Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

mutter, mütter, m.

mutter, mütter, m.
fruchtmesser. Lexer wb. 1, 2260; die heren von sant Victor hant von alle ire frucht mit eime der stede gesworn mutter vorkauf oder uszgemessen. d. städtechron. 17, 343, 29 (Mainz, von 1452); rheinisch heiszt mütter, mötter noch jetzt der von der obrigkeit bestellte fruchtmesser. Kehrein 287.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2804, Z. 26.

mutter, f.

mutter, f.
mater.
1)
das mit ausnahme des gothischen gemeindeutsche wort, ahd. mhd. muoter; alts. môdar, niederd. moder, niederl. moeder; ags. môdor, engl. mother; fries. moder, moer; altnord. môđir, schwed. dän. moder (im gothischen ist es zu gunsten des kosewortes aiþei verschollen, wie dort statt fadar ebenso das kosende atta sich festgesetzt hatte), ist auch als eine der ältesten verwandtschaftsbezeichnungen gemeinindogermanisch, sanskrit. mâtṛ, griech. μήτηρ, μάτηρ, lat. mater, altir. máthir, slav. mati; zu grunde liegt dieselbe wurzelwie in muhme (sp. 2644), wol in der bedeutung ausmessen, austheilen, womit denn die mutter als vorsteherin des hauses und als zutheilerin des unterhalts an gesinde und vieh bezeichnet wäre (vergl. unten 2, g). Gegenüber alter länge oder diphthongen in der stammsilbe haben wir heute kurzen vocal, er hat sich aus dem mitteldeutschen mûtir (mûdir Meister Eckart bei Haupt 15, 377, 4) vielleicht schon verhältnismäszig früh entwickelt, im 15. jahrh. bezeugt ihn die schreibung mutter (Stolles chron. bei Haupt 8, 309 u. ö.), im 16. jahrh. wird diese letztere von allen mitteldeutschen quellen und selbst im untern Elsasz (wie kinder werden geboren von der mutter. Keisersberg seelenpar. 1ᵃ, Straszburger druck von 1510) gewährt und dringt durch gegen die form muͦter der Oberdeutschen, die im späteren 16. jahrh. aufgegeben ist, nachdem sich eine kurze zeit die schreibung muͦtter eingefunden hat (belege z. b. unten 2, d). die form des plurals, mit ausnahme des dativs, war im ahd. mhd. flexionslos, wie die des singulars, aber schon mhd. zeigt sich umlaut im plur. müeter, und neigung für flexion im plur. muotere, müetere, dem entsprechende formen sich auch mitteldeutsch und noch bei Luther finden: die kindere entliefen mit gewalt oren eldern, die tochter oren muttern, das die muttere nachfolgeten weinende und schriende. Stolle bei Haupt 8, 309; die alten weiber (ermahne) als die müttere, die jungen als die schwestern. 1 Tim. 5, 2; gegen späteres mütter: unser mütter sind wie widwen. klagel. Jer. 5, 3; welche form einzig der schriftsprache geblieben ist. eine flectierte form des gen. sing. hat sich als mutters ergeben, wenn das wort ohne artikel und gleichsam als titel steht, vergl. belege unter der theil 2, 984; mutters alte art. Gutzkow ritter vom geiste 1, 122;
schon als knabe,
als ich sasz auf mutters schosz.
H. Heine 1, 61;
nur der hausrede des nördlichen Deutschlands gehört die dat.- und acc.-form muttern an, die in demselben falle gebraucht wird, vergl. unter der a. a. o.
2)
die stellung der mutter in ehe und haushalt zeigt die sprache in manigfachen wendungen.
a)
formelhafte verbindung mit vater: ih gihu gode, daʒ ih mînan vader und mîna muader unde andere nâhiston mîne sô ne minnôda noh sô ne êrôda, sôse got habet gibodan. Müllenhoff und Scherer 75, 23; sîn vater und sîn mûter .. sach her dicke vor sich gên in grôʒer êre und hôrte si klagen iren sun. d. myst. 1, 162, 40; darumb, wird ein man seinen vater und seine mutter verlassen, und an seinem weibe hangen. 1 Mos. 2, 24; wer seinen vater oder mutter schlegt, der sol des todes sterben. 2 Mos. 21, 15; ein auge das den vater verspottet, und veracht der mutter zu gehorchen, das müssen die raben am bach aushacken. spr. Sal. 30, 17; ehre vater und mutter, das ist das erste gebot, das verheiszung hat. Eph. 6, 2; wanns sogar mein vatter oder mutter an mich begerten, die mich erzogen und geboren. Winckelfelder 369; ein findling ist gottes kind. und wen vater und mutter in der irre stehen gelassen haben, den wird gott bei der hand nehmen und nach hause führen. Immermann Münchh. 4, 33; was vater und mutter nicht ziehen kann, das ziehe der henker. Simrock sprichw. 587; wo man vater und mutter spricht, da hört man die freundlichsten namen. ebenda;
gott gsegne euch, vater und mutter!
Uhland volksl. 75;
so kum ich heint herwider ein,
die weil so entschläft mein vater
und die muͦter mein.
