ein seelisches vermögen ausdrücklich bezeichnet: doch magstu schlachten und fleisch essen in allen deinen thoren, nach aller lust deiner seelen, nach dem segen des herrn deines gottes. 5 Mos. 12, 15; wir warten auf dich herr ... des herzen lust stehet zu deinem namen und zu deinem gedechtnis. Jes. 26, 8, vgl. dazu auch herzenslust theil 4², 1238; und lust ist mit andern seelenkräften zusammengestellt: ich rathe dir damit nicht, zugleich alles gänzlich aufzugeben, wozu dich lust und genie treiben. Lessing 12, 195; einen jungen dichter, der vielleicht mehr lust, als fähigkeit, zu der tragischen dichtkunst hat. Cronegk 1, 278; wozu einer lust und liebe hat, das bescheert ihm gott. wozu einer lust und liebe hat, das bekommt er sein lebtag genug. Simrock sprichw. 356;
lust und liebe zu einem ding
macht alle müh und arbeit gering.
ebenda;
ist mir etwas anzufangen
alle lieb und lust vergangen.
P. Fleming 410;
der fleisz, den du verehrst, ist dieser fleisz dein eigen?
wer gab dir muth und lust, so glücklich ihn zu zeigen?
Gellert 2, 56.
b)
hervorgehoben wird die stärke des verlangens durch formeln, wie rechte lust: etwas, dazu ich wohl lust, aber keine rechte lust hatte. Reiske Thucyd., vorrede; grosze lust, wenig lust, geringe lust: nu hatt man zu kriegs zeiten auch nit groszen lust oder rawm, solche ordnungen zu machen. Melanchthon anrichtung der lat. schul (1543) A 2ᵇ; die wahrheit zu gestehen, so habe ich zwar sehr grosze lust, ihn (den namen eines deutschen Moliere) zu verdienen, aber sein umfang und meine ohnmacht sind zwei stücke die auch die gröste lust erstücken können. Lessing 12, 12; habe ich nicht die geringste lust der sklave eines amts zu werden. 140; auch gute lust: ich hätte gute lust gehabt, impetum cepi, gestio, avet animus. Serz 93ᵇ; ich hätte gute lust, dich zu schlagen, prurit manus te verberare. ebenda; ich hätt ein guten lust und nehme einen brügel. Simpl. 4, 60 Kurz; dem entgegen schlechte lust: ich habe schlechte lust, dubius sum. ebenda; es musz wohl mancher mit machen, der sonst schlechte lust darzu hat. Chr. Weise erzn. 22 Braune; auch böse lust (verschieden von oben 1, b):
nechten hab ich geredet an
Lucretium, den alten herrn,
in eur meinung andeut von ferrn.
der hat kein bösen lust darzu.
J. Ayrer 55ᵃ (289, 25 Keller);
böse lust kann aber auch in anderer beziehung zweifel bedeuten, mangel an zuversicht:
ich sorg, es sei um jhn gethan.
sehr bösen lust ich zu jhm han (wenig glauben, dasz er davon komme),
dann die sprach ist jhm fast verlegen.
203ᵃ (1010, 4);
endlich selbst verlangen etwas böses oder feindliches zu thun:
drum sieht er jedes biedermannes glück
mit schelen augen giftger misgunst an.
dir hat er längst den untergang geschworen —
noch stehst du unversehrt — willst du erwarten,
bis er die böse lust an dir gebüszt?
Schiller Tell 1, 2.
c)
zu lust tritt der genitiv des verlangten gegenstandes (wie oben 1, d): die jenigen so aus fürwitz und lust newer dinge gerne zugaffen. Luther 3, 284ᵃ;
er ist hin — und alle lust des lebens
wimmert hin in ein verlornes ach!
Schiller räuber 3, 1;
das sagst du nur aus lust des widerspruchs.
jungfrau 1, 2;
aber bei dem wohlbestellten essen
wird die lust der speise nicht erregt.
Göthe 1, 243.
d)
häufiger präpositionale verbindungen: also kehret ich mich wider heim und hatte keinen lust mehr in die metzig. buch der liebe 8ᵇ;
und hat kein lust ins vaterland.
B. Ringwald tr. Eck. F 7ᵇ;
dasz dein hirn, wie meines, einst verwirret,
den leichten tag gesucht und in der dämmrung schwer,
mit lust nach wahrheit, jämmerlich geirret.
Göthe 12, 41;
gewöhnlich steht zu mit entsprechender fügung: sondern hat lust zum gesetz des herrn, und redet von seinem gesetz tag und nacht. ps. 1, 2; der grosze lust hat zu seinen geboten. 112, 1; füre mich auf dem steige deiner gebot, denn ich habe lust dazu. 119, 35; weil du lust zu blut hast, soltu dem bluten nicht entrinnen. Hes. 35, 6; wer nu lust hat zur weisheit. weish. Sal. 6, 21; er hatte lust zu ackerwerk. 2 chron. 26, 10; damit die christen einen steten lust dazu haben. Fr. Dedekind miles christ., vorrede 3; das sie einen newen lust dazu kriegen. ebenda; so hab ich nie gröszern lust zum streit gehabt, als ich jetzunder hab. Amadis 406; ist der grose lust zu unserer herlichen teütschen sprach in mir gewachsen. Rompler vorrede s. 11; wenn die von Tyro solchen lust gehabt hätten zu den waffen als zu der kaufmannschaft. Schuppius 92; damit änderte ich meinen vorsatz, und hatte zum bierbrauen lust. Chr. Weise erzn. 106 Braune; wozu der mensch lust hat, dazu hat er auch andacht. Pistorius thes. par. 6, 79;
als du zu pferden nur und lust nur bezeugtest zum acker.
