Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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muhen, verb.

muhen, verb.
den laut muh ausstoszen, brüllen wie ein rind: boare, muhen, muͤgen sicut bos. Dief. 77ᵇ; mugire, mugen, muwen, muen, möhen, mowen, moken 369ᶜ; muhen, boare, bolken wie eine kuh. Schottel 1366; das meerkalb schläft mit schnarchen und mugen von wegen desz wusts und schleims der lungen. Forer fischb. 102ᵇ; da kein rab kracket, keine grille grillt, keine eule heulet, keine kuh muhet. Harsdörfer lust- u. lehrreiche gespr. 2, 377; die muhende stärke und das blökende schaf, in heerden und triften, können ungestört und unbemerkt über anger, wiese und weiden ziehen. Bode Thomas Jones 6, 185; der ochs ... muhte mich an in hohem ton. Bettine tageb. 168;
ängstlich horcht er. ihn däucht er höre das muhen der kühe
von dem nahen gehölz.
Pyrker Tunis. 6, 613;
niederdeutsch:
de koye mughet,
louwen rughet,
hanen kreyet.
Haupts zeitschr. 1, 546, 19;
vom brummen eines bären:
so bald der ber vernommen das, ...
im grimmen zoch er ufhar muͤent.
Hans Salat 98, 286 Bächtold.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2632, Z. 72.

mühen, verb.