196.
b)
mutter im verhältnis zu den kindern, zu söhnen und töchtern: die mütter sampt den kindern. 1 Mos. 32, 11; die jungfrau gieng hin, und rief des kindes mutter. 2 Mos. 2, 8; wenn jemand einen eigenwilligen und ungehorsamen son hat, der seiner vater und mutter stim nicht gehorcht. 5 Mos. 21, 18; die mutter .. des knaben. 2 kön. 4, 30; es ist nichts reizender als eine mutter zu sehen mit einem kinde auf dem arme, und nichts ehrwürdiger, als eine mutter unter vielen kindern. Göthe 20, 84; die mutter eines kindes, mutter von einem kinde; das ist die mutter zum kind, hoc est infantis mater. Frisch 1, 679ᶜ; das kind hat eine geborne N. zur mutter; eine zur mutter haben, aliqua ortum esse, habere aliquam matrem. Frisch ebenda;
wie von treuen müttern
in schweren ungewittern
die kindlein hier auf erden
mit fleisz bewahret werden.
P. Gerhard 19, 13;
und drinnen waltet
die züchtige hausfrau,
die mutter der kinder.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 309 (glocke).
c)
sie heiszt die leibliche mutter (gegensatz stiefmutter), deren leib die kinder empfängt und trägt, deren brüste sie säugt: alle di kindere di unter mûter sûge wârn. d. myst. 1, 42, 10; ich bin aus sündlichem samen gezeuget, und meine mutter hat mich in sünden empfangen. ps. 51, 7; du hast mich aus meiner mutter leibe gezogen, du warest meine zuversicht, da ich noch an meiner mutter brüsten war. ps. 22, 10; kan er (der mensch) auch widerumb in seiner mutter leib gehen, und geboren werden? Joh. 3, 4; da deine mutter dich geboren hatte. hohel. 8, 5; mein bruder, der du meiner mutter brüste saugest. 8, 1; ich bin ja ewre mutter, und habe euch geborn. 2 Macc. 7, 22; mit mir, die jhme mehr guts gethan, als sein leibliche mutter, die jhn auf die welt gebracht. Winckelfelder 313; habt ihr vergessen die schmerzen, mit denen euch die mutter gebohren? habt ihr vergessen das speiszgewölb, welches euch die mutter auf ihrer brust aufgeschlagen, und euch auf pelican-art mit eignen blut ernährt hat? Abraham a S. Clara Judas 1, 102; diese ist mein mutter, mein liebste mutter, mein treueste mutter, mein leibliche mutter, dieser bin ich schuldig zu dienen. 105;
hier ward er (der neugeborne) von den hirten
des Polybus gefunden, heimgetragen
und vor die königin gebracht, die, meines
gebärens frucht an ihre brüste legend,
beim gatten sich des kindes mutter rühmte.
Schiller Phöniz. v. 33;
in deren schosz sie sich flüchten, gehütet werden und spielen: nam iʒ (das kind) di mutir in den schoʒ unde meinte, si wolde iʒ erwerme. Ködiz 96, 27;
was ist von denen doch zu halten,
welch in der mutter schosz und bei dem herd eralten?
Rist Parnasz 634;
das kind, das in der mutter schoosze spielte.
H. v. Kleist Penthesilea, 14. auftr.
d)
das leibliche verhältnis der mutter zu dem kinde wird vom sprichwort als gewisser hingestellt, als das des vaters: die mutter sagt es, der vater glaubt es, ein narr zweifelt dran. Pistorius thes. par. 1, 90; keine mutter trägt einen bastart. 3, 11; und findet auch im erbrecht ausdruck: das kind fället wieder in der mutter schoos (in hereditate a liberis relicta sola mater succedit). 1, 80; die art der mutter auf die kinder übergehend: sihe, alle die, so sprichwort pflegen zu uben, werden von dir dis sprichwort sagen, die tochter ist, wie die mutter. du bist deiner mutter tochter, welche jren man und kinder verstöszet. Hes. 44, 45; zu solchen kindern gehört eine solche mutter. Luther 6, 24ᵇ; aber der wunsch der bösen mutter geht auf ein frommes kind: es ist kein so böse muͦtter, sie zöhe gern ein fromm kind. Agr. spr. 56ᵇ; weil liebe und sorge für dasselbe der mutter höchstes und höher als die des vaters ist: wenns kind zahnt, soll die mutter den unterrock verkaufen um ihm wein zu geben. Simrock sprichw. 389; was der mutter ans herz geht, das geht dem vater nur an die kniee. ebenda; der mutter treu ist alle tage neu. Pistorius thes. par. 8, 51;
kein muttr sol an jrm kind verzagen.
H. Sachs fastn. sp. 5, 49, 148;
hart sind die wehen der gebärerin,
drum lieben alle mütter so die kinder.
Schiller Phöniz. v. 328;
ist eine mutter noch so arm,
so giebt sie ihrem kinde warm.
Simrock sprichw. 389;
so dasz selbst einfaches mutter in gehobener rede für das sorgende und liebende muttergefühl stehen kann: die mutter in ihr sprach lebhaft für die unschuld des kindes;
doch Lila hörte nichts als was die mutter heischte.
