Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mügen

mügen,
s.mögen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2626, Z. 14.

mühe, f.

mühe, f.
beschwertsein; anstrengung.
1)
eine vorzugsweise hochdeutsche, ins niederdeutsche reichende abstractbildung zum verbum mühen (s. d.): ahd. muohî, mhd. müeje, müege, müe, muo; mnd. moie, moige, moge; niederl. entspricht moeite. die bedeutung des wortes ist zunächst eine passive, entsprechend der alten bedeutung des verbums mühen, beschweren, plagen; aber sie wird auch frühe schon eine active, aus dem begriff des beschwerten zustandes entwickelt sich der der anstrengung, zum theil in übergängen, die sich der genauen begriffsbestimmung entziehen (vgl. unten nr. 2, a. 3). die heutige schriftsprache kennt gewöhnlich nur mehr die active bedeutung des wortes, was in formeln von der passiven erhalten ist, erscheint mehr versteinert und in solcher nicht mehr voll erfaszt; wogegen dieselbe in oberdeutschen mundarten noch volles leben hat: alem. die müej, mühe, verdrusz Hunziker 184; bair. mühe, wie schriftdeutsch, aber auch gebrechen, beschwerde, dazu auf dem bairischen walde und um Passau ein adj. müe, beschwerlich, kummervoll, voll not Schm. 1, 1555 Fromm.
2)
mühe in passiver bedeutung, beschwertsein, bedrückung durch anstrengung, kummer, schmerz.
a)
das wort in verbindung mit sinnverwandten: gott hat mein elend und mühe angesehen. 1 Mos. 31, 42; wie kan ich allein solche mühe und last und hadder von euch ertragen? 5 Mos. 1, 12; da jr zusamen komt, und mühe und angst habt. Jes. 1, 13; da wil ich mich meiner mühe und meines herzenleides ergetzen. Jer. 8, 18; er hat mich verbawet, und mich mit gall und mühe umbgeben. klagel. 3, 5; Martha, Martha, du hast viel sorge und mühe. Luc. 10, 41 (μεριμνᾶς καὶ τυρβάζη περὶ πολλά, bei Tat. 63, 4 thu bis suorcfol inti gitruobit umbi managu); alle müy und arbeitsäligkeit ligt auf dir, omnes aerumnae te premunt. Maaler 294ᵇ; die müy, sorg und verdrusz, die uns yemerdar stächend und engstend, der anligenden geschäften oder hauszhaltung, solicitudinum domesticarum aculei. ebenda; die schwatz- und waschhafte (weiber), welche den armen männern am meisten mühe und sorge machen. Philander 1 (1642), 20;
der muoʒ lîhte lange zît
in müen unde in kumber sweben.
Lamprecht v. Regensburg tochter von Syon 2282,
und was hat Hercules verrichtet
mit euszerster müh und drangsall?
Weckherlin bei Opitz (1624) 196;
allen jammer, alle müh,
alle sorgen, die dich früh,
auch oft bei den späten nachten
voller angst und wehmut machten.
P. Gerhard 29, 21;
hast spat und früh   viel sorg und müh,
an deinen wunsch zu kommen.
84, 45;
wo solche formeln in der neueren sprache noch vorhanden sind, denkt man bei mühe doch mehr an die folgende bedeutung (nr. 4); so mühe und qual, mühe und angst:
die erde wär ein jammerthal,
wie unser pfarrer spricht,
des menschen leben müh und qual,
hätt er den Rheinwein nicht.
Hölty 189 Halm;
so hab ich, fieng er an, um arm zurück zu kommen,
die fürchterliche see, mit müh und angst, durchschwommen?
Gellert 1, 26;
sorge und mühe:
so mancher schafft sich sorg und müh,
sucht dornen auf und findet sie.
Usteri in Wackernagels leseb. 2 (1876), 1281;
mein ist der unfruchtbare weg,
den sorg und mühe trat.
Uhland ged. 10;
gern auch mühe und not: eines war noch mit müh und noth zu lesen. Chr. Weise erzn. 58 Braune;
was ist mein ganzes wesen,
von meiner jugend an,
als müh und not gewesen.
P. Gerhard 284, 11;
erreicht den hof mit mühe und noth.
