Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

lustspiel, n.

lustspiel, n.
1)
allgemein, spiel zum vergnügen: der vortrab .. der in tausend leichten reutern bestand, welche alle sehr lange gerade empor gehaltene lanzen, und daran oben rothe und blaue fähnlein führten, mit welchen die anmuthige luft auch ihr lustspiel hatte. Lohenstein Arm. 1, 1162ᵃ; empfanden wir .. an allerhand ehrbaren lustspielen einen besondern wohlgefallen. Felsenb. 1, 317;
hier lebt man göttern gleich,
man lacht, man lebt, man geht, man tanzt um lind und eich,
fängt tausend lustspiel an, man iszt, man liszt, man küszt.
A. Gryphius 1698 1, 665;
man sah dasz beiden des kampfes gefahr
und lanzenbrechen gewohntes lustspiel war.
Wieland 5, 103 (n. Amadis 15, 30);
auch in edlerm sinne, freude gewährendes spiel, von den liebkosungen beim wiedersehen getrennter:
indessen steht der held, auf seinen sper gelehnt,
dem süszen lustspiel zuzuschauen.
17, 79 (Idris 2, 15).
2)
lustspiel, übersetzung von κωμωδία, comoedia, begegnet schon auf büchertiteln der jahre 1536 und 1537 (Wackernagel litt. gesch. 1. aufl. s. 445 anm. 18), kommt jedoch langsam und erst gegen das ende des 17. jahrh. in allgemeinere aufnahme, weil vorher neben dem fremden comödie, in volksmäsziger form comedi, die übersetzungen scherzspiel, schimpfspiel, freudenspiel (th. 4¹, 155) eben so häufig angewendet wurden: A. Gryphius nennt den schwermenden schäffer ebenso wie die seugamme lustspiel, dagegen herr Peter Squenz schimpfspiel, Horribilicribrifax scherzspiel; Filidor (Jac. Schwieger) schreibt zwischen 1665 und 1667 drei lustspiele, aber auch ein singe- und freudenspiel, vgl. Gödeke grundrisz 1, 456; bei Stieler und Steinbach freudenspiel comoedia neben lustspiel gleicher bedeutung; und bei Frisch 2, 300ᵇ ein lustiges spiel, fabula, comödia. Gottsched und seine schule haben den ausdruck lustspiel stehend gemacht, vgl. Gödeke a. a. o. 547 ff.; die betschwester. ein lustspiel in drei aufzügen. Gellert 3, 145 (zuerst 1745); es ist meines herrn reisebibliothek. sie besteht aus lustspielen, die zum weinen, und aus trauerspielen, die zum lachen bewegen. Lessing 1, 320; dasjenige (spiel) .. was seine anhänger das rührende lustspiel, und seine widersacher das weinerliche nennen (franz. comédie larmoyante). 4, 109; viele .. der sogenannten dramen, mitteldinge zwischen lustspiel und trauerspiel. Schiller 1127ᵃ. bildlich: er sah höhere wesen oben herunterschauen auf das dreistündige weinerliche lustspiel unsers lebens, worin das rothe kind des ersten akts im fünften zum jubelgreis ermattet und dann erwachsen und gebückt vor dem herablaufenden vorhang verschwindet. J. Paul Titan 2, 82.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1351, Z. 1.

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Zitationshilfe
„lustspiel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/lustspiel>, abgerufen am 28.11.2021.

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