Göthe 40, 256;
lust zum essen, appetit, vergl. essenslust, eszlust: der wein macht lust zu ässen, appetentia ciborum invitatur vino. Maaler 276ᶜ; lacten oder lattich, bringend einem einen lust zuͦ der speisz, cibi appetentiam faciunt lactucae. ebenda; den lust zum essen verliehren. Hohberg 3, 2, 208ᵃ; appenzellisch wer brav arbeitet, bekommt guten lust zum essen. Tobler xiii; der lust zu speis und trank. Lehmann 1, 513.
e)
lust mit zu und folgendem infinitiv: (zwiebel) sterkt den magen und pringt ainen lust ze eʒʒen. Megenberg 388, 34; wenn der herr lust hette uns zu tödten, so hette er das brandopfer und speisopfer nicht genomen von unsern henden. richt. 13, 23; hat er lust mit jm zu haddern. Hiob 9, 3; gott hat lust auf diesem berge zu wonen. ps. 68, 17; ist aber jemand unter euch, der lust zu zanken hat. 1 Cor. 11, 16; allein wenn euer herz mit hasz und rachgier erfüllet ist, so hat gott keinen lust darinnen zu wohnen. Schuppius 284; inmittelst hätte ich lust mich zu nennen. Chr. Weise erzn. 4 Braune; warumb hat ihr lust zu gewinnen? 35; ich habe nicht lust deine närrischen gedanken zu errathen. Lessing 1, 235; das vermögen, schaden zu können, erweckt, fürchte ich, die lust, schaden zu wollen. 149; arbeit und embarras .. der mir nicht viel zeit und lust läszt, briefe zu schreiben. 12, 182;
so hätt ich lust, ein bösewicht zu sein.
Gellert 1, 250;
nein, ich musz
von nun an diesen mann als gegenstand
von meinem tiefsten hasz behalten; nichts
kann mir die lust entreiszen, schlimm und schlimmer
von ihm zu denken.
Göthe 9, 199;
wenig findet er lust sich unter leuten zu zeigen.
40, 243;
neben diesen gefühlen
gab die natur uns auch die lust zu verharren im alten.
277.
f)
seltener lust zu jemandem, hinneigung zu ihm, verlangen bei oder mit ihm zu sein: er hatte lust zu der tochter Jacob. 1 Mos. 34, 19; noch hat er allein zu deinen vetern lust gehabt, das er sie liebet. 5 Mos. 10, 15; und sihest unter den gefangenen ein schön weib, und hast lust zu jr, das du sie zum weibe nemest. 21, 11; sihe, der könig hat lust zu dir, und alle seine knechte lieben dich, so sei nu des königs eidam. 1 Sam. 18, 22; er füret mich aus in den raum, er reis mich er aus, denn er hatte lust zu mir. 2 Sam. 22, 20; ich habe keinen lust noch gemüt zu jhm. buch d. liebe 201ᶜ;
zwar, ich hatte längst in willen,
Buhle, du gelehrter mann,
dir und deiner Charitillen
einen thon zu stimmen an,
dasz man könt auch künftig sagen,
dasz ich lust zu euch getragen.
Fleming 410.
g)
die lust kommt, steigt auf, wächst, ist oder wird grosz, rührt, trägt einen, vergeht: und solt den leser schier die lust rüren, zu wissen, was doch der Jüden schem hamphoras sei. Luther 8, 114ᵃ; ein jglicher machte daraus (aus dem manna), was er wolt, nach dem jm lust ankam, so oder so zu schmecken. weish. Sal. 16, 21; sie stunden auf wans jnen geful, on metten leuten, tranken, asen, zechten, arbeiteten, schliefen, wann jhnen der lust kam. Garg. 282ᵇ; da kam ihn eine lust wein zu trinken an, doch war ihm das geld zu lieb. Chr. Weise 63 Braune; niemand hasset ein jungfraw, als der, dem der lust schon vergangen. Lehmann 1, 447;
da einem breutigam sein braut
hat sollen werden an vertrawt,
und doch der lust nicht war gar grosz,
wer jhrer gern gewesen losz.
L. Sandrub kurzweil 16;
alsdann kan erst der mensch sich einen menschen nennen,
wann seine lust ihn trägt, was über uns, zu kennen.
Opitz 1, 26;
schäm dich! diesesmal wird dir
wohl die lust vergehen müssen.
Lessing 1, 72;
so kam endlich die lust in jedes mitglied des rathes.
alle bestreben sich jetzt.
Göthe 40, 260;
des herzen lust stehet zu deinem namen und deinem gedechtnis. Jes. 26, 8.
h)
lust bekommen, befriedigen, stillen, verlieren: einen lust bekommen. Laz. de Tormes 43; habe ich alsbald den lust verlohren. 119; das die gnuͦg den lust minder und auslösch. S. Frank laster g 2;
pflegten wir krystallen glas
rasch mit schaum zu füllen,
und mit masz und ohne masz
durst und lust zu stillen.
Göthe 47, 136;
gern auch lust büszen (in anderem sinne als oben 1, e): (wenn einer) ein walfahrt thun wolte, also dasz er in 3 jaren heim zu kommen sich verwagte, der mag dʒ thun, und sein lust zu büsen hinzihen. Fischart bienk. 141ᵇ;
kan Bethlems süse quäl
den lust des Davids büsen.
Rompler 175;
mags gott und dich, du narr, verdrieszen,
so will ich meine lust doch büszen!
Bürger 71ᵃ;
bezogen auf die stillung des verlangens nach rache oder schaden: das ein grober esel auch auf der canzel möcht könig und fürsten ausfilzen, und seine lust an jnen büszen, nach allem mutwillen. Luther 5, 148ᵃ; das du feindlich scharrest und pochest, und er dazu lachet, und seine lust büszet, das er dich erzürnet und leide thut. 353ᵇ; mocht jemand hie denken, ich büszete hiemit die lust, mit so spöttischen, verdrieslichen, stachlichten worten an dem bapst. 8, 212ᵃ; bisz sich die gelegenheit ereignet, mit meinen cameraden ihn zu überfallen, und, wo möglich, ihn auf mein gut zu führen, und daselbst meine lust an ihm abzulassen. unwürd. doct. 659;
all habens jren lust an uns gebüszt.
Jephthes C 7ᵃ;
auf das verlangen nach speise (vergl. oben d a. e.): hernach aber sahen sie auch ein newe art der vogel, da sie lüstern wurden, und umb niedliche speise baten, denn es kamen jnen wachteln vom meer, jr lust zu büszen. weish. Sal. 19, 12; da aszen sie und wurden allzusat, er lies sie jren lust büszen. ps. 78, 29.
i)
der lust folgen, genügen: allem lust und willen ein genügen thun. Bocc. (1580) 1, 3ᵃ; der mensch hat natürlich zu einem ding mehr lust, dann zum andern, und wiewol der mensch voller lüst ist, so schwebet doch alle zeit eine oben, und übertrifft die andern lüst, treibt und übet jn auch allermeist dahin, und zu dem, darauf der lust gericht ist, also dasz der mensch disem lust volgen muͦsz, er gerath zu glück oder unglück. Agr. spr. 6ᵃ; voll lust sein:
bin ich nicht immer noch voll muth und lust?
und lust und liebe sind die fittige
zu groszen thaten.
