Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mangelhaft, adj. und adv.

mangelhaft, adj. und adv.
1)
mit gebrechen oder fehler behaftet: mangelhaft am leib, mancus, corpore vitiatus Dasyp.; mangelhaft, mancus, vitiosus, cui aliquid deest Steinbach 2, 20; mangelhafte schafe, oves vitiosae, ein mangelhaftes haus, aedes quae se vitiose habent. ebenda; so sey (sie, die mühle) aber bruchfellig und mangelhaft (wäre). weisth. 2, 569 (Prüm, von 1497); in der neueren sprache von dingen und handlungen, die nach ihrer art mängel haben (vgl. dazu oben mangel 2): war jenes komplott (der Bartholomäusnacht) eine handlung, oder nicht vielmehr eine kette von hunderttausenden? und von hunderttausend mangelhaften? Schiller hist.-krit. ausg. 4, 301; daher wird es jederzeit von einer noch mangelhaften bildung zeugen, wenn der sittliche charakter nur mit aufopferung des natürlichen sich behaupten kann. 10, 282;
der tod hat eine reinigende kraft,
in seinem unvergänglichen palaste
zu ächter tugend reinem diamant
das sterbliche zu läutern und die flecken
der mangelhaften menschheit zu verzehren.
braut von Messina v. 2738;
das obertribunal in Utrecht will
die rechtspfleg auf dem platten land verbessern,
die mangelhaft von mancher seite scheint.
H. v. Kleist zerbr. krug, 4. auftr.;
auch nicht vollkommen nach umfang oder zahl, unvollständig (annäherung an die folgende bedeutung): das buch ist mangelhaft, defect, wenn etwas daran fehlet. Adelung;
der strafe denke, die die heilge kirche
der mangelhaften beichte droht!
Schiller M. Stuart 5, 7.
2)
mangelhaft, fehlend, mangelnd:
wer hat nicht wargenommen,
wie sonn und mohn gemein
verfünstern jhren schein:
und wie des himmels zaichen
(oft mangelhaft) verblaichen?
Weckherlin 386;
mit präp. an: mangelhaft an fründen, der wenig fründ hat, mit fründen übel versähen, der fründen beraubt, inops ab amicis. Maaler 283ᵇ; es ist zu wissen, dasz wir nicht mangelhaft an volk sein. buch d. liebe 208ᵃ; mangelhaft an worten sein, inopem verbis esse. Stieler 1232; er ist mangelhaft an der gesundheit, valetudine tenui est, viribus parum firmis utitur. ebenda.
3)
mangelhaft, dürftig, arm, der mittel zum leben entbehrend (vergl. mangel 5): mangelhaft, dürftig, inops, egens, egenus. Maaler 283ᵇ; zum teil mangelhaft, pauperculus. ebenda; er ist mangelhaft in allen dingen, rerum cunctarum egenus est. Stieler 1232; und versprich euch, das Montabon durch mich nit mangelhaft soll sein. Aimon bog. V 1; arme und mangelhafte leute. Butschky kanzl. 348;
was! Ostenreich hat ja wol so vil kraft,
dasz durch die acht vil werden mangelhaft.
Weckherlin 509;
gib mangelhaften leüthen hin!
imm wolthun ist verlust gewin.
Rompler 39.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1545, Z. 22.

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Zitationshilfe
„mangelhaft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mangelhaft>, abgerufen am 26.11.2021.

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