Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mager, adj.

mager, adj.
fettlos, fleischlos. ahd. magar, macilentus, marcidus, mhd. mager; niederl. magher, maegher macer (Kilian); ags. mäger, engl. meagre; altnord. magr, schwed. dän. mager. dasz das in ganz auffallender weise an lat. macer (was sich im altfranz. als magre, neufr. als maigre, span. portug. ital. als magro fortsetzt) angeschlossene adjectiv ein altes, über mehrere deutsche dialecte verbreitetes lehnwort aus dem lateinischen sei, wird, im gegensatz zu früherer ansicht, welche urverwandtschaft vertrat, jetzt angenommen (vgl. Fick² 829); ohne dasz indes über bedingungen, umstände und gang dieser merkwürdigen entlehnung aufschlusz gegeben oder auch nur begründete vermutung gewagt werden könnte. mager steht
1)
von menschen und thieren: macilentus mager, magger Dief. 341ᶜ; mager, macer, macilentus. voc. inc. theut. n 3ᵇ; nach diesen sahe er ander sieben küe aus dem wasser aufsteigen, die waren heslich und mager, ... und die heslichen und magere fraszen die sieben schönen fette küe. 1 Mos. 41, 3. 4; ich wil richten zwisschen den fetten und magern schafen. Hes. 34, 20; meine knie sind schwach von fasten, und mein fleisch ist mager und hat kein fett. ps. 109, 24; sein fetter leib wird mager sein. Jes. 17, 4; wie bin ich aber so mager? 24, 16; warumb wirstu so mager du königes son von tage zu tage? 2 Sam. 13, 4; von liebe mager worden, attenuatus amore Maaler 282ᵃ; einer sprach: wie kompt es, wir leben und essen wol, und bleiben doch mager. Zinkgref apophth. 1, 377; er ist so mager, man möchte durch ihn hin sehen, macie pellucidus est. Stieler 1249; ich weisz, sie sind ganz das gegentheil von mir, ... sie sind zu korpulent und ich bin zu mager. H. Heine 2, 239;
sî (arbeitende frauen) wâren mager unde bleich,
sî liten grôʒen unrât
an dem lîbe und an der wât.
Iwein 6212;
ich bin von leib mager und gesund,
gelenk, thetig, hurtig und rund.
H. Sachs 3, 2, 72ᵃ;
bist doch so mager und so mat (spricht der wolf zum hunde),
als äszestu dich nimmer sat,
kanst dich vor onmacht kaum bewegen.
B. Waldis Esop 3, 93, 21;
die herd ist mager worden,
und ich bin nicht mehr ich (spricht der liebende schäfer).
Opitz 2, 190;
in verbindung mit dürr: mager und dürr, macer, gracilis, macilentus, exilis, exuccus, extenuatus Maaler 282ᵃ;
ich bin so dürr und mager worden.
H. Sachs fastn. sp. 1, 49, 367 Götze;
mein lieber herr, wer ist der selb
narr, so dürr, mager, blaich und gelb?
139, 184;
ach wie seit jhr so ungestalt,
mager, dürr, gelb und verblichen!
J. Ayrer 341ᵈ (1711, 10 Keller);
von persönlich aufgefasztem:
du (tod) bist von knochen nur und bleibest allzeit mager.
Chr. Weise erzn. 156 Braune;
der mond schwillt an und wird dann wieder mager.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 244;
namentlich persönlich dargestellten eigenschaften des menschen, die mit seiner magerkeit in verbindung gesetzt werden:
auch um den weisen schleicht, in unbewahrten stunden,
die unzufriedenheit, zerfleischt von hundert wunden,
die magre furie, die unersättlich wacht.
Uz 2, 27;
wer wird bei vollen flaschen
von Perserwein, dem geber froher lust,
die stirn in falten ziehn und magre grillen haschen?
Wieland 17, 47 (Idris 1, 66);
auch auszerhalb solcher persönlichen darstellung:
die milch (der ziegen) dient, auszer ihrer nahrung, zu einem heilsamen gebrauch
in magrer schwind- und lungensucht, sie ist ein mittel ohne gleichen.
Brockes 9, 300.
magere zeichen sind die letzteren 15 grad des widders, der stier und der löwe, weil sie nach den sterndeutern die körper mager machen. mathemat. lex. 1 (1747), 835.
