Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mühle, f.

mühle, f.
mola.
1)
ahd. mulin und muli, mhd. müline, mülne, müllîn, müle, mül; ags. myln, molendenum Wright vocc. 330, 19, engl. mill; fries. mole; im späteren altnord. mylna, schwed. möl, spinnmühle, drahtmühle, dän. mölle mühle. dasz das wort aus dem spätlat. molina für mola entlehnt, und also nicht unmittelbar auf die deutsche wurzel mal in mahlen, molere sp. 1454, mehl sp. 1864, molde sp. 2477 und mulm (s. d.) zurückzuführen sei, ist wol als sicher anzusehen: der deutsche name für das durch menschliche hände oder thierkraft getriebene einfache zerreibungsgerät war goth. qaírnus, asilu - qaírnus (Marc. 9, 42), altnord. kvern, schwed. qvarn, dän. cværn; ags. cweorn, cwyrn, altengl. quern; fries. quern; altsächs. querna, mnd. mnl. querne; ahd. quirn, chuirna, churni, mhd. kürne, kürn, kurn; aber in den römischen gebieten sah man künstliche, durch wasser getriebene solche maschinen (z. b. an der Mosel und ihren nebenflüssen um 370, vgl. Ausonius Mosella v. 362), und diese zunächst, zum unterschiede von den einheimischen, benannte man mit dem fremden namen, und ahmte sie nach. ahd. mulin und ags. mylen bezog sich demnach zunächst nur auf die wassermühle, erst nach und nach erweiterte sich die bedeutung, den heimischen ausdruck zurückdrängend, der, so lange er in Deutschland noch lebte, auf den mühlstein und die handmühle eingeschränkt blieb.
2)
mühle das mühlenwerk zur bereitung von mehl aus der frucht; auch die handmühle wird so bezeichnet: bis an den ersten son der magd, die hinder der müle ist. 2 Mos. 11, 5; und das volk lief hin und her und samlete (die mannakörner) und sties mit mülen. 4 Mos. 11, 8; wer schlug AbiMelech den son Jerub Beseth? warf nicht ein weib ein stück von einer müllin auf jn? 2 Sam. 11, 21 (fragmen molae vulg., in ahd. glossen quirnstein Steinmeyer-Sievers 1, 418, 31); nim die müle und male mel. Jes. 42, 2 (ahd. molam, quirn Steinmeyer 1, 613, 50); zwo werden malen auf der müle. Matth. 24, 41; gewöhnlich aber denkt man, ohne nähere bezeichnung, an die wassermühle, und zwar sowol an das mühlwerk (den gang), als an das es umschlieszende gebäude: um dasz sie den pfacht haben, des sollen sie die mühlen bauen von steinen und von holz und von allen gewerben, bisz dasz sie wohl bereit zu mahlen. weisth. 2, 582 (Eifel, von 1567); die frucht (soll der müller) holen uf ein meil wegs weit, wo es der arm man hat und nit uber den dritten tag ungemahlen in der mühlen han, undt keme der arm man in die mühle und mocht seins meels nit entberen undt fünde eines auszgemerkers frucht uf der mühlen, so hat der ingemärker macht dem auszgemärker sein frucht von der mühlen zue thuen und seine druff zu schütten. 163 (Hundsrück, von 1505); mühle mit drei gängen, mola trina, mit zwei gängen, bina Stieler 1303; die mühl stellen, suspendere molam ut tantum frangat grana, vel non suspendere ut tenuior farina eliciatur. Frisch 1, 672ᵇ; die mühle zusammen lassen, den obern mühlstein niedriger stellen. Adelung; getreide zur mühle, auf die mühle, in die mühle schicken (zum mahlen). ebenda; die mühle verläuft, wenn die mühlsteine kein getreide mehr reiben: so sol auch der müller bei jeder mühlen (jedem gange) ein schellen hangend haben, damit wann die mühlen verlauft, weder dem müller noch mahlman schaden entstehe. Löhneysz regierkunst 313ᵃ; die mühle zustellen, abstellen: so balden man (als obrigkeitliche beschauer) .. in die mühl kömpt, sol man dem müller die mühlen, welche mahlen (d. h. die einzelnen gänge) zustellen lassen. 312ᵃ; von der landesherrlichen befugnis bei anlegung neuer mühlen. Möser patr. phant. 2, 271; (dasz) auf jede mühle nach dem masz ihres wassers und ihrer mahlgänge eine sichere und zureichende anzahl von familien gerechnet (werde). 274; nächst einer vertraulich gelegenen mühle. Göthe 21, 141; auf der mühle am sturzbach werd ich euch erwarten. H. v. Kleist Käthchen von Heilbr. 3, 4; das rad an meines vaters mühle brauste. Eichendorff taugenichts s. 1;
