Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

malerisch, adj. und adv.

malerisch, adj. und adv.
dem maler zufallend oder ihm gemäsz; malerisch, pigmentarius, pictorius, coloribus illitus, et: pictorum more, arte pigmentaria Stieler 1221.
1)
von dem, was mit dem berufe des malers (in strengerem und freierem sinne, vergl. oben maler) zusammenhängt: oder meinen sie, prinz, dasz Raphael nicht das gröszte mahlerische genie gewesen wäre, wenn er unglücklicher weise ohne hände wäre gebohren worden? Lessing 2, 119; ich habe abstechung (als übersetzung des franz. contraste) deswegen gewählt, weil es von den farben hergenommen, und also eben so wohl ein mahlerisches kunstwort ist, als das französische. 4, 115 note; wenn Homers werke gänzlich verloren wären, wann wir von seiner Ilias und Odyssee nichts übrig hätten, als eine ähnliche folge von gemählden, dergleichen Caylus daraus vorgeschlagen: würden wir wohl aus diesen gemählden ... ich will nicht sagen, von dem ganzen dichter, sondern blosz von seinem mahlerischen talente, uns den begriff bilden können, den wir itzt von ihm haben? 6, 457; der männliche Pope sahe auf die mahlerischen versuche seiner poetischen kindheit mit groszer geringschätzung zurück. 475; alles diesz machte die gärten des Hippias den bezauberten gegenden ähnlich, diesen spielen einer dichterischen und mahlerischen fantasie. Wieland 1, 96; wir vergnügten uns an der unendlich mannichfaltigen aussicht und suchten sie im einzelnen zeichnerisch und mahlerisch zu entwickeln. Göthe 28, 90; im jahre 1782 machte er eine mahlerische reise nach Neapel. 37, 223; unserm alten freund hatte die natur kein mahlerisches auge gegeben. 22, 128; die fürstin liesz sich durch die funkelnden lustgänge .. führen, um den brennenden garten aus allen punkten in ihr malerisches auge zu nehmen. J. Paul Tit. 3, 105; Joachime bezeugte eine malerische freude über die wolkengruppierung. Hesp. 2, 148. bei den kupferstechern heiszt malerisch oder rauhes wesen eine gewisse härte der züge und einschnitte der nadel oder des grabstichels, welches die keckheit, gewissheit und freiheit der hand des kupferstechers anzeigt: die von malern gestochene oder gerissene kupfer sind gemeiniglich wegen dieses rauhen wesens, welches daher das malerische genennt wird, schätzbar. Jacobsson 3, 10ᵇ.
2)
von dingen, welche in ihrer art oder gruppierung einen guten vorwurf für einen maler bilden: eine malerische gegend; eine malerische stellung; die malerische gruppierung der volksmengen; heitre dich auf. sieh diese malerische landschaft — den lieblichen abend. Schiller räuber 3, 2; mein auge, geübt die mahlerischen und übermahlerischen schönheiten der landschaft zu entdecken, schwelgte in betrachtung der nähen und fernen, der bebuschten felsen, der sonnigen wipfel. Göthe 26, 177; ich schweifte mit meinem blick in die runde, aber es ging vor meinen augen etwas anders vor als das landschaftlich mahlerische. 29, 130; von Grenna über Raby nach Jonköping ist die fahrt am wasser herunter noch sehr schön, besonders sind die bergpartien rechts zuweilen äuszerst malerisch. Seume mein sommer 134;
der mahlerische lenz kann nichts so sinnreich bilden,
als jene gegenden von hainen und gefilden.
Hagedorn 3, 86;
myrtenwäldchen und silberquellen,
und grauenvolle dunkelheit,
mahlrisch versetzt mit lichten stellen.
Wieland 18, 249;
diese blumen, die er bricht,
und mahlerisch in kränz und sträusze flicht.
23, 202 (Oberon 11, 2);
übertragen, von einem musikstücke: noch jetzt kenne ich in der ganzen peripherie meiner musikalischen literatur nichts lieblicheres als Bendas morgenröthe und nichts malerischeres als seinen sonnenaufgang in diesem stücke (im melodrama Ariadne). Seume mein leben 40.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1508, Z. 1.

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Zitationshilfe
„malerisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/malerisch>, abgerufen am 20.10.2021.

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