mündig adj
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2688, Z. 8
gewalt habend; im alter sich selbst zu vertreten; ableitung vom fem. mund sp. 2683. ein zunächst im mittelniederdeutschen als mundich (Schiller-Lübben 3, 134ᵃ) erscheinendes, hier nicht auf die rechtssprache beschränktes wort, da es neben mündig auch vernünftig, bei verstande, und bevollmächtigt bedeutet, niederl. aber nur rechtsausdruck: mondigh, pubes, maior annis, qui extra tutelam est, puer quatuordecim annorum Kilian; ebenso mitteldeutsch mundig; oberdeutsch ursprünglich nicht vorhanden, es wird, wie es scheint, vor dem 16. jahrh. nicht allgemein. mündig, majorennis Schottel 351ᵇ; geborte sichs, des got nicht engebe, daʒ unsir gnediger juncher Heinrich von todis wein abe ginge er her mundig worde. Ködiz 30, 3; daʒ man ir da phlege und warte solde in erberer hute biʒ daʒ si mundig wurde. 48, 8; ein kint wirt mundik, ob man sein alder mit den patin, iʒ sy man odir weip selb dritte beczugit, daʒ iʒ virczehen jor vollin komelichin habe. ist dys ein mait, so sol sy czwelf jor volkomlichen habin. Magdeb. blume 2, 2, 68; man sol keine magit mundig teilin, sy in were denne mundig bewisit vor gerichte mit den patin oder mit den nehestin, .. dy by irem eide bekennen, daʒ sy vollinkomelich czwelf jor hab und sechs wochin. 165; ummundige kinder sint in gebote irs vormunden, dy weil sy nicht mundig sin. 2, 3, 40; seine mündige jahre erreichet. Schweinichen 1, 25; in seinen jungen, auch mündigen jaren. Kirchhof wendunm. 345ᵇ; die mündigen jahre fangen für knaben mit dem 14ten, für mädchen mit dem 12ten an ... unmündige, unvogtbare kinder, die jenes alter nicht erreicht haben. wirzburgische landger.-ordn. von 1618 bei Schm. 1, 1623 Fromm.; wann nun endlich die pflegkinder zu ihren mündigen jahren kommen. der stadt Leipzig ordn. 1701 261; (dasz) nach geendeter vormundschaft .. die vormünden die mündlein an solche creditorn weisen, die mündigen aber dieselbe an statt baares geldes nicht annehmen. 255. rechtssprichwort: eid macht mündig, juramentum ex minori facit majorem. Pistorius thes. par. 1, 21. Bei neueren auch auszerhalb der rechtssprache, und in freierem sinne: (der moralische instinkt) den die weise natur dem menschen zum vormund setzte, bis die helle einsicht ihn mündig macht. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 275;
der ausbund eines schönen katers,
den muth und alter mündig sprach.
Lichtwer fab. 2, 11;
mein general! du machst mich heute mündig (Max zu Wallenstein).
Schiller Wallensteins tod 2, 2;
wer schon so früh der täuschung schwere kunst
ausübte, der ist mündig vor der zeit.
M. Stuart 2, 5;
das böse, das der mann, der mündige,
dem manne zufügt, das, ich will es glauben,
vergiebt sich und versöhnt sich schwer.
braut von Messina v. 405;
mündig ist das geschlecht,
darf fragen nach seinem recht.
Rückert 147;
man denkt bei mündig an einen zusammenhang mit mund os, und braucht es demgemäsz: wenn der neure dichter übrigens eine vermehrung der personen vorzunehmen für nöthig befände, so würde er, vielleicht nicht ohne glück eines von den beiden kindern des Herkules, welche seine beiden vorgänger nur stumm aufführen, mündig machen können. Lessing 4, 254;
mündig sei, wer spricht vor allen; wird ers nie, so sprech er nie.
Platen 253;
wie schon Luther bei unmündig: denn die weisheit öffnete der stummen mund, und machet der unmündigen zungen beredt. weish. Sal. 10, 21; aus dem munde der unmündigen und seuglingen (ἐκ στόματος νηπίων καὶ θηλαζόντων, vulg. ex ore infantium et lactentium) hastu lob zugericht. Matth. 21, 16.
mündig adj
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2688, Z. 7
einen mund habend, in einmündig, s. d.
Zitationshilfe
„mündig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCndig>, abgerufen am 09.12.2019.

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