Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mann, m.

mann, m.
vir.
I.
Abstammung und form.
1)
das gemeingermanische wort, auf die wurzel man bewuszt sein, sich besinnen zurückführend und mit altind. manú mensch identisch, erscheint goth. als manna, in einigen casus mit formen von leicht abweichenden nebenstämmen (vgl. Delbrück in Zachers zeitschr. 2, 406); im altnord. als mađr, gen. manns, schwed. man, dän. mand; alts. man, ags. fries. man, mon, niederd. niederl. engl. man; ebenso ahd. mhd. es meint allerdings den menschen ohne rücksicht auf das geschlecht; aber da nach der altgermanischen rechtlichen anschauung nur der mann im vollbesitze des menschlichen wesens sich befindet, so liegt von uralter zeit her in dem worte bereits die heutige bedeutung beschlossen, und tritt gelegentlich so scharf wie heute hervor. wie aber aus jener allgemeineren bedeutung sich man als unbestimmtes pronomen entwickelt hat, ist sp. 1520 fgg. ausgeführt; auch jemand (th. 4², 2301), niemand fuszen auf mann in demselben sinne.
2)
die casusformen von mann, in den alten dialekten von gröszerer mannigfaltigkeit, haben sich seit der mhd. zeit namentlich im sing. zu der regelmäszigkeit der gewöhnlichen starken masculinen substantive vereinfacht; nur der plural erscheint noch verschieden.
a)
das mhd. die man setzt sich auch im ältern nhd. noch fort: alle man von Israel. 1 Sam. 14, 22; das starke man waren. 1 chron. 24, 3; die weiber haben eben ein kleidung wie die mann. Micyll. Tac. 443ᵃ; jetzund glaub ich erst, wie man sagt, dasz die mann das plarr am morgen haben und die weiber erst nach mittemtag. Wickram rollw. 80, 8 Kurz (die menner 78, 5); auch beid gelehrt und gemeine mann sie (die fabeln) gern gelesen, und daran ihr kurzweil und erquickung funden. H. Wolgemut newer Esopus 3; haben alle prælaten, mann, städte und unterthanen der pommerschen länder an eides statt unterschrieben. Micrälius altes Pommern 3, 484;
vil tausent man verlorn den leib
von wegen des leviten weib.
H. Sachs fastn. sp. 1, 56, 82;
wan schon all man dich preisen.
Spee trutzn. (1654) 59.
b)
nicht dieser plural ist es aber, wenn bis heute bei zahlbestimmungen mann erscheint, sondern ein singular, der bestimmt ist, das einzelwesen innerhalb der gesamtzahl hervorzuheben (ebenso bei maszbestimmungen: sieben fusz, zoll, klafter gleich sieben mal das masz eines fuszes u. s. w.; andere auffassung gramm. 4, 285): sahe seinen bruder Esau komen mit vierhundert mann. 1 Mos. 33, 1; da zogen drei tausent man von Juda hinab. richt. 15, 11; des volks das bei jm war, war bei sechs hundert man. 1 Sam. 14, 2; (als sie) einen pasz mit hintertreibung der Dähnischen, und erlegung vierhundert mann eroberten. Micrälius altes Pomm. 5, 208; sind nicht gar in einem tage gestorben (an der pest) siebenzigtausend mann. Schuppius 782 (nach 2 Sam. 24, 15); ein regiment von 2000 mann stehe in langer fronte, drei mann hoch da. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 197; wol auch in dem seemännischen kommandoruf: alle mann auf deck! sowie in dem zurufe beim gemeinschaftlichen heben einer last: alle mann hoch! vgl. weiteres unten II, 6, a. bei solchen zahlbestimmungen steht der plur. nur ausnahmsweise: etliche chroniken dürfen in diesen dreien feldschlachten noch von 20000 mannen schreiben, die darinnen sollen erschlagen sein. Schütz Preusz. 39; sie lieszen das boot hinunter, das freilich nur sechs bis acht männer fassen konnte. Göthe 28, 234.
c)
neben dem alten plur. die mann stellte sich auch die manne im mitteldeutschen ein:
dî vorgenanten manne (: Johanne).
Jeroschin 5648;
wir erbar manne, rath, viertelmeister, eltesten und gemeine einwoner der stad .. zu Leisnick. (rathsordnung bei) Luther 2, 261ᵇ; so wil ich nu, das die manne beten. 6, 170ᵇ (nach 1 Tim. 2, 8, wo aber menner); getreuen räthe, rittere, knechte, manne und städte. Schütz Preuszen 85;
weibern sind gebrechen
sonsten nicht zu rechen,
auszer wenn sie fehlen,
und die manne zehlen.
Logau 3, 235, 96.
d)
mit übertritt in die schwache declination auch plur. die mannen, frühester nachweis vom jahr 1320 bei Lexer mhd. wb. 1, 2021; im genitiv: wyszhait so vil groszer und treffenlicher mannen. N. v. Wyle transl. 223, 24 Keller; dieser plur. ist auch der heutigen sprache noch, aber in bestimmter bedeutung eigen, vgl. unten II, 7; mundartlich, in Baiern, bezeichnet er doch auch die männer einer gemeinde: lôsts, mannen! und ähnl. als anrede Schm. 1, 1601 Fromm.
e)
der dat. mannen kann allen bisher genannten pluralformen angehören, für die ältere sprache wird er am natürlichsten der ältesten (oben a, mhd. man, nhd. mann) zugewiesen: als erleube er beiden, mannen und weibern die stummen sünden. Luther 8, 14ᵇ; das die weiber von den mannen abgesöndert (sind). Zimm. chron. 4, 110, 6; hat sich groszes heulen und weinen von mannen und frauwen erhebt. b. der liebe 192ᵇ; (sind sie) den mannen entgegen gezogen. Zinkgref apophth. 1, 412; eine, die noch nichts von mannen weisz. Simpl. 4, 41 Kurz;
von wybern in Lacedemon,
die durch liebi und groszen lyst
hand iren mannen läben gfrist.