mühen, verb.,
nach dem subst. mühe in zwei hauptbedeutungen.
1)
(nach mühe 2 beschwertsein) beschweren, bedrücken, quälen, ärgern: ahd. muoan, muohan, gamuoan, agitare, fatigare, quassare, inquietare, vexare, affligere u. ähnl. Graff 2, 600 fg.; mhd. müejen, müewen, müen; muen, compungere, occupare, fatigare. voc. inc. theut. o 2ᵇ; fatigare, muhen, mühen l. hellgen, muwen, moyen Dief. 227ᵇ; inquietare, muen l. erstoren, moien 300ᵃ; trufare, muen 599ᶜ; vexare, mowen, mohen, mogen, moyen, moen, muwen, mugen, muen, myen 616ᶜ; nhd. in der älteren sprache, mundartlich noch jetzt (s. nachher b), in mehreren fügungen.
a)
mühen, in mehr äuszerlicher bedeutung, belästigen, beschweren: ze êrist kebôt got, pe diu gestuont unde uuereta der dunstigo uuint, der daʒ scef muohet. Notker ps. 106, 25; si (die elefanten) fürhtent die mäus und fliehent si, wan ir smack müet si. Megenberg 135, 19; die habich müegent die reigel gar vil und setzent in vast zuo. 168, 18; (eine nonne) die was sere gemüt und erschlagen mit einem tropfen in dem knü und wolt kein arznei mer helfen. heiligen leben (1472) 23ᵃ; ein fraw hett ein tochter, die was besessen mit dem bösen geist und ward gar ser gemuet von jm. spiegel menschl. behaltnisse (1492) 62ᵃ; die eidgenossen ze tratzen und sy von tag ze tag mit mengem gelöuf und striten ze mügen. Etterlin 243; er müht die leute, molestia homines afficit Steinbach 2, 80;
daʒ îs und der vil kalte snê
begunde si dâ müejen.
troj. krieg 24115.
b)
häufiger unmittelbar auf das gemüt gewendet, eine sache, etwas müht, bedrückt, macht leid, sorge oder kummer: müyen, verdrieszen, male aliquem habere, das müyt und verdreuszt jn übel, hoc male habet virum Maaler 294ᵇ; doh in humana miseria muohe. Notker ps. 31, 7; daʒ man mînes tôdes lachen sal, daʒ mûwit mich vil sêre. d. myst. 1, 40, 34; was ist die trurigkeit, was ist der trurigkeit anfang, do her sie kumpt? sie kumpt do her, dʒ mich etwas muͦgt. disz muͦgen thuͦt der selen die gedult enweg. Keisersberg bilg. 60ᵈ; es tut ir wee, es müet sie, und hat ein verdrieszen darin. seelenpar. 97ᵇ; und wenn ein böser gedank dich müet, so sich nit um dich. pred. 73ᵃ; do das ettlich junger sohent, do seind sye gemügt worden in inen selbs und hatt sye verdrossen. post. 2, 114ᵇ; also bleib er (herzog Friedrich) uszwendig, dasz er nit erschein, das müyet den künig vast an den herzogen. Tschudi 2, 2ᵃ; eins aber verdreuszt und mühet mich. Kirchhof wendunm. 309ᵃ;
mich müet daʒ alter sêre,
wan es Hergêre
alle sîne kraft benam.
minnes. frühl. 26, 20;
daʒ dîn geselschaft ist sô swach,
daʒ müeget mich, und ist mir leit.
Boner edelst. 30, 13;
las du nit ab, ob einen mühet,
das ich bei dir bin selten.
Ambras. liederb. nr. 46, 19;
wens mut, der rechs,
wer es nit erleiden mag,   der kom und brechs.
92, 26;
deszhalb wir werend grosze thoren,
das wir uns sin leer lieszend müen.
trag. Joh. E 6;
er sprach: jezt müht mich nit mein schad,
weil die auch jren lohn jetzt hat.
B. Waldis Esop 3, 71, 13;
in solchem sinne erhalten in ober- und mitteldeutschen mundarten: alem. es müejt mi, es macht mir verdrusz. Hunziker 184; es mühte aber Anne Marei sehr. J. Gotthelf schuldenb. 401; bair. müen Schm. 1, 1555 Fromm.; in Oberhessen es meiet mich, es gereut mich, im Haungrunde der tod seines bruders hat ihn sehr gemühet (betrübt), in Niederhessen et müet mik, gereut mich Vilmar 273; ebenso niederd. dat moiet mi, aber auch mit persönlichem subject de minsk moiet mi, der mensch dauert mich. brem. wb. 3, 181; vergl. das mittelniederd. moien Schiller-Lübben 3, 111.
c)
reflexiv, sich mühen, sich quälen oder grämen: der (hochmeister) ward von fremden herrn und seinen brüdern übel gescholten, darumb er sich sehr mühete, wolte niemand antwort geben und stellet sich greulich. Waissel chron. (1559) 118ᵃ;
(eine frau) welch auch jrn todten mann beklagt,
der am kharfreitag war verscheiden,
drumb sie sich müht mit groszem leiden.
B. Waldis Esop 2, 45, 54;
niederdeutsch ik moie mi aver den minsken, ich bedaure den menschen. brem. wb. 3, 181.
d)
intransitives mühen, beschwert sein, bedrückt sein:
aber der fuchsz thut zeigen an
die armen schwachen underthan,
welche die reichen groszen Hansen
mit gwalt und frevel thun verbansen.
denn solchs ist gemein bei den reichen,
wo sie die armen mögen erschleichen,
so musz der arme allzeit mügen.
B. Waldis Esop 1, 59, 41.
vgl. dazu 3, b.
2)
den übergang zur folgenden bedeutung bildend, einen mühen, ihm last durch anstrengung schaffen, mit arbeit beschweren: deine tochter ist gestorben, was mühestu weiter den meister? (goth. hva þanamais draibeis þana laisari?) Marc. 5, 35 (vgl. dazu Luc. 8, 49: bemühe den meister nicht); unser h. gott musz ein gemüheter mann sein, dasz er die welt mit leuten versorget. Luther tischr. 93ᵇ; als Sempronius sahe, das er sein volk müet, und die wagenburg nit gewinnen mocht, zog er ab. Livius von Schöfferlin 115ᵇ;