Göthe 1, 184;
allen formen macht er den krieg, er weisz wohl, zeitlebens
hat er mit müh und noth stoff nur zusammengeschleppt.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 122.
b)
mühe in den manigfachsten verbindungen mit mehr oder weniger deutlichem begriff: ahd. daʒ siê tagelîcha muohî habeton fon dero ubelon conversatione (uuandele) under dien siê uuurben. Notker ps. 98, 8; et cessavit quassatio ... dannan gestilleta ze demo mâle diu muohî. 105, 30; mhd.
sant Servâcjus selbe sprach
daʒ vor aller diser swære
Mâstrieht vrî wære
âne müeje und âne klage.
Servatius 1761;
nhd. wer unrecht seet, der wird mühe erndten, und wird durch die rute seiner bosheit umbkomen. spr. Sal. 22, 8; die da mühe pflügeten, und unglück seeten. Hiob 4, 8; seine kinder werden betteln gehen, und seine hand wird jm mühe zu lohn geben. 20, 10; wird jm doch angst werden, aller hand mühe wird über jn komen. 22; ich sah der Moren hütten in mühe, und der Midianiter gezelt betrübt. Habakuk 4, 7; die weisheit errettet die aus aller mühe, so sich an sie halten. weish. Sal. 10, 9;
es ist kein standt so hoch auf erden,
der one mühe mög funden werden:
gros mühe ist stets bei hohem stat.
B. Waldis Esop 2, 3, 40;
fleisch, das in dem leime wohnet, lebt in müh bei schlechter kost:
fleisch, das in den steinen wohnet, lebt in pracht bei eitler lust.
Logau 2, 179, 6;
es heiszt einem mühe thun: daʒ der Aunsorg herzog Hansen land ward angrifen an luten und an guten, und tet den vil schaden und vil mü. d. städtechron. 4, 101, 2;
dô sprach Scomant: in sichirheit
salt dû wiʒʒin, daʒ mir leit
ist, waʒ er dir mûhe tût.
Jeroschin 17462;
mühe trifft, betrifft, begegnet einem: du groszer gott, mechtig und schrecklich, .. achte nicht geringe alle die mühe, die uns troffen hat. Neh. 9, 32; du weist alle die mühe, die uns betretten hat, das unser vetter in Egypten hinab gezogen sind, und wir lange zeit in Egypten gewonet haben, und die Egypter handelten uns und unser veter ubel. 4 Mos. 20, 15; da erzelet Mose ... alle die mühe, die jnen auf dem wege begegnet war, und das sie der herr errettet hette. 2 Mos. 18, 8; mühe anrichten, machen: wer mit augen winket, wird mühe anrichten. spr. Sal. 10, 10; wenn .. vertilget sein werden alle die so wachen mühe anzurichten. Jes. 29, 20; warumb machestu dem volk solche mühe, so wir doch keinen krieg haben? 1 Macc. 12, 44; mühe haben:
als bald ich a sagt, müst ich meh
zu stund auch lernen b und c,
und müst also mit den buchstaben
vil müh, unglück, und arbeit haben.
Grobian. F 3ᵃ (v. 1465);
mühe geschieht: ich gab mein herz zu wissen die weisheit, und zu schawen die mühe die auf erden geschicht, das auch einer weder tag noch nacht den schlaf sihet mit seinen augen. pred. Sal. 8, 16; etwas ist mühe: und gab auch mein herz drauf, das ich lernete weisheit und torheit und klugheit, ich ward aber gewar, das solchs auch mühe ist. denn wo viel weisheit ist, da ist vil gremens. pred. Sal. 1, 17; jr werk ist mühe, und in jren henden ist frevel. Jes. 59, 6; jre gedanken sind mühe, jr weg ist eitel verterben und schaden. 7; vor mühe etwas thun:
damit (er) jm selb viel sorgen macht,
das er vor mühe den kopf stets hieng,
und auf der gassen trawrig gieng.
B. Waldis Esop 4, 82, 97.
3)
in der formelhaften zusammenstellung von mühe mit arbeit hat das erstere wort zunächst auch nur den begriff des beschwertseins und der last, den ja arbeit in der älteren sprache theilt (vergl. theil 1, 539): mit mühe und arbeit, gravate, gravatim Dasyp.; sein mund ist vol fluchens, falsches und trugs, seine zungen richt mühe und erbeit an. ps. 10, 7; in mühe und arbeit. 2 Cor. 11, 27 (ἐν κόπω καὶ μόχθω, goth. aglom jah arbaidim);
der reichtumb sprach: was sagestu?
wo ist groszer muͤ und arbeit,
dann bei dir, armuͦt, alle zeit?