P. Gengenbach gouchmatt 422;
plasen in henden gibst (du armut) den mannen,
das weib und kind vor hunger zannen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 28, 197 Götze;
den mannen pist ein spott und schandt.
100, 61;
untrew hat ain langen stil,
der raicht in alle landt
und ist euch mannen wolbekannt.
Zimmer. chron. 4, 324, 25;
das heutige sprachgefühl aber empfindet ihn als dat. der form mannen (oben d) und verwendet ihn demzufolge nur in der beschränkten bedeutung unten II, 7.
f)
der heutige plur. männer kommt erst im 15. jahrh. empor: weresz, das der mennir einer buszhaftig worde. weisth. 3, 357 (Hessen, von 1449); so haben sich doch etlich derselben gemeinen weiber unterstanden, sundere bulschaft, die sy nennen liebe menner, zu haben. Nürnberg. pol. ordn. 121;
weis, toren, junk und alt, menner und frauen.
fastn. sp. 379, 20;
auch ohne umlaut manner, so bairisch Schm. 1, 1600 Fromm., östreichisch:
herr Hans, herr Elias, herr Pfanner
sagten, es fertigten viel ehrbar manner ...
Opel u. Cohn 27, 24 (Wien, von 1619);
für menner steht mender in bairisch-östreichischen, fränkischen, hessischen alten quellen, wie bairisch noch jetzt (Schm. a. a. o.): die mhender gemeinlich jung und alt. weisth. 3, 349 (Hessen, von 1492);
wen alle mender Symon wern,
das sehen die weiber von herzen gern.
Schmelzl hochz. 17ᵃ;
und wir mender kochen und spüln.
H. Sachs 1, 4, 361ᵃ;
weil mir, fürwitz, durch alle länder
jetzt fast anhangen alle mänder.
ders. fastn. sp. 1, 100, 64;
das sint jung mender und jung gseln.
2, 35, 267;
du eiferer, du weiberschender!
du bist ein schand aller mender.
J. Ayrer fastn. sp. 70ᵃ (2687, 22 Keller);
auch in der schreibung menner, aber im reime auf auszlender H. Sachs fastn. sp. 1, 92, 328.
II.
Bedeutung.
1)
mann, ohne hervorhebung der geschlechtlichen bedeutung, im bloszen sinne einer person (vgl. dazu jemand, niemand), und in allen den singularfällen, denen gegenüber im plural menschen oder leute (vgl. oben sp. 838, nr. 2, und sp. 841 fgg., nr. 12 fgg.) eintritt; in mannigfachen beispielen.
a)
der mensch, im gegensatz sowol zu gott und engeln, als zum thier:
der sin bescheidet einen man
von dem vihe daʒ niht kan.
wälsch. gast 732;
verfluchte lästerwort ohn grund
stracks wider got und man fürbringen.
Weckherlin 57;
sorgfältig (gegen got und man ohn heuchelei)
mein amt nach schuldigkeit aufrichtig zu verwalten.
66;
lasz sprechen, wer nur sprechen kann,
doch wird kein engel noch kein mann
des höchsten grösz aussprechen.
P. Gerhard 299, 27;
alles was ein man hat, leszt er fur sein leben. Hiob 2, 4; ist deine zeit wie eines menschen zeit? oder deine jar wie eines mans jare? 10, 5; wie mag ein mensch gerechter sein, denn gott? oder ein man reiner sein, denn der jn gemacht hat? 4, 17; ich bin geacht gleich denen, die zur helle fahren, ich bin ein man der keine hülfe hat. ps. 88, 5; denn wer einen ochsen schlachtet, ist eben als der einen man erschlüge. Jes. 66, 3; inn die andern goldinseln, so bei mannes gedechtnus in orient erfunden und erobert sein. Mathes. Sar. 22ᵇ; bei einer maszbestimmung nach der menschlichen gestalt: under der erden eins mans tief. Frank weltb. 164ᵇ; ein brunn, der acht mann tief ist, fons octo in altitudinem orgyarum. Steinbach 2, 22;
eines mannes müeʒen sol er gerne tuon (was ein mensch einmal thun musz).
grosz. Wolfdietr. 1131, 1;
es ist die weisheit, die kein mann
recht aus dem grunde wissen kann.
P. Gerhard 287, 19;
vor einem abhängigen satze, in dem allgemeinen sinne derjenige, welcher: aber ich möchte doch auch der mann nicht sein, der ... auf seinen sofa ausgedehnt von feenschlössern und schlaraffenländern und goldnen zeiten und schönen seelen träumte. Wieland 8, 101;
eʒ ist kein wunder, daʒ ein man,
der niht beʒʒers enkan,
eine wîle missetuot.
Hartmann 1. büchl. 1127;
hör, junger gsell! hie findst den man,
nach dem du fragst (spricht der fürwitz).
H. Sachs fastn. sp. 1, 99, 42 Götze;
lobt das werk und liebt den mann,
der das gute werk gethan.