Wieland 17, 86 (Idris 2, 28);
vielfach hervorgehoben ist das verhältnis von mutter und tochter: die muͦtter gibt so guten kauf als die tochter. Agr. spr. 211ᵇ; brauchs (das sprichwort) wenn du wilt sagen, es sei eben gurr als gaul, muͦtter als tochter, was du an einer fleuchst, wirstu bei der andern finden. die muͦtter gibt thewer, und die tochter nicht wolfeil. 212ᵃ; die mutter eine hexe, die tochter auch eine hexe. Simrock sprichw. 389; barmherzige mütter ziehen grindige töchter. fleiszige mutter hat faule töchter. ebenda; wer die tochter haben will, der musz es mit der mutter halten. Pistorius thes. par. 6, 53;
seht, wie so schön nunmehr das sprichwort kraft gewinnt:
der, so die tochter will, musz mit der mutter buhlen.
Günther 550;
dergleichen wirt die muͦtter do
von deiner zukunft werden fro,
dasz also ein gerader gsell
ir schöne tochter haben wöll.
Grobian. E 2ᵃ (v. 1142);
mütter lieben töchter, aber söhne noch viel mehr. Simrock sprichw. 389.
e)
mutter mit possessiven: du solt deinen vater und deine mutter ehren. 2 Mos. 20, 12; mein vater und meine mutter verlassen mich, aber der herr nimpt mich auf. ps. 27, 10; das grab meiner mutter. Wieland 8, 27;
und meine mutter ist in allen stücken
so accurat!
Göthe 12, 162;
die durch beifügung von adjectiven besondere herzliche beziehung empfangen: meine liebe mutter; unsre gute mutter; davon sie ihrer lieben mutter nichts mittheilen können? Göthe 10, 142; oder durch beifügung des titels frau ehrerbietig gewendet werden: ein bar guldne armbänder so er von seiner frau mutter empfangen. polit. stockf. 20;
was ihr euch, gelehrte, für geld nicht erwerbt,
das hab ich von meiner frau mutter geerbt.
Bürger 67ᵃ;
aber die possessiven fehlen gern, statt meine mutter, deine mutter, seine mutter u. s. w. heiszt es nur die mutter: die mutter ist krank; ist die mutter zu haus? fragt ein besuchender ein kind; er hat die mutter verloren; diese hat drei wackere und wolerzogene söhn, welche öfters mit nassen augen ansahen die grosze noht der armen mutter, und haben dessenthalben einhellig mit einander berahtschlaget, auf was mittel sie der betrangten mutter möchten zu hülf kommen. Abr. a S. Clara Judas 1, 107;
ja, vatter, dasselb ist wol war.
die mutter ist dir zgrosz und stark,
und ist dir auch ze resz und ark.
H. Sachs fastn. sp. 3, 114, 27;
es (das kind) war nach meines vaters tod geboren,
die mutter gaben wir verloren,
so elend, wie sie damals lag.
Göthe 12, 163;
auch mutter ohne artikel (vergl. dazu mütterchen):
dann und wann, wenns mutter ihm gebot,
die gänse aus dem garten jagen.
Wieland 18, 130,
vorher:
wenn die mutter ihn zur arbeit scheltend weckt;
mutter in der anrede der kinder, mit und ohne possessiva und kosende adjectiva: eya, muter, wolt ir nicht truwelos werde eime totlichin menschin, sol ich denne truwelos werde deme himelischin konige! mittheil. des düring.-sächs. alterth.-vereins 11, 394; ehe der knabe rufen kan, lieber vater, liebe mutter. Jes. 8, 4; die mutter habe gesagt, mein liebes kind, warum weinestu also? die tochter habe geantwortet, ach herzliebe mutter, sol ich nit weinen? Schuppius 813; o mutter — meine mutter, so redetet ihr sonst nicht. liebe mutter, seid gut! Göthe 8, 193;
nu sage mir, liebeʒ tohterlîn,
ist anders iht ergangen?
'neinâ, liebiu muoter mîn, des ich gemelden kunde.'
Neidhart 17, 29;
ach mutter, liebe mutter,
nun beut im zucht und er!
Uhland volksl. 336;
raach! o liebste mutter, raach!
Philander 1 (1642), 96;
nun seh ich auch noch dich, geliebte mutter,
auch dich voll kummers mit beschornem haupte
in diesem traurgewande — ach, wie elend
bin ich! wie unglückbringend, liebe mutter,
ist feindschaft zwischen kindern!
Schiller Phöniz. v. 351;
in verbindung mit dem titel frau, bei neueren alterthümelnd:
frau mutter, ich komm aus dem morgenland.
Arndt ged. (1840) 288;
herr vater, frau mutter, dasz gott euch behüt!
E. Geibel ges. werke 1, 49;
titelhaft für die mutter eines königs die königin mutter, vergl. königin 1, b, th. 5, 1702.
f)
in biblischer rede nennt einer seine geschwister seiner mutter kinder: sei ein herr über deine brüder, und deiner mutter kinder müssen dir zu fusze fallen. 1 Mos. 27, 29; und er hub seine augen auf, und sahe seinen bruder Benjamin seiner mutter son. 43, 29; du solt deiner schwester schambd, die deines vaters oder deiner mutter tochter ist, da heim oder drauszen geborn, nicht blöszen. 3 Mos. 18, 9; es sind meine brüder, meiner mutter söne gewest. richt. 8, 18; du sitzest und redest wider deinen bruder, deiner mutter son verleumbdestu. ps. 50, 20; meiner mutter kinder zürnen mit mir. hohel. 1, 6; sonst nicht gewöhnlich, im folgenden mit der absicht gebraucht, den brudernamen eines ehrbaren gegenüber einer unehrbaren schwester nicht zu betonen:
Gretchen heraustretend. wer liegt hier? volk. deiner mutter sohn.
