Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mahnen, verb.

mahnen, verb.
monere.
1)
ahd. manôn und manên, mhd. manen; alts. manôn, ags. manian, fries. monia; altnord. mana. seiner bildung nach ist das verbum, das sich mit lat. monêre nicht ganz genau vergleichen läszt, ein denominativ von einem der wurzel man denken entsprossenen stamm, der formell zunächst an sanskr. manas geist, muth, griech. μένος muth, zorn, rührte, und auch eine annähernd gleiche bedeutung haben muste; denn da die älteste nachweisbare bedeutung von mahnen die des antreibens, aufreizens ist, und die verbalform auf -ôn in dem ahd. alts. manôn auf den begriff des instrumentalen und des machens hinweist, so hiesz manôn eigentlich muth oder zorn machen. dem entsprechend sagt altnord. mana aus zum kampf oder streit ausfordern, reizen (Vigfusson 409ᵇ), was im schwed. mana till- auffordern, mana paͦ- antreiben, verblaszter erscheint, auch im dän. mane, was beschwören, einen geist citieren bedeutet; ags. manian instigare, incitare, cohortari (glossen bei Haupt 9, 416ᵃ), und ahd. manôn einmal auch suggerere (wie far-manôn das gegentheil vom anreizen, von sich weisen, verschmähen bezeichnet), eine bedeutung, die im mhd. antreiben (zu einem kampfe, einem unternehmen) noch unvergessen ist:
die besten drungen bie den vanen,
niemant durfte den anderen manen:
sie wâren alle gemanet wol.
livl. chron. 6038;
und die selbst im späten nhd. noch bisweilen hervortritt: Dumouriez nahm eine seitenstellung im süden von st. Menehould, und mahnte aus allen kräften den Kellermann, ihn dort zu finden. Dahlmann gesch. d. frz. rev. 456; beliebt war sie namentlich in bezug auf das pferd (vgl. dazu auch ermahnen th. 3, 909 fg.):
die Rûʒen manten sêre ir pfert
beide mit geiseln und mit sporn.
livl. chron. 2126;
und auch das noch nhd.: das pferd laszt yhn aufsitzen, alsdann manet er es aufzuͦstehen. Frank weltb. 94ᵇ;
mit den sporn er sein pfert mant.
Teuerdank 41, 34.
2)
gewöhnlicher ist seit der ahd. zeit mit mahuen der begriff des bloszen erinnerns an etwas zu leistendes verbunden, wobei selbst die darin liegende forderung zurücktreten kann (unten f); in mehrfacher fügung, mit persönlichem subject.
a)
absolut, einer mahnt, in bezug auf schuld oder pflicht: die kaufer sollen gewalt haben die burgen zu mahnen, zu hause oder zu hofe, .. mit ihn selber (persönlich) oder mit ihren botten. Haltaus 1302 (v. j. 1332); ich mahne sehr ungern, invitus debitores meos de nominibus appello. Stieler 1212; wer leihet, ist lieb, wer mahnt, ist ein dieb. ebenda; Merillo ermuntert sich zwar und merkt, dasz sie vor ihm stehet und ihn beschauet, jedoch aus furcht, von ihr gemahnet und gescholten zu werden, bleibt er ganz stille liegen, und fängt an zu schnarchen wie ein ratz. irrgarten der liebe 507; sie können wohl denken, dasz Civitella nicht mahnte (wegen bezahlung einer schuld). Schiller hist.-krit. ausg. 4, 343;
ich stehe bittend da,
ich schreit am Rheine mahnend auf und nieder.
Freiligrath dicht. 2, 143;
part. präs. als subst. der mahnende: und (es) gehet .. dem leiher wie dem borger, dem manenden wie dem schüldiger. Jes. 24, 2;
der kaiser hielt das väterliche erbe
dem ungeduldig mahnenden zurück.
Schiller Tell 5, 1.
b)
mit acc. der person, einen mahnen: er ist oft genug gemahnt worden, saepius admonitus est de debito. Stieler 1212; ist ihro f. gnaden schuldwesen aufgewacht dasz er also auf allen orten gemahnet ist worden. Schweinichen 1, 61; es mahnen ihn alle leute, omnes eum flagitant. Steinbach 2, 18; einen als den bürgen mahnen, aliquem ut sponsorem appellare. ebenda; auch die beszten schuldner werden schlimm, wenn man sie nicht mahnt, vel optima nomina non appellando fiunt mala. ebenda; (sie) mahnte die mägde noch einmal durch muntern zuruf. Freytag handschr. 1, 130;
leih deinem freund,
mahn deinen feind.
Simrock sprichw. 336;
in mehr verflüchtigtem sinne, an bloszes erinnern anstreifend:
noch ist ein groszer tag zurück, ein tag,
wo dieser heldensinn — ich will sie mahnen —
in einer schweren probe sinken wird.
Schiller don Carlos 1, 9.
c)
zugleich mit sächlichem genitiv: er mahnte mich meines versprechens, poscebat promissum meum. Steinbach 2, 18; was du dem freunde leihst, des mahnt der feind. Simrock spr. 336;
dort zur geräumigen stadt Lakedaimon ging Athenaia,
dasz sie den glänzenden sohn des hochbeherzten Odysseus
mahnte des vaterlands und ermunterte, wiederzukehren.
Odyss. 15, 3;
juristisch die schöppen zu manen des urtheils, requirere sententiam Haltaus 1303.