P. Gerhard 104, 41.
b)
nach adjectiven, wo auch der adjectivbegriff substantivisch stehen könnte: ein vorsichtiger mann wartet ab gleich ein vorsichtiger; ein loser mensch, ein schedlicher man, gehet mit verkeretem munde. spr. Sal. 6, 12; ein barmherziger man thut seinem leibe guts. 11, 17; ein witziger man gibt nicht klugheit fur, aber das herz der narren rüfet seine narrheit aus. 12, 23; ein vernünftiger mesziget seine rede, und ein verstendiger man ist eine thewre seele. 17, 27; ein trewer man wird viel gesegenet, wer aber eilet reich zu werden, wird nicht unschüldig bleiben. 28, 20; der reiche mann ist nicht immer glücklich, der arme mann ist es oft mehr;
aber wenn ich nur erblicke
was hier auf der erden ist,
find ich alles voller lügen:
wer am besten kann betriegen,
wer am schönsten heucheln kann,
ist der allerbeste mann.
P. Gerhard 263, 16;
der brave mann denkt an sich selbst zuletzt.
Schiller Tell 1, 1;
glaube dich nicht allzu gut gebettet;
ein gewarnter mann ist halb gerettet.
Göthe 4, 923;
ich mag nicht solchen unsinn hören.
fahr hin! die schlechtste litanei,
sie könnte selbst den klügsten mann bethören.
41, 316;
nach possessiven: diese kunst ernährt ihren mann, exercet sumtum suum. Serz 95ᵃ, ernährt denjenigen, der sich zu ihr in beziehung setzt.
c)
häufig in der formel der gemeine mann, collectiv für alle die geringen standes sind (der plur. die gemeinen leute sp. 845): der gemeine mann, vulgus, der gemeine mann billigte das urtheil der fürnehmen, vulgus approbabat judicium superiorum. Steinbach 2, 22; beide gemeine man und herrn, beide reich und arm mit einander. ps. 49, 3; denn es gieng gleiche rache, beide uber herr und knechte, und der könig muste eben, das der gemeine man, leiden. weish. Sal. 18, 11; mit diesen worten accomodirt sich der h. geist des gemeinen manns verstand. Schuppius 156; so wie etwa der gemeine mann sagt. Kant 7, 73; wenigstens stimmte der priester Strobylus öfters grosze klaglieder darüber an, dasz die meisten guten häuser die froschgräben ... unvermerkt eingehen lieszen, und der gemeine mann beinahe der einzige sei, der in diesem stücke noch an dem löblichen alten brauch hange. Wieland 20, 185; ist denn gar kein unterschied zwischen diesen beiden sätzen: die kirche will durchaus nicht, dasz die bibel in gemeine landessprachen übersezt werde; und die kirche hält für besser, wenn der gemeine mann dergleichen übersetzungen nicht lieset? Lessing 11, 529.
d)
der dritte mann, bei einem geschäfte, einem spiele, einer gesellschaft, im sinne des dritten schlechthin: es fehlt der dritte mann im spiel, wollen sie eintreten? kann auch eine frau gefragt werden; wann aber der teufel ... sich alsdann mit ihnen vergesellschafte oder den dritten mann abgebe. Simpl. 1 (1713), 245; wie sehr hätt ich gewünscht, hier Schillern als dritten mann zu sehen, der als denker mit ihm, als dichter mit mir in verbindung gestanden ... hätte. Göthe 60, 273; endlich ist der dritte mann zum reise-kollegium gefunden (sagte Julienne). J. Paul Tit. 4, 154;
führt mich ins feuer frisch hinein,
über den reiszenden, tiefen Rhein —
der dritte mann soll verloren sein —
werde mich nicht lang sperren und zieren.
Schiller Wallenst. lager, 6. auftr.;
bester mann: bin auch mit dem hauptmann bester mann (gutfreund) worden. Schweinichen 3, 215. mann mit possessiven bei verkäufen, übergaben u. s. w. der vorbesitzer: ich halte mich an meinen mann, is qui mihi vendidit, respondebit pro me. Stieler 1233; ich habe meinen mann, der mir das gelt gegeben hat, novi hominem, qui hos nummos mihi numeravit (et ita hoc vocabulum mann etiam mulierem complectitur). ebenda.
e)
bei rechnungen oder vertheilungen, wo es sonst auf den kopf (th. 5, 1752) geht: sprichwörtlich der mann einen vogel, bei gleicher theilung; der mann einen vogel, portio virilis, pro rata, scil. parte. Stieler 1232; es kommt auf den mann eine mark; mann für mann zahlt einen gulden.
f)
etwas an den mann, oder auch ohne artikel an mann bringen, lebendiger als bloszes anbringen: als dasz sie die im kriege eroberte beute an mann brachten. Bünau 1, 103; wir haben aber auch sonst noch beamte, welche die andern strafen an den mann bringen müssen. Klopstock 12, 24; dasz ich eine ziemliche portion mitleiden bei mir vorräthig habe, welche ich täglich, und wie ich aufrichtig versichern kann, recht gut an den mann zu bringen weisz. 11, 239; wer nur darauf denkt, die wahrheit unter allerlei larven und schminke an den mann zu bringen. Lessing 8, 326; sie entschuldigten sich damit, dasz sie thun müszten, was ihre herrschaft ihnen befähle, und das beste ihrer unterthanen mit sich brächte, die ihre landesproducte gern mit vortheil an mann bringen wollten. Schiller 1087ᵃ; gewöhnlich haben unsere (schau)spieler für jedes genus von leidenschaft eine aparte leibesbewegung einstudirt, die sie mit ... fertigkeit ... an den mann zu bringen wissen. hist.-krit. ausg. 2, 346; ein gnädiger herr, der (auf einem maskenballe) ... seine molchsgestalt für einen Mercurius an mann bringen wollte. Göthe 33, 273;
lasz denn endlich ab vom singen!
glaubst du bei so klugen zeiten
wirklich an den mann zu bringen
deine zarten kleinigkeiten?