(sie wird) jhr zwei kindlein selbst erziehen,
das wir kein frembte leüt dörfen mühen.
J. Ayrer 340ᶜ (1705, 18 Keller);
nur selten noch in neuerer, dichterischer sprache:
und doch ist dieser dienst der höchste dienst,
ihm haben unsre väter sich geweiht,
ihm hab auch ich mein leben angelobt,
er hat mich viel gemühet, nie gereut.
Uhland Ernst s. 117.
3)
mühen (nach mühe 4 anstrengung), anstrengen, kräfte bethätigen, wie sonst bemühen.
a)
gewöhnlich reflexiv, sich mühen, seine kräfte anstrengen:
alsus er sante botin
zu Memelburc dem cometuir ..
bittinde demûticlîch,
daʒ er gerûchte mûhin sich,
sîne lûte mit im nême,
und zu hulfe quême
im balde durch geleite.
Jeroschin 16250;
da lag Hannibal mit seinen geruheten haufen den Römern, die sich den ganzen tag gemüt und gearbeit hetten, ob. Livius von Schöfferlin 115ᵇ; mancher mattet sich ohne noth ab, fahselt herüm, und mühet sich alzeit ohne unterlas. Butschky kanzl. 697;
was er begert   desz wirdt gewehrt,
darf sich nicht mühen.
P. Melissus bei Opitz (1624) 170;
arbeit ist der sünde fluch; solte Piger viel sich mühen,
würd er auf sich viel verdacht eines groszen sünders ziehen.
Logau 3, 44, 26;
sich mühen mit einem oder etwas: nach der weis redet man auch, ich hab mich gemüet ader geerbeitet mit laufen, mit schlahen. Luther krit. gesamtausg. 1, 162, 30;
das todte schiff liegt nun vor uns ertrunken.
hilf gott! wie hat es sich mit uns gemüht!
P. Fleming 104;
wegen einem, um einen oder etwas: ich bedanke mich gegen dieselben, dasz sie sich meinetwegen so viel haben mühen wollen. Schoch stud. leb. G 3;
immer dünkt mich, der nichts hat, der mag glauben was er will,
denn um seine seligkeit müht sich keiner leichtlich viel.
Logau 2, 178, 3;
das vergnügen, sich um kleinigkeiten
wie ein Donquixott zu mühn.
Gökingk 1, 55;
worum man sich doch ängstlich müht und plackt,
das ist gewöhnlich abgeschmackt.
Göthe 57, 281;
für einen oder etwas:
unverstanden vom schmeichelnden knecht, und seinem beherrscher,
würd er dort umsonst für das wohl der menschen sich mühen.
Klopstock 4, 208 (Mess. 10, 322);
mit infinitiv durch zu vermittelt: mühet euch nicht mich zu trösten uber der verstörung der töchter meines volks. Jes. 22, 4; ich mühe mich der theilnahme, die sie mir schenkten, nicht ganz unwerth zu sein. Freytag handschr. 3, 302;
Deutsche mühen sich jetzt hoch, deutsch zu reden, fein und rein;
wer von herzen redet deutsch, wird der beste Deutsche sein.
Logau 2, 162, 13;
Lazarus schwester, Maria
lag zu sterben. es kündeten ihr schon kältere schweisze,
und in arbeit ihr herz, zu leben sich mühend, den tod an.
Klopstock 5, 129 (Mess. 12, 403);
mit abhängigem satze: sie .. mühen sich, das sie jr ding erhalten. Hes. 13, 6; der könig ... thet groszen vleis, das er Daniel erlösete, und mühet sich, bis die sonne untergieng, das er jn errettet. Dan. 6, 14;
dein wolgemeinter rath, Filena, thauret mich.
ich schlug es in den wind, wie sehr du mühtest dich,
dasz ich doch solte nicht so scheiden von dir abe.
P. Fleming 629;
Pudibunda, wie sie spricht,
ehret hoch desz tages licht,
wer mit jhres leibes gaben
noch für nachtes sich wil laben,
musz sich mühen dasz er macht,
wenn es mittag, mitternacht.
Logau 1, 26, 89;
es mühet sich der mensch, auf dasz er was erwerbe.
148, 41;
er (der gute fürst) müht sich, dasz er schwitzt,
dasz sein vertrautes volk gedieg- und rühglich sitzt.
2, 49, 75.
b)
auch intransitiv (und in anderm sinne als oben 1, d): dienstag den 25 geh ich nach Frascati und werde auch dort mühen und arbeiten. Göthe 29, 87;
wenn kein donner vom himmel herab
auf diesen felsen fällt, und ihn zermalmt,
so streben, mühn, arbeiten wir umsonst!
Klopstock 9, 132;
wem ich ein besser schicksal gönnte?
es sind die erkünstelten talente;
an diesem, an jenem, am besten gebrichts,
sie mühen und zwängen und kommen zu nichts.
Göthe 4, 329;
mühend versenkt ängstlich der sinn
sich in die nacht, suchet umsonst
nach der gestalt.
40, 412.
c)
der infinitiv substantivisch: weil man aber einmal des mühens und bemühens gewohnt, sich immer sehr gern und leicht neue lasten auflegt. Göthe 32, 56 (mit leisem unterschied der bedeutung, mühen auf anstrengung an sich, bemühen auf die um eine bestimmte sache zielend);
dann bringt jhm weiter nichts das mühen und erwerben.
Logau 1, 148, 41;
Deutschland gab fünf millionen
Schweden reichlich zu belohnen,
dasz sie uns zu bettlern machten,
weil sie hoch disz mühen achten.
2, 97, 98;
nach langem mühen, brachten
endlich der pilger und Boa den leidenden über den Kidron.
Klopstock 5, 99 (Mess. 11, 1506);
ihr wille fleuszt, wie sonnenlicht
aus aller welt zusammen!
zusammenflammt da ihr gebet,
ihr mühn in hellen flammen!
Herder z. litt. 4, 168;
kühn ist das mühen,
herrlich der lohn.
Göthe 12, 52;
eitles mühn,
sich zu vergegenwärtgen ferngeschiedenes,
unwiederherstellbares!
40, 411.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2633, Z. 11.

