Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mangel, f.

mangel, f.
mange, rolle (vergl. oben mange 2): mangel, pl. die mangeln, palanga, phalanga Steinbach 2, 21 als schlesisch; niederd. mangel, grosze mit steinen beschwerte rolle für wäsche und in färbereien Schütze 3, 76;
feinere laken und bühren, die glatt von der mangel und schneeweisz
schimmerten.
Voss Luise 3, 2, 588;
festlich prangt der feine teppich,
von der mangel frisch!
werke 5, 218,
mit der anmerkung: die mangel zum glätten der wäsche, hier die gröszere, sonst rolle genannt. s. 332.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1540, Z. 15.

mangel, m.

mangel, m.
vitium, inopia, defectus.
1)
das wort ist zunächst nur hochdeutsch, und erst von da aus später ins niederdeutsche (vgl. mnd. wb. 3, 23ᵇ), sowie ins niederländische und dänische eingedrungen. im hochdeutschen selbst aber läszt sich beträchtlich früher als das substantiv das dazu gehörige verbum belegen; in der form mengan, gemengan, prät. mangta, gemangta abesse, deesse Graff 2, 807; mangôn:
daʒ .. sih daʒ (wasser) perge
an ein wisin unter derda,
und man sîn manga
uuola zehen juche lenga.
meregarte bei Müllenhoff u. Scherer 32, 2ᵃ, 7;
sowie mangolôn und gimangolôn gleicher bedeutung bei Otfrid (Kelles gloss. 384ᵇ. 201ᵇ); und es ist wol nicht zweifelhaft, dasz dieses verbum als mengan, mangôn von einem lateinischen, aus dem adj. mancus gebildeten, in der rechtssprache der leges barbarorum verwendeten mancare, part. mancatus hergenommen ward (si vero manus ipsa mancata ibi pendiderit. lex Sal. 29, 2; si vero ipse polix ibidem mancatus pendiderit. 4), sowie dasz es die bedeutung des letzteren mutilare zu der deficere veränderte (wie das ital. mancare, span. mancar, franz. manquer auch), und nach dem muster der iterative weiter ein mangolôn entwickelte. aus mengan, mangôn bildete sich dann das subst. mang hervor (mhd. manc, mang mangel, gebrechen Lexer 1, 2023), wie aus mangolôn das seit dem 12. jh. viel gebrauchte mangel, das mit seinem verbum jene einfacheren formen zurückdrängte. unabhängig davon und ungewis seit wann wurde aus dem lat. adj. mancus anderweit ein mank entlehnt: mancus manck, laem. Dief. 346ᵃ (kölnisch, von 1507); mancare manck machen 345ᶜ (ebendaher); niederl. mank gebrechlich, bresthaft, mank gaan hinken; mank, vermenkt, mancus, mank, kropel, claudus, mankaerd, claudus, claudicans Kilian; alem. mank, mangelhaft, defect, nur von büchern Stalder 2, 196; kärntn. mank, schlecht, einen fehler habend, besonders beim viehe gebraucht. Lexer 185.
2)
mangel, ein gebrechen, ein fehler an einer person:
ane got enist niweth mangel,
er was ie ân anegenge.
genesis in d. fundgr. 2, 10, 6;
ein mangel, vicium, deliquium Dasyp.; mangel, laster, vitium Maaler 283ᵇ; in körperlicher oder geistiger beziehung: keinen mangel noch prästen an jm haben, unlasterhaft sein, carere vitio. ebenda; so nu die lieben hohen apostel solchen feil und mangel klagen, das sie es nicht können dahin bringen, da sie gerne wolten. Luther 6, 45ᵇ; wir hetten gemeinet, jr weret ein getreuwer ritter, so seit jr anders nicht denn ein frawenbetrieger, das ist ewer mangel. buch d. liebe 290ᵇ; doch ward dieser mangel damals bei mir nicht so heftig und stark, dasz man ihn mit Seneca ein göttliches rasen oder .. eine beschwerliche krankheit hätte nennen können. Simpl. 1, 322 Kurz; (ein student) habe gesagt: herr doctor, ich kan gott lob in der theologi wol zu recht kommen. allein ich hab einen einigen mangel, ich kan die dicta scripturae nicht behalten, d. Hunnius hab auf gut schwäbisch ihm geantwort, herr magischter, es ischt ein groszer mangel. es ist fürwar auch ein groszer mangel, wann ein herr kein gelt hat, wann seine rentcammer nicht wol bestellet ist. Schuppius 27; der were ein ungeschickter medicus, der einem, so einen mangel an dem kopfe hätte, wolt ein pflaster auf den fusz schlagen. 657; wir haben den mangel an uns, dasz wir mehrentheils die könige in ihrer gegenwart fürchten. pers. baumg. 3, 18; was vor ein böser mangel die verleumbdung sei. 4, 12; einer hat diesen, der andere einen andern mangel, aliud aliis vitium est. Stieler 1229; hessisch böser mangel epilepsie Vilmar 260;
mann soll den besten arzt jhm holn,
der jhm seinen mangel curir!
