müde f
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2620, Z. 73
1)
das müdesein, erschöpftsein, ahd. muodî, mhd. müede: die müde, defatigatio, fatigatio, lassitudo, languor Maaler 293ᵈ; müde ausztreiben, auszziehen, lassitudinem ex corpore exigere. ebenda; da aber Gedeon den feinden nacheilet, und sampt den drei hundert mannen ganz kraftlosz war worden, vor müde und hunger. S. Frank chron. (1531) 44ᵃ; wo sie die nacht oder müde begreift, da ist jr hausz. Germ. chron. (1538) 3ᵃ; so würd sie aus der müde ein harter schlaf begreifen. Livius von Schöfferlin 59ᵇ; das sie müd halb den feinden nit widerstand thun möchten. 90ᵃ; zu allen denen arzneien, so die müde vertreiben. Heuslin vogelb. 60ᵃ; auch war sie müde vom reisen, und von müde und trawren entschlief die arme unschüldige fraw. buch der liebe 4ᵃ; (er ist) vor groszem trawren, schmerzen und müde .. entschlafen. 187ᵈ; so einem die füsz von hartem gehen geschwollen wären, der stosz wegrichkraut mit essig und binds darüber, es zeuchet die müde aus. Tabernaem. 1109; wir (waren) alle in groszer sicherheit und müde eingeschlafen. Philander 2, 737;
vor müd gehn mir die augen zu.
H. Sachs 3, 2, 83ᵈ;
nu mües es got geklaget sein,
ist abgeschiedn die sele dein
vor müede und groser amacht!
hürn. Seifr. 26, 704;
jetzt noch oberd. die müede, die müeden Schm. 1, 1572 Fromm.; schweiz. die müedi Hunziker 184; in der schriftsprache gewöhnlich durch müdigkeit ersetzt; doch vergl. lebensmüde sp. 449.
2)
müde auch mehr wie beschwertsein, anstrengung bis zur erschöpfung: fatigatio, muͤde Dief. 227ᵇ; es wird wol ein ander müde sein, die jnen angst thut. Jes. 9, 1; jr sprecht, sihe, es ist nur müde (vulg. ecce de labore). Maleachi 1, 13; (der) sich die müh und müde, so darbei ist, nicht verdriesen lasset. Fischart ehz. 514;
von solcher arbeit ward jm heisz,
das jm die müd auszbrach den schweisz.
B. Waldis Esop 4, 5, 50.
müde adj
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2616, Z. 64
fessus, lassus; satur.
1)
ahd. muodi (stamm muodja), mhd. müede; alts. môđi, niederd. mode, niederl. moede; ags. mêđe, engl. ausgestorben; diesen westgermanischen formen gegenüber steht ostgermanisch der stamm môda, altnord. nom. môdr, im gothischen nicht belegt. das wort ist bildung von einer wurzel mô-, die sonst in mühe und dessen verwandten erscheint, mittels eines zustand und beziehung ausdrückenden suffixes; müde bedeutet demnach im zustande der anstrengung und beschwerde. er wird in der alten sprache nicht nur auf das körperliche und seelische gefühl des ermattetseins nach der anstrengung, sondern auch auf kraftlosigkeit des wesens, elend und gedrücktheit in der stellung zu andern bezogen, ahd. muodi heiszt hilflos, arm, armselig, unglücklich:
druhtin, quad si, hilf mir!   then drôst weiʒ ih in thir;
ginâdo in thererâ riuwî   thînera muadun thiuwi!
Otfrid 3, 10, 30;
waʒ hilfit nu then muadon man,   ther hiar gehêret sô fram,
thaʒ sint imo untar henti   ellu woroltenti,
oba er in thia wîla   firliusit sîna sêla?
13, 31;
wie ags:
ongunnon him þâ sorhleóđ galan
earme on þâ æfentîde,   þâ hie woldon eft sîđian
mêđe fram þam mæran þeódne.
Grein dicht. d. ags. 2, 145, 69;
was mehr in der ahd. weiterbildung muodinc, miser, mhd. müedinc (vgl. dazu unten müdling) hervortritt, wogegen schon mhd. die einschränkung auf unsere heutige bedeutung fast allgemein ist. nur oberdeutsche mundarten bewahren eine erinnerung an den früheren weiteren begriff, wenn in ihnen müde auch noch elend, böse, lästig heiszt: bair. müed, kraft- und saftlos, abgeschmackt, lästig Schm. 1, 1572 Fromm.; tirol. müed, lästig, beschwerlich fallend (von personen und sachen) Schöpf 445; kärntn. müede, müde, ermüdend, abgeschmackt Lexer 192; schweiz. müed, von menschen, im reden kraft- und saftlos, abgeschmackt, lästig Tobler 325ᵃ, wie bei Maaler: ein muͤd und unruͤwig mensch, der kein rächnung keines dings nit hatt, weder desz orts, der zeit, oder der person, importunus, difficilis, morosus, molestus, odiosus, acerbus, incommodus. 294ᵇ; schwäb. müd, beschwerlich, lästig, bös Schmid 391.