Göthe 9, 31;
aus lust, nach lust u. ähnl.: denn ich habs versucht, wenn gleich im abendmal eitel brot und wein were, und ich wolte doch von lust wegen versuchen, wie ichs aussprechen möcht, das Christus leib im brot were, so kündte ichs doch warlich nicht gewisser, einfeltiger und klerer sagen, denn also, nemet, esset, das ist mein leib. Luther 3, 489ᵃ; nach allem lust zu dem handel. Garg. 151ᵃ; als er nun verstund, dasz die schönsten und grösten (salatköpfe) im ganzen land daselbs wachsen, .. gieng er für lust selbs dahin. 237ᵇ;
wer will mir wehren zu singen
nach lust zum himmel hinan?
Göthe 5, 59.
k)
mit meiner lust, indem ich das gleiche verlangen habe; mit meiner zustimmung, einwilligung:
ich heisz es dich auch nicht: ja wisse wann du woltest,
dasz du mit meiner lust es dannoch nicht thun soltest.
Opitz 1, 167;
(der kaiser) schickt dich hin und her,
und legt mit deiner lust die müden landbeschwer
dir, andrer Atlas, auf.
2, 20.
l)
der plural von lust in der bedeutung 3 ist weit ungewöhnlicher als die unter 2 angeführten fälle:
verräther! ruft sie, dich,
dich hätte Cypria, die göttin sanfter lüste,
dich Dardanus gezeugt?
Schiller Dido 67;
freiheit liebt das thier der wüste,
frei im äther herrscht der gott,
ihrer brust gewaltge lüste
zähmet das naturgebot.
d. eleus. fest v. 203,
sie warfen mit brust sich zu brüsten,
und herzten und küszten nach lüsten.
Göthe 1, 222;
der junge herr ist freilich schwer zu führen,
doch als erfahrner gouverneur
weisz ich den wildfang zu regieren; ...
ich lasz ihn so in seinen lüsten wandeln,
mag ich doch auch nach meinen lüsten handeln.
56, 267.
4)
lust, das behagen, das in der befriedigung eines verlangens erwächst, freude, vergnügen, ergötzung: delectatio lust Dief. 171ᵇ; delicie lust 171ᶜ; lust, voluptas, .. deliciae Dasyp.; es wird erklärt: lust ist die vorstellung der übereinstimmung des gegenstandes oder der handlung mit den subjectiven bedingungen des lebens. Kant 4, 104.
a)
zusammenstellung mit sinnverwandten begriffen: er hat nicht lust an der sterke des rosses, noch gefallen an jemandes beinen. ps. 147, 10; nach unserm lust und wolgefallen, ad nostrum arbitrium libidinemque. Maaler 276ᵈ; lust und liebe (vgl. oben 3, a): alles, was in die jungen seelen eingetrichtert wird, was sie nicht aus eigner lust und liebe halten, haftet nicht. Heinse Ardingh. 1, 110; solcher vortheile bediente ich mich gegenwärtig mit lust und liebe. Göthe 24, 140; lust und lieblichkeit:
wenig hab ich noch empfunden
von der werthen frühlingszeit;
all die lust und lieblichkeit
hat zu mir nicht bahn gefunden.
Uhland ged. 45;
lust und kurzweil: dasz sie (die geschichten) mehr zum lust und kurzweil dienen. L. Sandrub kurzweil 179; lust und wonne:
euch (blumen) erzog zu lust und wonne,
ja, euch liebte die natur.
Schiller die blumen;
am häufigsten lust und freude: die freude aber und lust, und alles ander, das man begeren mag, dürft man nicht suchen noch bitten, noch begeren. Luther 1, 75ᵃ; ein guter wein mag nicht getrunken werden, er bringt von jm selb, nicht gesucht, seinen lust und freud. ebenda; freude, friede und seligkeit und aller lust. ebenda; haben also jren lust und freud daran. 4, 530ᵇ; das du dem herrn deinem gott nicht gedienet hast mit freude und lust deines herzen. 5 Mos. 28, 47; sie wird blühen und frölich stehen in aller lust und freude. Jes. 35, 2; es ist kein verdrus, mit jr umbzugehen, noch unlust umb sie zu sein, sondern lust und freude. weish. 8, 16;
dasz Jonas auch so weit ist ausz dem weg geschritten,
als er gesändet war, und an der eutlen frucht,
dem kürbis, seine freüd und seinen lust gesucht.
Rompler 155;
das werden mit freuden und lust
die frommen, gerechten ersehn.
P. Gerhard 6, 35 Gödeke;
doch wird die lust der freude auch gegenübergestellt:
wie viele lassen sich durch rauschendes vergnügen,
durch stolzer freude lärm, um stille lust betrügen!
Uz 2, 65;
selbst so, dasz lust das niedere ist:
schilt einer schwester reine himmelsfreude
nicht unbesonnene, strafbare lust.
Göthe 9, 55.
b)
verbindung mit gegensätzen; lust und unlust: dem durch lust und unlust, durch glück und unglück hochgeübten theologo. Schuppius 607; dieses verwunderte ihn nur, dasz etliche ihre lust zur unlust, und ihr divertissement zu lauter gestank machten. Chr. Weise erzn. 167 Braune; ich würde zeigen, dasz das weinen eben so aus einer vermischung der traurigkeit und freude, als das lachen aus einer vermischung der lust und unlust entstehe. Lessing 12, 50; lust und furcht:
lasz keine furcht, als deine, mich erschrecken,
oder du uns vom tode wirst erwecken,
lasz, höchster, mich bewegen, keine lust,
als die du thust (schaffst).
Fleming 284;
lust und sorge:
(ein gut, das ich) mit freud und furcht, mit lust und sorge pflege.
Göthe 9, 252;
lust und ernst:
lasset heut am edlen ort
ernst und lust sich mischen.
47, 133;
lust und schmerz:
der menschen lust und schmerz
steht oft in ihrer macht; doch niemals unser herz.