Platen 52;
eine tochter an den mann bringen, in die ehe, wobei dann auch an die bedeutung unten nr. 11 gedacht wird: papa und mama .. die werden gott danken, ihr töchterchen an mann zu bringen. Gotter 3, 292.
g)
die noth kommt, geht, tritt an den mann, lebendiger ausdruck für die bedrängende noth: der krieg bestehet nur in diesen zweien dingen: einmahl, dasz man seinen feind tapfer anfalle, und dernach, wann die noth an den mann kompt, durchzugehen weisz. pers. baumg. 4, 17; wenn die noth an mann geht, wenn euch das wasser an die seele geht, ihr werdet alle schätze der welt um ein christliches seufzerlein geben. Schiller räuber 5, 1; etwas geht gegen den mann, ist dem menschen nicht genehm: mein lehrer war der ansicht, sie (eine kugel) könne als ellipse erscheinen; ich vermochte, obgleich mir dies ganz gegen den mann ging, nichts einzuwenden. G. Parthey jugenderinn. (1871) 2, 128; es ist wider den mann, horror inest, nescio quod frigus mihi oboritur, repugnat sensui meo interno. Serz 95ᵃ; ein hund ist auf den mann dressiert, wenn er menschen angreift.
h)
allitterierende verbindung mann und maus: nachher gings ja mit mann und maus auf das schlosz. Gutzkow ritter v. geist 4, 113;
gedenk! im hui ists mit uns aus.
der tod erwürget mann und maus.
Drollinger 147;
wärn gute leute auf dem schiff gewesen,
in grund gesunken wärs mit mann und maus.
Schiller Tell 4, 3.
2)
mann, mit dem plur. männer (vgl. auch mannesleute, mannsleute) strict nur den männlichen menschen bezeichnend; allgemein, so dasz auch der knabe darunter verstanden ist: eben auf einen tag, worden sie alle beschnitten, Abraham, sein son Ismael, und was mans namen in seinem hause war, daheim geborn, und erkauft von frembden, es ward alles mit jm beschnitten. 1 Mos. 17, 27; und dasz man wol auch einen knaben einen kleinen mann nennt (vergl. dazu junger mann unten d):
'meinen stachel, der dich kränkt (spricht die wespe zum knaben),
hat mir die natur geschenkt,
und ich musz gezwungen schaden.'
muszt du? fragt der kleine mann.
Lichtwer fabeln 4, 15;
gewöhnlich aber den erwachsenen und gereiften, im gegensatz zu kind, jüngling, meinend: da ich ein kind war, da redet ich wie ein kind ... da ich aber ein man ward, that ich abe was kindisch war. 1 Cor. 13, 11; auswendig wird sie das schwert berauben, und inwendig das schrecken, beide jünglinge und jungfrawen, die seuglinge mit dem grawen man. 5 Mos. 32, 25;
zehen jar ein kindt,
zwenzig jar ein jüngling,
dreiszig jar ein man, ..
sibenzig jar ein greisz.
Agr. spr. 173ᵃ;
immer dieselbe, bewahrst du (natur) in treuen händen dem manne,
was dir das gaukelnde kind, was dir der jüngling vertraut.
Schiller spazierg. v. 195;
glücklicher säugling! dir ist ein unendlicher raum noch die wiege;
werde mann, und dir wird eng die unendliche welt.
das kind in der wiege;
und jene knabenfehde wolltet ihr
noch jetzt fortkämpfen, da ihr männer seid?
braut v. Mess. v. 422;
bei maszbestimmungen daher (im gegensatz zu oben 1, a) den ausgewachsenen mann hervorhebend:
drei männer umspannten den schmerbauch ihm nicht.
Bürger 66ᵃ;
der frau, dem weib gegenüber gestellt: einige bauersleute, männer, frauen und kinder drangen in unsere zimmer und warfen sich heulend und schreiend mir zu füszen. Göthe 30, 139; erwacht, ihr männer von Thurneck, ihr weiber und kinder des fleckens, erwacht! H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 3, 7; es brachten aber beide man und weib, wers williglich thet, hefte, ohrrinken, ringe und spangen. 2 Mos. 35, 22; ein weib sol nicht mans gerete tragen, und ein man sol nicht weiberkleider anthun. 5 Mos. 22, 5;
das spil ist jetzundt gar gemein
bei alten und jungen, deszgleichen
beide bei armen und den reichen,
bei geistlich, weltlich, fraw und man.
H. Sachs fastn. sp. 1, 72, 87;
ewig aus der wahrheit schranken
schweift des mannes wilde kraft ..
aber mit zauberisch fesselndem blicke
winken die frauen den flüchtling zurücke.
Schiller würde der frauen;
kraft erwart ich vom mann, des gesetzes würde behaupt er;
aber durch anmuth allein herrschet und herrsche das weib.
macht des weibes;
in der anrede der geliebten:
bester mann! von herzen lieb ich dich!
Göthe 12, 168;
ferner in einer groszen anzahl von fällen, von denen hier das hauptsächliche hervorgehoben werden soll.
a)
die engere bedeutung ist durch die umgebung des wortes gesichert, die namen oder geschlecht nennt: es war ein man im lande Uz, der hies Hiob. Hiob 1, 1; da sagten wir jnen wie die menner hieszen, die diesen baw theten. Esra 5, 4; und haben die namen beschrieben der menner die jre obersten waren. 10; ein mann aber mit namen Ananias. ap. gesch. 5, 1; ich kenne einen guten mann, der heiszet Petrus Tornarius. Schuppius 495; der erste komiker heiszt Ignaz Schuster, ein mann von gott geschaffen, vom kopfe bis zum schwanze. Zelter im briefwechs. mit Göthe 8, 23;
Ruodi. dort kommt ein mann in voller hast gelaufen.