J. Ayrer 375ᶜ (1881, 26 Keller);
unser denken fehlt und triegt,
sein (gottes) gedank ist mangel frei.
P. Gerhard 306, 58 Gödeke;
fehlst du, lasz dichs nicht betrüben:
denn der mangel führt zum lieben;
kannst dich nicht vom fehl befrein,
wirst du andern gern verzeihn.
Göthe 3, 285;
der fehler ist durch einen folgenden genitiv näher bezeichnet: ein philosophus fragt einen, ob er ausz torheit und mangel der unwissenheit nicht redte, oder ausz weiszheit schwige. Agr. spr. 223ᵇ; mangel an einem gliede, einem organe des menschen: er hat einen mangel am schenkel, tibia laesus est. Stieler 1229; er hat mangel an zänen, dolorum dentium laborat. ebenda;
der hett ein mangel an der red,
und viel ding falsch aussprechen thet.
L. Sandrub kurzweil 42;
mangel von sachen: so solt der müllener dem junker so manich boesz geben als die muel mangel hat. weisth. 2, 569 (Prüm, von 1497); es hat die sach noch keinen mangel. J. Ayrer proc. 1, 14; indem mir unserer poesy mangel und unmöglichkeit vorgeworfen. Weckherlin vorrede zu d. weltl. ged.; es (das haus) hat keinen mangel, ohn allein, dasz du in der nachbarschaft wohnest. pers. rosenth. 4, 9; wer ihm nicht opfern wolte, in dessen rechnung konte er leichtlich einen mangel finden, den klagte er alsbald an, als einen ungerechten hauszhalter. Schuppius 30; der wein hat einen mangel, vinum istud vitium contraxit. Stieler 1229.
3)
diese bedeutung hat einen plur. mängel entwickelt: (Christus) hat alle meine mängel und gebrechen erstattet. Schuppius 459; es ist kein mensch, er ist voller mängel, nemo sine crimine vivit, unusquisque suos patimur manes. Stieler 1228;
frei aller fehl und mängel,
fern von der unrechtsbahn.
P. Gerhard 278, 23;
und weil in dieser welt kein mensch ist ohne mängel.
Günther 595;
er ist in der neueren sprache, wo der sing. mangel in der bedeutung 1 allmählich selten geworden, noch sehr beliebt geblieben, meist auf seelisches oder geistiges bezogen: der andere theil gab zwar die erblichen mängel der menschen sehr gern zu. Göthe 26, 307; meine rubriken bezeichnen nur einseitigkeiten, welche als mängel anzusehen sind, wenn die natur den künstler dergestalt beschränkte, als fehler, wenn er mit vorsatz in dieser beschränkung verharrt. 38, 127; gewisse tugenden gehören der zeit an, und so auch gewisse mängel, die einen bezug auf sie haben. 53, 78; man ist genöthigt auffallende mängel als vorzüge zu betrachten. 54, 103;
(ihr macht) zum paradies
eine welt voll mängel.
Hölty 155 Halm;
mitfühlend unsrer last und unsern mängeln.
Herder z. litt. 4, 129;
wo mängel ich und irrthum sah.
156;
glückselger jüngling, dem man seine mängel
zur tugend rechnet.
Göthe 9, 188;
freude dem sterblichen,
den die verderblichen,
schleichenden, erblichen
mängel umwanden.
12, 44;
such, o moderner poet, durch geist zu ergänzen des stoffs fehl,
durch vielseitigen styl decke die mängel der zeit.
Platen 143;
nicht mehr nach dem früheren gebrauche des sing. mangel auch auf körperliche leiden, und auf schönheitsfehler wenigstens nicht häufig:
der mund, der tausend lust verhiesz,
war sonder alle mängel.
Hölty 20 Halm;
und hatte jemand im antlitz
einen fehler, wie er auch war, ein fleckchen im auge;
durft er sich nur im spiegel besehn, so gingen von stund an
alle mängel hinweg und alle fremden gebrechen.
Göthe 40, 172.
4)
aus ihm hat sich auch ein sing. mängel ergeben:
dem (arzte) wollen wir ein botten senden,
der kan jhm all sein mängel enden,
und das er wider redent wer (von einem sprachübel heilen).
J. Ayrer 284ᵃ (1417, 36 Keller);
ei schweigt! die sach kein mengel hat.
426ᵃ (2139, 14)
(auch in der bedeutung 5, b unten, s. dort); bairisch noch jetzt öfter mengel neben mangel Schm. 1, 1625 Fromm.
5)
mangel, das gebrechen, das fehlen und entbehren irgend einer sache: mangel, vulg. gebruch, defectus. voc. inc. theut. n 4ᵃ; mit näherer bestimmung.
a)
das entbehrte steht hierbei im genitiv:
biʒ an die swære aleine,
die ich vil herzenlichen dol,
daʒ ich dîn êwiclîchen sol
hân bresten unde mangel.
