Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

macher, mächer, m.

macher, mächer, m.
der da macht, etwas arbeitet oder schafft.
1)
die umgelautete form findet sich bei Luther und Alberus (und ist noch jetzt wetterauisch): gemacht ist alles. von wem? von einem mecher. Luther 8, 150ᵇ; bildmecher sculptor Alb. A 1ᵇ; salbenmecher D 1ᵃ; tuͦchmächer J 1ᵇ; blechmecher n 4ᵇ; sie hat sich nicht verbreitet.
2)
macher, bewirker, schöpfer: macher parator. voc. inc. theut. n 3ᵃ; plastes machir Dief. nov. gloss. 294ᵇ; macher, der etwas macht, factor Maaler 280ᶜ; sô tuot er noh malignos spiritus, die gentilium errorum auctores sint (die leiden tiefela, die dero heidenon irridin machara sint). Notker ps. 77 (Hattemer 2, 279ᵇ); der macher bistu (gott). Wackernagel pred. 101, 21; und das wort ist der arbeiter und macher der formungen in der auszgesprochenen weiszheit. J. Böhme de signatura rerum 4, 32; bei neueren mit beziehung auf griech. ποιητής: (sie) versuchten eben darum nicht, es zu erklären, weil sie es als unerklärbar fühlten: sie machten es, und stellten es dar — denen welche sehen können. diesz ist der karakter des dichters, des wahren machers. Wieland 25, 333; jeden der im stande ist seinen empfindungszustand in ein object zu legen, so dasz dieses object mich nöthigt, in jenen empfindungszustand überzugehen, folglich lebendig auf mich wirkt, heisze ich einen poeten, einen macher. Schiller an Göthe 784.
3)
macher in zusammensetzungen ist vielfach der bedeutung von machen I, 1, a (oben sp. 1364) angeschlossen, vergl. schuhmacher, hutmacher, kammacher, korbmacher, kleidermacher, mützenmacher, stellmacher, uhrmacher, windenmacher u. a. als handwerkerische bezeichnungen; in kalendermacher, spaszmacher waltet beziehung auf geschäftsmäsziges; in bezug auf geistige arbeit ist mit macher ein verächtlicher nebenbegriff verbunden, vgl. machen I, 1, e (oben sp. 1365): Hoppedizel hatte auszer ihm an einem nachmittag fünf leute bei sich, den gerichthalter Kolb, den flöszinspektor Peuschel, einen alten karmenmacher, einen hofzimmerfrotteur und einen hofjunker; denn was wird der leser nach zunamen dieses volks fragen? J. Paul uns. loge 1, 115; macher endlich nach machen I, 6 und 7 in bestellungmacher (J. Paul Qu. Fixl. 158), lärmmacher, berichtmacher, muthmacher u. a.
4)
macher, in der neueren sprache nach franz. faiseur gebraucht, der etwas ins werk setzt, einrichtet, mit dem nebensinne des versteckten und hinterlistigen: der eigentliche macher des ganzen handels war er; der wucherer hielt sich im hintergrunde, aber er hatte mehrere macher, die seine opfer umgarnten. vergl. mächler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1395, Z. 46.

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Zitationshilfe
„macher“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/macher>, abgerufen am 30.11.2021.

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