H. Sachs fastn. sp. 1, 26, 139;
herr gott, wie ist nur in der eh
so viel trübsal, sorg, angst und weh,
so viel armuth, hunger und kommer,
müh und arbeit winter und sommer!
3, 119, 176;
aber daneben deutlich auch den der anstrengung in thätigkeit, wie arbeit ebenfalls dahin übergetreten ist (theil 1, 541, nr. 6): müy und arbeit etwas ze thuͦn, contentio, industria Maaler 294ᵇ; müy und arbeit ist verloren, periit opera. ebenda; mit groszer müy und arbeit, fleisziglich, industrie. ebenda; der wird uns trösten in unser müh und erbeit auf erden, die der herr verflucht hat. 1 Mos. 5, 29; ewr mühe und erbeit sol verloren sein, das ewr land sein gewechs nicht gebe. 3 Mos. 26, 20; stelle dich zu jr (der weisheit), wie einer der da ackert und seet, und erwarte jre gute früchte. du must eine kleine zeit umb jrer willen mühe und erbeit haben, aber bald wirstu jrer früchte genieszen. Sir. 6, 20;
waffen, wie süll wir gevarn,
arbait und muͤ hab wir verlorn!
Erlauer spiele 5, 331 s. 137 Kummer;
müh und arbeit und teglichs sorgen
thut vil scherz und schimpfens vertreiben.
H. Sachs fastn. sp. 3, 138, 60.
4)
mühe in activem sinne, anstrengung, bethätigung seiner kräfte; in der neueren schriftsprache fast einzig geblieben (vgl. oben nr. 1).
a)
zusammengestellt mit dem sinnverwandten fleisz: die müy, fleisz, opera, labor. Maaler 294ᵇ;
ach weh, weh meins hartseling lebens,
all müh und fleisz die sindt vergebens.
H. Sachs fastn. sp. 3, 70, 22;
darumb kein müh noch fleisz ich spar.
4, 26, 127;
was gutes kostet fleisz und müh.
Drollinger 99;
müh und fleisz
bricht alles eis.
Simrock sprichw. 383;
mit streben:
wenn jener edle kreis, wenn jene thaten
zu müh und streben damals dich entflammten.
Göthe 9, 136;
mit gefahr:
sie gingen dahin, gewinn und gefahren
redlich zu theilen. doch müh und gefahr trug jener alleine.
40, 10;
mit dem ziel der mühe, dem gewinn:
auch ists ein müh mit kleinem gwinn.
Grobian. Q 2ᵃ (v. 3532);
mit genusz als gegensatz: alles was zu thun und zu besorgen war, blieb nicht blosz hoffnungsvolle mühe wie bisher, sondern ward zum heitern genusse. Göthe 17, 304.
b)
es heiszt eigne mühe, fremde mühe:
verlasz dich nicht auf fremde müh,
such selbst.
Gellert 1, 92;
viel, grosze, schwere, leichte, geringe, vergebliche, verlorene mühe; die mühe ist grosz, schwer, vergebens, umsonst: es ist eine grosze mühe, laborem desiderat haec res. Stieler 1296; die mühe ist zu grosz vor ihn, non habet eas vires, quantas tanti labores postulant. ebenda; erträgliche mühe, labores patibiles, tolerabiles. 1297; grausame, sive zentnermühe, unsägliche mühe, labor Herculeus. ebenda; schlechte mühe, opera tenuis et levis. Frisch 1, 672ᵃ; vergebliche mühe haben, operam perdere. ebenda; es braucht nicht viel mühe, non est quicquam negotii. ebenda; da sie doch mit leichter müh diesem unglück entlaufen könnte. Chr. Weise erzn. 14 Braune; so war es doch ... verlorne mühe. Wieland 27, 238; der guͦt arm tropf hat sein gält, muͤy, arbeit und kosten umb sunst gehabt. Wickram rollw. 66, 12 Kurz;
bin ich in arbeit, helfe sie
mir tragen meine schwere müh!
