mählich adv
Fundstelle: Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1456, Z. 51
was mächlich sp. 1396. es ist das ahd. mahlîh in ga-mahlîhho connixe (vgl. gemächlich), ungamahlîh ineptus, altnord. makligr passend, geziemend (vergl. unter machen sp. 1363), mhd. mechlich Lexer 1, 2068, dessen guttural für die aussprache untergeht, daher auch die schreibung mälich, melich: sensim melich Dief. nov. gloss. 335ᵇ (v. j. 1420); wofür bei Luther sogar einmal meilich (neben sonstigem mehlich); mein herr ziehe vor seinem knechte hin, ich wil meilich hinnach treiben. 1 Mos. 33, 14. mählich ist ein selteneres wort, gegen seine verstärkung allmählich (th. 1, 237) in der anwendung zurückstehend, aber bei schriftstellern namentlich nord- und mitteldeutscher heimat in gewählter, zumal dichterischer sprache bis heute gebraucht (die schreibungen mählig oder mälig sind zu verwerfen); im gegensatz zu allmählich ist adjective verwendung nicht beliebt, nur adverbiale im sinne von stetig langsam, nach und nach: ich füle, gott lob, besserung, die onmacht leszt nach, und die kreften finden sich mehlich wider. Luther 3, 405ᵃ; ist aber oben gnug angezeigt, wie sich Kains geschlecht bald auf weltlich ding geben hat, .. ist eins bald nach dem andern eingerissen, wie denn die natur thut, wenn man jr eine handbreit lesset, das sie eine ganze ellen nimpt, hat sich mehlich angefangen, aber so uberhand genomen, das es zu viel und gros worden ist. 4, 44ᵃ; da die gottesfürchtigkeit und eifer der religion mälig abgenommen. Schütz Preuszen 16; des morgens wurden die Preuszen gewar, das die schiffe schon so viel wasser geladen hetten, das sie mehlig begunten zu sinken. 30; machten sie sich binnen der angesetzten zeit mehlig und sonderlich bei nachtzeiten mit allem dem, was sie mit sich führen oder tragen kunten, in aller stille davon. 78;
denn es stund mehlich auf ein wind,
und kam hernach an so geschwind.
froschmeus. IIh 4ᵃ (2, 4, 2);
der ölbaum zwar wol mählig und langsam fortwachset. anm. weiszh. lustg. 238; die inbrünstigkeit des gemüthes nimt mit der zeit mehlig ab. Butschky kanzl. 425; wenn man aber tropfenweis und mählich es hinein thut (wasser in ein glas mit engem halse). Scriver seelensch. 1684 387; sie sind den böcken gleich, welche weit und mählich zurücke gehen, wenn sie einen starken stosz thun und jemand zu boden rennen wollen. andachten 1721 236; darumb schliche sich unser herr bruder .. ganz mählig davon. maulaffe 164; indem regete sich jemand gar mählig an der thür seines zimmers. polit. stockf. 133;
wenn du dir hast vorgenommen
wol zur herberg anzukommen,
eile nicht, geh mählig fort,
du kompst besser an den ort.
pers. rosenth. 6, 4;
sol ihr ein fünkchen feur durch ihre kehle fliegen
und setzen sich ins herz, es soll darinnen liegen
und glimmen mählich fort, bisz ihr eiszkalter muht
entbrenne liechterloh mit einer heiszen gluht.
Neumark lustwäldchen 162;
denn die wolken sind gezeuget
blosz aus einem duft, der friert,
wenn er mählig aufwärts steiget.
Brockes 2, 280;
der winter kam mälig heran. Scheffel Ekkeh. 101;
mählig stiegen wir höher hinan das hügligte ufer.
Stolberg 1, 382;
mählich ründete da sich um den marmelnen
kern die erde.
2, 28;
längst glomm ihr zunder, mählig emporgefacht
flammt gluthenlohe.
263;
traurig schlichen die monde dem liebenden Cigno; mählich
schwand mit schwindender hoffnung die blüthe der wangen.
3, 280;
kaum aber hatte vom schrecklichen ton
sich mählich der nachhall verloren.
Bürger 65ᵇ;
vom obersten gipfel
einer wasserflut recket er mählig sein mächtiges haupt auf.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 124;
'ich sehe, dasz du wenig weiszt
von schwung und schöpferkraft.'
ich lobe mir den stillen geist,
der mählig wirkt und schafft.
Uhland ged. 90;
schon leerten mählich sich die meisten bänke.
439;
was jeder im besondern erst berieth
im hüllenden gezelt und im gebüsch
der inselbuchten, mählig wars gereift
zum allgemeinen offenen beschlusz.
Ernst 66;
in der formel bei mählichen: da nimt mannheit, kraft, stärke bei mehlichen ab, aber die flüsse, müdigkeit .. nehmen zu. Butschky Patm. 234.
Zitationshilfe
„mählich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%A4hlich>, abgerufen am 19.05.2019.

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