d)
mit persönlichem acc. und ortsangabe, einen wohin fordern: (es wurden zwei brüder) gefangen, welche auch beede in glübt genommen, und folgends zu Thomeneck selbs eigener person gemahnet wurden (sie sollten sich in Thomeneck stellen), aber sie blieben ausz. Götz v. Berl. 107; ist er von einem Zedlitz .. wegen einer summa geldes ins lager gemahnet worden. Schweinichen 1, 61;
sant derwegen aus mein trabanten,
das sie das volk zusammen manten.
Fischart flohhatz 1610 D 1ᵃ.
e)
einen mahnen wegen oder um etwas: einen wegen seiner zuesage mahnen, memoriam refricare promissorum Stieler 1212; einen um die zinse mahnen, de usura aliquem appellare Steinbach 218; globit (gelobt) ymant dem andir nicht, und stirbit der, der daʒ gelubde intpfangin hot, dy erben manen um irs vorvaren gelubde billich. Magdeb. blume 2, 2, 107; auch zu etwas: die genossen zum aufbruche mahnen;
er aber mahnte jede zu gebet;
denn vielen stand noch groszes weh bevor.
Bürger 172ᵃ;
f)
am gewöhnlichsten mahnen an etwas:
mein herr, jetzt selbst in noth und hart bedrängt,
musz mahnen an die schuld.
Shakesp. Timon v. Athen 2, 2;
in dieser verbindung tritt vielfach mehr das moment des erinnerns, als der gleichzeitig damit verbundenen forderung hervor: an ein ding manen, memoriam afferre. Maaler 282ᵈ; einen etwar an manen, eim etwas widerumb in gedächtnusz bringen, subjicere. 283ᵈ; einen widerumb an ein ding manen, reducere in memoriam. ebenda; etwaran mahnen und eingedenk machen, aliquem in memoriam alicujus inducere. ebenda; ich kann sie (die nachwelt) durch kein meisterstück an mich mahnen. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 582; republikaner aus ihrem schlaf aufzujagen, das rosz an seine hufen zu mahnen. Fiesko 4, 14;
so manches weib, das ihrem mann
von ganzem herzen zugethan,
sieht ihn mit hellen thränen an;
sie mahnt ihn an den ersten tag,
der ihren bund geschlossen.
Stolberg 1, 103;
es ist ein ehrenvolles amt, mein sohn, ...
mich deinen vater, der dir leben gab,
aus dankbarkeit nur an den tod zu mahnen.
Schiller hist.-krit. ausg. 5, 76 (don Carlos 2, 3).
g)
mahnen, mit abhängigem satze, das erinnern betonend: über ettlich jar nach dem ich uff ein mal usz den schuͦlen usz witten landen heim kam, ward der min gesell minen innen, kam zuͦ mier und manet mich, wie er mich do vom todt erlöszt hette ... wen ich priester wurde sölte ich sinen ingedenk sin. Th. Platter s. 9 Boos; eine forderung hervorhebend: Cybele sprach die Chariclia mit freundlichen worten an, mahnet sie, dasz sie jhr in dieser sachen behülflich were, denn es würde jnen beiden wol erschieszen. buch d. liebe 212ᶜ;
du aber eil, o Hektor, in die stadt,
und mahne unsre mutter, dasz sie stracks
versammle die matronen um sich her.
Bürger 170ᵃ;
mit infinitiv und zu: die schuldner manen ze bezalen, die schuld höuschen, interpellare debitorem Maaler 282ᵈ.
3)
mahnen mit sächlichem subject in der neueren sprache, dinge, gefühle mahnen: ich kann meinen eid nicht verletzen, der mich laut wie des himmels donner aus diesem brechenden auge mahnt! Schiller kab. u. liebe 2, 5; darum mahnt mich auch oft ein gefühl, dasz ich dies oder jenes dir zu lieb meiden soll. Bettine br. 1, 280;
als die gäste des mahls von dannen geschieden, weil Luna
halb die bedämmerte bahn der sonn erschritten, und schon die
westlich sinkenden sterne den müden des schlummers gemahnet.
Bürger 245ᵃ;
alle
verlorne stunden meiner jugend mahnen
mich laut wie ehrenschulden.
Schiller don Carlos 2, 2;
welch ein himmlisch angesicht
hebt süsz erröthend sich aus goldnen locken
und mahnt mich an die ferne kinderzeit!
Uhland ged. 178;
mit allgemeinem subject es:
sie haben nur in Spanien gesündigt;
in meinem Frankreich wischt man solche thränen
mit freuden ab. o, musz michs ewig mahnen!
Schiller don Carlos 1, 6;
der inf. substantivisch:
ein starkes innres mahnen
zieht mich zum forst zurücke.
Freiligrath dicht. 1, 115;
mahnen auf nicht mehr als eine vergleichung mit schon gesehenem oder gehörtem zielend:
götzenburg von rothem backstein,
seltsam mahnend an ägyptisch,
babylonisch und assyrisch
kolossale bauwerk-monstren,
die wir schauen auf den bildern
unsers Britten Henry Martin.
H. Heine 18, 86.
vgl. dazu gemahnen.
4)
mahnen, bei den jägern, flüchtiges wild durch einen pfiff, ruf oder ähnliches zum stutzen bringen; das thier (hirschkuh) mahnt, von ihrem geschrei nach der setzzeit.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1462, Z. 51.

