Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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muffel, m.

muffel, m.
1)
nach dem laute muff, brummer, mürrischer mensch, vgl. das subst. muff 2; auch für heuchler, scheinheiliger (vergl.mucker): L. H. von Nicolay übersetzte Molières Tartüffe unter dem ersonnenen eigennamen Muffel, oder der scheinheilige. Wiborg 1819.
2)
muffel, kurze schnauze, und träger einer solchen; ein geschöpf, am häufigsten ein hund mit dicken herabhangenden lippen, 'im gemeinen leben einiger gegenden.' Adelung; bei Nemnich 1, 814 ist muffel canis fricator, der mops, vergl. dazu sp. 2525; in das franz. als muffle, maul, schnauze von thieren, übergegangen, und von dort als ausdruck der kunst wiedergekommen: muffel bei bildhauern oder malern eine larve oder zierrat, welche den kopf eines thiers, besonders eines löwen vorstellt, in die gesimse gemacht Jacobsson 3, 93ᵇ.
3)
muffel, muff, s. daselbst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2623, Z. 46.

muffel, f.

muffel, f.
kleine gewölbte deckende schale von thon, beim schmelzen oder glühen von erz oder glas. Jacobsson 3, 93ᵇ; bereits im 16. jahrh. in der technischen sprache gewöhnlicher, wol aus dem mittellat. muffula nach der ähnlichkeit übertragener ausdruck (vgl. unter muff): was das brennen (des silbers) unter der muffel und ander weisen anlanget. Mathes. Sar. 150ᵃ; diesen metallkönig magstu auf dem treibscherben under der muffel in deinen probierofen allein treiben so lang bisz das metall gar fein und von allen seinen schlacken gescheiden wirdt. Paracelsus opp. 1, 904 C; es solle billig ein jeder probirer im fall der noth seine probiröfen, schirben, tiegel, muffeln und was er zu dem probiren täglich für instrumenta bedarf, selbst machen können. Erker (1580) 7ᵇ; zu den muffeln machen mustu geschnittene stöcklein haben, der form und grösze nach wie die muffeln sein sollen. 8ᵃ; wie er den stein unter einer muffel geprüft, und über das herrliche schauspiel der sich entwickelnden flamme das feuer zu mildern .. vergessen. Göthe 31, 234.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2623, Z. 61.

muffel, f.

muffel, f.
brummendes, mürrisches weib. in Baiern. Schm. 1, 1573 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2624, Z. 1.

muffel, f.

muffel, f.
mundvoll, weitere kürzung von mumpfel (s. d.) Schm. a. a. o.; hessisch eine muffel brod, ein muffelchen kuchen. Vilmar 274; nassauisch der muffel, mundvoll Kehrein 285.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2624, Z. 3.

muffeln, müffeln, verb.

muffeln, müffeln, verb.
iterativ zu muffen.
1)
mit brummendem tone kauen, wie alte leute ( Adelung); mit vollen backen kauen (Schm. 1, 1573 Fromm.); von der trocknen speise (brot u. s. w.) im sack ein stückchen nach dem andern abbrechen und essen (Kehrein 285); es bezeichnet die bewegung der lippen mit oder ohne ton (vgl.mummeln): die (sechste eigenschaft) ist, das dem häszlin die lefzen nymmer still stond und allwegen mufflet es mit den lefzen. also thuͦt auch ain rechter andechtiger christenmensch und clostermensch, dem stond sein lefzen nymer still, er mufflet allwegen als das häszlin thuͦt, er förchtet got. Keisersberg has im pf. Aa 8ᶜ; das häslin höret nymmer auf zu muffeln, also solt du auch thun und nit aufhören zu muffelen, das ist zu beten. 8ᵈ; er kommt nicht in den stall, auszer denn er hätte die taschen voll zucker. und da muffeln sie (die pferde). Holtei Lammfell 5, 28;
so geh zu disch, und setz dich nider,
und muffel aber geizig ein,
als wölf thun und die wilden schwein.
Grobian. Q 1ᵃ (v. 3994);
und wirt dann mancher nach dir schicken,
der reich ist und nicht essen mag,
dasz du jm machst ein lust all tag,
wann er nur sicht deim mufflen zuͦ,
dasz jn auch selbs gleich hungern thuͦ.
R 3ᵇ;
in umgelauteter form: müffeln, manducare aegris dentibus, ut edentuli solent. Stieler 1305; schweiz. möffelen, müffelen, vorn im maule kauen, von kindern und alten leuten, oder mit geschlossenem mund essen, ohne dasz jemand es merken soll. Stalder 2, 212; müffele, nur wenig und ohne appetit essen. Hunziker 184; mit was gelegenheit dem Gurgellantua, der nam war gegeben: und wie er mit träubelmüselen und börenmüffelen zubracht sein leben. Garg. 106ᵇ; etlich legen höfel darauf (auf ein geschwür), oder brot mit salz verkeuet und gemüffelt. Sebiz 65; so fangt er an, ihn (den tabak) zu fressen, nicht dasz er ihn hinunter schlucke, sondern er müffelt daran, wie eine geis, die wiederkeuet. Simpl. (1684) 3, 99. vgl. dazu das nasalierte mumpfeln; müffeln auch blosz brummen, mit erstickter stimme reden: als sie (stinkende gerüche) mehrlich daselbs angelangt wahren, gebrauchte er sich also fort eines hülfsmittels, faste die nase ganz eng zwischen zwei finger, und sprach mit einem etwas stumpfnasichten müffelnden hall: ich lasse mich bedünken, Santscho, du habest jetzo grosze furcht. Harnisch 243.
2)
muffeln auch schnüffeln, vgl. bemuffeln theil 1, 1462.
3)
leise nach moder oder fauligem riechen; tirol. muffelen, übel riechen, nach fäulnis riechen, neben muffen. Schöpf 448; kärntnisch muffeln, muffilan, anfangen übel zu riechen, zu schmecken. Lexer 192; bair. müffeln, anfangen übel zu riechen Schm. 1, 1574 Fromm., ebenso alemannisch müffelen, ein wenig müffen, zunächst von rohem fleische das nicht mehr ganz frisch ist, oder vom schweisze unter der armhöhle. Stalder 2, 218; das müffeln under den uͦchsen, olida capra. Maaler 294ᶜ; das rimselen oder müffelen, böcklender geschmack, wie under den uͦchsen, virus. 333ᵇ;
du frouwenschänder, verfluechter lotter!
du stinkst und müffelest, wie ein otter.
fastn. sp. 865, 15.
4)
muffeln mit dem begriffe des heimlichen bei seite thuns, wegschaffens, tötens (wie sonst mucken 8, sp. 2611) in Ostfriesland: se muffeld dat gau weg oder bî de sîd, se muffelden de sake (oder dat kind, hum) of. ten Doornkaat-Koolman 2, 622ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2624, Z. 15.

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Zitationshilfe
„müffeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCffeln>, abgerufen am 31.07.2021.

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