lustseuche f
Fundstelle: Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1350, Z. 43
1)
heftiger sinnlicher trieb, als krankheit gedacht: ein jglicher unter euch wisse sein fas zu behalten, in heiligung und ehren, nicht in der lustseuche, wie die heiden, die von gott nichts wissen. 1 Thess. 4, 5 (μὴ ἐν πάθει ἐπιθυμίας, goth. ni in gaírnein lustaus); das creuz nimmt hinweg alle böse feuchtigkeit der christlichen kirchen, dʒ ist, die böse schädliche lüste und begierden, hochmut, hitz und brunst der lustseuche. anm. weiszh. lustg. 597; also auch die Venuslieb und lustseuche macht doch endlich einen schamroth. 666; als die leute zu Sodoma, ausz unerhörter lustseuche, sich für Lohts hausz machten. Schuppius 508; leibesschänder, die ihr fasz mit heidnischer lustseuche beflecken. Butschky Patm. 375; und noch im 18. jahrh.: lustseuche, libido, prolibido Steinbach 2, 585. Frisch 2, 266ᵃ.
2)
lustseuche für morbus venereus wird erst von Adelung 2, 267 als ein wort 'der neueren' aufgeführt, findet sich aber schon bei Drollinger (1743) s. 60 in dem 'patriotischen stück vom 22. mayen 1726': kranke, ungestalte körper, deren glider durch gicht und schmerzen verdrehet, oder von schändlicher lustseüche ganz ausgefressen waren. es hat sich bald festgesetzt und die vorige bedeutung verdrängt: da die lustseuche in damaliger zeit (1414) noch unbekannt war. Platen (1847) 5, 50.
Zitationshilfe
„lustseuche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lustseuche>, abgerufen am 11.11.2019.

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