Cronegk 1, 192;
seltsamer widerspruch! gemisch von lust und schmerz!
2, 9;
also flossen auch uns vereint der kindheit und jugend
tage; jegliche lust theilten wir, jeglichen schmerz!
Stolberg 1, 217;
in des lenzes heiterm glanze
lese jede zarte brust,
in des herbstes welkem kranze
meinen schmerz und meine lust.
Schiller klage d. Ceres v. 132;
ach ich bin des treibens müde!
was soll all der schmerz und lust?
Göthe 1, 109;
denk unsrer tiefsten lieder, stimm an den vollsten ton!
nimm alle kraft zusammen, die lust und auch den schmerz!
Uhland ged. 390;
sein eignes ich vergessen
in aller lust und schmerz.
96;
lust und wehmuth:
die königin, zerflossen in wehmuth und in lust.
391;
lust und pein:
lust und pein
sei uns den zwillingen gemein!
Göthe 5, 37;
lust und qual:
sollte jene qual uns quälen,
da sie unsre lust vermehrt?
137;
er untersucht sich tausendmal,
und spüret lust und spüret qual,
so oft er sich befragt.
Hagedorn 3, 81;
lust und leid, lust und leiden:
o welche lust erfolgt oft nach dem leide!
Gellert 1, 180;
und so leerten sie den kelch
höchster lust und tiefsten leidens.
H. Heine 18, 64;
lust und schrecken:
da zittert ihm das herz vor lust und schrecken.
Uhland ged. 450.
c)
die mannigfaltigkeit der empfindung bezeichnen, namentlich in der neueren dichtersprache, mannigfaltige adjective der art und des grades: süsze, sanfte, stille, edle, heilige lust:
ein finstrer heiliger, der sich zum wald verbannte,
noch eh er sanfte lust, sich selbst und menschen kannte.
Uz 2, 57;
erwecke sanfte lust und zärtlich edle schmerzen.
Cronegk 1, 22;
o muse, die bisher in heilgen einsamkeiten
sanft lächelnd mich besucht, die die betrübten zeiten
mit stiller lust versüszt.
2, 34;
wenn mein geist in heilger lust in der stille dich (schöpfer) verehret.
174;
lebendig regte sich des wirkens süsze lust.
Schiller die künstler v. 137;
und wie er erwachet in seliger lust.
Tell 1, 1;
gegenüber trunkner, wilder, bacchantischer lust:
so wie ein durch den fleisz vollendeter student,
nach einem glücklichen examen,
sich selbst vor trunkner lust nicht kennt,
wenn ihn die magd ... herr doctor nennt.
Gellert 1, 132;
nennst du diesz lebensart, sich, aus geselligkeit,
den taumel wilder lust, das glück der trunkenheit,
den kützel frechen spotts im umgang zu vergönnen.
2, 40;
dumpferbrausend durch die gassen
wälzt sich die bacchantsche lust.
Schiller Kassandra v. 14;
wahre, falsche, höhere, niedere lust: so jr fliehet die vergengliche lust der welt. 2 Petr. 1, 4;
die aber, welche gleich auch ihren willen büszen,
und allzeit ohne scheu der falschen lust genieszen,
was bringen sie darvon? zu spate reu und leid.
Opitz 2, 66;
ihm ist die lust zu grob, die dich, Apitz, beseelt:
nur das ist wahre lust, die keine reue quält.
Cronegk 2, 32;
du wirst die falsche lust mit wahrem glück vertauschen.
91;
narren nur vergleichen
mit seiner (des kunstkenners) höhern lust, die lust des dummen reichen,
der schildereien kauft, und zu tapeten macht,
bei bunten farben jauchzt, und nur bei schmierern lacht.
Uz 2, 69;
o thor, der niedrer lust ein ganzes leben weiht,
die, schmeichlend im genusz, ihm lange qualen dräut!
53;
nicht niedre lust, auch nicht eroberer,
noch gold und schätze will ich singen.
E. v. Kleist (1765) 57;
laute, stumme lust:
mit blasen
voller erbsen, die er auswarf,
allem volk zur lauten lust.
Herder z. litt. 5, 96 (Cid 16);
es (das geld) wird mit stummer lust beschaut.
Hagedorn 2, 68;
faule lust, vergnügen in faulheit:
bist müszig sitzen blieben,
und hast die faule lust dir lassen stets belieben
im schatten falscher rast.
Opitz 2, 19;
erlaubte, unschuldige, verbotene lust: eine unschuldige lust, die sich freunde einander nicht versagen sollten. Lessing 12, 284;
Cleant mit einem kopf voll stolzer fantasien,
läszt freuden ungepflückt vor seinen füszen blühen:
nur nach versagter lust begierig, sitzt er still.
Uz 2, 103;
die, um verruchter lust zu frohnen,
nicht schöpfer noch geschöpf verschonen!
Bürger 71ᵇ;
gute lust, böse lust (verschieden von oben 3, b): die zeit in guter lust zubringen. pers. rosenth. 2, 29; bei guter lust ist allezeit was böses zu vermuhten. 5, 17;
ist liebe lauter nichts, wie dasz sie mich entzündet?
ist sie dann gleichwol was, wem ist ihr thun bewust?
ist sie auch gut und recht, wie bringt sie böse lust?
ist sie nicht gut, wie dasz man freud ausz ihr empfindet?
Opitz 2, 223;
grosze, höchste, vollkommne lust:
so oft ich euren glanz, ihr hellen augen, schaue,
bin ich in groszer lust vertäuft so hoch und weit,
dasz ich mich freuen musz auch in trübseligkeit.
224;
in deines freundes arm, an deiner gattinn brust,
wird oft ein kleines glück für dich die gröszte lust.
Gellert 2, 27;
(wer hier geweint) hat vollkommne lust
dort in Christi garten.
Gerhard 139, 117 Gödeke;
hat dich an einem tag der höchsten lust
ein schlaf gebändigt?
Göthe 9, 193;
neue, nie gefühlte, jugendliche lust:
und du liebster ihrer tage,
nimm hin alle sorg und klage,
bringe neue lust herfür.
P. Fleming 408;
er wird die nackende sirene
mit nie gefühlter lust gewahr.
Gellert 1, 319;
in jede bange brust
gieszt er ein balsamisch hoffen
und des lebens neue lust.
Schiller punschlied;
mein frischer sinn, die jugendliche lust,
die mich belebt, sie theilen dir sich mit.