2)
von speisen, zunächst dem als nahrung verwendeten fleische der thiere: ein magres stück fleisch; ein magrer braten; magenkranke sollen nicht das fette vom schinken essen, sondern nur das magre;
ein krût vil kleine gesniten;
veiʒt und mager, in bêden siten,
ein guot fleisch lac dâ bî.
Helmbrecht 868;
dann von gerichten, die nicht reichlich oder auch nicht gehörig mit fett geschmelzt sind:
o wer bei magerm kohl
in seiner hütte säsz und fühlte sich behäglich!
Wieland 18, 194;
glaubt, auch auf heidekraut schmeckt ruh der unschuld süsz,
und reiner flieszt das blut bei kohl und magern schoten.
23, 77 (Oberon 8, 10);
vom käse, der von abgerahmter milch bereitet ist, und von der milch (vgl. auch unten magerkäse): von der guten rahmigen milch, werden zwar bessere schwerere und zärtere käse, alleine sie gehen nicht gerne zusammen, und musz man also fleiszig drauf sehen, dasz man gerade das mittel treffe, und die milch weder zu fett, noch zu mager nehme. öcon. lex. 1151; an warmen und trockenen (orten aufbewahrt) werden die feuchten käse mager. ebenda; und endlich von der kost im allgemeinen, die des fettgehaltes entbehrt, wobei der sinn zugleich in den des kärglichen (unten 5) überschlägt:
natürlich schlummerten in seinem öden winkel
in solcher zeit und bei so magerer diät
die bösen lüste ein.
Wieland 18, 76;
lasz sehn, ob wir den tollwurm nicht
durch magre kost und arbeit zwingen.
Schiller Pegasus im joche;
und hier, an der moscheen thor, muszt ich,
ein bettler, flehen um die magre kost,
der theuern eltern leben zu erhalten.
Turandot 1, 1.
3)
von einem boden, der den früchten wenig nahrung liefert, wie lat. macrum solum, gegensatz fetter boden th. 3, 1570: was fur land sei, obs fett oder mager sei. 4 Mos. 13, 21;
die vom dorfe mist und schlamm einrafften,
selben bei des steines zier
um und um auf magern ackern schafften.
J. C. v. Gersdorff bei A. Gryphius (1698) 2, 497;
von der bestellung desselben:
die zeit erfordert schier die sens im gerstenfeld,
doch ist es viel zu dürr und mager noch bestellt.
ebenda 1, 603;
und von dem was darauf wächst: magres gras, eine magre weide, der boden bringt dem vieh nur magres futter; und die sieben mager ehern verschlungen die sieben dicke und volle ehern. 1 Mos. 41, 7.
4)
in technischer sprache: mager nennt man die mineralien, bei denen man durchs gefühl keine schlüpfrigkeit bemerkt. Jacobsson 6, 497ᵇ; magerer oder kurzer thon, der sich nicht gut kneten oder bilden läszt (im gegensatz zu fettem thon, der sehr zähe ist) 4, 395ᵇ; magerer formsand, der wenig thonhaltig ist; mageres erz, wenig haltendes: je tiefer die golderz brechen, je ermer und magerer sie werden. Mathes. Sar. 55ᵇ; magerer wein, wein von geringem stofflichen gehalt; bei den buchdruckern werden mager schriften, linien genannt, welche einen weniger kräftigen schnitt haben, im gegensatz zu den halbfetten und fetten schriften und linien; magere steine nennen die maurer solche, die zu sehr behauen sind, ihren platz nicht gehörig ausfüllen und zu grosze fugen lassen; mager bei den zimmerleuten ein zu dünnes band, ein zu dünner zapfen, den einschnitt oder das zapfenloch nicht genau ausfüllend; magere schlacken, solche von armen strengen kupfererzen ( Campe).
5)
