Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

madensack, m.

madensack, m.
der menschliche leib einem sack (s. d.) verglichen, den die maden nagen; ein im 16. jahrhundert emporgekommenes, ursprünglich wol nur geistliches kraftwort (vergl. auch kothsack): sie sehen keines andern armut oder noth an, sonder sie lugen allein wie ihr madensack erfült werde. Keisersbergs narrensch. von Höniger 339; ich hab nicht mehr zu verlieren, denn diesen armen madensack. Luther 3, 171ᵇ; sintemal ich doch weis, das die tyrannen, nichts denn den armen madensack, meinen leib, nemen können. 333ᵃ; mir köndte für meine person nicht bas geschehen, denn das mich die papisten freszen, zurissen, zubissen, oder wie sie mir sonst aus dem sündlichen, tödlichen madensack hülfen. 5, 280ᵈ; das er (der tod) doch den armen wanst und madensack auch nicht kan behalten. 6, 230ᵃ; gott helfe uns allen gleicher weise aus diesem sündlichen madensack zu faren. 350ᵇ; ob ich wol nicht weis, wie lang ich hie bin, oder wenn ich diesen madensack ablegen sol. 7, 59ᵃ; auch hat dieser arme mensch auf seinen sterblichen madensack .. so hoch und doch vergeblich gebauwet. Kirchhof wendunm. 32ᵃ; henkens alles (verwenden alles geld) an jhren stolzen madensack. wegkürzer 26; ja Ehrenhold, ihr habt gut reden; der madensack musz ernehret sein. Schuppius 505; wann ich meinte, nun hätte ich mich wieder in etwas erholet und meinem madensack ein tägliches auszkommen .. verschaffet. Simpl. 2, 267 Kurz; der Parysatis leiche aber lieszen sie aufs köstlichste einbalsamen, und setzten diesen stinkenden laster- und madensack mit unbeschreiblichen wehklagen in der königlichen gruft bei. Lohenstein Arm. 2, 113ᵃ; der tod kan nichts nehmen, als nur den madensack, darinnen das leben steckt. Butschky Patm. 43; für seinen leib, den elenden madensack, trug er ganz ungemeine sorgfalt. ehe eines weibes 133; ihre stiefmutter war noch über der stuckatur und appretur ihres madensacks und der evangelist war in ihrem ankleidezimmer als putz-meszhelfer und mitarbeiter. J. Paul Hesp. 3, 73; wenn ich behaupte, dasz die natur den madensack, meinen körper, weder durch verdienst des zeuges noch der naht und des schnitts besonders ausgezeichnet. lit. nachlasz 4, 64;
infall sein leib durch einen tod verdorben,
der madensack.
Neumark lustwäldchen 7;
für den träger eines solchen: sihe an, du elender dürftiger madensack, wer hat dich zum fürsten des volks gemacht? Luther 3, 133ᵇ; die jhren gottesdienst müssen einem madensack und stankbalg erzeigen. 5, 58ᵃ; wir armen madensäck und misthaufen. Wickram irr reitend bilger, vorr. A 4;
das wär ein schmach göttlicher majestat,
das ir ein armen madensack und unflat
weltind setzen glich nebend gott.
N. Manuel 160, 753 Bächtold;
doch lieben herren, saget nur:
meint ir dasz got im himelreich
euch armen madensecken weich?
Schade sat. u. pasqu. 1, 86, 232.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1427, Z. 76.

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Zitationshilfe
„madensack“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/madensack>, abgerufen am 04.12.2021.

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