P. Gerhard 262, 80;
ich aber steh und stampf und glühe,
und flieg im geiste hin zu ihr,
und sehe mit verlohrner mühe
mich unstät, aber immer hier.
Uz 1, 20;
vergnügungen der phantasie,
euch kaufen wir mit unvergoltner müh:
wie täuscht ihr unser schmachtend hoffen!
190;
umsonst ist ihre ganze müh.
Gellert 1, 307;
selbst des nachbars gastwirths müh,
der vordem in fremden landen,
als ein doctor, ausgestanden,
war vergebens bei dem vieh.
37;
und findt mit leichter müh (wie grosz war sein vergnügen)
ihn (den schatz) unter einer diele liegen.
91;
von der unendlichen mühe
ermattet sinken die knie.
Schiller bürgschaft v. 79;
trugst du doch des ganzen zugs, o bruder,
gröszere mühe, der du stets die pfade,
mir voran, mit deinem schwerte bahntest!
Platen 324;
süsze mühe: die süsze mühe des forschens. J. Paul Qu. Fixl. 121;
ferne, sprach sie, sei von ihm die träge!
seine lust sei ewigsüsze müh.
Herder z. litt. 3, 56;
vergangne müh wird im andenken süsz.
4, 15;
des lebens, der jahre mühe:
wer war, nach langer jahre müh,
nun glücklicher, als er und sie?
Gellert 1, 188;
sie liebten,
und fühlten nicht des lebens müh.
135;
des lebens glück
ist lebens mühe; doch des glückes viel
gewährt die mühe.
Herder z. litt. 3, 128;
des tages mühe: nach des tages mühe sich laben. Klinger 2, 220; reich an mühe:
ein traurig leben, reich an müh.
Gellert 1, 170;
mühe um etwas:
auf ein sinnlich glück beflissen,
vergessen sie die müh um ein unendlich glück.
195
c)
belohnung, preis, labung einer mühe:
arbeit ist des bürgers zierde,
segen ist der mühe preis.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 346;
die schönste perle blinkt auf seinem angesichte,
der mühe lohn, o mehr als kronen werth!
Herder z. litt. 3, 40;
aber diesen ist nicht, den treu arbeitenden männern,
in der mühe selbst der mühe labung gegeben.
Göthe 40, 368.
d)
mühe verwenden, anwenden, ankehren, aufwenden, auf sich nehmen: umb sunst und vergäbens grosze müy und arbeit anlegen, saxum volvere. Maaler 294ᵇ; unbeschreibliche müh auf sich nehmen, infinitum laborem suscipere. Steinbach 2, 79; die mühe auf sich oder über sich nehmen, operam, laborem suscipere. Frisch 1, 672ᵃ; will man weiter geld und mühe aufwenden. Göthe 17, 34;
vil renk und müe ich den anker (wende ich dann an),
pis ich ein anders pfert anschwer.
H. Sachs fastn. sp. 2, 3, 63;
so sprach mein freund und bat, die müh auf mich zu nehmen,
und öffentlich den geizhals zu beschämen.
Gellert 1, 144;
ich sorge stets, dasz dir nicht eingebracht
die mühe wird, die du darauf gewendet (auf ein kunstwerk).
Tieck Octavian. 214;
mühe auf etwas legen, wenden: die geringe mühe, die wir .. auf die religion wenden. Gellert 5, 105;
wofür man dort nicht kan ein tröpflein wasser kaufen,
drauf leg ich hier nicht müh und scharr es nicht zu haufen.
Logau 1, 204, 43;
mühe kürzen, sich ihr entschlagen:
ein ander hat den disch gedeckt,
und alle ding darauf gelegt,
und hastu dich der müh erwehrt,
die dir von rechts weg zuͦgehört.
Grobian. F 1ᵇ (v. 1384);
dieweil ist alle arbeit gschehen,
und hond die mägd all ding versehen,
aufghaben, hingstellt, aufgeraumbt,
so hastu dich der müh versaumpt.
K 1ᵃ (v. 2428);
läuft emsig, wie ein wirth, der sich die mühe kürzt.
Hagedorn 1, 26;
doch ihre mühe wird verkürzt.