Göthe 12, 196;
deutsch dagegen und mit neckischem beiklange ist meiner mutter sohn, meiner mutter tochter = ich; Gudrun spricht, als ihr das ofenheizen übertragen wird, mit einem anfluge von laune in ihrem kummer:
iedoch hât vil selten   mîner muoter tohter geschürt die brende.
Gudrun 997, 4;
und noch jetzt vielfach in gewöhnlicher scherzhafter rede: das war so etwas für meiner mutter sohn, hier konnte ich mich laben;
wohlfeiler als um einen derben schmatz
wird meiner mutter sohn sich nimmermehr ergeben.
Wieland 18, 157.
g)
mutter, die hausfrau, ohne bezug auf das verhältnis zu den kindern, vergl. hausmutter; in vielen gegenden ehrenbezeichnung in bäuerlichen und kleinbürgerlichen verhältnissen: in der Oberpfalz wird die gattin des hausvaters von sämtlichen hausgenossen und dienstboten mutter, wie er vatter genannt. Schm. 1, 1698 Fromm.; schles. mutter, für frau, gattin Weinhold 63ᵇ; in Leipzig meine mutter für ehefrau Albrecht 173ᵇ; niederd. moder, anrede des bauers an seine frau Dähnert 309ᵃ; in herbergen heiszt die gattin des besitzers oder verwalters mutter, vergl.herbergsmutter th. 4², 1064: du must den wirt herr vater, die wirtin frau mutter, die söhne und keller herr bruder, die töchter und mägde jungfer schwester heiszen. Schade vom deutschen handwerksleben s. 32 (weim. jahrb. bd. 4); vater Märten. mutter Marthe (beide in rechtlichen bauernkleidern). Göthe 11, 271;
mein mutter, so sag ich dir war,
dein man der wirt dich heint noch schlagen (zigeuner zu einer bäuerin).
H. Sachs fastn. sp. 1, 127, 96;
ach liebe mutter, ich kumb herein,
bit, lasz mich dir befolhen sein,
mit deiner milten hand und gab (fahrender schüler zur bäuerin).
2, 105, 17;
aber auch in gehobener rede:
sorgsam brachte die mutter (die wirtin zum löwen) des klaren herrlichen weines.
Göthe 40, 201;
ach, des hauses zarte bande
sind gelöst auf immerdar;
denn sie wohnt im schattenlande,
die des hauses mutter war.
Schiller glocke v. 261.
h)
diese bezeichnung übertragen auf ältere ärmere weiber, auch die einem haushalte nicht vorstehen, in niedrig traulicher rede: do was zu Iwenheim ein wittewe geseʒʒin, .. di was an daʒ felt gegangen mit iren nackeburen unde wolden flachs roufe. nu hatte si ein kindichin von dren jaren, daʒ liʒ si da heime und bevalchʒ einer aldin frouwen, di was wol halp blint. do sleich daʒ kint uʒ dem huse, daʒ sin di alde gute muter ni gewar wart. Ködiz 97, 32; liebe mutter, antwortet der Zuckerbastel (einem alten weibe), jr dörft diszfals nit schwören. Winckelfelder 302;
he mutter, seid so gut, schreit Scherasmin sie an,
und weiset uns den weg zu einem han.
Wieland 22, 165 (Oberon 4, 36);
in zusammensetzungen, wie muhme 2 und 3, sp. 2646, von wärterinnen und helferinnen: vergl. bademutter, bienenmutter, gastmutter, hebemutter, käsemutter, kindermutter, viehmutter u. a.; niederd. de wise moder, die hebamme Dähnert 309ᵇ.
i)
mutter endlich auch titel für vorsteherinnen geistlicher stifte: die oberin eines ordenshauses, eines klosters wird frau mutter, hochwürdige frau mutter angeredet; mutter, in den klöstern die äbtissin u. dergl. Frisch 1, 679ᶜ; die wirdig mueter, vorsteherin in nonnenklöstern Schm. 1, 1698 Fromm.
3)
mutter, gottes mutter, von der mutter Christi: (die magier) giengen in das haus, und funden das kindlin mit Maria seiner mutter. Matth. 2, 11; wo das nicht sein solt (nämlich Christus gott), so were sie nicht theotocos, gottes mutter zu nennen. Luther 8, 133ᵃ; dô sanctus Dyonîsius bekart wart von sancto Paulo, dô wîsete her in zû der mûter unses herren Jesu Kristi. d. myst. 1, 218, 36; so recht, ihr herren, so musz man die mutter gottes ehren. Simpl. 3, 315 Kurz; für deine wohlthätigkeit belohnt dich die mutter gottes durch mich. Göthe 8, 9;
den ersten schrai und den sie liesz:
hilf gottes muͦter, du junkfraw süsz!
Uhland volksl. 149;
o Maria, gottes muͦter,
behüt mir die tochter mein!
199;
Maria, mein beschirmerin,
du mutter gots und junkfraw zart.
836;
steht und hört für allen dingen
gottes mutter frölich singen
bei dem kripplein ihres sohns.
