Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

makel, m. und f.

makel, m. und f.
macula; ein lehnwort aus dem lateinischen, das im späteren mhd. erscheint (von dem makel wil ich klagen. Frauenlop sprüche 26, 17) und seit dieser zeit sich sparsam ausbreitet; von alters her mit männlichem geschlecht (wol nach dem deutschen gleichbedeutenden fleck, mhd. vlec und vlecke), und erst in neuerer zeit, jedenfalls aus gelehrter erwägung, mit weiblichem: makel, fem. macula Frisch 1, 636ᶜ, weitere beispiele unten; Stieler 1217 gibt selbst das makel, macula, labes, was sich auch bei Herder findet: so war einmal doch das ketzer-makel auf ihn geworfen. z. litt. 6, 309 (wonach die stelle th. 5, 644 zu berichtigen). öfters vorkommende schreibung mit ck deutet darauf, dasz man auch den stammvocal kurz sprach, was jetzt nicht mehr geschieht: mackel oder maasz, labes, macula Maaler 280ᵈ; makkel, macula Schottel 1361. makel steht in eigentlicher, sinnlicher bedeutung: labes, fal, masz, mackel Dief. 313ᶜ; mackel, nota, notula, labes, labecula Dasyp.; die blätter der stendelwurz sind mit mackeln besprengt. Tabernaem. 1041; makel in der sonne, macula in disco solis. Frisch 1, 636ᶜ; ähnliche flecken oder mackeln, besonders in den künstlichen steinen. Lessing 8, 499; den gedanken, zeitlebens einen solchen makel (ein entstellendes augenübel) tragen zu müssen. Göthe 25, 308;
wärst du, der mich beruhigt wünscht, abscheulich,
häszlich und schändend für der mutter schoosz,
voll widerwärtger flecke, garstger makel.
Shakesp. könig Johann 3, 1,
full of unpleasing blots, and sightless stains;
o lasz dies herz
zwei augenblick in diesem strom der lust
wie ein besudelt kind sich untertauchen;
mit jedem schlag in seine üppgen wellen
wäscht sich ein makel mir vom busen weg.
H. v. Kleist Penthesilea, 14. auftr.;
in einer dem lateinischen noch nahen form:
dann wie die weisz gilg stäts ist rein,
dasz man dran sicht der macul kein.
Fischart dicht. 3, 348, 68 Kurz;
von unvollkommenheiten geistiger arbeiten: der verfasser der gegenwärtigen ausgabe kann sich selbst mit reinem bewusztsein das zeugnis geben, dasz er bei dieser letzten durchsicht, verbesserung und auswahl seiner schriften mit unverdrosznem fleisz und strenger gewissenhaftigkeit zu werke gegangen ist; und da er also beinahe gewisz ist, sie von allen makeln, quas incuria fudit, befreit zu haben, so darf er um so eher für diejenigen, quas humana parum cavit natura, nachsicht hoffen. Wieland 1, viii;
do mit (in der arbeit des weisen mannes) kein frömbder mackel blib,
der sich uff glattem weg anryb.
Brant narrensch. 112, 11;
in moralischem sinne: denn es bleibt freilich ein jeder, der die religion verändert, mit einer art von makel bespritzt, von der es unmöglich scheint ihn zu reinigen. Göthe 38, 30; nur Agylla (Cäre) ward von der allgemeinen makel freigesprochen. Niebuhr 1, 143;
um Dindonetten, das beste mädchen der welt,
zu retten, und rein von aller makel
einst unter die haube zu bringen.
Wieland 4, 196 (n. Amadis 8, 35);
weil, wo der schwarze
mackel ihn reizete, flugs haftet im maale der pfeil (des epigramms).
Stolberg 2, 340;
ha, rache!
unfruchtbarkeit bring ich und tödtende makeln,
wenn ich wiederkehre diesem lande schwer!
15, 233;
doch ohne makel könnt ich nicht
den namen nur einmal auf meine zunge nehmen.
Gökingk 3, 223;
ein makel der geburt bezieht sich auf auszereheliche oder niedere abstammung.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1488, Z. 37.

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Zitationshilfe
„makel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/makel>, abgerufen am 30.11.2021.

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