Göthe 9, 272;
erhebe mich zu neuer lust!
lasz mich an deiner treuen brust
von allem leid genesen!
Uhland ged. 209;
die lust mit entgegengesetzten empfindungen gemischt: schmerzliche, schauerliche, grause lust; ich hätte uns beiden wohl die melancholische lust gönnen mögen, ihn und den d. P. mit einander streiten zu hören. Lessing 12, 87;
sie soll von meiner hand, von meiner hand erblassen.
verzweifelnd, ungezähmt, mit abscheuvoller lust,
reisz ich das falsche herz aus der durchbohrten brust.
Cronegk 1, 334;
indessen klopft vermischt mit banger lust
ein süszer schmerz in ihrer heiszen brust.
Wieland 10, 150;
die bange lust, die süszen qualen.
Schiller hochzeitgedicht (Schillers leben 1845 s. 64);
ich halt sie umschlungen mit schaudernder lust.
H. Heine 15, 32.
d)
lust mit genitiven der organe, die von der empfindung besonders berührt werden: das mein herr der könig seiner augen lust dran sehe. 2 Sam. 24, 3;
er grieff jhr baldt an jhre brust,
und sprach: disz ist meins herzen lust.
L. Sandrub kurzweil 101;
er lehrt mich euch verschmähn, euch glänzende gestalten ..
dich reichthum! dich, o ruhm, traum an der ehre brust!
und euch ergötzungen, berauschter sinne lust!
Uz 2, 141;
es zieht mich nicht
der augen flüchtig schnelle lust zu ihr.
Schiller jungfrau von Orl. 3, 1.
e)
mit genitiv dessen, was die empfindung hervorruft: dürfen die geistlichen nicht heirathen, so haben sie andere gelegenheit, dabei sie die lust des ehstands genieszen, und der plage überhoben sein. Chr. Weise erzn. 49 Braune; als ich mich nach gewohnheit der lust dieses anblicks überlasse. Schiller 745ᵇ;
des beifalls lang gehemmte lust
befreit jetzt aller hörer brust.
kampf mit d. drachen v. 253;
lasz dieser bäume hochgewölbtes dach,
zum augenblick des rastens, freundlich schatten,
lasz dieser lüfte liebliches geweb
uns leis umstricken, dasz an sturm und streben
der jagdlust auch der ruhe lust sich füge.
Göthe 9, 250;
der liebe goldne stunden traten wieder,
selbst mit des ersten kusses lust, hervor.
Uhland ged. 143;
auch dem genitiv der zeit:
des augenblickes lust hat sie geboren.
Schiller abschied vom leser;
sage das nur, ob dein herz
noch der kindheit lust empfinde.
Uhland ged. 194;
statt solcher genitive präpositionale bestimmungen:
alten, alt zu unsrer pein,
denen von der lust im lieben,
von der jugend, von dem wein
das erinnern kaum geblieben.
Lessing 1, 76.
f)
lust in genitivverbindungen:
der vorschmack künftger lust und einer bessern welt
ist, was den aufenthalt der sterblichen vergällt.
Cronegk 2, 9;
komm, ich begleite dich zu welten voller lust.
20;
ich hoffte keinen ruhm, als einstens bei Zemiren
ein leben voller lust ganz unbemerkt zu führen.
17;
doch den sänger vermisz ich, den bringer der lust.
Schiller graf v. Habsburg;
von der freiheit gesäugt wachsen die künste der lust.
spaziergang v. 122;
in bildern:
ist der vergnügen reich nicht klein genug umschränket,
dasz unser ekler witz auf neue marchen denket?
treibt denn der baum der lust holz so im überflusz,
dasz man gewaltsam ihm die äste rauben musz?
Lessing 1, 179;
lern es, mädchen, dieser trank der lust,
dieser kelch, woraus mir gottheit düftet —
Laura — ist vergiftet!
Schiller melancholie an Laura v. 85;
(Aeneas) der in Karthago säumt,
und den verheisznen thron im arm der lust verträumt.
Dido 42;
es ist dein eignes herz die quelle deiner lust.
Cronegk 2, 97.
g)
die lust wird gesucht, empfunden, gefühlt, verheiszen, empfangen, geschöpft, gesogen, genossen: du sihest einen menschen, der dir lieb ist, da von empfahest du einen lust und glust (verlangen). Keisersberg brösaml. 1, 33ᵃ;
heimlich er in das hause gieng,
dasz er verhoffte lust empfieng.
L. Sandrub kurzweil 93;
schöpfe wieder diese lust,
die kein glücke mir wil gönnen.
Opitz 2, 63;
Zemire, selbst die lust, die ich bei dir genosz,
die unvergeszne lust, die mir so schnell verflosz,
die wäre, trotz der glut der lieberhitzten jugend,
doch jetzo keine lust, und eitel ohne tugend.
Cronegk 2, 24;
ich will die ganze lust der besten welt genieszen:
voll sanfter wollust soll mein leben mir verflieszen.
27;
empfindend, wie wir sind, wir fühlen eine lust,
zu grosz für sterbliche, zu stark für unsre brust.
36;
such deine lust in stillern freuden.
Gellert 1, 279;
lust verheiszend winke dir
dieser lippe frucht wie mir!
Bürger 74ᵃ;
jetzt schien er wenig lust aus Taffis werk zu schöpfen.
Wieland 21, 164;
sie (die leidenschaften) wärmen nicht, und gieszen keine lust
noch lebensfreud umher.
Göthe 9, 183;
und leichte lust zu saugen
war jede lippe lieb.
57, 250;
die lust beseelt, belebt, ergötzt, entsteht, vergeht: alle lust vergehet. pred. Sal. 12, 5; nun die lust war aus. Chr. Weise erzn. 77 Braune;
die lust, die unser fleisch ergetzt,
die zeucht uns nach der höllen,
und was die welt vor freude schätzt,
pflegt seel und geist zu fällen.
P. Gerhard 82, 43 Gödeke;
erstaunt sah er die lust, die alles sonst beseelte.
Cronegk 2, 329;
ich lebe nicht auf erden,
um glücklich hier zu werden;
die lust der welt vergeht.
Gellert 2, 106;
es duftet wieder alte liebe,
es grünet wieder alte lust.