P. Gerhard 313, 5;
mutter gottes auch das muttergottesbild: die mutter gottes zu Einsideln, die mutter gottes in Mariazell u. s. w., auch zusammengerückt muttergottes geschrieben:
die mutter-gottes zu Kevlaar
trägt heut ihr bestes kleid.
H. Heine 15, 196;
für mutter gottes blosz mutter:
wer mag zweifeln, wer mag denken,
kämpfen wir mit diesem bilde,
dasz die ewge mutter milde
samt dem sohn nicht sieg wird schenken?
Tieck Octavian. 397;
selber die kirche, die göttliche, stellt nicht
schöneres dar auf dem himmlischen thron;
höheres bildet
selber die kunst nicht, die göttlich geborne,
als die mutter mit ihrem sohn.
Schiller braut von Messina v. 276;
hart am pfad in einer blende
steht die mutter mit dem kinde.
Freiligrath dicht. 1, 7.
4)
dem teufel wird eine mutter zugetheilt: es mag aber der teufel oder sein mutter solche hindernis angericht haben. Luther 5, 40ᵇ; den wollen wir weder hören noch sehen, es sei bapst oder keiser, teufel oder seine mutter. 300ᵃ; das thue, oder dazu schweige der teufel und seine mutter, ich nicht. 8, 179ᵃ; wie mancher kahler schropper aber ist, der zweimalsoviel im kasten hat, und ist niemand damit gedient als dem teufel und seiner mutter. Schuppius 113. vgl. unter groszmutter. witzwort, welches auf einen im kloster Ebrach nebst seiner mutter begrabenen Hans Teufel zielt: in dem closter Ebrach liegt der teufel und seine mutter begraben. Pistorius thes. par. 4, 12.
5)
mutter, den bezug auf familie und haushalt verwischend, und nur auf empfangen und gebären sich beziehend; es heiszt eine zur mutter machen, mutter werden, sich mutter fühlen (sich schwanger fühlen), u. ähnl.:
nun geht hin jungfraw braut, legt diesen nahmen nider,
geht nun ein jungfraw hin, und kompt ein mutter wider.
Kirchner bei Opitz (1624) 188;
was geht der die mutter an,
die selbst mutter werden kann?
Lessing 1, 73;
o weh mir, dasz du mich zur mutter gemacht,
bevor du mich machtest zum weibe!
Bürger 61ᵇ;
erst ward
ich mutter, die nicht mutter werden sollte,
drauf ehlichte zur unglückselgen stunde
dein vater Oedipus mich.
Schiller Phöniz. v. 362;
und ich ward mutter einer tochter;
der vater aber gab den grausamen
befehl, die neugeborene alsbald
ins meer zu werfen.
braut von Messina v. 1324;
als ich mich mutter fühlte dieser tochter.
v. 2336.
6)
mutter, in erweitertem sinne, eine ahne, vorfahrin, ahnmutter: und Adam hiesz sein weib Heva, darumb das sie eine mutter ist aller lebendigen. 1 Mos. 3, 20; eure ahnen haben den meinigen die schleppe getragen. meine väter fochten die schlachten des staats. meine mütter waren muster der Genueserinnen. Schiller Fiesko 1, 11. vgl. auch erzmutter.
7)
mutter von der, die mutterstelle vertritt, stiefmutter, pflegemutter; stiefmutter heiszt auch die zweite mutter; newe muͦter, stiefmuͦter, noverca Dasyp.;
und meine neue mutter — hat sie mir
nicht meines vaters liebe schon gekostet?
Schiller don Carlos 1, 1.
8)
mutter, die die tugenden einer mutter, namentlich die fürsorge einer solchen ausübt: die fürstin, die mutter ihres volkes; vergl.landesmutter; muter der weisen, orphanotrisica. voc. inc. theut. o 3ᵃ; es gebrach, an bauren gebrachs in Israel, bis das ich Debora aufkam, bis ich aufkam eine mutter in Israel. richt. 5, 7; es heiszt von einer treuen pflegerin und hüterin, sie war ihm eine zweite mutter (vgl. dazu 7); einem mutter sein, werden, in diesem sinne selbst von männern: o das herzog George, der hochgelerte man, solcher heiligen patron und mutter worden ist. Luther 6, 24ᵇ; alle mädchen in der umgegend verliebten sich in seine buben, alle kleine jungen waren in seine mädchen vernarrt; und wer zu alt zum verlieben und vernarren war, hatte er die kinder kaum etliche stunden um sich, so wars ihm schon als ob er ihnen vater und mutter sei. Wieland 8, 30;
geh (tochter) an der hand des jünglings, welcher von nun an
vater und mutter dir ist!
Voss Luise 3, 1, 363;
Hektor, o du bist jetzo mir vater und liebende mutter,
auch mein bruder allein, o du mein blühender gatte!
Ilias 6, 429;
die kirche wird eine mutter, eine mutter der gläubigen genannt, bei den katholiken unsere mutter, die heilige kirche; daʒ ist wider die gleichsner, die sich ê hailig machent, ê si sich geleichen unserr hailigen muoter der christenhait. Megenberg 170, 33;
(ich) frag auf gewissen dich in seinem namen,
warum du unsre heilge mutter kirche
so störrig niedertrittst?
Shakesp. könig Johann 3, 1.
