Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lustbarkeit, f.

lustbarkeit, f.
1)
anmut, lieblichkeit; auf eine gegend bezogen (vgl. lustbar 2):
er wirt ire wûste breit
setzin als ein lustberkeit
und ir wiltnis in aller wîs
als daʒ gotis paradîs.
Jeroschin 3506;
lustbarkeit eines brunnens, fontis amoenitas Maaler 276ᵈ; und wegen der fruchtbarkeit der acker und lustbarkeit in weide und wassern sind sie (die Preuszen) auch nicht weiter gezogen. Waiszel chronik 10ᵃ; Cicero stund vor der pforten des paradeisz still, hette die lustbarkeit desselben gern gesehen. Ayrer proc. 3, 2; von den ersten sauerbrünnenlein erstrecken sich die fruchtbarsten felder, mit groszer lustbarkeit der grüne. Schuppius 690; lieblichkeit in bezug auf worte: lustbarkeit in worten, festivitas Dasyp.
2)
fröhlichkeit, vergnügtheit: (der zweck solcher sendbriefe) ist ergetzlicheit oder lustbarkeit. spiegel der waren rhetoric 1493 p 2ᵃ; da würt got der allmächtig erlaben und erlustigen alle geistlichen sinn und kreft, mit ainer unsäglichen lustperkait. Keisersberg schiff d. pen. 116ᵇ; sie haben die zeit mit groszer lustbarkeit zu gebracht, tempus summa hilaritate perfusi transegerunt. Steinbach 1, 1085; die innere lustbarkeit und vergnügung des gemüths. Abele vorrede s. 7;
das sy sich gäb ..
inn unser lieb, und lustbarkeit.
Birck Susanna (1532) a 3ᵇ;
Simplex erzehlt unterschiedliche sachen,
die nicht gar wichtig, doch lustbarkeit machen.
Simpl. 1, 243 Kurz;
und noch beim jungen Göthe: Olimpia. und doch immer trähnen in den augen! bist du krank, willst mirs nicht sagen? Elmire. ich bin ja lustig. (sie lächelt, und wischt sich die augen). Olimpia. das ist eine aparte art von lustbarkeit. 3, 505.
3)
seit dem vorigen jahrhundert lustbarkeit die belustigung, etwas zum vergnügtsein veranstaltetes: lustbarkeit, delectamentum Frisch 1, 629ᵃ; ich wollte zehnmal lieber ganz einsam in meinem Wolfenbüttel sitzen, als alle die hiesigen lustbarkeiten mitnehmen, die ohnedem schon so herzlich schaal sind. Lessing 12, 333; allein Agathon hatte bereits angefangen den geschmack an diesen lustbarkeiten zu verlieren ... als eine beschäftigung betrachtet, können sie es nur für leute sein, die sonst zu nichts taugen; und vergnügungen bleiben sie nur, so lange sie neu sind. Wieland 2, 199; unser eine ... geht zu allen öffentlichen lustbarkeiten. Möser patr. phant. 2, 229; lustbarkeiten und zerstreuungen gaben ihr allein die federkraft zu häuslichen tugenden. Göthe 15, 265; die kleine lustbarkeit (ein ball) ging noch nicht zu ende. 19, 271;
als Amor in den goldnen zeiten
verliebt in schäferlustbarkeiten
auf bunten bluhmenfeldern lief.
Lessing 1, 63.
bair. lustbarkait, veranstaltung sich zu ergetzen, insonderheit zu tanzen. Schm. 1, 1526 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1327, Z. 62.

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Zitationshilfe
„lustbarkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lustbarkeit>, abgerufen am 08.12.2021.

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