2, 18;
mühe erleichtern, versüszen:
sein weib, sein würdigs weib, erleichtert ihm die müh.
Gellert 2, 38;
er ruht, und asz zu gleicher zeit
von seiner frucht, damit er sich die müh versüszte.
1, 195;
mühe scheuen:
dein lob ists, welches mich heist keine mühe scheuen.
Fleming 201;
mühe sparen: keine müh sparen, operae non parcere. Steinbach 2, 80; die mühe sparen, operae parcere. Frisch 1, 672ᵃ; keine mühe, keine kosten wurden gespart, den verschwundenen wieder zu finden. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 238;
hätt ich dir ein so versöhnlich herz
gewuszt, viel mühe spart ich dann der mutter.
braut von Messina v. 485;
(ein künstler) bei dem er, nach dem muster seines rings,
zwei andere bestellt, und weder kosten
noch mühe sparen heiszt, sie jenem gleich,
vollkommen gleich zu machen.
Lessing 2, 277;
wenn sie mühe nicht spart noch fleisz.
Göthe 43, 228;
lerne ordnung, übe sie,
ordnung spart dir viele müh.
kinderspruch;
sich, einen einer mühe überheben: gedacht er ihnen zuvorzukommen und sie in ihrem eignen lande heimzusuchen und also der mühe, das sie in sein land nicht weit ziehen dürften, zu überheben. Schütz Preuszen 74; sich mühe verdrieszen lassen: sich keine müh verdrieszen lassen, aequo animo laborem ferre. Frisch 1, 672ᵃ;
keine mühe verdrieszt mich bei dir, und alles und jedes
wiederhol ich so gern, wenn du mich leitest und lehrst.
Göthe 43, 225;
müde werden, ausruhen von der mühe, zu neuer mühe:
dasz sie von keiner müh müd werden.
Weckherlin 368;
wenn ein wackrer mann
mit heiszer stirn von saurer arbeit kommt,
und spät am abend in ersehnten schatten
zu neuer mühe auszuruhen denkt.
Göthe 9, 184.
e)
vielfach mühe haben: ich habe die mühe, er hat das lob davon; mühe haben von einem oder etwas, mit einem oder etwas; er hatte viele mühe mit dem knaben, ehe er ihm etwas rechtes beibrachte; für sein muwe, die er ein jar gehabt het von der gepew wegen umb die stat. d. städtechron. 1, 445, 7 (von 1428);
ihr (der hausfrau) händlein greifet selber zu,
hat oftmals müh und selten ruh.
P. Gerhard 242, 16;
er siehts, es sind zwei muntre knaben (zu unterrichten),
und freilich wird er mühe haben;
allein ich will erkenntlich sein.
Gellert 1, 227;
mühe haben etwas zu thun, etwas nur mit anstrengung thun können: dasz ich alle mühe von der welt hatte, sie (eine verliebte) wieder weg zu bringen. Wieland 27, 227; da er meinen sohn bei dem mädchen auszustechen mühe haben möchte. Schiller kab. u. liebe 1, 5.
f)
auch sich mühe geben, mit einem oder etwas, um einen oder etwas: gib dir mühe, so wirst du etwas ordentliches zu stande bringen; gib dir keine mühe, es wird doch nichts; man kann sich bei einer schrift von dieser art viele mühe geben, und doch kaum einige von den schönheiten erreichen, welche den charakter der werke des geschmacks ausmachen .. Gellert 1, xlv; die mühe, die man sich um sie (die religion) gibt. 5, 105; (er) spottete über den edelmann und mich, dasz wir uns aus leerer furcht die mühe gegeben hätten, zu fusz zu gehen. Göthe 34, 297; keine mannsperson giebt sich die geringste mühe meinentwegen. Gellert lustsp. 249; den britischen Plutarch hab ich hier noch aufgetrieben. sie brauchen sich daher keine mühe darum zu geben. Hölty 264 Halm; er ... gab sich alle mühe, eure gunst zu erwerben. Klinger Otto 24, 9;
er hat, er gab sich alle müh;
doch seine spröde hört ihn nie.
Gellert 1, 52;
dafür mühe thun, sich mühe machen: machet euch nicht so viel mühe! A. Gryphius (1698) 1, 948; mache er sich keine mühe, herr wirth. Lessing 1, 511;
wir haben uns zu frühe
auf diesen tag gefreut, tuht weiter keine mühe,
ihr brüder heut ists nichts.