9)
mutter, darstellerin einer mutter, im schauspiel bezeichnung eines rollenfachs: man hat dort (in Mannheim) nun ein schönes neues theater; aber noch keine acteurs. man sucht besonders einen vater, eine mutter, einen liebhaber, eine liebhaberin, einen bedienten und ein mädchen. Lessing 12, 472; madam Melina muszte, zu ihrem gröszten verdrusz, in das fach der jungen frauen, ja sogar der zärtlichen mütter übergehen. Göthe 18, 249.
10)
mutter, in bildern mancher art, von wesen, dingen und eigenschaften, die hervorbringen, nähren, schaffen.
a)
von einer jungfrau, als ursache von etwas:
si was ein muoter sîner nôt
und der figûren wîplich,
in die verwandelt hete sich
sîn vrecher lîp (Achilles) vil unverzagt ...
eʒ was ir schult und ir getât,
daʒ er sich wîplich schouwen lieʒ:
dâ von si wol ein muoter hieʒ
des bildes und des lebetagen
den er dur si begunde tragen.
troj. krieg 15654;
von einem manne, um ihn als ersten und gleichsam andere seiner art erst schaffend, zu zeichnen: (ich) befahl einem, denn (lies dem) ich sonderlich vertraut, und ihme nichts verhielt, der sich auch deucht aller reuther mutter sein, dasz er mir auch etlich pferd solt bewerben. Götz v. Berl. 103.
b)
von ländern: Egypten war die mutter der weltweisheit und der freien künste geworden. Lessing 3, 199; von Deutschland, gegenüber seinen landeskindern:
muszt darum du (Germanien ist angeredet) zum Wolgastrand
und Vandaliciens versengten beeden,
die kinder mit stiefmütterlicher hand
fortpeitschen, und der mutter haus veröden?
Gökingk 3, 123.
c)
von der erde: bis sie (die menschen) in die erden begraben werden, die unser aller mutter ist. Sir. 40, 1;
dieser monat (mai) ist ein kusz, den der himmel gibt der erde,
dasz sie jetzund seine braut, künftig eine mutter werde.
Logau 2, 85, 34;
sinke, du staubgebein,
zur erde, deiner mutter.
Hölty 84 Halm;
ja du bist schön und golden, mutter erde,
schön in deinen rosigen abendlocken.
Arndt ged. 3;
von der natur: die gute mutter natur jedes stückchen auf mir spielen zu lassen, das sie auf mir spielen will. Wieland 8, 9;
du muter aller dinge,
vergönne, dasz ich jetzt in dein geheimnis dringe,
dasz ich ein zeüge hier von deinen wundern sei.
Drollinger 68;
schön ist, mutter natur, deiner erfindung pracht
auf die fluren verstreut.
Klopstock 1, 69;
dir gab mutter natur aus der vergeudenden
urne männlichen schmuck.
Stolberg 1, 5,
dieser sprach: ich tadle nicht gern, was immer dem menschen
für unschädliche triebe die gute mutter natur gab.
Göthe 40, 237;
von der sonne:
geh aus deinem gezelt, mutter des tags, hervor,
und vergülde die wache welt!
Hölty 66 Halm;
heil dir, mutter des lichts!
ebenda;
von der nacht:
die mutter unsrer ruh, die arzney vieler sorgen,
die finstre nacht ist da.
Logau 1, 4, 7;
mutter holder dunkelheit,
nacht! vertraute süszer sorgen!
Uz 1, 149.
d)
von dingen und handlungen: weil denn solchs die biblia .. von jnen mus leiden, und aller ketzerei mutter und schützerin geschendet werden. Luther 6, 316ᵃ; gott walts ist aller bitt muͦtter. Agr. spr. 1ᵃ.
e)
von eigenschaften und zuständen: zum ersten mag die lieby genannt werden ein mutter der tugenden; darumb denn sie bewegt, tribt, manet, gebirt und wecket uf die andern tugenden. Keisersberg seelenpar. 1ᵃ; aller wind mutter ist allein die kälti. Paracelsus (1589) 8, 74; dasz der junge Tifan .. vor begierde brannte, dem elende seiner mitgeschöpfe abzuhelfen; einer begierde, die in gewissem sinne etwas romanhaftes hat, aber dem ungeachtet die leidenschaft groszer seelen und die mutter der schönsten thaten ist. Wieland 7, 177; vorsicht ist die mutter der sicherheit. 8, 402; dieser ewige zwang (der religion) muszte endlich die heuchelei, eine mutter so vieler laster, gebären. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 90; der augenblick ist unsre mutter und wie eine mutter laszt ihn uns lieben! 286; zuversicht ist die mutter groszer thaten. 8, 197;
wo wohnt so gern (als im walde) die feindinn banger schranken,
die einsamkeit, die mutter der gedanken?
Hagedorn 1, 71;
zur grotte, wo die schwermuth lauschet,
der betrachtung mutter.
Hölty 52 Halm;
einsamkeit, ... o sanfte mutter der weisheit!
Stolberg 1, 21;
unselge falschheit! mutter alles bösen!
Schiller Wallensteins tod 2, 7;
blitzesschnelle, adlerschwinge
däucht der liebe macht geringe;
grosze mutter aller dinge,
gerne trag ich deine schuld.
Arndt ged. 135;
lieb ist der frauen frühlingswind,
die mutter aller milden triebe.