Uhland ged. 43;
lust geben, gewähren, machen, vermehren, entbehren u. ähnl.: sandtest jnen brot bereit vom himel, on erbeit, welchs vermocht allerlei lust zu geben, und war einem jglichen nach seinem geschmack eben. weish. Sal. 16, 20; item des garkuchners vier rotzklitzige, grindschupige, reudige, beschissene, beseichte, molkentremlige hurenkinder, was lusts können die eim geben? Garg. 46ᵇ; wann ich einen solchen knebelbartfressigen namen hette, der von gethön und hall den leuten auszzusprechen ein lust gibt. 107ᵃ; ihnen solcher gestalt einen lust machen. Simpl. 1 (1713) 8; wenn das französische gedruckt werden sollte, will ich mir die lust machen, es selbst zu übersetzen. Lessing 12, 423; des morgens, wenn mich meine freunde verlieszen, hatte ich die gewohnheit, ehe ich mich schlafen legte, noch einige augenblicke am fenster zuzubringen, die sonne über dem golf aufsteigen zu sehen und ihr dann gute nacht zu sagen. wenn sie sich diese lust noch nicht gemacht haben, .. so empfehle ich ihnen diesen standort. Schiller 745ᵇ; mit blutdürstiger ungeduld erwartet man in Wien die ankunft dieses groszen verbrechers, und genieszt schon im voraus den schrecklichen triumph, der gerechtigkeit ihr vornehmstes opfer zu schlachten. aber, den jesuiten diese lust zu verderben, war ein viel süszerer triumph. 976ᵇ;
du verminderst alle schmerzen,
du vermehrest jede lust.
Cronegk 1, 318;
der ist so gut ein thor, der jede lust verachtet,
als der, der ohne ziel nach neuen freuden schmachtet.
2, 104;
(wo der tyrann) durch launen, worte, thaten jede lust,
mit schadenfreude, sinnreich untergräbt.
Göthe 9, 349;
einem seine lust weihen:
dir ist ja meine lust, mein hoffen, leiden,
mein lieben, meine treu, mein ruhm, mein neiden,
dir ist mein leben, dir mein tod geweihet.
Uhland ged. 136;
etwas der lust weihen:
die stunden sind verloren,
die wir der lust nicht weihn.
Cronegk 2, 253.
h)
es heiszt lust haben, seine lust haben an einem oder etwas: habe deine lust am herrn. ps. 37, 4; gros sind die werk des herrn, wer jr achtet, hat eitel lust dran. 111, 2; die fromen haben lust an den fromen. spr. Sal. 14, 9; ein narr hat nicht lust am verstand. 18, 2; an wem wolt jr nu ewer lust haben? Jes. 57, 4; haben auch jren lust an dem leblosen, und todten bilde. weish. Sal. 15, 5; hätte an einem thörichten menschen lust, den er leicht könne klüger machen. Chr. Weise erzn. 31 Braune; da hatte Florindo seine sonderliche lust an einem qvacksalber, der seine bude dem gasthofe gegenüber aufgeschlagen hatte. 91;
(der schöpfer) hat am mänschenkind den aller grösten lust.
Rompler 32;
im fall er aber sie (die musik) nicht selber üeben kan,
hat er gemeiniglich doch grosen lust daran,
wan er sie üeben hört.
114;
man rühmt wohl viel vom golde,
was ich nicht läugnen kann,
doch ohne sie, die holde,
wie hätt ich lust daran?
Bürger 56ᵃ;
sie haben ihre lust dran, mich zu quälen.
Schiller Piccol. 3, 3;
und ähnlich: sie haben auch lust ab sanftem luft. Forer fischb. 98ᵇ; wann ich einen lust mit andern ehrlichen leuten haben wolte. Philand. Lugd. 5, 302; dasz er darinne mit lusthäusern, schönen spaziergängen, lüftern und andern dingen seine königliche lust gehabt hat. Schuppius 98; die erzväter und andere fromme leute haben ihre sonderbare lust in dem grünen gehabt. 136.
i)
lust sehen: das mein auge an meinen feinden lust sihet. ps. 54, 9; gewöhnlich seine lust an einem oder etwas sehen: der herr dein gott thu zu diesem volk, wie es jtzt ist, noch hundert mal so viel, das mein herr der könig seiner augen lust dran sehe. 2 Sam. 24, 3; sie aber schawen und sehen jre lust an mir. ps. 22, 18; gott leszt mich meine lust sehen an meinen feinden. 59, 11; ich bin warm worden, ich sehe meinen lust am fewr. Jes. 44, 16; darumb das seine seele geerbeitet hat, wird er seine lust sehen, und die fülle haben. 53, 11; da hett einer sein lust gesehen wie sich die arme teufel duckten. Garg. 32ᵃ; was unser vermögen betrifft, daran sollst du deine lust sehen. Göthe 20, 136; selbst dahin kam der könig, um an den verstümmelten resten vom körper eines greisen seine lust zu sehen. Schiller 1076ᵇ;
daʒ wir hie sähen unsern lust.
Birck Susanna (1532) a 3ᵇ;
die frau von Maloank,
die ihres herzens lust an Geron sah
und seinen thaten.
Wieland 18, 45;
und sahn
so ihre lust
daran,
wie zweig an zweig gebogen
voll blüthen hing.
300;
auch seine lust hören: mein auge wird seine lust sehen an meinen feinden, und mein ohre wird seine lust hören an den boshaftigen. ps. 92, 12; da sollten sie ihre lust hören, wie wir über die dramaturgie disputiren. Fr. Nicolai bei Lessing 13, 139;
auch wöll wir uns ritterlich wehrn.
solt eurn lust dran sehen und hörn.
J. Ayrer 27ᵃ (150, 3 Keller).
k)
lust mit präpositionen; so mit lust: so werden sie bei guten tagen alt werden, und mit lust leben. Hiob 36, 11; wer gott dienet mit lust, der ist angeneme. Sir. 35, 20; ubet jemand barmherzigkeit, so thu ers mit lust. Röm. 12, 8 (griech. ὁ ἐλεῶν ἐν ἱλαρότητι, goth. sa armands in hlasein); in so einem (buche) musz es sich mit lust studiren lassen. Lessing 1, 248;
hör doch nit auf mit vollem lust
ihre stirn, mundt, halsz, wangen, brust
mit tausent küssen anzurennen.