P. Fleming 92;
sich mühe nehmen: warum nimmt er sich nicht die kleine mühe zu beobachten .. Göthe 36, 264; dafür auch: auch von dieser war ich genöthigt mich los zu machen, und einst sagte ich ihr ganz entschieden, sie solle ohne mühe bleiben, ich brauche ihren rath nicht. 19, 314.
g)
einer oder etwas macht, gibt, verursacht mühe: einem müh machen, alicui negotium facessere. Steinbach 2, 80; du hast mir viele müh gemacht, magnum mihi negotium exhibuisti. ebenda; ich will weder herr Simonen, noch ihnen mühe machen. Gellert 3, 283; das werk verursachte ihm unbeschreibliche mühe;
was mir, dem jüngling mühe gab,
gibt jetzt mir labung.
Herder z. litt. 3, 139;
etwas erfordert mühe:
die heiligung erfordert müh.
Gellert 2, 222;
kostet mühe: das wird noch mühe kosten, hoc multae operae et laboris erit. Frisch 1, 672ᵃ; und wird es nicht mühe kosten, ihn zu bereden, dasz dieses alles dem mislungenen versuche eines naturforschenden mönches zuzuschreiben ist? Kästner verm. schriften 1, 38;
dasz nicht Justinian uns allewege zeiget
wodurch man was erwirbt, und viel davon verschweiget,
geschah vielleicht ausz neid, vielleicht ausz unbewust,
vielleicht ausz überdrusz, dieweil es müh gekost.
Logau 1, 99, 11;
wahr ists, die tugend kostet müh.
Gellert 2, 118;
etwas ist einem mühe:
da du ihn ehrst, kanns dir nicht mühe sein,
ihm freundlich und vertraulich zu begegnen!
Göthe Iphigenia s. 14 Bächtold;
es braucht mühe: es braucht nicht viel mühe, non est quicquam negotii. Frisch 1, 672ᵃ; es ist der mühe wert, verlohnt, lohnt der mühe, auch die mühe: ein tiefsinniger philosoph, der es nicht der mühe werth achtet, auf seine thaten achtung zu geben. Kästner verm. schr. 1, 33; wo es der weiber halben geschicht, so verlohnt sichs nicht der müh. Chr. Weise erzn. 33 Braune; ich hab ihn erlebt, den groszen tag, um dessentwillen es der mühe werth ist, gelebt zu haben. Wieland 7, 180; indessen musz es doch die mühe verlohnen, von dir zu hören, wie es damit zuging. 366; es verlohnt sich nicht die mühe, ein fürst zu sein. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 34; es lohnt sich der mühe nicht, dasz man davon redet. räuber 2, 3; welche abweichung aber hier mit demonstrationen zu beweisen nicht die mühe lohnte. Göthe 53, 185;
das lohnt sich auch der müh, dasz eine ganze stadt
um einen solchen bärenhäuter
so närrisch thut!
Wieland 18, 137.
h)
es hat mühe, anstrengung, schwierigkeit ist bei etwas vorhanden: widerumb, sind unter den christen etliche rohe, freche herzen und wilde leute, das die fromen für solchen falschen christen kein ruge noch friede haben kündten, wo der bindeschlüssel mit seiner ruten nicht da were, und eitel gnade und sicherheit gespüret würde, hats doch also noch mühe, wie scharf und gros solche strafe und urteil ist. Luther 5, 235ᵇ; man hat die wahren begriffe davon dergestalt vernachlässiget und verloren, dasz es mühe hat, sich einem jeden .. verständlich zu machen. Möser phant. 1, 190;
dem herrn ist nicht gut vor zu ligen (lügen).
wenn der gegangen kompt in stall,
geht hie und da, bsichts überall,
beleucht die ochsen, besicht die küh,
verbirgest dich; zwar es hat müh.
B. Waldis Esop 1, 42, 28;
eines dinges wird mühe, es ist schwierig in bezug darauf: nicht geringer schande ubeten die Römer, und sonderlich der unflat keiser Caligula, der auch seinen grewel in den tempel setzet, ... das es mühe werden wil, wie das wort Haggai war sei, ich wil diesen tempel voller ehren machen. Luther 8, 79ᵇ.
i)
mühe mit präpositionen: durch mühe, in mühe:
erringt er sich in müh ein elend glück durch ränke?