368.
f)
mutter, in der sprache der geistlichen von mehreren mit einander vereinigten kirchgemeinden die älteste, wo der seelsorger seinen sitz hat, vergl. mutterkirche. rechtssprichwort: das filial gehört zu der mutter, ecclesia filialis sequitur matricem, i. e. filia ejus juris habetur, cujus est mater. Pistorius thes. par. 2, 54; auch in politischem sinne, vergl. muttergemeinde.
11)
mutter, bei thieren: muͦter, das ist weible darvon man junge zeücht, was geschlächt es joch seye, matrix. Maaler 295ᵈ; so soltu auch thun mit deinem ochsen und schafe, sieben tag las es bei seiner mutter sein, am achten tage, soltu mirs geben. 2 Mos. 22, 30; (du) solt das böcklin nicht kochen, dieweil es an seiner mutter milch ist. 23, 19; wenn du auf dem wege findest ein vogelnest ... mit jungen oder mit eiern, und das die mutter auf den jungen oder auf den eiern sitzt, so soltu nicht die mutter mit den jungen nemen, sondern solt die mutter fliegen lassen, und die jungen nemen. 5 Mos. 22, 7; man verschneidet die maulthierhängste noch unter der mutter (mulorum pulli sugentes castrantur). Kraus gestüttgarten bei Frisch 1, 679ᵇ;
oder leg für dein nebengast
ein stück davon du gessen hast,
und lang gekiffelt wie ein hundt,
sprich, da lantzman, das ist dir gsundt,
das brich ich ab von meinem mundt,
das gäb ein hundt seinr muͦtter nit (nicht einmal seiner mutter).
Grobian. Dᵃ (v. 792);
das lamm hüpft um die mutter her.
Herder z. litt. 3, 45;
küchlein, zahm wie die mutter, das perlhuhn.
Voss Luise 1, 11;
allda ruhten im neste des sperlings nackende kindlein
oben auf schwankendem ast und schmiegten sich unter den blättern,
acht, und die neunte war der vögelchen brütende mutter.
Ilias 2, 313;
ein bien, die des wachs mutter ist. Steinhöwel Esop (1569) 78ᵇ. vergl. mutterbiene, mutterhenne, mutterschaf, mutterschwein, mutterpferd u. a.; in weiterer ausdehnung des sinnes, von weiblichen thieren überhaupt, die mutter werden können und zur zucht aufgezogen werden, vergl. mutterfüllen, mutterkalb, mutterlamm. auch die redensart maus wie mutter gehört hierher oder ist hier angelehnt, s. sp. 1817; niederd. dats mûs as moem, de kater bits beid. korrespondenzblatt für niederd. sprachforschung 6, 40.
12)
mutter, bei pflanzen, der hauptstamm oder hauptstengel, wie lat. matrix: der paum (der feigenbaum) ist gesträut mit weit gritenden esten und pletern, .. und so man die nidersten est peugt und si mit erden beschütt, sô pringent si ain neu gesläht umb die muoter. Megenberg 322, 6;
zwelf knöpfgen hatten sich (bei einer hyacinthe) mit künstlichem
geschicke
in einen knopf gedrängt, der fern von licht und tag,
wie eine fichtenfrucht, in seiner muter lag.
Drollinger 68;
und selbst bei gestein, ein hauptstock, vergl. mutterklippe.
13)
mutter, bergmännisch, der gang, der leiblich und erzbildend gedacht wird (vergl.gang II, 3, th. 4¹, sp. 1228 fg.): da nun die minerischen kräfte im gang als in irer mutter zusamen komen. Mathes. Sar. 35ᵇ; in der steinkunde, die hülle um ein gestein: porphyr ... in kleinen stücken, die in dem granite, wie in der mutter eingeschlossen waren. Winkelmann 3, 131; dieser seltene stein (plasma di smeraldo) wird insgemein für die mutter des smaragds gehalten, das ist, die hülle, worin derselbe verschlossen liegen soll. 140; plasma di smeraldo. so nennen die Italiäner einen seltenen stein, welcher die mutter oder die äuszere rinde des smaragds ist. Lessing 11, 361; vergl. muttergestein; von perlen: bisz er ein muschel, darinn die berlin seind, finde. so er dann etwas berlin in der muͦter findet .. Frank weltb. 190ᵃ.
