Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mühlstein, m.

mühlstein, m.
1)
wie mühlenstein, mhd. mülstein neben mülnstein: mulstein, mola, molaris. voc. inc. theut. o 2ᵇ; mülestein, lapis molaris. Maaler 294ᵈ; du solt nicht zu pfande nemen den untersten und öbersten mulstein. 5 Mos. 24, 6; die jünglinge haben mülstein müssen tragen, und die knaben uber dem holztragen straucheln. klagel. Jer. 5, 13; und ein starker engel hub einen groszen stein auf, als einen mülstein, warf jn ins meer. offenb. 18, 21; bei iedem mahlgang sind zwei mühlsteine, davon der untere, welcher fest und unbeweglich liegt, der bodenstein, der öbere aber, welcher auf dem bodenstein umgetrieben wird, der läufer genennet wird. die mühlsteine sollen zwar hart und fest, iedoch nicht von gleicher härtigkeit sein: denn, wie das gemeine sprüchwort lautet, zwei harte stein mahlen selten klein. öcon. lex. 1673; und daher: sie (die gute ehefrau) wird ein wittenbergischer mülstein, gibt dem mehl sand zu, sonst malen zwen harte stein nicht rein. Garg. 70ᵇ; sogenanntes weiszliegendes, .. welches zu mühlsteinen verwendet wird. Göthe 51, 28;
der junge hôchgeborne helt
sô creftic und sô vrevel schein,
daʒ er einen mülstein
mit dem schilte sîn enphie:
swenn in sîn meister ane lie
von dem gebirge loufen abe,
sô stuont der ellentrîche knabe
still an des berges fuoʒe
und hete dise unmuoʒe,
daʒ er uf sînen buggeler
den groʒen stein lie walzen her
und sînen grimmen louf enthielt.
troj. krieg 6310;
wer aber ergert dieser geringsten einen, die an mich gleuben, dem were besser, das ein mülstein an seinen hals gehenget würde, und erseuft würde im meer, da es am tiefesten ist. Matth. 18, 6; da er doch mit seinen leichtfertigen und unverschämten umständen so viel junge unschuldige gemüther geärgert hat, dasz man ihm tausend mühlsteine an seinen hals wünschen möchte. Chr. Weise erzn. 4 Braune; als bild für schweres, drückendes: wie hoch und unschätzbar dieser edle stein (die freiheit) sei, das rechnet keiner genauer aus, ohne der jenige, welcher ihn verlohren, und den mühlstein der schweren dienstbarkeit am halse trägt. Butschky Patm. 202; er hob die geiszel so langsam, als ob anstatt jedes spörnchens ein mühlstein daran hinge. Wieland 8, 65;
wan mag ein scef mit cleinen
also wol als mit mulsteinen
ubirladen daʒ eʒ under gât.
er ist wîse, swer dis alles ahte hât.
altd. bl. 1, 367;
ein mädchen, das nur blonden miszt,
und dessen buch der spiegel ist, ..
das wird ein mühlstein für den mann,
mit dem er lang nicht schwimmen kann.
Blumauer 1, 104;
mit einem ruck fährt er zurück,
da wälzt es langsam, schwer wie blei,
sich gleich dem mühlstein über ihn.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 224;
er läszt nichts liegen als mühlsteine und heisz eisen (so diebisch ist er). Simrock sprichw. 384;
und trüege ein man mülsteine ûf ime, ern würde lîhte beroubet.
Kolmarer meisterl. nr. 134, 28, s. 506;
mir fällt ein mühlstein vom herzen (mir wird wieder leicht). Kotzebue dram. sp. 2, 342;
ein mühlstein, und ein menschenherz, wird stets herum getrieben,
wo beides nicht zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben.
Logau 2, 73, 72.
2)
mühlstein, ein knochen am körper des pferdes: von der runden scheiben dieses gewärbs, der mülstein genannt. in dem vorder theil dieses gewärbs oder gleichs, in welchem sich die hinder bug mit dem bein im obern schenkel mit einander vereinbahren, gegen dem bauch zu ist ein bein, so sich der kniescheiben eines menschen vergleicht. Uffenbach neues rossbuch 1, 205.
3)
mühlstein, name einer münze, der Schreckenberger oder engelgroschen. Adelung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2643, Z. 24.

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Zitationshilfe
„mühlstein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BChlstein>, abgerufen am 11.05.2021.

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