mähnen, verb.

mähnen, verb.
zug- oder reitthiere treiben. ahd. mennan, mhd. menen, mennen, ein einst vielgebrauchtes, aus dem lat. übernommenes lehnwort, wo ein unclassisches minare vieh antreiben durch drohungen und andere mittel, bestand (Diez wb. d. rom. sprachen 1, 270); nhd. in abgang gekommen und nur noch landschaftlich erhalten: minare mennen, menen Dief. 361ᶜ; mänen, hortari, den zug mänen, agitare currum Maaler 281ᵇ; mänen, jumenta agitare Stieler 1208; mähnen, agere jumenta aratrum trahentia Frisch 1, 635ᵇ mit dem beisatze 'in Franken ist es noch gebräuchlich'; einem bueben, so mähnen und rosz hüeten kann. Schm. 1, 1614 Fromm. (v. j. 1654); jetzt noch alemannisch mennen, männen, mehnen, etwas auf einem schlitten, wagen führen, pferde, vieh ziehen machen, durch schreien oder prügeln antreiben Stalder 2, 207; schwäb. mänen die angespannten pferde antreiben, anmönen anspannen, gemönt angespannt Schmid 372; bair. fränk. menen treiben, führen, leiten, auch ziehen, führen Schm.; tirol. mênen, mönen, führen, leiten, besonders das zugvieh. Schöpf 432; in Unterkärnten und Steiermark mênen treiben, führen, leiten, namentlich das an den pflug gespannte zugvieh. Lexer 189; südböhm. meine, führen, leiten, namentlich das eingespannte zugvieh am pflug. Fromm. 6, 272; niederl. mennen, treiben. vgl. dazu oben mähne.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1464, Z. 69.

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Zitationshilfe
„mahnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mahnen>, abgerufen am 07.12.2021.

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