mager, bildlich, von dingen verschiedener art, wobei die vorstellung des dürftigen und kärglichen hervortritt (vergl. den gegensatz fett th. 3, 1571): eine magere stelle, ein mageres amt, mageres einkommen, magerer lohn; feiste kuchen (küche), mager erb. Schottel 1136ᵃ; es ist besser einen mageren vertrag, als einen fetten sentenz zu erwarten. Butschky Patm. 134; ein magerer vergleich ist besser als ein fetter procesz. Simrock sprichw. 590; wollt ihr an der leute fenster mit einem bänkelsängerlied ein mageres almosen erpressen? Schiller räuber 1, 2; und warens doch nur hundert magere zechinen? Fiesko 1, 9; dieses magere geschenk der zeit. werke 740ᵃ; ein magerer lohn. Klinger 9, 201;
(ich) denke weiter in die welt,
nachdem der lohn vor meine lieder
im vaterlande mager fällt.
Günther 188;
zu euerm troste, liebe leute,
ward unser manuskript, in einem magern jahr,
wo andre nahrung selten war,
bedrängter klosterratten beute.
Wieland 21, 350;
eine magere gattung ze reden, genus sermonis aridum Maaler 282ᵃ; was thut also der poet? so wie er diesen namen mehr oder weniger verdient, wird ihm entweder die unwahrscheinlichkeit oder die magere kürze der gröszere mangel seines stückes scheinen. Lessing 7, 142; welche arbeit, der hymnus, da ich ihn jezt, auch in dem magern klavierauszuge, mit bedacht für mich gekostet und ausgesogen habe! Voss briefe 2, 190; die scene zwischen Hamlet und seiner mutter .. sah noch sehr mager aus, indem weder der geist noch sein gemahltes ebenbild dabei gegenwärtig war. Göthe 19, 193; so wurde denn doch der zeitvertreib etwas mager. 25, 109; es kann ein werk .. bei einzelnen vollkommenheiten ein mageres ganze darstellen. 33, 3; die kunst .. hatte sich schon seit zwei jahrhunderten von der magern steifheit jener byzantinischen schule losgesagt. 39, 91; jedoch würden beide bemühungen nur ein mageres interesse bewirken. 44, 114; wie das wahre, bei einer so getreuen genauen behandlung, so mager bleiben, ja werden kann, dasz es fast null wird. 54, 69; seine lehre ist mager, seinem unterricht fehlt ordnung. 75; ich theilte ihm viele neue züge von Fixlein mit, die aber in der zweiten auflage stehen, weil er mir sonst öffentlich vorwirft, ich hätte mein original mager portraitiert. J. Paul Qu. Fixlein 10; das mit gelben spitzen durchzogne grün und der magere halbschatten der skelettierten bäume (im spätherbst). biogr. belust. 1, 88; wie ich blos für sie (die leserinnen) nach jedem vorkapitel einige gefühlvolle ausschweife gemacht, welche wirklich am ende des buchs gesammelt stehen, um durch zusätze ernster art den magern band sowol zu verbrämen als zu verdicken. komet 1, xi; den .. in magerer einsamkeit nachdunkelnden anbeter der wissenschaft. leben Fibels 203;
das deutsche land ist arm, die sprache kan es sagen,
die jetzt so mager ist, dasz jhr man zu musz tragen
ausz Frankreich was sie darf und her vom Tiberstrom.
Logau 1, 64, 57.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1442, Z. 4.

mager, m.

mager, m.
1)
trockne flechten, eine hautkrankheit: der mager, kleine umbfrässende oder spitzige raud, impetigo. Maaler 282ᵃ; die kinder so den mager oder die megre haben, darmit gewaschen, wirdt diser böse scharpfe flusz gestilt. L. Thurneyszer beschreib. influent. wirk. 64; wird gelobt denen, so abnemmen, schwinden, mägern, den mager haben. Forer fischb. 193ᵇ. vgl. magerflechte.
2)
baumkrankheit, namentlich der äpfelbäume; auch wurm genannt. öcon. lex. 1480.
3)
mager, name des seefisches sciaena cirrosa, auch magerfisch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1444, Z. 30.

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Zitationshilfe
„mager“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mager>, abgerufen am 09.12.2021.

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