Weckherlin bei Opitz (1624) 200;
wir irren noch mit lust, und hören auch die schande
mit groszen freuden an.
Opitz 2, 64;
wer heiszt euch uns den irrthum rauben,
den unser herz mit lust besitzt?
Gellert 1, 72;
mit ehrfurcht lies, mit lust und mit vertrauen.
2, 192;
dir lebt ich, o herzchen, dir sterb ich mit lust!
Bürger 35ᵇ;
mein auge musz mit lust dich sehn.
92ᵃ;
so würden sie als freunde sich verbinden;
dann stünden sie für éinen mann und gingen
mit macht und glück und lust durchs leben hin.
Göthe 9, 172;
denn was wäre das haus, was wäre die stadt, wenn nicht immer
jeder gedächte mit lust zu erhalten und zu erneuen.
40, 258;
aufgerichtet hat mich auf hohem gestelle der meister.
stehe, sprach er, und ich steh ihm mit kraft und mit lust.
Schiller der obelisk;
die alle welt mit lust beseelen.
räthsel 9, 24;
ohne lust:
die so ihr ganz und gar der schnöden eitelkeit,
den lüsten ohne lust, zu dienst ergeben seid.
Opitz 2, 63;
der erdball selbst, ein platz voll wandelbarer scenen,
von lächeln ohne lust, von bald vergosznen thränen.
Cronegk 2, 139;
zur lust: wol dir land, des könig edel ist, und des fürsten zu rechter zeit essen, zur sterke und nicht zur lust. pred. Sal. 10, 17; zur lust wolt ich haben weisze lilien, roszmarien. Schuppius 100;
der seidenwurm, den erst vor wenig tagen
der herr zur lust mit sich ins haus getragen.
Gellert 1, 68;
von blum und frucht, so die natur erschafft,
darf ich zur lust, wie zum bedürfnis pflücken.
Bürger 69ᵇ;
seht ihr in Leipzig die fischlein, die sich in Sulzers cisterne
regen, so fangt euch zur lust einige grundeln heraus.
Schiller xenien no. 63;
ich hoff dise vereinbarung sölle uns zuͦ lust und fröud dienen, oder wol erschieszen, spero nobis hanc conjunctionem voluptati fore. Maaler 276ᶜ;
so, wann ein todtenkopf der Griechen tisch geschmückt,
ermunterte zur lust das bild, das sie erblickt.
Cronegk 2, 22;
was braucht man mehr zur lust, als eine stille seele?
324;
diese form,
die sich zu meinem glück, zur lust der welt,
in tausendfältgen zügen, auferbaut.
Göthe 9, 319;
alles um mich her, es war so reich,
so voll und rein, und was der mensch bedarf,
es schien zur lust, zum überflusz gegeben.
338;
nach lust:
genieszt
der schönen tage ganz nach freier lust.
115;
aus lust, um lust u. ähnl.: dasselbig (gemach) ward .. durch Elisenam von jhrem herren vattern begert, zum theils (wie sie fürgab) umb jhres lusts willen, zum theil aber zu erhaltung jres langer zeit her gewonten einsamen lebens. Amadis 26; umb einen kleinen falschen lust verloren sie jhre ehr und leben. buch d. liebe 285ᶜ; vorzeiten sasz ein weiser man von lustes wegen gar lang auf dem pryvet. Steinhöwel 1555 14ᵇ; sammetblume wird mehr lustes dann nutzes halben gezielet. Tabernaemont. 819;
sie setzte sich, die junge fliege,
voll muth auf einen becher wein;
entschlosz sich, that drei gute züge,
und sank vor lust ins glas hinein.
Gellert 1, 161;
und stachen sie (die mücken) zuvor aus bloszer lust zu stechen,
so stachen sie nunmehr, um sich zu rächen.
263;
bei lust, bei der lust, lustig, vergnügt: ich habe ihn vielmals bei der lust, niemals aber betrunken gesehen, oder ein unverständiges wort von ihm gehört. Leipzi. avantur. 1, 110.
5)
lust hebt weniger die empfindung des behagens, als vielmehr das, was behagen verursacht, hervor, wobei vielfache berührungen mit no. 4 selbstverständlich sind.
a)
in allgemeinerer wendung auf einen zustand oder eine handlung deutend, etwas ist lust oder eine lust: als gehe es gegen der lieben sommerzeit und seien eitel schöne rosen und lilien, die daher blühen, das lust zu sehen ist. Luther 5, 536ᵃ; und sol meine lust sein, das ich jnen guts thun sol. Jer. 32, 41; des gottlosen lust ist schaden zu thun. spr. Sal. 12, 12; und als er in den undern hof hinein gieng, und des Arcalaus gesind seiner gewahr, were (lies war) es ein groszer lust zu sehen, wie sie flohen. Amadis 216; von dar gelangte ich in den baum- küchen- und blumen garten, warinn warhaftig ein rechter lust zu sehen, weil alles so ordentlich und gleichsam fürstlich zugerichtet und versehen. Simpl. 3, 380 Kurz; arbeiten? das ist seine lust. Lessing 2, 116; es ist eine lust, ihn schimpfen zu hören. 8, 485; ich will die puppen putzen und dressiren, dasz es eine lust sein soll. Göthe 19, 168; wir haben sie zusammengestochen, dasz es eine lust war. 8, 137; das ist eine lust! 14, 254; das wird wie der eine lust auf dem schlosse werden! 257;
das glück der sterblichen ihr eignes glück zu nennen,
diesz ist der götter lust.
Cronegk 1, 212;
kein beszre lust in dieser zeit,
als durch den wald zu dringen.
Uhland ged. 32;
der singt, das ist eine herrliche lust.
350;
im ausrufe: welche lust, soldat zu sein!;
ja, morgen ist das maienfest;
o morgen, welche lust,
wann sie sich glänzend schauen läszt,
die röslein an der brust!
Uhland ged. 28.
b)
ein gegenstand ist eine lust: solche flüchtige blätter, deren ich noch gar manche sorgfältig verwahre, sind geistreiche lust. Göthe 39, 190;
der kühnen fahnen flug, die stimme der posaunen,
der pferde grimmer schaum, disz, disz ist deine lust.
Opitz 2, 20;
die straf ist meine lust.
160;
nun ade, ihr feldgöttinnen,
nun ade, du grüne lust.