Werni. ich kenn ihn, s ist der Baumgart von Alzellen.
Schiller Tell 1, 1;
hoch führt der graf die reuter an:
mein sohn ist wie ein andrer mann!
marsch, kinder, in den feind!
graf Eberhard der greiner.
b)
adjectiva bezeichnen herkunft, abstammung: sahe zween ebreische menner sich mit einander zanken. 2 Mos. 2, 13; ein egyptischer man errettet uns von den hirten. 19; von stund an tratten hinzu etliche chaldeische menner, und verklagten die Jüden. Dan. 3, 8; nu sind da jüdische menner, welche du uber die ampt im lande zu Babel gesetzt hast. 12;
wohin segelt das schiff? es trägt sidonische männer.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 45;
dafür der länder- oder städtename mit von: jr menner von Israel höret diese wort. ap. gesch. 2, 22; jr menner von Athene. 17, 22; jr menner von Epheso. 19, 35; es sol dir nicht gebrechen an einem man vom stuel Israel. 1 kön. 9, 5; auch ohne von: da kamen alle menner Israel zum könige. 2 Sam. 19, 41; mit aus: ein man aus Morenland. ap. gesch. 8, 27.
c)
oder gestalt, körperbeschaffenheit: Eglon aber war ein seer fetter man. richt. 3, 17; er war alt, und ein schweer man. 1 Sam. 4, 18; da war ein langer man, der hatte sechs finger an seinen henden. 2 Sam. 21, 20; er war auch ein seer schöner man. 1 kön. 1, 6; wo Saul sahe einen starken und rüstigen man, den nam er zu sich. 1 Sam. 14, 52; er war ein groszer, kräftiger mann;
es sei ihr auch nicht sehr entgegen, ..
von einem hübschen mann sich hochgeschätzt zu wissen.
Wieland 10, 211;
sprichwörtlich ein kleiner mann ist auch ein mann, auch auf innere eigenschaften (unten f) gewendet: mit dem künstler nur musz man sich nicht vergleichen, sondern nach seiner eigenen art verfahren: denn die natur hat für ihre kinder gesorgt, der geringste wird nicht, auch durch das dasein des trefflichsten an seinem dasein gehindert: 'ein kleiner mann ist auch ein mann!' Göthe 27, 281;
drum treibs ein jeder wie er kann,
ein kleiner mann ist auch ein mann!
13, 5;
ein kleiner mann, ein groszes pferd,
ein kurzer arm, ein langes schwert
musz eins dem andern helfen.
Uhland ged. 341,
der schwarze mann, im kindermunde von einem schwarz gekleideten oder schwarz gefärbten, vom schornsteinfeger, leichenbitter, leichenträger (anders unten nr. 12): die kinder ... die sich noch lange beklagten, die schwarzen männer hätten die mama weggetragen! Göthe 16, 86.
d)
oder lebensalter: da kam ein alter man von seiner erbeit vom felde. richt. 19, 16; der war ein junger feiner man. 1 Sam. 9, 2; könig Diether, welcher nun auch ein alter mann ware. Zinkgref apophth. 1, 411; das könnt ihr nicht wollen von einem einundsiebenzigjährigen manne! Schiller räub. 4, 2;
du bist ein feiner junger man.
H. Sachs fastn. sp. 2, 13, 33;
ein mann in den besten jahren, das mittlere lebensalter anzeigend:
er ist ein lieber charmanter mann,
ein mann in seinen besten jahren.
H. Heine 15, 151;
junger mann heiszt heute auch wol in höflicher sprache der mehr herangewachsene knabe, ein kaufmann, ein händler sucht sich jetzt einen jungen mann in die lehre, der handwerker bleibt hier gern noch beim knaben.
e)
lebensstellung, wertschätzung: ein armer, reicher, vornehmer, geringer mann; ein armer man, der die geringen beleidigt, ist wie ein melthaw, der die frucht verderbt. spr. Sal. 28, 3; ich aber bin ein armer geringer man. 1 Sam. 28, 13; und er ward ein groszer man, gieng und nam zu, bis er fast gros ward, das er viel guts hatte. 1 Mos. 26, 13; der teure man (Luther). Henneberger preusz. landtafel 486; wurde mir ein vornehmer mann gezeiget. Schuppius 467; sie suchten einen glücklichen, einen ihrer liebe würdigen mann. Lessing 1, 540;
wie oft verarmt ein reicher mann!
P. Gerhard 184, 34;
sieht mich die mitternacht bei meinem sehrohr wach;
so ahm ich höchstvergnügt berühmten männern nach.
Hagedorn 1, 17;
ein armer mann, gedrückt von mancher noth,
nahm in die hand sein letztes brot.
Gleim 3, 390.
f)
innere eigenschaften: Noah war ein from man. 1 Mos. 6, 9; und Mose rief dem Bezaleel und Ahaliab und alle weisen mennern. 2 Mos. 36, 2; und diese gottlose leute haben einen gerechten man in seinem hause auf seinem lager erwürget. 2 Sam. 4, 11; und sie brachten uns ... einen klugen man aus den kindern Maheli. Esra 8, 18; ein weiser man ist stark, und ein vernünftiger man ist mechtig von kreften. spr. Sal. 24, 5; Abi Melech bestellet ... lose leichtfertige menner, die jm nachfolgeten. richter 9, 4; er sei allezeit ein frommer mann gewesen. Schuppius 467; ein vortrefflicher mann! Schiller räuber 4, 2;
hör zu Sigmund, was dapfern manns
ist unser lieber bruder Hans.
H. Sachs 3, 2, 33ᵇ;
seht was die lieb und andacht kan,
bei einem solchen heilgen mann.