mütt, mutt, m., n.

mütt, mutt, m. n.
trockenmasz, scheffel, örtlich von verschiedener grösze: mut, m. corus, ein maas, eine anzahl etzlicher scheffel pro diversitate regionum Schottel 1367. ahd. mutti, mhd. mütte, mutte, müt, mut; alts. muddi, mnd. mnl. mudde, nnd. müdd, müdde Woeste 178ᵇ; wenn der bischof jährlich seine kirchen besuchte: so muszte ihm jedes kirchspiel hundert müdde (modios) hafer ... darbringen. Möser patr. phant. 3, 96; lehnwort aus dem lat. modius, und als solches zunächst von den zinspflichtigen der klöster und kirchen aufgenommen und in die gemeine sprache übergeführt, wo es sich neben den deutschen ausdrücken malter, metze, scheffel u. a. festsetzt: modius, mutte, mudte, mutt, myet, mut, mudde Dief. 364ᶜ; mut, mütte nov. gloss. 255ᵃ; ein mütt korn bei uns, modius tritici Maaler 295ᵃ; wie viel leib brot ein mut korns geb. Keisersberg narrensch. 64ᵇ; geit im ze gewinn an dem schaff (salz) 1 pfening oder an dem mutt 5 pfening. d. städtechron. 15, 398, 26; von dem zehenden zu Grenichen zwenzig muͦtt dinkel und so vil habers. Stettler 1, 183ᵇ; zwei mutth korn und zwei muth haffern. Lennep lands. 2, 58 (von 1596); vier mutt frucht. 66 (von 1557);
es (das pferd) erschreckt auch nit ab eim müt
guts habers, den man vor jn schütt.
Haberer Abrah. (1592) G 7ᵃ;
schweiz. der mütt, gemäsz zu trockenen dingen, das den vierten theil eines malters ausmacht. Stalder 2, 226; in Schwaben als dim. das mütle Schmid 392; bair. das mutt, auch der und die mutt, dim. müttl, mitl, scheffel Schm. 1, 1694 Fromm.; auch in der form das mött, in Ziegenhain und Oberhessen. Vilmar 272; 3 möth korns undt 3 möth haffern. Lennep lands. 2, 76 (von 1592).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2803, Z. 73.

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Zitationshilfe
„mütt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCtt>, abgerufen am 20.06.2021.

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