K. v. Würzburg Partenop. 8217 Bartsch;
das jre fische fur wassers mangel stinken und durst sterben. Jes. 50, 2; den erwürgeten durchs schwert geschach bas, weder den, so da hungers storben, die verschmachten und erstochen worden vom mangel der früchten des ackers. klagel. Jer. 4, 9; ich frewe mich uber der zukunft Stephana und Fortunati, und Achaici, denn wo ich ewer mangel hatte, das haben sie erstattet. 1 Cor. 16, 17; so aber ein bruder oder schwester blos were, und mangel hette der teglichen narunge. Jac. 2, 15; und begeb es sich, dasz abgang der profandt, fehl und mangel were. Fronsperger kriegsb. 1, 61ᵇ; werden allein von den armen und so man anderer fischen mangel hat, gessen. Forer fischb. 78ᵃ; ich hette mangel aller sachen. Schuppius 738; so sind .. der vermuthungen so viele, dasz ihre verschiedenheit und menge einen treuherzigen leser weit verlegener macht, als er nimmermehr bei dem gänzlichen mangel derselben gewesen wäre. Lessing 11, 60; wegen mangel der gelegenheit. Klinger 6, 168;
mangel der that und bloszer nam
stehen mit kleinem lob beisam.
Kirchhof wendunm. 111ᵃ.
b)
durch an vermittelt: die reichen müssen darben und hungern, aber die den herrn suchen, haben keinen mangel an jrgent einem gut. ps. 34, 11; (dasz sie) keinen mangel an brodt hatten. Jes. 51, 14; darumb hab ich euch auch in allen ewrn stedten müszige zeene gegeben, und mangel am brot an allen ewrn örten. Amos 4, 6; man darf uber keinen mangel klagen an seiner hülfe. Sir. 39, 23; das jr keinen mangel habt an jrgent einer gaben. 1 Cor. 1, 7; man verkauft kein wasser hie, dann wir haben sunst gröszern mangel an wasser, dann uns lieb ist. Wickram rollw. 86, 19 Kurz; mangel am hausz, da einer kein underschlauf hat, inopia tecti. Maaler 283ᵃ; mangel am platz oder ort, inopia loci, mangel an ässen und an trinken, hunger und durst, inedia, mangel an früchten, caritas annonae u. s. w. ebenda; ein mangel an der zeit haben, tempore egere. ebenda; ich hab an milch kein mangel, non defit mihi lac. ebenda; auf dem groszen reichstag zu Cöllen, als groszer mangel am brot erschien. Zinkgref apophth. 2, 7;
ei, so hast doch kein mangel an gelt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 77, 258;
dem pewtel haben wir gestrelt,
gros mangel ist an klainem gelt.
155, 254;
soll mich gottes fülle laben,
woran soll ich mangel haben?
P. Gerhard 324, 80 Gödeke;
wenn ein mangel an vermögen
mich dir anzunähern scheinet,
mich, die meine königs-abkunft
über dich so hoch erhebt.
Herder z. litt. 5, 84 (Cid 11);
die Britten flohn ins land,
und litten mangel am nothwendigsten.
3, 207;
die fürstin Eboli
litt wenigstens nicht mangel an gesellschaft.
Schiller don Carlos 4, 1;
die nähere bestimmung ist aus dem vorhergehenden zu ergänzen:
nie konnt ich ihr liebe geben,
und dennoch, schien sie mangel je zu fühlen? (nämlich an liebe).
don Carlos 3, 1;
in rechnungsmäsziger sprache, wie ausfall oder deficit: uber das must du bedacht sein, dasz kein mangel an geld, munition, proviant und volk im posten erscheine. Simpl. 1, 151 Kurz. Auch hier der sing. mängel, wie oben 4:
die welt hat groszen mängel, die welt hat grosze menge,
an frölichem vergnügen, an kläglichem bedränge.
Logau 3, 205, 82.
c)
präpositionale verbindung aus mangel mit folgendem genitiv: ausz mangel der arzet sind vil verdorben, defectu medicorum multi perierunt. Maaler 283ᵃ; wer wolte glauben, dasz er heut ausz mangel eines handtuches, seine händ und angesicht, an seiner kappen abgetrücknet? Laz. de Tormes (1617) 110; aus mangel einer bessern gesellschaft mit den sylfen umzugehen. Wieland 1, 113; aus mangel kluger einrichtung und guter aufsicht. 7, 233; um aber nun diesem blutigen geschäfte, das sich täglich unter seinen händen häufte, mehr gewachsen zu sein und aus mangel der werkzeuge ja kein opfer zu verlieren. Schiller 858ᵃ;
wenn uns gleich von manchem fänomen,
aus mangel des fensters, das Momus an unsrer brust vermisset,
die innern räder und federn entgehn.