196;
der lieder sanfte klagerede
ist all mein trost und meine lust.
Uhland ged. 17;
sie gieng in einen garten,
der war wohl ihre lust.
218.
c)
eine person: die lust jrer augen und jres herzen wundsch, jre söne und töchter. Hes. 24, 25;
o meine lust und pein,
schön und auch grausam sein
das schickt sich nicht zusammen.
Opitz 2, 193;
deine lust, sie (Charitille), ist entwichen,
deine zier ist weit von dir.
Fleming 410;
wär ich die lust des volks, der weisheit erste zierde:
so würd ich glücklich sein, beglückt durch ruhmbegierde.
Gellert 2, 18;
o musen, seine lust, pflanzt mit bethränten händen
den lorbeer um sein grab.
Uz 2, 143;
so soll ich nun dich meiden,
du meines lebens lust!
du küssest mich beim scheiden.
Uhland ged. 57.
d)
lust, die anmut einer landschaft: die wollustig insel Cyprus, von yres lusts wegen Veneri geheiliget. Frank weltb. 17ᵇ; dise insel ist sunst mit allerlei lust geziert. ebenda; dem (land) gaben wir von seins lusts wegen in unser sprach das frölich ort (zu namen). 217ᵇ;
die wiese wird erfrischt von vielen süszen bronnen,
die blumen und das grasz ist niemals abgemeyt;
man siehet nichts als lust und stete frühlingszeit.
Opitz 2, 67;
in den gärten, in den auen
ist verjüngte lust zu schauen.
Fleming 408.
e)
lust, ein erfreuendes ding, in noch anderen wendungen:
fern, ferne sah ich schwinden
der erde lust und heil.
Uhland ged. 247;
die thäler schlummertrunken
weckt der gesänge lust.
409;
genusz köstlichen obstes: weilen nun sehr wenig leute sind, die das köstliche edle und schöne obst nicht in sonderbarer hochachtung halten, soll man nur disz gedenken: wann unsere lieben alten vor-eltern die bäume nicht mit solcher treu und eifer aufgebracht, und uns überlassen hätten, wir dieses lustes wol entbehren müsten. Hohberg 1, 395ᵇ; eine lustbarkeit, festlichkeit: in Baiern lust fest, namentlich auch tanzvergnügen. Schm. 1, 1525 Fromm.; wo hast du so lang dein lust und kurzweil gehabt, ubi te oblectasti tam diu? Maaler 276ᵈ; groszer lust von jagen und beiszen ist allda. Frank weltb. 197ᵃ; majuma, der lust, wann die fischer auf den kahnen im wasser miteinander stechen. Corvinus (1660) 1, 383ᵇ; vollzog man die heirath mit groszer pracht und lust. Göthe 15, 149; ein vergnügen: zu dem fünften maul sol man den kindern lust machen mit spil. anz. des germ. mus. 1865 sp. 108 (15. jh.);
sie hatte, wie es scheint, in einem kahn mit fahren
in diesem kleinen see sich eine lust gemacht.
Wieland 17, 228 (Idris 4, 33);
ich liesz kain lust der mich ergetzt.
Schwarzenberg 107ᵇ;
am lichte will ich mich vergnügen,
und nicht an einem becher wein (spricht die mücke).
allein verblendet von dem scheine,
gieng sie der lust zu eifrig nach.
Gellert 1, 161;
wolleben im allgemeinen: was kan für ein keuscheit bei so viel tausent münch und pfaffen sein, die on sorg in allem lust leben, müszig und voll. J. Jonas bei Luther 6, 455ᵇ;
hett ich im leben guͦts geübt,
jetz ruͦwet ich ewig unbetrübt.
mein leib zoch ich mit lustes fleisz,
nun ist er hj der würme speisz.
Schwarzenberg 114ᵇ;
überflusz, fülle, menge:
Tantalus sitzt jn wassers lust,
und hat an wasser doch gebrust.
Brant narrensch. 67, 90.
f)
lust, öffnung zum genusz einer schönen aussicht: dieselben prucken besichtigen und ratslagen, ob man einen lust in das wasser zu sehen durch ein uszladung oder sunst daselbst gemachen mochte. d. städtechr. 10, 355, anm. 4 (Nürnberg v. 1479).
g)
auch hier der plur. lüste, entweder in dem edlern sinne der freuden: wann ich einmal zeit hätte zu beschreiben die thorheiten, welche ich auf universitäten mit meinen augen gesehen, und mit meinen ohren gehört hab, ich weisz es würde es mancher vornehmer professor mit groszen lüsten lesen. Schuppius 803;
freund, da jeder sich jetzt freut, dasz mit dieses winters frösten
auch des langen krieges eisz werde schmelzen, und den lüsten
nechsten frühlings, sich die zier auch desz friedens mischen ein,
o so seh ich dein gesicht trübe, blasz, nasz, kränklich sein.
Logau 2, 45, 70;
ach! dasz Carthago wüste
des groszen königs heil, und unsre freud und lüste!
Lohenstein Sophonisbe 15, 472;
ja, die augen warens, ja der mund,
die mir blickten, die mich küszten.
hüfte schmal, der leib so rund
wie zu paradieses lüsten.
Göthe 5, 50;
sie alle umschliesz ich mit armen linde,
sie alle tränk ich an meinen brüsten
mit lüsten.
Tieck 10, 266;
oder in dem niedrigern der lustbarkeiten, vergnügungen: Stolbio als ein liebhaber kurzer lüste war leichtlich zu gewinnen. polit. stockf. 202;
wenn die jugend eigen wüszte,
was das alter haben müszte,
sparte sie die meisten lüste.
Logau 1, 17, 49;
ein herz, das heimlich seufzt, das lüste nur ermüden.
Cronegk 2, 12;
von meinen freunden fern und von Zemiren weit,
vertauscht ich nicht mein glück und meine zärtlichkeit
mit aller lüste reiz und lachendem vergnügen,
die blöder sterblichen vernunft in schlummer wiegen.
26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1314, Z. 57.

lust, m.

lust, m.
für verlust: ritter, habet keine sorge, dasz euch was ergers dieses lusts halber beschehe, dann euch solches alles soll widergolten werden, was mich doch koste. Amadis 342.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1327, Z. 38.

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lumpenleute lügengeist
Zitationshilfe
„lust“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lust>, abgerufen am 01.08.2021.

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