2)
müde, eingeschränkt auf die bedeutung ruhe- und schlafbedürftig: mued, fessus, lassus. voc. inc. theut. o 2ᵇ; müd, lasz, lassus, fessus, defessus. Maaler 293ᵈ; müde, labore exhaustus, fatigatus, fessus, lassus, languidus. Stieler 1298.
a)
in attributiver stellung von menschen und thieren: ein müder wanderer; müde arbeiter; ein müder knecht, servus fessus Steinbach 2, 78; müde rossz, die jr tagwerk wol thon und angelegt habend, equi emeriti Maaler 293ᵈ; müd ochsen tretten hart. Agr. spr. 303ᵇ;
schlummer und ekel täuscht
den müden weltmann, stets von neuen
wünschen und geiszelnder furcht gepeinigt.
Stolberg 1, 3;
bildlich von einem der sterben will, wie ja der tod dem schlafe verglichen wird:
friedensbothe, der du das paradies
dem müden erdenpilger entschlieszest, tod.
Hölty 84 Halm;
substantivisch: so erquickt man die müden. Jes. 28, 11; er gibt dem müden kraft, und sterke gnug dem unvermügenden. 40, 29; das ich wisse, mit dem müden zur rechter zeit zu reden. 50, 4;
du, aller müden ruh und rast.
P. Gerhard 46, 6;
du bist der müden stärke.
Gellert 2, 107;
er (der kämpfer) ruht auf schlachtgefilden,
und heldenschatten wachen bei dem müden.
Freiligrath dicht. 1, 83.
b)
von gliedmaszen: sterket die müden hende, und erquickt die strauchelenden knie. Jes. 35, 3; darumb richtet wider auf die lessigen hende und die müden knie. Hebr. 12, 12; er kan vom laufen die müden beine kaum schleppen, fessum cursu corpus trahere vix potest. Steinbach 2, 78; der müde leib, corpus defessum. ebenda;
darauf gewinst du hewer als fert
müde bein und ein hungering bauch.
H. Sachs fastn. sp. 1, 105, 202;
müden schenkel legt euch nieder!
müden augen schlieszt die lieder.
Günther 113;
was lebet, schlieszt, sich zu erquicken, in der so angenehmen ruh
mit anmuth, oft auch wider willen, der augen müde lieder zu.
Brockes 9, 216;
sie rennt zurück, und kömmt auf eine bahn,
die ihren müden fusz in niedre gründe führet.
Hagedorn 2, 8;
von den kräften, der seele: ich wil die müden seelen erquicken, und die bekümerten seelen settigen. Jer. 31, 25;
queđat that iu môđi hugi
answeƀidi mid slâpu.
Heliand 5885;
nach vielerlei geschäften
wormit erquickst du dann die fortmehr müden kräften?
Opitz 2, 20;
ein müdes herz, das sich nach ausruhen sehnt: ein müdes herz sucht seine ruh, animus defatigatus requiem quaerit. Steinbach 2, 78; seine mutter zu rufen und ihr müdes sieches herz wenigstens mit éiner freudenblume zu stärken. J. Paul Hesp. 4, 150;
mein müdes herz will nicht mehr blutig schlagen.
Tieck Octavian. 87.
c)
müde metonymisch in neuerer dichterischer sprache, von dem was mit menschlicher müdigkeit zusammenhängt; von verrichtungen eines müden menschen:
denn beschlieszt er (der greis) im grabe den müden lauf,
noch am grabe pflanzt er die hoffnung auf.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 264;
von zeitabschnitten: alle seine züge ... hatten den ausdruck des höchsten müden alters einer äuszerst kräftigen natur. Niebuhr kl. schr. 1, 77; nach dem müden tage des lebens sei unsre nacht gestirnt. J. Paul uns. loge 1, xxvii;
die abendglocke ruft den müden tag zu grabe,
mattblökend kehrt das vieh in langsam schwerem trabe
heim von der au.
Gotter 1, 132;
eh auf
der bleichen Hekate der käfer,
im hohlen baum erzeugt, die müde nacht
mit seinem schläfrigen gesums einläutet.