Wieland 5, 114 (n. Amadis 16, 4);
mit folgendem an: aus mangel an einsicht fehlte er; aus mangel an gutem willen unterliesz er das; auch mit von: derjenige, der aus mangel von sinn oder gewissen das vortreffliche herunterzieht. Göthe 36, 164;
dieweil der kettenhund dem bettler heülend droht,
und nach ihm selbsten schnappt, aus mangel von dem brot.
Drollinger 163;
in mangel: wiewol ich mich schäme, dasz ich in mangel anderer deutschen exempel mich meiner eigenen gebrauchen soll. Opitz poeterey 18; man sagt, dasz ein Biscajer ausz armut sich hab überreden lassen, und hab 8 real genommen, und in mangel eines henkers in einem städtlein ein dieb aufgehenket. Schuppius 303;
nim diese hand voll klee, im mangel der violen,
zu treuen günsten an.
Fleming 589;
dafür mangels: mangels besonderer einen andern willen erkennbar machender umstände. entsch. des reichs-oberhandelsgerichts 22, 233.
d)
in mangel stehen eines dinges, etwas nicht haben: dasz man noch der empter vom gemeinen mann, nemlich eines führers und zweyer gemeinen waibel ... in mangel stehe. Kirchhof mil. disc. 76; weil er seines pferdts in mangel stunde (es war ihm gestohlen worden). wendunm. 119ᵇ.
e)
als redensart was hast du mangels dran? was entgeht dir dadurch? was schadets dir?:
sagt jemandts, gsell sitz unden an,
so sprich, was hastu mangels dran?
grob. 1568 B 3ᵇ (b. 1, cap. 4);
an einem wird kein mangel sein, es wird an ihm nicht fehlen: so krieg vorhanden sein wurde, wirdt an mir kein mangel sein, sol man mich denn auch finden, wil ich nicht der hinderest sein, si erit bellum, meae partes non desiderabuntur. Maaler 283ᵇ; und e. f. sollen sich tröstlich zu uns allen versehen in Christo, das wir hinfurt an uns keinen mangel wollen sein lassen. Luther 6, 325ᵇ;
es sol an uns kein mangel han.
trag. Joh. D 6.
6)
mangel ohne nähere bestimmung, namentlich auf das entbehren des zum leben notwendigen; mangel, vulg. abgang, penuria, inopia. voc. inc. theut. n 3ᵇ; als gegensatz zu überflusz, genusz, genug: so diene ewer uberflus jrem mangel, diese thewer zeit lang. 2 Cor. 8, 14; wo man erbeitet da ist gnug, wo man aber mit worten umbgehet, da ist mangel. spr. Sal. 14, 23;
mittheilend sehnen nur ist selbstgenusz,
und ohne mangel darbt der überflusz.
Herder z. litt. 3, 229;
éin wort vermischt die grenzen
in süszester verwirrung, macht den schmerz
zur höhern lust, den mangel zum genusz,
den tod zum leben.
6, 124;
mit verwandten begriffen zusammengestellt: und wirst deinem feinde, den dir der herr zuschicken wird, dienen in hunger und durst, in blösze und allerlei mangel. 5 Mos. 28, 48;
reizet dich
mein mangel, mein bedürfen?
Herder z. litt. 3, 229;
es heiszt mangel leiden, haben: haben wir allen mangel gelidden, und sind durch schwert und hunger umbkomen. Jer. 44, 18; furchtet den herrn jr seine heiligen, denn die jn fürchten, haben keinen mangel. ps. 34, 10; so oft ich euch gesand habe on beutel, on taschen, und on schuch, habt jr auch je mangel gehabt? Luc. 22, 35; es war auch keiner unter jnen, der mangel hatte, denn wie viel jr waren, die da ecker oder heuser hatten, verkauften sie das selb, ... und man gab einem jglichen, was jm not war. ap. gesch. 4, 34; ich bin in allen dingen und bei allen geschickt, beide sat sein und hungern, beide uberig haben und mangel leiden. Phil. 4, 12; die (heiligen) aber haben groszen hunger und mangel in jren krankheiten leiden müssen. Wickram rollw. 10, 30 Kurz; ich hab keinen mangel, nihil defit. Maaler 283ᵃ; ich wil nit leiden, dasz du mangel bei mir habest, nihil apud me tibi defieri pateat, du solt bei mir keinen mangel haben. ebenda;
daʒ sî dî nôt sô manchirhant
unde mangel alsô grôʒ ..
lidin unde trugin.
Jeroschin 14057;
da ist kein durst, kein hungersnot,
das himmelbrod
läszt keinen mangel leiden.
P. Gerhard 321, 66;
den mangel erfüllen, erstatten: die handreichung dieser stewre erfüllet .. den mangel der heiligen. 2 Cor. 9, 12; und da ich bei euch war gegenwärtig, und mangel hatte, war ich niemand beschwerlich, denn meinen mangel erstatten die brüder, die aus Macedonia kamen. 11, 9; mangel widerfährt, ist: denn es solte also gehen, das jenen, die tyrannisch handleten, solcher mangel widerfüre. weish. Sal. 16, 4; wo mangel ist, hat dscham kein frist, man muͦsz sich in der not verschämen, arctis in rebus absit pudor. Maaler 283ᵇ;
bei gott ist ja kein böser ort,
kein unglück und kein kränken,
kein angst, kein mangel, kein versehn;
bei gott kann keinem leid geschehn.