wie er (ein student) durch Schwaben ziehen thet,
kam er an einem abent spet
vor eine mülen an eim flusz.
B. Waldis Esop 4, 66, 9;
hört, die mühle geht klip, klap!
schüttet auf und raffet ab.
mildheim. liederb. nr. 441, 2;
sie haben
mich (den bach) so gefaszt, damit ich schnell,
im graben,
zur mühle dort hinunter soll.
Göthe 1, 207;
donnern werden bald die tennen,
bald die mühlen rauschend gehn.
Uhland ged. 51;
mühlen anderer art werden durch zusammensetzung näher bezeichnet, vergl. eselsmühle, handmühle, pferdemühle, roszmühle, schiffsmühle, windmühle u. ähnl., wie auch die durch wasser getriebene als wassermühle genauer bestimmt wird.
3)
mühle, übertragen auf andere maschinen, die im baue der mühle ähnlich sind, und dinge zerreiben, zerstoszen oder sonst zerkleinern, oder auch bearbeiten; so ölmühle: sie zwingen sie öle zu machen auf jrer eigen mülen. Hiob 24, 11; papiermühle, bretmühle, sägemühle, schleifmühle, pulvermühle, lohmühle, gewürzmühle und viele andere; kaffemühle:
sie nun langte die mühle herab vom gesimse des schornsteins,
schüttete bohnen darauf, und fest mit den knieen sie zwängend,
hielt sie den rumpf in der linken, und dreht in der rechten den knopf um.
Voss 2, 282;
drauszen am herd auch
hört er geschäftige red und die rasselnde mühle des kaffees.
Luise 2, 28;
walkmühle zum walken der tuche; dem tuche die mühle geben, bei den tucharbeitern, es auf der mühle walken lassen. Adelung; der strumpfwirker nennt mühle eine vorrichtung an seinem stuhle, vermittelst deren die plattinen gerichtet werden können. Jacobsson 3, 94ᵃ; vgl. auch bandmühle. in der Schweiz hat man die in der eiszeit auf gletschern geschaffenen strudellöcher gletschertöpfe oder gletschermühlen genannt, franz. moulins.
4)
die mühle (in der bedeutung 2) sprichwörtlich und in redensarten. in der mühle ist das beste, dasz die säcke nicht reden können. die beste mühle ist zwischen wasser und wind. wer die mühle fleucht, der flieht auch das mehl. es ist noch nicht auf der mühle, was zum osterkuchen werden soll. Simrock sprichw. 383; gieb ab ab, gieb ab ab, klapperts in der mühle. wer nicht bestauben will, der bleib aus der mühle. wies auf die mühle kommt, so wirds gemahlen. 384; wer zuerst in die mühle kommt, mahlt zuerst. ebenda (rechtssprichwort, vgl. Schwabensp. 312, 10: der ouch ê zuo der mülen kumt, der melt ouch ê; Magdeb. blume 2, 3, 9: wer irst czu der mole kumt, dem sol man irstin molin);
mühle ohne gang,
glock ohne klang,
hand ohne gaben,
schul ohne knaben,
will niemand haben.
383;
in der mühle ist übel harfen. 384, vergl. dazu unter harfen theil 4², 476; eine geringe schwachheit wolte er nicht vertragen, nun musz er eine übermäszige boszheit einfressen, und kommt so zu reden ausz dem staube in die mühle, aus dem regen in die traufe. Chr. Weise erzn. 14 Braune; darum musz folgen, .. dasz etwas anders auf der mülen ist, dann man uns sagen will. Fischart bienk. 97ᵃ, etwas anderes im werke; wer das letzt auf der mühl hat, der wandelt im schatten desz todts. Lehmann floril. 