Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mahlzeit, f.

mahlzeit, f.
zunächst die festgesetzte zeit eines gastmahls; diese bedeutung scheint zumeist noch durch in der verbindung einen zur mahlzeit laden: item man sol auch ainicherlei spillewt oder lotter zu ainicher hochzeit nit herein, noch zu der malzeit laden, noch da essen lassen. Nürnb. pol.-ordn. 79; gemeiniglich hat das wort die bedeutung eines essens zu einer regelmäszigen zeit (morgenmahlzeit, mittagsmahlzeit, abendmahlzeit) angenommen, wobei nur zum theil, wie bei mahl, an eine festliche bewirtung oder eine schmauserei gedacht wird: convivium malzyt, zerung Dief. 149ᵇ; maalzeit, ein köstlich herrlich maal. Maaler 277ᶜ; maalzeit von zesamen getragnem ässen, symbolum, ein eerlich maalzeit zuͦrüsten und opferen, pollucere. ebenda; malzeit, da mancherlei trachten sind, das einer nit weiszt, wölche er zum ersten söl angreifen, coena dubia. 282ᵇ; mahlzeit, convivium Kirsch cornuc.; da begieng Pharao seinen jartag, und er macht eine malzeit allen seinen knechten. 1 Mos. 40, 20; und sie namen einen brief, und schrieben die ehestiftung, und lobten gott, und hielten malzeit. Tob. 7, 17; gleich wie es on erbeit nicht zugehet, der eine malzeit zurichten und den gesten gütlich thun wil. 2 Macc. 2, 28; saget den gesten, sihe meine malzeit habe ich bereitet, meine ochsen und mein mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit, kompt zur hochzeit (zum feste). Matth. 22, 4; (in einer almosenrechnung steht) auf die gastereien 68. gulden. ei sprach Lazarus, ist dann disz letzte eben so wol ein allmusen? warumb nicht, sagte Stephanus, weil wir das ganze jahr mit einnahm und auszgab desz gelds occupirt sein, solte uns nicht viermal ja öfter ein mahlzeit anzustellen erlaubt sein? Schuppius 750;
min vatter hat vor grosz fest gmacht,
und in maalzyten heerlich gbracht.
trag. Joh. J 5;
während gewöhnlicher, und in den neuern quellen mehr und mehr, das blosze zu regelmäszigen zeiten einzunehmende essen unter mahlzeit verstanden wird, sei dasselbe auch das dürftigste: man spricht doch eine gute malzeit sei henkens wehrt. Kirchhof wendunm. 131ᵃ; sie machten bald bekandschaft, und beschlossen, die mahlzeit beisammen einzunehmen. Chr. Weise erzn. 15 Braune; der tisch bekümmert mich in Berlin am allerwenigsten. ich kan für 1 gr. 6 pf. eine starke mahlzeit thun. Lessing 12, 18; während ich mit aller eszlust eines menschen von meinem damahligen alter, der seit etlichen tagen nur sehr leichte mahlzeiten gethan hatte, dem gastmahl meiner freundlichen wirthin ehre machte. Wieland 27, 142; komm herauf, jammermann! thurmbewohner! deine mahlzeit ist bereitet (Hermann zum alten Moor). Schiller hist.-krit. ausg. 2, 304 (räuber trauersp. 4, 16); sehr oft muszte er sein leben an eine mahlzeit wagen. 4, 80; wildpret aller art war die malzeit. 78;
(sie) ersahn des amtmanns haus,
und baten, tiefgebücket,
sich eine mahlzeit aus.
Hölty 8 Halm;
Rüsteviel kommt und will euch bewirthen;
nach der mahlzeit bringt er ein schlückchen, es mag euch bekommen!
Göthe 40, 26;
trinken wir jetzt noch
kaffee hier? vornehme genieszen ihn gleich nach der mahlzeit.
Voss Luise 1, 65;
sprichwörtlich:
wer nicht kommt zu rechter zeit,
der ist seine malzeit queit.
Simrock sprichw. 361;
vor und nach dem essen wird gesegnete mahlzeit! prosit die mahlzeit! gewünscht, gekürzt jetzt oft auch nur mahlzeit!;
meine kinder, ich wünsch euch eine gesegnete mahlzeit.
Voss Luise 1, 56;
und solcher segenswunsch steht auch freier und ironisch, im sinne von nichts da, ganz und gar nicht: meinet ihr nun, er sei durch seinen schaden klug geworden? ja, gesegnete mahlzeit!;
ja, und diese achttausend pferd
die man nach Flandern jetzt begehrt,
sind von der armee nur der kleine finger.
läszt man sie ziehen: ihr tröstet euch,
wir seien um ein fünftel nur geringer?
prost mahlzeit! da fällt das ganze gleich.
Schiller Wallensteins lager, 11. auftr.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1459, Z. 73.

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Zitationshilfe
„mahlzeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mahlzeit>, abgerufen am 29.11.2021.

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