P. Gerhard 101, 37 Gödeke;
der mangel drückt, plagt, schwächt, treibt:
wo dich drück
mangel, hartsel und ungelück.
H. Sachs fastn. sp. 1, 34, 396 Götze;
warst arm und dürftig, nahmst fürlieb
da, wo der mangel dich hin trieb.
P. Gerhard 152, 64;
(ein jagdhund) verscheucht vom stall und streu,
verbannt, wo täglich ihn ein neuer mangel schwächte.
Hagedorn 1, 41;
zwo ratzen, die der mangel plagte,
und hungrig aus den löchern jagte,
entdeckten unverhofft ein ei.
2, 16;
dem mangel abhelfen, inopiae mederi. Frisch 1, 639ᵇ; denn sie werden fur allerlei mangel heimlich essen, in der angst und not. 5 Mos. 28, 57; sie sind umbher gegangen in pelzen und ziegen fellen, mit mangel, mit trübsal, mit ungemach. Hebr. 11, 37; es giebt eben so viele, die im schosze des ansehens, des glücks und der wollust, als solche, die in einem zustande von mangel, dienstbarkeit und unterdrückung elend sind. Wieland 1, 130;
dein herz (im tode) hört auf, sich zu sehnen,
weisz von keinem mangel nicht.
P. Gerhard 29, 52;
kein dürftiger verzagt, wenn noht und hunger schrecken;
der landesvater läszt ihn nicht in mangel stecken.
Drollinger 87;
in manchen beispielen tritt mehr der mildere begriff der dürftigkeit, armut hervor: dasz es nicht dem mangel des lands zuzumessen seie. Schuppius 741;
du füllst des lebens mangel aus
mit dem, was ewig stehet.
P. Gerhard 119, 45;
die ruhe, so du jetzt bei allem mangel hast,
kommt jenen (reichen) nicht einmal in träumen zu gesichte.
Günther 584;
nicht wohlanständig wär mirs, die verwandte
im mangel und in schmach zu sehn.
Schiller M. Stuart 2, 9;
personificiert: so wird dich das armut ubereilen, wie ein fusgenger, und der mangel, wie ein gewapneter man. spr. Sal. 6, 11; es wird dir dein armut komen, wie ein wanderer, und dein mangel, wie ein gewapneter man. 24, 34.
7)
mangel, in der älteren sprache auch beschwerde, klage: des fürsten antwort auf die von der landschaft angebrachten mängel (gravamina). Schm. 1, 1625 Fromm.; also ward dem junkern die sach durch den schultheiszen von wegen der gmein fürgetragen. als nun der junker jren mangel vernam .. Wickram rollw. 90, 17 Kurz; hab er etwas mangel an einem, soll er in morgen bei dem tag ansprechen. Fronsperger kriegsb. 1, 9ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1540, Z. 26.

mangeln, verb.

mangeln, verb.
mit der mangel, rolle, glätten: wäsche mangeln; ich mangele, palanga aequo, complano. Steinbach 2, 21. vgl. auch mangen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1546, Z. 32.

mangeln, verb.

mangeln, verb.
sich mengen, handgemein werden:
sie hatten mit on (ihnen) gemangilt also,
die andern eitgnoszen komen vollent darzu
uff beide siten jn gedrungen.
Stolle Erfurter chronik bei Haupt 8, 322.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1546, Z. 35.

mangeln, verb.

mangeln, verb.
carere, desiderare, deficere; ahd. mangolôn, mhd. mangelen, mangeln; nach der vermutung unter mangel 1 von dem mittellat. mancare entlehnt und weiter gebildet, indem sich aus der ursprünglichen die bedeutung des darbens und entbehrens entwickelte; in verschiedenen fügungen.