14)
mutter, im weiblichen menschlichen und thierischen körper der theil, der ein neues geschöpf empfängt und bis zur geburt ausbildet, matrix, μήτρα; eine ältere deutung des ausdrucks s. untergebärmutter th. 4¹, 1651: matrix, muter, muter der vrawen, permuter Dief. 351ᶜ; das wörtlin (mutter) im latein matrix oder uterus (in ps. 109, 3 der vulg.), heiszt hie nicht ein ganz persönliche mutter, als ein weib mutter heiszt, sondern, das, da die frucht in mutter leib empfangen, und bis zu der geburt erneeret wird. Luther 1, 94ᵃ; also ist auch Christus komen, aus der mutter, die in der junkfrawen Marien leibe ist. 8, 133ᵃ; heilige mir alle erstgeburt, die allerlei mutter bricht bei den kindern Israel, beide unter den menschen und dem vieh. 2 Mos. 13, 2; für alle erstegeburt, die da mutter brechen unter den kindern Israel. 4 Mos. 3, 12; sol ich ander lassen die mutter brechen, und selbs nicht auch geberen, spricht der herr? Jes. 66, 9; die jr von mir im leibe getragen werdet, und mir in der mutter ligt. 46, 3; drei ding sind nicht zu settigen, und das vierde spricht nicht, es ist gnug: die hell, der frawen verschlossen mutter, die erde wird nicht wassers sat, und das fewr spricht nicht, es ist gnug. spr. Sal. 30, 16; der dampf von dem gesottenen kraut, so ein weib sich darüber setzet und denselben durch ein rohr zu sich in die mutter empfähet. Tabernaemont. 339; das geschlecht der weiber ist diszem unfall fast underwürflich, so sich die muͦter in inen umbkert, und wenn sie widerumb ufgerichtet würt, so kumpt inen das leben wider. Eppendorff Plinius 7, 40 s. 32; das umkehren oder steigen der mutter veranlaszt die beschwerden der mutter (vergl.mutterbeschwerde), welche auch schlechthin mutter genannt werden. Schm. 1, 1699 Fromm.; auch das anstoszen der mutter:
wenn mich die muͦter stoszet an,
so luͦg ich, dasz ich win mög han,
das dunkt mich sin die best arzny (spricht ein bauernweib).
Manuel 364, 2486 Bächtold.
15)
ähnliche beschwerden beim manne, kolik, wird nun übertragen mutter genannt (Schm. a. a. o.), man dachte sich auch hier die mutter sich hebend, aufsteigend, grimmend: colica, grimme muͤter, hebmueter, die kalthefmuter Dief. 131ᵇ; colica, grymme müter in dem libe. nov. gloss. 100ᵃ; niederl. moeder und moederwee, colicus dolor, colica passio, coli intestini morbus Kilian; colica, darmgicht, die muter, grimmen, nabelbor, das lang übel. Fischart podagram. trostbüchlin (1577) F 3ᵇ; uteri suffocatio, aufsteigen der mutter. Würtz wundarzn. 27; und daher vom innern des unterleibes:
die neundte lehr ist auch nicht schad,
wenn man heim kommet ausz dem bad,
dasz sich ein mann ganz warm halt,
dasz jhm die mutter nicht erkalt.
H. Sachs 4, 3, 77ᵃ;
man rühme, wie man will, den abgeschmackten thee,
gnug, dasz ich nach coffe gelüste,
der hilft dem vater auf und stärkt die schwache mutter.
Stoppe Parnass 206,
was hier ganz körperlich gemeint ist.
16)
mutter, von dingen, in die andere eingreifen, vergl. auchmütterlein. ein verdunkelter bildlicher ausdruck, der durch nr. 14 und die alte glosse vulva muater Steinmeyer-Sievers 1, 294, 21 beleuchtet wird.
a)
der hohlraum, in welchem eine schraube geht: ein schraubengewinde .. wird in eine mutter nicht passen. Kant 3, 120.
b)
öffnung, worin die klinke eines thürschlosses sitzt: die feder war in dem alten verrosteten schlosse längst unthätig geworden und die klinke gab nur wiederholtem und gewaltsamem drücken nach, bei welchem sie aber nicht selten aus der mutter fuhr und dem klinkenden in der hand sitzen blieb. Immermann Münchh. 1, 50.
c)
bei den feuerwerkern heiszt mutter der untere hohle raum eines raketen- oder schwärmerstocks. Frisch 1, 679ᶜ.
d)
bei den schriftgieszern mutter, schriftmutter, die matrize.
17)
mutter, die hefe eines gährenden getränkes, ist nur hier angelehnt: 'allein ich trag sorg ... ob mir der trunk (wein) nit etwan schaden bringen möchte?' welches scrupl ihr aber die Schusterbärbl mit dem bename, dasz sies vergwiszt, das es kein newer, noch ob der mutter liegender, sondern ein guter alter vergörner gewesen. Winckelfelder 304; der herr soll auch nicht zugeben, dasz der bräumeister vor die mutter oder hefen, die vässer wieder aufzufüllen, grosze und über eimervässige vässer den küffer machen lasse. Hohberg 3, 1, 72ᵃ; niederd. de wien ligt nog up de moder, der wein ist noch nicht von den hefen abgezapfet. brem. wb. 3, 172. Dähnert 309ᵇ; mutter auch das dicke so sich in einigen säften setzt, crassamentum, fœx. Frisch 1, 679ᶜ; die niederl. form moeder i. modder, fœx Kilian zeigt die umdeutung des wortes und dasz es eigentlich der reihe zufällt, die unter mott sp. 2600 und unter moder sp. 2442 fg. aufgeführt ist. die bedeutung kot, wust, die dort für die oberdeutsche form motter nachgewiesen, hat auch das nach geschlecht und laut umgeformte oberdeutsche muͦtter, mutter bewahrt: und lassen (mütter ihr kind) also ligen in seiner mutter und kadt. S. Frank weltb. 206ᵇ; blib der maulwurf in seiner muͦtter, und füre nit ausz seiner hüt (lies hül), so blib er sicher, im liecht setzt jm jederman zuͦ. sprichw. 2, 100ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2804, Z. 32.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
mückendreck
Zitationshilfe
„mütter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCtter>, abgerufen am 08.05.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)