Schiller Macbeth 3, 5;
vom lager, schweisze eines müden:
das herzenswehe seufzen
macht mich so lasz und matt, dasz ich auch kaum kan geufzen.
der angstschweisz schwemmet mir durch manche ganze nacht
mein müdes lager aus.
Fleming 16;
was er, obwohl bedeckt mit dem müdesten schweisze der laufbahn,
für die genossen des streits, und der groszen belohnung, noch thue.
Klopstock 4, 20 (Mess. 10, 363; 1760 mit dem heiszesten schweisze);
in bezug auf die augen eines müden:
Alonso. wie? all im schlaf? o schlössen meine augen
mit sich auch die gedanken zu! ich fühle
sie sind dazu geneigt. Seb. beliebts euch, herr,
versäumet nicht die müde einladung.
Shakesp. sturm 2, 1,
do not omit the heavy offer of it.
d)
müde, in bildern und personificationen: weil im dorfe, obgleich die tiefe laue sonne noch ein müdes roth um die häuser und an die scheiben legt, alles schon still und in tiefem schlafe liegt. J. Paul flegelj. 1, 28;
ein jeder, den die hand des schweren schicksals krümmt,
dem sie den letzten hauch der müden hoffnung nimmt,
hat ein bethräntes recht zum mitleid aller herzen.
Hagedorn 1, 97;
Lazarus stand an der öffnung des grabs und begann mit sanfter
leiser stimme, mit der, die selbst der müdeste schmerz hört.
Klopstock 4, 221 (Mess. 10, 543).
e)
häufiger als in attributiver ist müde in prädicativer stellung. verstärkung des begriffs durch zusammensetzung, hundsmüde th. 4², 1939; dafür: ich war müde wie ein hund und schlief wie ein gott. H. Heine 1, 14; sterbensmüde; todmüde; schlagmüde, admodum defatigatus Stieler 1298; formelhafte verbindungen müde und matt, vergl. oben sp. 1757, müde und lasz, sp. 268. 270:
so hurtig kan die lieb ein schönen wechsel finden,
und von desz fiebers hitz jhr fackel selbst anzünden,
davon kraft, kühlung, trost, ein herz im ander, hat,
und wird von steter lieb doch nimmer müth noch matt.
J. Creutz bei Opitz (1624) 191;
noch nie war ich so müd und matt zu leben.
Klopstock 9, 51;
wird plötzlich kraftlos, müd und lasz.
P. Gerhard 140, 13;
es heiszt müde sein, müde werden, von personen: infatigari, müde werden Dief. 296ᵇ; das wir deinen leuten, die müde sind, brot geben sollen. richter 8, 15; und der könig kam hin ein mit allem volk das bei jm war müde, und erquicket sich daselbs. 2 Sam. 16, 14; das volk wird hungerig, müde und dürstig sein in der wüsten. 17, 29; die zwei hundert man aber die stehen blieben, waren zu müde uber den bach Besor zu gehen. 1 Sam. 30, 10; die zu müde gewest, David nach zu folgen. 21; ich bin zu müde zur arbeit;
und ruhte, wann ich müde war,
an ihrer weiszen brust.
Hölty 35 Halm;
von gliedmaszen und kräften: alle creft der selen, die des sundlichen gewissens halben gleich müde und zurknursert werden, die erfrewen sich und werden erquicket. Luther krit. gesamtausg. 1, 190, 8; noch gafften unser augen auf die nichtige hülfe, bis sie gleich müde worden. klagel. Jer. 4, 17;
armuͦt sprach: arbaiten mein arm
und werden müd mein hend und füsz,
zu nacht ist mir der schlaf doch süsz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 26, 147;
in mir wird das matte leben müder.
Tieck Octavian. 411;
mit bezeichnung der ursache durch die präp. von: ich bin so müde vom seufzen. ps. 6, 7; da nu Jhesus müde war von der reise. Joh. 4, 6; müd vom gon, fessus de via, vast müd vom gon sein, languere e via. Maaler 294ᵈ; von gehen müde werden, ambulando defatigari. Stieler 1298; von der arbeit müde, labore defessus. Steinbach 2, 78; er wird vom weinen müde, plorando defatigatur. ebenda;
ros und liute wâren   müede von den langen wegen.