1)
mit persönlichem subject und absolut, darben, arm sein, mangel leiden (gegensatz zu genug, überflusz haben u. ähnl.): manglen, egere, carere, deficere, vulg. darben. voc. inc. theut. n 4ᵃ; manglen, mangel haben, prästhaft und mangelhaft sein, egere, indigere, carere u. s. w. Maaler 283ᶜ; das die muͤter iren kinden die spise us dem munde noment, ohssent (aszen) und lieszent die kint manglen. d. städtechron. 8, 345, 6 var.; du solt ehe mangeln und siech sein. Pauli schimpf 158ᵇ; das ich denke, wie gott alle seine heiligen vor zeiten auch hat lassen mangeln. Luther 1, 43ᵇ; gleich wie s. Paulus sagt, ich kan hochfertig sein, und kan auch demütig sein, ich kan mangeln, und kan auch gnug haben. 3, 332ᵃ; die anschlege eins endelichen bringen uberflus, wer aber all zu jach ist, wird mangeln. spr. Sal. 21, 5; wer gern in wollust lebt, wird mangeln, und wer wein und ole liebet, wird nicht reich. 17; so soltu dein herz nicht verherten, noch deine hand zuhalten, gegen deinem armen bruder, sondern solt sie jm aufthun, und jm leihen nach dem er mangelt. 5 Mos. 15, 8; Salomon sagt: wer seinen acker mit fleisz bawt, der sol brots gnuͦg haben, und wer muͦszig geht, der sol mangeln. Agr. spr. 76ᵇ; wer wol mangeln kan, der kan wol haben. Lehmann 2, 477;
die herren mir ze stiure
geben einen gramarzî,
hân ich aber niht dâ bî,
sô lâʒent si mich mangeln.
Haupts zeitschr. 1, 226;
gib du mir und mangel du.
Murner luth. narr 3169;
jetzt nicht mehr gewöhnlich: er sollte sein vermögen opfern und sein lebtag schinden und schaben, und mangeln und sorgen, um des adlerwirths schulden zu bezahlen. Felder sonderl. 2, 152.
2)
häufiger in vereinzelnder bedeutung, mit dem gen. dessen das man misst oder entbehrt: ahd.
joh, druhtin, mih gileiti,
thaʒ ih ni mangolô thes drof,   in himilrîches frithof.
Otfrid an Hartmut 6;
mhd. ichn gwinne gemach noch wirde vrô
niemer mê unz ûf den tac
daʒ ich wider haben mac
mîner vrouwen hulde:
der mangel ich ân schulde.
Iwein 5470;
nhd. in der bedeutung vermissen: die suchten ir herren und der si nit funden, und sagten uns zuͦ Rüttlingen, daʒ man mangelt 86 hern, ritter und knecht. d. städtechron. 4, 53, 22; wann nun die knaben, wie die jugend zu thun pflegt, auf der gassen herum strolten, und die mutter ihrer manglete. Simpl. 4, 388 Kurz; (der gesell) ergreifet sein bulgen, luͦgt, so manglet er der ketten und des gelts. Wickram rollw. 29, 1; entbehren: aber disze die der welt urlob hond geben und still seint worden, ... die entpfinden es weit, wan sie der selben stille mangelen müssen, und inen unruͦg einfallet. Keisersberg 70ᵃ; mangelstu des gürtels der küscheit, so züchstu alle ding uf dem boden naher. narrensch. 205ᵇ; es kan je nicht ein jglicher pfarrherr eines weibes mangeln, nicht allein der gebrechligkeit, sondern viel mehr des haushaltens halben. Luther 1, 304ᵃ; wenn wir solten einen tag wassers mangeln. 5, 44ᵇ; sie sind allzumal sünder, und mangeln des rhumes, den sie an gott haben sollen. Röm. 3, 23; den aber, der eine kleine zeit der engel gemangelt hat. Hebr. 2, 9; unserm vaterland, das nu lange zeit der freiheit mangelt. Hutten 5, 10 Münch; achten für die höchst seligkeit, der ding zuͦ mangeln, die einich leid dem dörftigen mögen zuͦfuͤgen. Frank weltb. 14ᵇ; es geschicht oft einem umb eines frommen mans willen an frembden orten guͦt und ehr, des er sonst seinenthalben wol mangeln muͤste. Agr. spr. 29ᵇ; werden erzogen, also dasz sie desz wassers gänzlich mangeln müssen. Forer fischb. 200ᵃ; richt inn die höhe und zu dem himmlischen dein gemüt, auf dasz du des irdischen, und des vergänglichen, so hieniden ist, mangeln lehrest (lernst). Fischart bienk. 38ᵃ; kundtschaft, deren man nimmer, unangesehen was kostens darauf liefe, mangeln soll. Kirchhof mil. disc. 21; auch etliche zähn auszgestoszen, dern ich noch heut zu tag manglen musz. Laz. de Tormes (1617) 26; da man ihrer (der ärzte) in Rom wol 600 jahr gemangelt. Lehmann 58; deren leute (der edelleute) könte man so wol mangeln als der wespen, welche in guten herbsten die trauben aussaugen thäten. Simpl. (1684) 3, 761;
ach warumb binn ich nit mit dir
geritten, das wer besser mir,
dann das ich gar muͦsz manglen dein.
Wickram bilg. K;
sucht hier und dar und findet nichts,
will sehn und mangelt doch des lichts.
P. Gerhard 222, 101 Gödeke;
auch noch in der neueren sprache, doch nur in gehobener oder gewählter rede: doch hab ich ein so verworren leben geführt, dasz ich neuer empfindungen und ideen niemals gemangelt habe. Göthe 60, 223;
mangelnd jedes gefühls, welches die freundschaft giebt,
war mein leben entflohn.
