Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

malvasier, m.

malvasier, m.
1)
griechischer wein, zufrühest aus der gegend von Napoli di Malvasia auf Morea, sodann auch von inseln des griechischen archipels und endlich selbst aus Sicilien importiert, als eine der edelsten sorten gepriesen; in verschiedenen leicht abweichenden formen des namens: malmasia, malfesya, malfesetum, malvaticum edel win, malmasie, malmasy, malmasier, malmatier, malmesie, malfeseyer, malfasyer Dief. 345ᵃ; vinum malmasinum, malmasetum, malvaticum malmasier, malvasier, malvoschy. 620ᶜ; von denen malfasier und malmasier im 14. bis 16. jahrh. besonders gebräuchlich sind: man sol ouch den kriechel und rômâner (zwei fremde weine) schenken ein ganzeʒ trinken umb zwêne zweinziger und ein halbeʒ trinken umb einen zweinziger, und malfasier ein trinken umb drî zweinziger und ein halbeʒ trinken umb anderhalben zweinziger. Meraner stadtrecht in Haupts ztschr. 6, 417; wie ein köpflin malfasyer das in ein vasz mit wein gelossen würt, das sich selbs verlürt, und würt zu wyn recht und redlich. Keisersberg post. 2, 67ᵃ; und nymt aber einen leimen klotzen, und macht dar usz ein rein lustlich trinkgeschirr, darin man malmasier und lutertrank der ewigen seligkeit in sol thuͦn, das ist, er ordnet disen menschen zuͦ ewiger seligkeit. bilg. 78ᶜ; gleich als wenn man malmasier unter wenig wasser gösse, da ist wasser, aber so gar zu malmasier worden, das (dasz es) nicht mehr geschmeckt wird. Luther 3, 493ᵇ; was were aller wein und malmasier in aller welt, wenn wir solten einen tag wassers mangeln? 5, 44ᵇ; malmasy und ander wein, den man unserm herren dem künige und den fürsten .. zu liebung geben hat. d. städtechr. 2, 10, anm. 7;
muscatell und auch malmasier
das trink ich für saurs pier.
fastn. sp. 726, 4;
das ich und darzu jr all drei
morgen zu nacht in meinem hausz
wollen wol leben in dem sausz!
da wöll wir malmasier zugieszen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 46, 257 Götze;
später nur noch malvasier: malvasier, vinum Creticum, vinum Arvisium Hederich 1570; in Katalonien nahe bei Sitgis, einer kleinen stadt, wächst eine gattung weintrauben, die einen vortrefflichen malvasier giebt. Jacobsson 3, 11ᵇ;
da funden wir gut gepraten hasen,
gute forhen und gute esch,
und ausz dermaszen gut genesch:
reinfal, pinol und malvasier,
vernetz, welschwein und rumenier.
H. Sachs fastn. sp. 1, 73, 121 Götze;
da halten wir heint gros gasterei,
hecht, forhen wir peraiten lasen (lassen),
vögl, capaune, rephuͤnr und hasen,
und drinken darzw malvasier.
2, 34, 241.
2)
malvasier, auch hammelshoden, eine traubenart von groszen schwarzen guten beeren, die einen leichten gesindewein geben. Nemnich.
3)
malvasier nennen östreichische vogelsteller den finken nach einer besondern art seines schlages. Nemnich 2, 1657.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1512, Z. 59.

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Zitationshilfe
„malvasier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/malvasier>, abgerufen am 04.12.2021.

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