Nib. 682, 4;
durch vor: ob du möchtest dich sterken, denn du bist müde, fur der menge deiner anschlege. Jes. 47, 13; müde vor kummer, aegritudine fessus. Steinbach 2, 78; durch an: was dir die völker geerbeitet haben, mus mit fewr verbrennen, und daran die leute müde worden sind, mus verloren sein. Hab. 2, 13; die alte sprache verwendete den genitiv: der de muode ist, der leinet sih gerno an die lineberga. suer ouh durh gotes uuillon dirro werlt arbeite muode ist, uuie mag er ze mêron ruouuon cuman, danne daʒ er volle cume ad fontem totius boni? Williram 52, 23 Seemüller;
rûmet ûʒ die schämel und die stüele!
heiʒ die schragen
vürder tragen!
hiute sul wir tanzens werden müeder.
Neithard 40, 16;
einen müde machen: nu aber macht er mich müde. Hiob 16, 7; viel predigen macht den leib müde. pred. Sal. 12, 12; der auf der ebeni wandelt, den macht kein berg müd. Paracelsus schriften 9 (1590), 112; acht starke häscher mit seiner hartnäckigkeit müde machen, duritia sua octo validos lictores defatigare. Steinbach 2, 78; drei sind nicht müde zu machen: ein knab auf der gassen, ein mädchen im tanz, und ein priester im opfern. Simrock sprichw. 383; reflexiv, sich müde machen, arbeiten, laufen u. s. w., in welchen formeln sich beim adjectiv der übergang in die folgende bedeutung (3) vorbereitet: es ist nicht gut, das du das thust, du machest dich zu müde. 2 Mos. 18, 18; ich habe mich müde geschrien. ps. 69, 4; das sie sich müde tragen an jrer last. Jes. 46, 1; ich seufze mich müde und finde keine ruge. Jer. 45, 3; ein schmid, der mus bei seinem ambos sein, und seiner schmitte warten, und wird mat vom fewr, und erbeit sich müde uber der esse. Sir. 38, 29; mus sich zu seinen füszen müde bücken. 33; sie .. wachen sich nicht müde. 43, 11; er hat sich müde gegangen, eum ambulatio ad languorem dedit, sich müde laufen, cursu exanimari et lassitudine confici Steinbach 2, 78; das vieh hat sich an der magern weide so müde gefressen. Möser phant. 3, 198;
ich hab mich doch so müht geflogen.
E. Alberus 105;
ihr werdet doch, wenns euch beliebt, nicht wollen,
dasz wir, bis man sich müd an uns gesehn,
in einem solchen aufzug stehn
und uns den schnupfen hohlen sollen?
Wieland 10, 181;
donnern werden bald die tennen,
bald die mühlen rauschend gehn,
und wenn die sich müde rennen,
werden sich die keltern drehn.
Uhland ged. 51;
dafür in der alten sprache ohne reflexiv mit adv.: hie mite (mit den schachfiguren) spilen si. wanne si mûde gespilet haben, so werfen si den einen under den anderen in einen sack. d. myst. 1, 164, 3; daʒ si (eine gichtbrüchige frau) stetes zu bette muste legin unde wenne si uff einre sîten mûde gelegin hatte, so muste si sich stûren an eime seile, daʒ si uff di andere sîten quam. Ködiz 87, 2.
f)
müde adverbial: da stund er und schlug die philister, bis das seine hand müde am schwert erstarret. 2 Sam. 23, 10.
3)
müde übergegangen in den sinn unlustig, ablassend, zu einer thätigkeit nicht mehr geneigt; edlerer ausdruck für satt in gleicher bedeutung, und gelegentlich mit diesem auch formelhaft verbunden: das er uns dieses lebens müde und sat machet. Luther 5, 533ᵇ; ich ward meines narrenkleides und standes so müd und satt, als wann ichs mit lauter eisernen kochlöffeln gefressen hätte. Simpl. 1, 205 Kurz;
drauf starben in zehn tagen,
des lebens müd und satt, neunhundert an der zahl.
Gellert 1, 129;
auch mit überdrüssig: wir sind deren so überdrüssig und müde. Philander 1 (1642), 30; war er sonst müth und übertrüssig zu lügen. Simpl. 3, 301 Kurz.
a)
nur ausnahmsweise attributiv:
der erwartete freund,
der ersehnte, betrat diesz leere gefild:
nun feire der dank in ergieszungen ihn
nie müden gesangs!