Hölty 94 Halm;
sprachs, und zerschnitt die kehlen der lämmer mit mördrischem
erze;
legte sie dann zur erde noch zuckend, aber des lebens
mangelnd.
Bürger 210ᵃ (Il. 3, 293);
Diane, statt erzürnt zu sein,
dasz sie der blutgen alten opfer mangelt.
Göthe 9, 8;
ach meine freundin, heute gab ich dir
den besten trost, belebte deine hoffnung
in einem augenblicke, da ich nicht
bedachte, dasz ich selbst des trostes bald
auf immer mangeln würde.
10, 326;
sohn, du mangelst nun bald des selbstgefälligen ruhmes ...
40, 345;
und von einem gegenstande: meine lampe mangelt oels. 42, 226.
3)
selten dafür mit präp. an: der .. an brot mangele. 2 Sam. 3, 29; wann sie (die bettler) an gelt manglen, gehen sie nicht zu den Juden. Schuppius 697;
jener wildfang nicht (ist Amor),
der, unersättlich, nur nach neuen opfern angelt,
stets im vergnügen schwimmt, und doch an freude mangelt.
Gotter 1, 253.
4)
mit acc., ich mangele einen oder etwas, entbehre, misse es: ein edelman, der het ein jaghunde, oder ein windt, der war jm lieb, und hette jhn nicht für viel geltes gemangelt. Pauli schimpf 106ᵇ; dasz man gottis wort mangeln musz. Luther br. 2, 323; so aber jemand unter euch weisheit mangelt. Jac. 1, 5; kurzumb, wer kein ehgesibete hat, ist halb tod, mangelt ein stuck des leibs. Garg. 68ᵃ; das Chineser gemähld wäre rarer und dahero auch köstlicher; er wolle es nicht um zehen solcher ecce homo mangeln. Simpl. 1, 86 Kurz; die ursache, dasz ich aus dem himmel kommen, ist, dasz ich dich selbst darinn mangelte. 266; ich wollte gern unser gunterfeth (das in unserm besitze befindliche bild des sohnes) auch manglen, wann wir den sohn selbst wieder hätten. 4, 211;
was immer zu dem sieg befürderlich und gut,
das lasset mich mein got nicht manglen noch versaumen.
Weckherlin 69;
das, so man kaum kan mangeln.
526;
diese fügung ist heute auf die oberdeutschen mundarten eingeschränkt, bair. ich mangel esz, ich vermisse es. Schm. 1, 1625; schriftsteller alemannischer heimat brauchen sie auch in der schriftsprache: denn wenn er gemangelt wird, und es kommt durch den wirth heraus, dasz er ins schlosz gegangen ist, und er ist nimmer herausgekommen, so kommen über nacht die husaren, heben uns aus. Hebel 2, 100; eilte, wie er war, in sein bett zurück, ohne den schlafkameraden zu mangeln. 128; ist es wunder, dasz in zeiten, wie diese waren, sogar das heutige gesetzbuch verloren gieng, und nicht einmal gemangelt wurde? bibl. geschichten 1, 225; ich weisz noch nicht, wie ich es machen soll, wenn man ihn so lange mangeln musz. Felder reich u. arm 228; die kühe mangelten es, dasz man gut zu ihnen sehe. J. Gotthelf Uli d. kn. 145; das wäre schön, sagte sie, und die gschrift werde schon gut sein, .. aber es sei ihr damit nit dienet, sie mangle baar geld. schuldenb. 104; und mit unterdrücktem object: he nun, es ist gut, dasz ich das weisz (dasz du geld hast), wenn ich dann mangle, komme ich zu dir. 152.
5)
etwas, ein gegenstand, auch eine person mangelt, bildet den mangel, wird entbehrt, fehlt: das manglet oder gebrist, id abest. Maaler 283ᶜ; es manglet äben einer, es fält umb einen, unus abest. ebenda; es manglet sunst nüt denn das, aliud nihil abest. ebenda; es mangelt viel geld, multum pecuniae deest. Steinbach 2, 20; es mangeln noch sechs groschen zu einem reichsthaler, sex grossi adintegrant imperialem nummum. ebenda; als ... mein herz den immermangelnden erkannte (den der immer gefehlt hatte). Schiller kab. u. liebe 1, 3;
noch mangelt, unser bündnis zu vollenden,
die dritte, wichtigste person.
don Carlos 2, 10;
sogar des spiegels kleine nothdurft mangelt.
