Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mutze, f.

mutze, f.
nebenform für das masc. mutz, besonders in der bedeutung 4: mutze, mutz, feminal, vulva Schm. 1, 1706 Fromm. (mit mehreren belegen aus dem 15. jahrh.); die mutz, vulva, im sächsischen und westfälischen Hessen mutt Vilmar 278. man musz auch gedehnt mûze gesprochen haben, worauf die form mauze sp. 1836 weist. vergl. futze th. 4¹, 1102. in Baiern ist die mutz und die mutzen, neben der mutz und der mutzen, die katze. Schm. a. a. o., was nicht hierher, sondern zu mieze 2, sp. 2183 gehört.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2838, Z. 71.

mutze, f.

mutze, f.
eine art feinen backwerks, nebenform zu mutsche, vergl. sp. 2802.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2838, Z. 80.

mütze, f.

mütze, f.
die kopfbedeckung.
1)
das mittellatein. almucium, almucia, aumucia, mit nebenformen armutia, amicia, und dem dim. almucella bezeichnete eine geistliche kopftracht, die zugleich die schultern mit bedeckte, und wird seit dem 11. jahrh. in spanischen, italiänischen und französischen quellen erwähnt (vergl. Du Cange ausg. von 1883 1, s. 191ᵇ fgg.). da die kopftracht keine liturgische war, sondern zu den willkürlichen paramenten gehörte, so gieng sie auf vornehme laien über (ebenda). der name hat arabischen klang, und sein frühes vorkommen in Spanien könnte auf solche herkunft deuten; doch wird sie bezweifelt (Diez wb. der roman. spr. 1, 17). im deutschen kommt das wort vor als neutr. almutz, aremutz, seit nachweisbar dem 13. jahrh., als tracht der geistlichen wie auch modischer leute: mitra, almucz Dief. nov. gloss. 254ᵇ;
dô wâren die kalwen vil unwert.
durch einen glimpflîchen nutz
gedâhte man der almutz.
altd. beispiel bei Haupt 7, 375, 22;
swer niht kluoge gürtel treit,
und ein niuwesliffen kipfelklingen,
und ein vêheʒ aremuz ûf sînem hâr,
der hât vierteil kornes nie gewunnen.
minnes. 3, 220ᵃ Hagen;
mnd. malmuse, chorkappe Schiller-Lübben 3, 16; mnl. almutse, amutse, almuys (neben mutse) amiculum pelliceum, amictus, noëgœum, pallium pelliceum, quo sacrificus caput humerosque tegit. Kilian; und hat sich im 15. jahrh. zu mütze und nebenformen gekürzt: almucium ein mycze, myezz, mutz, mutse, en muzeke also de domheren hebbet Dief. 25ᵇ; mitra, mutsche, mutz, mutze, musse, musche, mocze 364ᵇ; mitra, mütze nov. gloss. 254ᵇ; als allgemein gewordene weltliche tracht bezeichnet sie dasselbe was kappe oder haube: mutzen, vulg. hauben, mitra. voc. inc. theut. o 3ᵇ; wie auch die beiden genannten gleichbedeutenden worte einflusz auf den wechsel des geschlechts vom neutr. zum fem. haben. doch ist mütze nicht überall volksmäsziger ausdruck geworden, namentlich in Baiern (vergl. Schmeller 1, 1708 Fromm.) und in Alemannien nicht, wo haube oder kappe noch immer gelten. das alemann. masc. mutz, weibliche kopfbedeckung wird nicht hierher gehören, vergl. mutz 2, b a. e.
2)
mütze in der tracht beider geschlechter: mütz, fem. pileus, bonnet, galerus Schottel 1367; eine mütze aufsetzen, mitram imponere, eine mütze tragen, mitram gerere Steinbach 2, 95; als männliche kopftracht nunmehr unterschieden von haube: die männlichen figuren ... haben den kopf entweder mit einer haube oder mütze bedecket. Winkelmann 3, 97; verschieden nach stoff und form: rauche mütze, cudo, penula pellita. Stieler 1315; sammete mütze, mitra holoserica. 1316; marderne mütze, mitra martis pelle fimbriata. ebenda; vergl. auchpelzmütze, ↗tuchmütze, fuchsmütze; tracht verschiedener stände, vergl. herzogsmütze, doctormütze, studentenmütze, schülermütze, soldatenmütze, schiffermütze u. s. w.; zu verschiedenen zwecken: reisemütze, nachtmütze, schlafmütze; warumb ziehen sie andere kleider an, und setzen alte mützen auf? Chr. Weise erzn. 158 Braune; der kanzler und die staatssecretaire sollten ihm sehr weit entgegen kommen, mit der herzoglichen müzze. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 151;
hier in der mitte, mit der heilgen mütze,
sah man den erzbischof von Arras stehn.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.;
hurtig, den schlafrock her, den festlichen neuen von damast;
auch die mütze von feinem battist! denn ich musz ja geschmückt sein!
Voss Luise 2, 83;
sah ich, ein graus geleite,
den henker wartend stehn;
er stand in rother mütze,
im scharlachrothen rock.
Freiligrath dicht. 1, 58;
mütze des narren, des hanswursts, vergl. narrenmütze, schellenmütze: Lapus. amme, du hast einen kranz verdient. Musca. eine zugespitzte mütze wil der herr sagen. A. Gryphius (1698) 1, 949;
solch thier man einen narren heiszt;
gevatter, wer dazu geboren,
trägt an der mütze eselsohren,
und auch ein langes kleid mit schellen.
Tieck Octavian. 370;
hanswurst schaut über die bude heraus,