L. Sandrub kurzweil 110;
hoch klingt das lied vom braven mann.
Bürger 36ᵃ;
und endlich treibt das volk, ein bild der weltgeschichte,
aus seinem kreis den reinen mann (Aristides).
Seume ged. 152;
von heiligen männern und von weisen
liesz ich mich recht gern unterweisen.
Göthe 3, 245;
gelehrte deutsche männer,
der deutschen rede kenner.
Uhland ged. 75;
ein guter mann; der gute mann, der liebe mann, auch halb ironisch oder halb mitleidig gebraucht: der gute mann dachte, die leute wären nur seinetwegen da; der liebe mann ist ein wenig zu eingebildet; ich weisz nicht, wie dieser gute mann in etwas übersichtig ward. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 21; der gûde man in quellen des 15. jahrh. auch armer, siecher mann Lexer mhd. wb. 1, 2022; ein groszer mann, in bezug auf geist und charakter (unterschieden von oben c und e): der friede hat noch keinen groszen mann gebildet, aber der krieg brütet kolosse und helden aus. Schiller räuber trauersp. 1, 4;
ich glaube, saget er, was grosze männer sagen.
Lichtwer fabeln 4, 17;
der erste mann unserer zeit, der hervorragendste; es ist einer der ersten männer unseres jahrhunderts. H. Heine 2, 212.
g)
ein todter mann:
des sach er da von toten mannen
mangen groszen haufen ligen.
Ring 57ᶜ, 25;
sich für einen todten mann ergeben, sich auf den tod gefaszt machen:
so must du dich dem arzt voran
ergeben für ein todten man,
dieweil das schneiden ist geferlich.
H. Sachs fastn. sp. 1, 136, 114;
auch verhüllend ein stiller mann: den andern morgen war er ein stiller mann.
h)
für derartige adjective (cf) treten substantive durch von vermittelt auf: ein mann von bedeutender länge; ein mann von klugem verstande, vir ingenio summo praeditus. Steinbach 2, 21; ein mann von vornehmen geschlächte, vir summo loco natus. ebenda; ein mann von groszen ansehen, vir magnae auctoritatis. ebenda; wie ist es gekommen, dasz man einen mann von ihren verdiensten nicht beibehalten? Lessing 1, 575; dasz herr Le Begue de Presle ein mann von bekanntem ansehen und von solchen eigenschaften des geistes und herzens ist, die keinen zweifel zulassen, ob das wahr sei, was er für historische wahrheit giebt. Wieland 15, 257; man hofft von dem neuen unternehmer, als einem manne von kenntnissen und geschmack, etwas besseres. Seume mein sommer 91;
Hohenthal, der mann von alter sitte.
ged. 170;
er ist ein mann von herz.
173;
es ist wie franz. homme de coeur, homme d'esprit, homme de guerre u. a.; mann von gott! (zu einem priester gesagt). Klinger Otto 21, 22;
was thut der mann von tausend siegen?
Lessing 1, 46.
i)
auch genetive bestimmen den mann näher; so in der biblischen sprache ein mann gottes, gott gehörig, von gott hergesandt: dis ist der segen, da mit Mose der man gottes, die kinder Israel vor seinem tod segnet. 5 Mos. 33, 1; und sihe, ein man gottes kam von Juda. 1 kön. 13, 1; disz ist eigentlich Elie des mannes gottes lere. Mathes. Sar. 3ᵇ; Lutherum, den teuern man gottes. Henneberger preusz. landtafel 487; in der neuern sprache aber in allerhand verbindungen: der mann der gründlichkeit wird zuletzt höchstens der sophist seines jugendwahns. Kant 3, 50; rede, rede! ich bin der mann der bleichen furcht nicht. Schiller räuber 4, 5; hofmarschall. und dieses billet soll ich seiner hochfürstlichen durchlaucht zu höchsteigenen händen geben? lady. mann des erbarmens! zu höchsteigenen händen. kab. und liebe 4, 9; er ist ein mann des volks; nicht ein mann der überlegung, aber ein mann der that ist er;
lebe wohl, du mann der lust und schmerzen!
mann der liebe, meines lebens stab!
Bürger 63ᵇ;
ich bin ein mann des tods, wenn sie mich greifen.
Schiller Tell 1, 1;
du bist ein mann der ausführung.
Demetrius (hist.-krit. ausg. 15², 466);
verklage nicht das fromme schwert der zeit,
wenn du der mann der tausend wunden bist!
Platen 72.
k)
so mann als zweites glied in zusammensetzungen, deren erstes bestimmung und beziehung ausdrückt, vgl. gottesmann, volksmann, friedensmann; kraft- und flammenmann. J. Paul nachdämmerungen s. 90; jammermann, vgl. th. 4², 2257; kittelmann, th. 5, 865; scherzend hosenmann, von kleinen knaben, die ihre ersten hosen tragen. Frisch 1, 639ᶜ; und solche worte schon in der alten sprache in bezug auf herkunft, mhd. Rînman, Rheinländer, Ôstermann, Östreicher, was heute als personenname Reimann, Ostermann noch lebt; alt auch und weithin mundartlich an eigennamen: Carlmann, Ditzmann, Petermann, Heinzmann Frisch 1, 501ᶜ. 639ᶜ; clevisch Fretzemann Fritz, Hennemann Heinrich Geerling 19; Tyleman des voghedes knecht. d. städtechr. 6, 58, 11; Peterman Sevogel. Vischer Sevogel (1880) 21; dem vesten Henman Sevogel. s. 38 (von 1439); Heintzman von Eptingen. 88 (von 1421); kosend ostfriesisch in broerman bruder, brüderchen Fromm. 4, 355; und jetzt in zusammensetzungen, die einen beruf, einen stand, ein leben in etwas bezeichnen, vgl. handwerksmann, kaufmann, schulmann, weltmann, kirchenmann, börsenmann; volksmäszig gern für herumziehende händler, kohlenmann hausierender kohlenverkäufer, ebenso sandmann, spänemann, lumpenmann (oben s. 1298 nr. 1); endlich als parteibezeichnung, fortschrittsmann, rückschrittsmann.
l)
der rechte mann, der mann, den man eben verlangt: indem sich doch noch einige schauspieler gemeldet hätten, und sich unter ihnen der rechte mann finden könnte. Göthe 19, 175;
da kumbt der rechte mann herzu.