M. Stuart 1, 1;
häufiger mit persönlichem dativ, es mangelt mir: alles was dir mangelt findestu bei mir. richt. 19, 20 (vorher: das uns nichts gebricht); der herr ist mein hirte, mir wird nichts mangeln. ps. 23, 1; er wird kein guts mangeln lassen den fromen. 84, 12; narung wird jm nicht mangeln. spr. Sal. 31, 11; darin (in einem dorfe) hatt zuͦ diser zeit auch ein hochgelerter pfaff gewonet, dem manglet gar nichts, dann das er nit wissen kund, wann es sambstag oder sunntag was, dann er sich gar nichts auf den kalender verstuͦnde. Wickram rollw. 83, 24; das ich lieb hab das manglet oder gebrist mir, id quod amo, careo. Maaler 283ᶜ; dem manglet nüt, der nüt begärt, non caret qui non desyderat. ebenda; du narr, was mangelt dir? Schuppius 822; mir mangelt gelt, non suppetit mihi argentum. Stieler 1231; mich ergriff eine verzweiflung. ich mangelte mir selbst; ein gott mangelte mir. Göthe 10, 131; denn ein herz das sucht, fühlt wohl dasz ihm etwas mangle; ein herz das verloren hat, fühlt dasz es entbehre. 17, 182;
nie mangle dem zecher,
des mais sich zu freun,
ein blinkender becher,
und rheinischer wein!
Hölty 177 Halm;
und mehr verwöhnt sich das gemüth, und strebt,
die goldne zeit, die ihm von auszen mangelt,
in seinem innern wieder herzustellen.
Göthe 9, 141;
rund um mich sind viele gute seelen,
welche brüderlich und liebevoll
mehr als ich des leidens tage zählen,
nur besorgt, dasz mir nichts mangeln soll.
Seume ged. 173;
doch mir mangelt geschichtlicher sinn.
Platen 139;
mit einem auf eine sache gehenden dativ: das melh im cad sol nicht verzeret werden, und dem olekrug sol nichts mangeln. 1 kön. 17, 14; las deine kleider jmer weis sein, und las deinem heubte salbe nicht mangeln. pred. Sal. 9, 8; ein runder becher, dem nimer getrenk mangelt. hohel. 7, 2; Büsching erwischte freilich nichts (keinen spezialbericht), daher mangelt wirklich das ganze Hukelum noch seiner erdbeschreibung. J. Paul Qu. Fixl. 187.
6)
mit allgemeinem subject es: mit feuchtem blick sieht sie empor und ruft hülfe von daher, wo ein zartes herz die gröszte fülle zu finden hofft, wenn es überall mangelt. Göthe 17, 362; das auch unterdrückt sein kann: wer dem armen gibt, dem wird nicht mangeln. spr. Sal. 28, 27.
7)
häufig es mangelt an etwas: darum das (dasz es) an brot und wasser mangeln wird. Hes. 4, 17; nu frewe ich mich in meinem leiden, das ich fur euch leide, und erstatte an meinem fleisch, was noch mangelt an trübsaln in Christo. Col. 1, 24; so etwas mangelt an ewrem glauben. 1 Thess. 3, 10; ich fürchte, so soll es an meinen kindlichen gehorsam nicht mangeln. Chr. Weise erzn. 113 Braune; es soll an meinem fleisze nicht mangeln, meum studium non deerit. Steinbach 2, 20; an mir soll es nicht mangeln, non desiderabuntur partes meae, non deero. Frisch 1, 639ᵃ;
will dir geben ein schweinin braten, ..
soll auch nicht manglen an knackwürsten.
L. Sandrub kurzweil (1618) 61;
mit persönlichem dativ: es mangelt ihm am gesichte, lumine destituitur. es mangelt dir noch an einem bei alle deinem glück, unum a summa tua felicitate abest. ich fürchte, es möchte mir an kräften mangeln, vereor, ne vires deficiant. Stieler 1231; weil es ihnen an genugsamer stärke des gemüths und an einer gewissen feinheit der empfindung mangelt. Wieland 1, 109;
wer keine neigung fühlt, dem mangelt es
an einem worte der entschuldgung nie.
Göthe 9, 68.
8)
für dieses an mit subst. steht in der ältern sprache auch der genitiv: wer gering ist, und wartet des seinen, der ist besser, denn der gros sein wil, dem des brots mangelt. spr. Sal. 12, 9; es manglet mir grad noch yetz muͦts, ich bin noch nit zuͦ mir selbs kommen, mihi animus etiam nunc abest. Maaler 283ᶜ; mir mangelt papyrs, ich hab nit papyr, non suppeditant mihi chartae. ebenda; mir manglet radts, ich weisz nit wʒ ich thuͦn sol, non suppetit consilium. ebenda.
9)
in erweiterter fügung: denn es mangelt dir noch viel, dasz du meine creatur mehr lieben soltest, dann ich. 4 Esra 8, 47;
dasz es narren hin und her, und nicht in der mänge gibt,
mangelt nur, dasz einer mehr, als der ander, wird geübt.
Logau 2, 207, 78 ('zahlbare thorheit').
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1546, Z. 40.

mängeln, verb.

mängeln, verb.
1) für mangeln. Schm. 1, 1625; einem mengeln, ihm schaden bringen. ebenda. vgl. auch bemängeln. 2) vgl. das zweite verbum mangen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1549, Z. 40.

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Zitationshilfe
„mangeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mangeln>, abgerufen am 20.10.2021.

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