Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mündung, f.

mündung, f.
das münden von etwas und die stelle da dies geschieht. das wort ist ein neueres, und wie es scheint, vor dem späteren 17. jahrh. nicht aufgekommen, Kramer im niderhocht. wörterb. 2 (1719) 148ᵇ führt es auf als mundung und mündung, und als gleichbedeutend mit mundloch: mundloch, mundung eines stuck geschützes, eines schöpfbrunnens, ... mündung eines groben geschützes; dann Steinbach: die mündung, orificium, os, die mündung eines stückes, tormenti orificium 2, 83; Adelung weist es der anständigen sprechart für das niedrigere mundloch zu: die mündung einer kanone, eines flintenlaufes, des ofens, eines gefäszes u. s. f., auch als botanischen ausdruck, mündung, limbus, der obere erweiterte theil an der röhre der blume; mündung von dem auslaufe eines stromes ins meer bei Eggers kriegslex. (1757) 2, 252 nach dem franz. embouchure: die sieben mündungen des Nilstroms. seit der zweiten hälfte des vorigen jahrhunderts ist mündung in gewählter und gehobener sprache häufig. mündung eines flusses, einer höhle, eines thales u. s. w.: der strom unsers wissens schlängelt sich rückwärts zu seiner mündung. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 352; (wir) traten in die höhle .. sie ist weit, tief, von dem schönsten blau, und es steht sich sichrer im grund als vorn in der mündung. Göthe 16, 248; da betrachte dir die mündungen der thale. Bettine briefe 1, 236;
(wir) passierten drauf bei Trier die Sau,
nicht weit von Pfaffenhofen,
sahn rechts die sieben mündungen
der Weichsel unweit Göttingen,
und landeten in Troppau.
Blumauer 2, 55;
(der) Nil, der aus ungesehener urne
seine schwellenden fluthen durch sieben mündungen ausströmt?
Stolberg 1, 206;
und als der chor noch fortklung, stieg der sarg,
mit sammt dem boden, der ihn trug, allmählich
versinkend in die unterwelt hinab,
das grabtuch aber überschleierte,
weit ausgebreitet, die verborgne mündung.
Schiller braut von Messina v. 1510;
fürchterlich nahe
ist ja die pforte des hofs, und eng die mündung des ganges.
Odyss. 22, 137;
mündung einer büchse, einer kanone; darauf zeigte ich ihm die mündung der büchse mit gespanntem hahn. Göthe 34, 65; die mündung meines gewehrs. 35, 19; mündung eines pfeifenrohres:
der vater bewunderte, freudig empfangend,
wie so lang und gerade der schosz des rosengebüsches,
blank von bräunlichem lack, aufstieg mit der mündung des bernsteins.
Voss Luise 2, 286;
in komisch-pathetischer rede auch eines topfes: der ganze wasserschusz wurde von den einsaugenden gefäszen eines wagens aufgefangen, auf den ein töpfer seine töpfe so gepackt hatte, dasz die mündungen gen himmel standen. J. Paul biogr. belust. 1, 148; in technischer sprache auszer im geschützwesen auch beim orgelbauer, mündung einer pfeife, wodurch die in der pfeife enthaltene luft heraus geht. Jacobsson 3, 102ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2693, Z. 65.

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Zitationshilfe
„mündung“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCndung>, abgerufen am 20.06.2021.

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