196; fremdes wasser auf seine mühle leiten: insonderheit wuste er nicht so wol als Wodan in gefährlichen entschlüszungen frembdes wasser auf seine mühle zu leiten, und ihm (sich) den vortheil, andern aber den hasz zuzueignen. Lohenstein Arm. 1, 365ᵃ; das ist wasser auf seine mühl, hoc commodum illum arridet. Frisch 1, 672ᵇ; das wasser auf seine mühl leiten, suo inservire commodo, vertere in utilitatem suam. ebenda; dieses ist das rechte wasser auf die erhitzte rachmühle des eifersichtigen königs. Weisz Wiener haupt- u. staatsactionen 136; das ist wasser auf unsere mühle! Schiller räuber 3, 2; der abbé machte zuerst die entdeckung, er fand, dasz das wasser auf seine mühle sei. Göthe 23, 42; verdrieszlich ist mir auch, was dem miszbrauch wasser auf die mühle giebt, und in Goethens munde nicht ernst sein kann, eine rechtfertigung der katholischen sacramente. Niebuhr leben 2, 102; nun brach ein sturm von fragen nach dem unbekannten vorfalle (einer erblindung) los. es ist so, fing der physikus mürrisch an, legte sich aber bald, weil er in einigen augen wasser für seine mühle sah. J. Paul Tit. 1, 197; in einem bilde für gottes gerechtigkeit: gots mül steht oft lang stil. S. Frank sprichw. 2, 119ᵇ; man sagt, nicht sonder gutten grund, das gottes mühlen langsam, aber sehr klein zu mahlen pflegen. der verzug der strafe wird mit deroselben grösze und schärfe ersäzzet. Butschky Patm. 75; mühle, als bild für ein ineinander greifendes getriebe: als jetzt die mühle der schöpfung mit allen rädern und strömen rauschte und stürmte. J. Paul uns. loge 3, 76;
von der quelle bis zum meer
mahlet manche mühle,
und das wohl der ganzen welt
ists worauf ich ziele.
Göthe 1, 136;
wenn des dichters mühle geht,
halte sie nicht ein.
5, 23;
am meisten ärgert ihn (den proktophantasmisten), sobald wir vorwärts gehn.
wenn ihr euch so im kreise drehen wolltet,
wie ers in seiner alten mühle thut,
das hiesz er allenfalls noch gut.
12, 216.
5)
mühle, ein bretspiel, vgl. fickmühle theil 3, 1619, zwickmühle: mühle ziehen, ist ein spiel auf dem umgekehrten damenbrete, welches mit kleinen, weiszen und schwarzen damensteinen, wie sie das bretspiel hat, von zwei personen gespielt wird. wer die letzten steine auf dem brete behält, hat gewonnen. Amaranthes frauenz.-lex. (1773) 2219; man hat eine mühle, wenn man drei steine in einer geraden linie hat, die mühle zumachen, durch einschiebung des dritten steines eine gerade linie bekommen, seine mühle aufmachen, durch wegnehmung des einen steines seine gerade linie zerreiszen. Adelung;
gleichfals mangelts nicht an spielen.
vor uns steht das interim;
da die peilke; hier sind mühlen.
Fleming 425.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2636, Z. 62.

mühlen, verb.

mühlen, verb.
zerreiben; das ahd. mullan, terere, conterere, mhd. müllen, müln; bair. müllen, dermüllen, zemüllen, zerreiben, zermalmen, zerquetschen (Schm. 1, 1590 Fromm.; stiere müllen, sie durch quetschung der hoden kastrieren. ebenda); niederd. mullen, zerreiben, zermalmen (brem. wb. 3, 198; vergl. unten mull), aber auf mühle bezogen: zwen hart stein mülen nie klein. Frank sprichw. 1, 31ᵃ. 47ᵇ; wer nicht mühlet, will kein mehl. Simrock sprichw. 383; vom groszen und starken, das sie mühlen, sagen sie stets: ich kann es nicht klein kriegen! Tieck 13, 288.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2639, Z. 5.

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Zitationshilfe
„mühlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BChlen>, abgerufen am 31.07.2021.

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