Gellert 2, 40;
durch meine müh
vermags ichs nie;
dein wort giebt mir die kräfte.
153;
mit mühe: NebucadNezar, der könig zu Babel, hat sein heer mit groszer mühe fur Tyro gefurt. Hes. 29, 18; ein töpfer, der den weichen thon mit mühe erbeitet. weish. Sal. 15, 7; mit groszer mühe, operose. Stieler 1296; mit groszer mühe, kaum, difficulter, vix. Frisch 1, 672ᵃ; anderer schlimmer händel nicht zu gedenken, woraus ihn das ansehen und das geld des kardinals nur mit mühe hat retten können. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 278;
so wie eltern, wenn sie kinder lang
verzogen, sie durch übertriebne strenge,
ja grausamkeit, endlich zu bessern suchen,
wie sie zuerst mit mühe sie verdarben.
Tieck Octavian. 263;
was spähest du nach der angel
vom morgen bis zur nacht,
und hast mit aller mühe doch
kein fischlein augebracht?
Uhland ged. 386;
lebendiger als in solchen formeln ist der begriff von mühe bei zutritt anderer adjectiva:
sie hatte mit geschickter müh
wohl zwanzig kinder auferzogen.
Gellert 1, 336;
erwirb sie dir (tugend und verstand) mit edler müh.
2, 68;
für einander sich mit edler müh
neu zu bilden.
Herder z. litt. 3, 32;
ohne mühe: der segen des herrn macht reich, on mühe. spr. Sal. 10, 22; ein ding on alle müy und arbeit schaffen, nullo labore aliquid facere. Maaler 294ᵇ; es giebt keinen vortheil ohne mühe. ohne mühe bringt man es in keiner sache weit. Simrock sprichw. 383;
darumb jhr, ohne müh, gefunden ewres gleichen.
Zinkgref bei Opitz (1624) 218;
das weiberhäuflein kam und gieng
hinein ohn alle mühe.
P. Gerhard 53, 65;
es gaben feld und steine
öl, honig, wasser, brot
ohn alle seine mühe.
280, 101;
sonder mühe:
heiszt paradieses vögelein,
trinkt thau und lebt so sonder müh.
Herder z. litt. 3, 153;
keiner müh, adverbial, ohne anstrengung, leicht, nach dem lat. nullo negotio:
hergegen aber tregt sichs zu,
dasz keiner müh noch mit unru
ihr viel das ziel erlangen.
P. Melissus bei Opitz (1624) 170.
k)
anwendung des plurals mühen, die einzelnen bethätigungen der anstrengung für ein ziel hervorhebend, in gehobener und dichterischer sprache (doch vornehmlich erst der neueren zeit, vgl. unten Lessings bemerkung): es stand aber Anskar bei weitem noch nicht am ziele seiner selbstgemachten mühen. Dahlmann dän. gesch. 1, 41;
disz soll das endmahl sein von allen meinen mühen,
von aller meiner angst.
P. Fleming 626;
ob sich des berufes mühen
gar bisz an die nacht verziehen.
Logau 2, 89, 55;
hoch herauf bis zu mir trägt keines windes gefieder
den verlorenen schall menschlicher mühen und lust.
Schiller spaziergang v. 184;
nicht scheut er
des weges mühen und das graun der nacht.
Tell 2, 2;
die jünglinge, die unser arm bezwungen,
so vieler unschätzbaren mühen preis.
H. v. Kleist Penthesilea, 5. auftr.;
mög es denn,
erlauchter, dir gefallen, von den mühen
der seefahrt auszuruhn in meinem hause.
Uhland ged. 183;
bei A. Scultetus mühen vom ort fortgesetzter mühe:
des rindes lange mühen,
die äcker, hegen streit, wer meistes könne blühen,
den festtag zu begehn,
wozu Lessing die bemerkung macht: ich zweifle, ob sich der pluralis von mühe sonst wo finden dürfte: und doch steht er hier so schön als kühn. 8, 285.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2626, Z. 34.

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mückendreck
Zitationshilfe
„mügen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCgen>, abgerufen am 06.05.2021.

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