H. Sachs fastn. sp. 2, 148, 219;
eben das drückt auch mann mit possessivpronomen aus: das ist unser mann, den wir gerade brauchen und suchen; ich hungere nach überzeugung so sehr, dasz ich, wie Erisichthon, alles verschlinge, was einem nahrungsmittel nur ähnlich sieht. wenn sie mit diesem bogen (einer druckschrift) es eben so machen: so sind wir, einer des andern mann. Lessing 10, 33; sofern sonst nichts nöthig ist als dir zu folgen, und zu sehen, was du mir zeigst, bin ich dein mann. Wieland 36, 152; lösch deine laterne aus, schlauer Diogenes! du hast deinen mann gefunden. Schiller räuber 2, 3; der falkenblick dieses spürers verfehlte auch hier seinen mann nicht. hist.-krit. ausg. 4, 83; kaum hatte er Ferdinanden gesehen, als ihm dieser sein mann zu sein schien. Göthe 15, 191; man verdient wenig dank von den menschen, wenn man ihr inneres bedürfnis erhöhen .. will. aber wenn man die vögel belügt, mährchen erzählt, von tag zu tag ihnen fort helfend, sie verschlechtert, da ist man ihr mann. 27, 79;
er ists, er ists! wir haben unsern mann,
ruft Fatme aus; es kann nicht besser passen!
Wieland 22, 199 (Oberon 5, 14);
(Tiroler, die) auf ihren mann
mit wilden blicken
ihr rohr in eil
ans auge drücken.
Gökingk 1, 232;
Merkurius ist unser mann,
ders prakticieren trefflich kann.
Schiller räub. 4, 5;
ihr wackern träger
und eure schwäger
die kohlenbrenner,
sind unsre männer.
Göthe 41, 30;
mein mann, unser mann aber auch der, von dem man eben spricht: wenn wir nur unsern mann auf das theater bringen können, sagte Aurelie. Göthe 19, 175; aber in der mitte solcher heftigen bewegungen und solches geschreis veränderte mein mann sein ganzes wesen bei einer harmonischen stelle. 36, 35;
mein mann verspricht mit vielen schwüren,
indem er ihre knie aus dankbarkeit umfaszt,
sich sehr bescheiden aufzuführen.
Wieland 10, 212;
brecht ab!
ich sehe unsern mann dort eben kommen.
Schiller Piccol. 1, 1.
die kaufleute des 17. jahrhunderts hieszen ihren factor ihren mann schlechthin, vgl. Stieler 1233, als den, mit dem sie die nächste beziehung hatten.
m)
der mann, in allgemeinster beziehung auf einen vorher genannten: ich sah heute deinen bruder. ich weisz nicht, der mann scheint mir krank zu sein, spricht ein bekannter zum andern; warum wich mir N. heute aus, hat der mann ein böses gewissen?; warte, Franciska; ich besinne mich. er spricht sehr oft von ökonomie. im vertrauen, Franciska; ich glaube, der mann ist ein verschwender. Lessing 1, 527; ich erinnere mich, einen armen schelm gesprochen zu haben, als ich herüber kam, der im taglohn arbeitet und eilf lebendige kinder hat — man hat tausend Louisdore geboten, wer den groszen räuber lebendig liefert. dem mann kann geholfen werden. Schiller räub. 5, 2; der vater nahm seine relation gut, doch nicht mit solchem beifall auf, wie er hoffte, denn der vorgang mit dem gelde machte den mann zerstreut und verdrieszlich. Göthe 15, 197; sie fragte nach ihm (dem vater), er war ausgegangen, um uns den unerträglichen kummer zu verbergen den er fühlte, der mann war ganz zerrissen. 16, 86; da ich sah, dasz mich der mann vergebens dauerte. 36, 36;
doch könnte dieser mandarin
gewisser Deutschen schriften schauen,
wie würde sich der mann erbauen!
Lichtwer fabeln 3, 10;
ferner bei der anrede eines, der seiner näheren stellung nach nicht bezeichnet wird: ach ihr mann, was habt ihr gestern die drei kreuze nicht eingehauen? Grimm deutsche sagen 1, no. 47; unglücklicher mann, wenn sie gar nichts lieben! Lessing 1, 540; stell dich, mann! (bleib stehen). Klinger Otto 7, 4;
was felt dir, mein man? sag an, lieber (arzt zu einem kranken).
H. Sachs fastn. sp. 2, 56, 209.
n)
mann von gott, den man sich als solchen vorstellt, und von Christus, seiner menschlichen erscheinung nach: gott ist und bleibt ein solcher mann, der glück und unglück in einem moment und augenblick ändern kann. Schuppius 135; wann es uns wolgehet, so halten wir unsern herrn gott für einen guten mann. 258; sprichwörtlich: den lieben gott einen guten mann sein lassen, unbekümmert leben;
du aber bist der fromme mann,
herr mein gott, der nicht lassen kann
die, so sich zu dir halten.
