Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

magister, m.

magister, m.
bezeichnung einer lehrerwürde. das lat. wort hat eine zwiefache entlehnung ins deutsche erfahren, eine frühe, die mit umformung verbunden war (s. unten meister), und eine spätere, von den universitäten seit dem 15. jahrh. ausgehende, mit beibehaltung der gelehrten lateinischen form: magister liberalium artium wurde der in der artisten- (philosophischen) facultät zum range der lehrerschaft erhobene genannt; auch doctoren der theologie hieszen magistri: quia doctores in sacra theologia non dicuntur doctores, sed propter humilitatem et etiam sanctitatem, et propter differentiam nominantur seu appellantur magistri nostri, quia stant in fide catholica in loco domini nostri Jesu Christi qui est fons vite: sed Christus fuit nostrorum omnium magister: ergo ipsi appellantur magistri nostri, quia habent nos instruere in via veritatis. epistolae obsc. vir. s. 3 (1, 1); und mit bezug darauf:
wenn ich zu Cöln jetzt wer am Rhein,
da die magistri nostri sein.
B. Waldis Esop 3, 92, 82;
doch ist seit der reformation die bezeichnung auf angehörige der philosophischen facultät eingeschränkt. sie ward nach abschlusz der academischen studien als ein titel ertheilt, mit welchem das recht zur ausübung des lehramts an einer höheren schule in verbindung stand. magister, als gelehrtenwort, zunächst im lateinischen gewande: die collegaten, doctores und magistri waren ubel daran, mit der ganzen universitet. Ulensp. nr. 28, s. 38 Lappenb.; als Ulenspiegel nuͦn mit dem rector und etlichen magistri kam. 29, s. 41; bald, als vielgebrauchtes, auch im deutschen: creator, promotor, einer der magister oder doctor macht. Frischlin nomencl. 177; zum andern bin ich extraordinari hoffärtig gewesen, da ich zu Rostock magister wurde, und primum locum hatte. wann ich damals einen hoffärtigen kerl auf der straszen sahe, da dacht ich, du magst dir einbilden was du wilt, so bistu dennoch kein magister. o, wie spitzte ich die ohren, wann nach der promotion, bei dem angestellten convivio, mein promotor und groszer freund, der edle Petrus Lauremberg, ein glasz mit wein nahm, und sagte: salus herr magister. Schuppius 239;
(man soll bedenken) was eigentlich magister heiszt.
fürwahr, der grund-gelehrte tittel
bedeutet mehr als mancher denkt,
und ist anjetzt ein wohlfeil mittel,
das ungemeinen vortheil schenkt.
zum ersten schmückt disz wort den namen ..
herr F .. liesze gar zu seichte,
magister F .. klappt und klingt u. s. w.
Günther 522;
Johannes ist magister worden:
ich wünsch ihm bald verdienst und brot.
Drollinger 98;
heisze magister, heisze doctor gar,
und ziehe schon an die zehen jahr,
herauf, herab und quer und krumm
meine schüler an der nase herum.
Göthe 12, 29;
magister bezeichnet auch, und hier nicht mehr mit rücksicht auf eine academisch ertheilte würde, den schulmeister, selbst des dorfes (wie doctor für arzt schlechthin gebraucht wird):
der herr magister merkt schon was:
bring ich den decem hin,
so fragt er mich ohn unterlasz:
ob ich verplempert bin?
Hagedorn 3, 76;
behexte, wie das dorf erzählt,
die kühe des magisters.
Hölty 20 Halm;
sprichwörtlich:
kannst du nicht werden magister,
so bleib ein küster.
Simrock sprichw. 360.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1446, Z. 7.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
mannshoch
Zitationshilfe
„magister“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/magister>, abgerufen am 28.11.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)