Platen 280.
b)
gewöhnlich in den verbindungen müde sein, müde werden: die liebe wird nicht müde. 1 Cor. 13, 8; darumb, dieweil wir ein solch ampt haben, nach dem uns barmherzigkeit widerfaren ist, so werden wir nicht müde. 2 Cor. 4, 1; lasset uns gutes thun, und nicht müde werden. Gal. 6, 9; über solche ungereimte ... reden wurde er endlich selbst müde. pers. rosenth. 3, 21; dahero verblieb jhr der plaudermark allein. darüber wurde Simplicissimus müth. Simpl. 4, 223 Kurz;
endlich wird der donner müde,
und die wolken machen friede,
dasz die luft sich heitern mag.
D. Stoppe Parnass 244;
und den morgen und abend, nimmer müd,
begrüszt er mit seinem lustigen lied.
Schiller Macbeth 1, 4.
c)
es heiszt müde sein, müde werden eines dinges: das er jnen nachjaget und zoch durch mit friede, und ward des weges noch nie müde. Jes. 41, 3; darumb hab ich meine hand ausgestreckt wider dich, das ich dich verderben wil, ich bin des erbarmens müde. Jer. 15, 6; sie sollen der last des königs und der fürsten bald müde werden. Hos. 8, 10;
wer knechtisch ist gesinnt, musz under herren kommen,
die jhn mit einem zaum nach jhrem willen führn,
weil er der freiheit müd sich selbst nicht mag regirn.
Zinkgref bei Opitz (1624) 222;
der könig und die kaiserinn,
des langen haders müde,
erweichten ihren harten sinn,
und machten endlich friede.
Bürger 13ᵃ;
ach, ich bin des treibens müde!
Göthe 1, 109;
ich bin des lebens und des herrschens müd.
Schiller Maria Stuart 4, 9;
ich fange an, der sonne müd zu sein.
Macbeth 5, 7;
sie ist der sonne müd und ihres lebens.
Phädra 1, 1.
d)
müde einer person, sie nicht mehr haben wollend: ward ich jr auch uberdrüssig, wie ich jrer schwester auch war müde worden. Hes. 23, 18; ich wil deine bulen, der du müde bist worden, wider dich erwecken. 22; Danischmend, rief der sultan aus, ich bin deines Isfandiars müde. Wieland 7, 83; wenn er ihrer (einer frau) müde ist, so verkauft er sie, jedoch mit ihrem guten willen, einem andern. Möser phant. 4, 125;
dasz die natur längst unsrer müde worden.
Lessing 1, 89.
e)
müde mit acc. an stelle des gen.; zunächst in den formen es, etwas, wo der gen. zu gunsten des acc. gewichen: wie er mit der ganzen sammlung fertig war, fing er wieder von vorn an (zu lesen), ohne es müde zu werden. Wieland 1, 21; (wie) man es .. müde war, länger gegen ihn auf seiner hut zu sein. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 267; sie sind keiner von denen, die etwas rechtes müde werden. J. Grimm an Meusebach s. 62;
die welt bin ich durchgangen,
dasz ichs fast müde bin.
P. Gerhard 286, 76;
von stund an mögen sie
was ihnen lüstet gackeln, bis sies müde sind.
Wieland 18, 44;
dann aber auch mit bestimmten sächlichen und persönlichen accusativen: jene (einförmigen empfindungen) wird man daher leicht müde, weil sie zu wenig beschäftigen. Schiller hist. - krit. ausg. 10, 255; sie wurden diesen unfug müde. Göthe 34, 151; diese letzten entscheidungen zu vernehmen, hatte ich nicht gelegenheit; aber die übrigen bin ich verteufelt müde. 36, 66; Weisl. seid ihr mich schon müde? Adelh. euch nicht sowohl als euern umgang. 8, 71.
f)
müde mit zu und infinitiv: ich bins müde zu leiden. Jes. 1, 14; mein volk ist müde sich zu mir zu keren. Hos. 11, 7; der pater, so müde war das lange gespräch anzuhören. Philander 1 (1642), 27; man wird müde, könnte man zu seiner entschuldigung sagen, die alten elenden übersetzungen auszumisten. Lessing 8, 258; allein so bald man müde wurde, sie zu verfolgen, so bald wurden die christen müde, tugendhaft zu sein. 11, 26; sie (Angelica Kaufmann) ist müde auf den kauf zu mahlen. Göthe 29, 62;
das glücke musz fürwahr mich als sein schooszkind lieben,
und das verhängnis mich zu quälen müde sein.
Günther 562.
g)
in der sprache des landwirts wird ein acker müde, wenn er nach zu lange fortgesetztem bau éiner frucht nicht mehr tragen will, vgl.kleemüde theil 5, 1063.
Zitationshilfe
„müde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCde>, abgerufen am 16.06.2019.

Weitere Informationen …