Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maid, f.

maid, f.
nebenform zu magd (sp. 1430), aus älterem maget durch vocalisierung des g schon früh entwickelt (die form meit im 12. jahrh., mhd. wb. 2, 1, 1ᵇ), und in den bedeutungen wie dieses.
1)
unverheiratete, jungfrau: alle varende habe, dy eine umbemannete frowe hot odir mait, dy undir nymandes vormuntschaft ist. Magdeb. blume 2, 2, 23; clagit mait odir witewe ubir iren vormunden vor gerichte. 51; meide und weip mussin vormunder habin. 163; mit betonung der jungfräulichkeit: dise hab ich empfangen zu eim weib, ich gieng ein zu ir und fand sie nit maid (non inveni virginem). bibel 1483 94ᵃ (5 Mos. 22, 14);
er war bereit,   thät an sein kleid,
thät auf die kammerthür,
liesz ein die maid,   die als ne maid
ging nimmer mehr herfür.
Hamlet 4, 5,
let in the maid, that out a maid
never departed more;
im weiteren sinne von personen beiderlei geschlechts, die ohne geschlechtsliebe sich halten:
(ein wort) spricht, daʒ nicht allain die mait
wesizent (besitzen) ewich sälichait,
es mag auch sein, daʒ gmähelt leut
wehalten werden mit der heut.
Ring 21ᵈ, 8.
2)
bezeichnung der jungfrau Maria:
Maria, gotts mutter, heilige maid (: freud),
du himmelische frawe.
Wackernagel kirchenlied 5, nr. 1526, 14;
o Maria, jungfraw, reine maid.
nr. 1530, 16;
Maria, du keusche reine maid (: scheid).
nr. 1568, 4.
3)
maid, dienende jungfrau, dienerin, magd: ein iglicher hauswirt .. mit seinen ehalten, knecht und maide. d. städtechron. 1, 374, 6; wie vil man und frawen, kinder, knecht und maid in seinem brot wern. 2, 300, 22;
es sei herrschaft, knecht oder meid.
H. Sachs fastn. sp. 1, 114, 432 Götze;
so hab ich sunst auch gnueg zw fechten
im haus mit maiden und mit knechten (spricht der bauer).
2, 31, 156;
ir meide, secht und räumt fein auf im hause,
und kert den unflat allen fein hinause,
das, wenn der herre kümt, ers sauber finde
und sech, das er nicht hab ein faul gesinde.
P. Rebhun Susanna 2, 3, v. 213;
eine demütige nennt sich gottes maid:
in nöten bist von uns nicht weit,
so errett und erlös dein meid,
die steckt in angst und groszem leid.
L. Kulman widtfraw 2, 4, v. 233 (Tittmann schausp. des 16. jahrh. 1, 137).
4)
die neuere dichtersprache, seit der 2. hälfte des vorigen jahrhunderts, hat maid wieder aufgenommen, im sinne von jungfrau, mit alterthümelndem und edlem klange; nur der singular ist gebräuchlich, gleichsam titelartig:
herr ritter, spricht die meyd,
an ort und stelle
wird eure herrlichkeit
mein maulthier tragen.
Wieland 18, 309;
da trat ihn an die schönste maid,
die je ein graf genosz.
Bürger 85ᵃ;
mit allem, was da reizend ist,
du süsze maid, steh auf!
ständchen in Cymbelin 2, 3,
with every thing that pretty is,
my lady sweet, arise;
du wunderliche maid! was träumst, was treibst du?
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 1, 2;
es war an einem sonntag früh,
drum hatt die feine maid
heut angethan mit sondrer müh,
zur kirche hinzugehen,
ihr allerbestes kleid.
Uhland ged. 236;
wen seh ich hier? die falsche maid,
ach, weiland, ach, die meine.
208;
da kam zu mir ein traumgebild,
die allerschönste maid.
H. Heine 15, 39;
beide glühen liebestrunken
für die adlig holde maid.
51;
da steht ne schlanke maid mit ihrem lieben.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 138;
ja, lieblich ist des berges maid
in ihrer festen glieder pracht.
235.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1472, Z. 12.

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Zitationshilfe
„maid“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maid>, abgerufen am 29.11.2021.

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