und winkt mit der klingenden mütze.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 240;
mütze, weibliche kopfbedeckung: dagegen verbilden sich die weiber (am groszen Brenner) durch weisze, baumwollene, zottige, sehr weite mützen, als wären es unförmliche mannsnachtmützen. Göthe 27, 24; frau von Mirville. kommen sie, tante! sehen sie doch die schönen mützen an, die man mir gebracht hat. Schiller neffe als onkel 1, 12;
dynen rock lath besetten mit sammit!
mützen, kragen und schörteldock lath wesen wyt!
fastn. sp. 973, 13;
wär ich nur das fledermäuschen,
das um ihre mütze schwirrt!
Hölty 206 Halm.
3)
mütze in symbolen, bildern und redensarten. als zeichen der hochachtung wird die mütze abgenommen: bleibe ja bei der folie des Milano, denn vor der muszt du die mütze abnehmen. Göthe 34, 270; nun sagte Cajo, wenn dir das geräth, so will ich gern selbst die mütze abziehen. 271; die mütze schwingen, zum grusze und im jubel;
nur schlecht gesindel läszt sich sehn, und schwingt
uns zum verdriesze die zerlumpten mützen.
Schiller Tell 3, 3;
wer lässig ist zum abziehen derselben, von dem sagt man er hat sperlinge unter der mütze; unter der mütze nicht richtig sein, im kopfe verwirrt:
der mensch musz unter seiner mütze
nicht richtig sein, versetzt ein alter kan:
so etwas allenfalls begehrt man an der spitze
von dreimahl hundert tausend mann.
Wieland 22, 223 (Oberon 5, 59);
wie der hut (th. 4², 1979) zeichen der mannesherschaft in der ehe ist, so die mütze zeichen der unterordnung der frau; hat daher der mann die mütze auf, sie den hut, oder die hosen an, so steht er unter ihrem regiment: he wil sick de mütze nicht up setten laten, sondern den hodt beholden. Gryse wedewen spegel (1596) bei Schiller-Lübben 3, 142ᵃ;
he moeste vor my (der vater vor der mutter) duken als ein mus.
he hadde de mützen, ick de broek (hosen).
also do em, myn leve dochter, ock!
fastn. sp. 973, 6;
leve Alheit (sagt Henneke), thü vorth düsse broeck an!
so mach ick de mützen dragen.
976, 11;
du armer stümpfer und dudntopf,
die mutze hastu auf den kopf,
soltestu keins hunds mechtig sein,
es erleubts erst die frawe dein?
Stricker schlemmer (1584) E 2ᵇ;
eine mütze ward gefallenen jungfrauen aufgesetzt, die nicht mehr im haar gehen durften, vergl. Schiller-Lübben a. a. o.; gleicher mütze sein, ebenso geartet:
weil manche frau von gleicher mütze,
und so viel, als die magd oft nütze.
mägdelob 57;
wie eine mütze, als bezeichnung groszer leichtigkeit: ich hätte ihn wollen wegschieszen als eine mütze. Chr. Weise comöd. 180; eine formel der betheuerung: o bei meiner mütze! Hermes Soph. reise 6, 308.
4)
mütze, träger der mütze, im folgenden soldat der Östreicher:
aus sieben schanzen jagten wir
die mützen von dem bär.
Gleim 4, 20;
ein sturz auf sie, so sind sie fort,
die mützen von dem bär.
125.
vergl. dazu bärmütze.
5)
mütze, die haube eines falken:
ich hab 'nen falken! nimm die mütz mal ab,
du klausner, — dasz dich! wie so klug er schaut!
Tieck Octavian. 201.
6)
mütze, thurmhaube: nimm den thürmen die mütze, welche ihnen vor hundert jahren aufgesetzt wurde, und gieb ihnen die alten spitzen zurück. Freytag handschr. 1, 58.
7)
mütze, der zweite magen der widerkäuenden thiere, reticulum. Nemnich 4, 1142. vergl. haube.
8)
mütze, calyptra, das hütchen an moosen, auch mooskappe, mooshaube. Nemnich 2, 768.
9)
mütze, name verschiedener schnecken: patella barbara, mütze, patella chinensis, die sinesische mütze. Nemnich 4, 876; buccinum testiculus, die polnische mütze. 1, 706.
10)
die mütze des Hippokrates heiszt bei den wundärzten eine art verband; bei den hufschmieden ist die mütze eines eisnagels ein stück eisen mit einer in den kopf des nagels passenden vertiefung, das beim einschlagen desselben aufgesetzt wird; im neueren haushalt mütze ein wollenes gerät, das über ein gefäsz gestülpt wird, um das darin befindliche essen oder trinken warm zu halten; so kaffeemütze, theemütze.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2839, Z. 1.

mutzer, mützer, m.

mutzer, mützer, m.
oberdeutscher name für die spitzmaus: mützer, spitzmaus, sorex Dasyp.; mützer oder härmle, mus araneus, sorex Maaler 295ᵃ; ein mutzer, spitzmaus, sind etwas giftig, das auch die katzen darvon siech und schebig werden. Calepin. 1363; der mutzer, die spitzmaus, sorex. voc. von 1618 bei Schm. 1, 1706 Fromm.; schweiz. der müzer spitzmaus Seiler 215ᵇ (mützer und schmützer Stalder 2, 228. 337).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 15 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2843, Z. 7.

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Zitationshilfe
„mützer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/m%C3%BCtzer>, abgerufen am 08.05.2021.

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