Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mütterchen, n.

mütterchen, n.
matercula; in traulicher oder zärtlicher rede für mutter, neben mütterlein (s. d.): mütterlein, müttrigen, matercula Frisch 1, 679ᶜ; in kosender anrede der kinder: mütterchen, erlaube mir das!; mütterchen, gieb mir von diesem!;
schnell zur mama nun wandte das wort die blühende jungfrau:
mütterchen, denke daran, mein ehrlicher Hans und die jungfern
sind heut gäste bei mir.
Voss Luise 3, 1, 583;
auch des vaters:
komm her, mein mütterchen, dasz ich dich küsse!
sprachs und zog sie heran; und das mütterchen folgete willig.
1, 90;
sowie einer, die die angeredete als mutter ehrt:
und die gepriesene gräfin Amalia sagte dagegen:
eya, wüszten wir das, mein mütterchen!
2, 437;
in der erzählung, ohne artikel (vergl.mutter 2, e):
dein liebes
väterchen musz sich ja freun, und mütterchen, dasz du so schön bist!
3, 1, 291;
mütterchen streut noch das korn, das büblein klatscht in die hände.
Arndt ged. 162;
mütterchen, hausfrau (vergl.mutter 2, g):
nie scheint sonne dahin (spricht der wirt zum löwen), nie dringet wärmere luft dort
durch die stärkeren mauern, und mütterchen bringt uns ein gläschen
drei und achtziger her, damit wir die grillen vertreiben.
Göthe 40, 241;
auch von einem das haus leitenden mädchen:
Lucinde, du? ein frohes mädchen,
vom morgen bis zur nacht geschäftig, munter,
das mütterchen des hauses.
10, 208;
mütterchen, von einer älteren frau, spöttelnd: wir liebten einander als junge leute recht herzlich; wir wurden getrennt: du von mir, weil dein vater .. dich mit einer ziemlich älteren reichen frau verband ... wir wurden wieder frei; du früher, indem dich dein mütterchen im besitz eines groszen vermögens liesz. Göthe 17, 9; von solchen niederen standes (vergl.mutter 2, h): das blödeste alte mütterchen in Abdera war nicht leichtgläubiger als er. Wieland 20, 219; wickelkinder, die ihre laken vergolden, eingeschnurrte mütterchen, die ihnen die mücken wehrten. Schiller räuber 2, 3; wie das gute mütterchen an der ersten station bettelnd so lange verharrt und gespart, bis sie, dieselbe herzustellen, maurer, tüncher, mahler und vergolder zu bezahlen im stande gewesen. Göthe 51, 161; hier, mütterchen, setz dich! (Rosalie zur alten Brigitte). H. v. Kleist Käthchen von Heilbronn 2, 9; sie erfrugen von einem mütterchen am entgegengesetzten stadtthor den weg nach dem schlosse. Freytag handschr. 1, 63;
ein altes mütterchen, das an den zäunen kroch.
Lichtwer fabeln 3, 4;
da kam des wegs von ungefähr
an ihrem stab ein mütterchen gegangen,
mit grauem haar und längst verwelkten wangen.
Wieland 22, 165 (Oberon 4, 36);
durchspähte die prinzessin die gemächer
der alten burg, und fand ein mütterchen,
das eben spann in einem bodenstübchen.
Platen 186;
von einem schwatzenden manne: sie begehen folglich einen schnitzer, wann sie nach ihrer art recht witzig sein wollen, und im tone der alten weiber sagen: es war einmal ein mann, der hiesz Priscus, und bekam den zunamen Cato. nein, mein altes mütterchen, das ist falsch. Lessing 3, 423 (an S. G. Lange). Mitteldeutsch in gewöhnlicher rede ohne umlaut mutterchen, so hessisch, düringisch, obersächsisch; mutterchen, hab euch nen strausz gemacht (Schmerzenreich zu Genovefa). Fr. Müller 3, 336.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2814, Z. 58.

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Zitationshilfe
„mütterchen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCtterchen>, abgerufen am 08.05.2021.

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