P. Gerhard 254, 33;
darumb, das er (gott) einen tag gesetzt hat, auf welchen er richten wil den kreis des erdboden, mit gerechtigkeit, durch einen man, in welchem ers beschlossen hat. ap. gesch. 17, 31;
es streit fur uns der rechte man,
den gott hat selbs erkoren.
fragstu, wer der ist?
er heiszt Jhesus Christ,
der herr Zebaoth.
Luther 8, 364ᵇ.
o)
mann endlich in sprichwörtern und redensarten, die verschiedene lebensstellung und verschiedenes ansehen betonen: guter mann ist guter seide werth. wie der mann, so brät man ihm die wurst. darnach der mann ist, brät man ihm den hering. Simrock sprichw. 363; darnach mann, darnach gunst. 364; er ist ein mann bei der stadt, etiam pars rei publicae est. Serz 95ᵃ, gewöhnlich gebraucht wie ein angesehener, geehrter mann;
darnach der mann gerathen,
wird ihm die wurst gebraten.
Simrock a. a. o.;
wir unterscheiden, wie billig, den mann von seinem kragen.
Wieland 4, 159 (n. Amadis 7, 20);
denn darnach der man ist, ist auch seine kraft. richt. 8, 21.
3)
mann, mit betonung der ihn vor dem weibe auszeichnenden eigenschaften, der thatkraft, des mutes, der stärke, der kampflust.
a)
im gegensatz zu schwächling, feigling, bube:
du hast bis jetzt nur schwächlinge bezwungen,
ein mann steht vor dir.
Schiller jungfrau 2, 9;
dort wird kein feiger drohn, kein mann wird fliehn.
Göthe 9, 163;
männer und buben. überschrift eines gedichts bei Körner 1, 140.
b)
ein mann sein, thatkräftig, tapfer, mutig sein: und David sprach zu Abner, bistu nicht ein man? und wer ist dein gleich in Israel? warumb hastu denn nicht behütet deinen herrn den könig? 1 Sam. 26, 13; so sei getrost, und sei ein man. 1 kön. 2, 2; gürte deine lenden wie ein man. Hiob 38, 3; der bürgermeister sprach, du bist ein man, hau hin, thu was du kanst. Hennenberger preusz. landtafel (1595) 83; Franz. mein vater hat dich sehr beleidigt, Hermann! H. der teufel hole mich, wenn ichs vergesse! Fr. das ist der ton eines manns! Schiller räuber 2, 1;
kommt, seid ihr männer, hohlt den raub!
Günther 125;
schwer, wie schwer ist er zu tragen (der abschied)!
und ich bin doch sonst ein mann.
Göthe 1, 45;
mann sein gegenüber dem weibe, vgl. unten 11, d: niedlicher kleiner, zu früh eilst du in den mann (willst du die thaten eines mannes vollbringen). Schiller Fiesko 5, 8.
c)
auch ein wahrer, ganzer mann sein, eines mannes werth sein: du bist eins manns wärt, das ist dapfer, du kanst ein mann sein, homo es. Maaler 282ᶜ; dann wo ich euch bekommen kan, so wil ich euch weisen was mans ich bin. Aimon bog. O; sie musz entpfinden was mans ich sy (qui vir siem). Terent. deutsch (1499) 38ᵇ;
wenn du dich dapfer werst eins mans,
so wirst du bald ein groszer Hans.
H. Sachs fastn. sp. 1, 103, 158;
er ist ein rechter mann, nihil levitatis in eo deprehenditur, idem ei vultus in omni re. Stieler 1232; ich sah den Otto einmal, und so keinen mann seh ich mehr. war das nicht ein mann, ein wahrer mann! Klinger Otto 28, 3;
mein vater, pastor loci, war
ein mann trotz Martin Luthern.
Seume ged. 130;
überall weichet das weib dem manne; nur in dem höchsten
weichet dem weiblichsten weib immer der männlichste mann.
Schiller das weibliche ideal;
wo man den falschen von dem treuen
gehörig unterscheiden kann,
den unerschrocknen von dem scheuen,
den halben von dem ganzen mann.
Uhland ged. 98.
d)
manns genug sein: das sie so kindisch und schimpflich damit faren, das jnen freilich Claus narr manns gnug were zu antworten. Luther 2, 97ᵇ; gleichwie gott unversehens hinder die geistlichen kommen ist, so wird er warlich hinder den adel auch kommen, er ist jnen mans gnug. 5, 124ᵃ; das ist nu dieser Jesus Christus, welchen ich hie im glauben bekenne, und auch mit der that füle, und erfare, das seine gewalt nicht aus ist, noch ein ende hat, sondern dem teufel mans genug ist. 6, 70ᵇ; aber ein christen ist allein ein solcher man, der auch dem teufel und alle seinen engeln mans gnug ist. 241ᵇ; wilcher einer sach sich unterwunden, der er nit manns gnug gewesen. br. 1, 512; er deuchte mich nicht manns genug zu sein, die Courage zu betrügen. Simpl. 3, 92 Kurz;
wie? sind wir beide ihm nicht manns genug,
dasz er, besorgt, uns den gehilfen sendet?
Schiller Macb. 3, 6;
auch von mehreren: nun, wenn sie mit den leuten auf dem gute anbinden wollen, die sind manns genug, mit ihnen fertig zu werden. Freytag handschrift 1, 63; und selbst von einem thatkräftigen weibe:
Nath. bleibt! wohin? tempelh. zu ihr!
zu sehn, ob diese mädchenseele manns genug
wohl ist, den einzigen entschlusz zu fassen
der ihrer würdig wäre!
Lessing 2, 344.
das gegentheil war ehedem zu viel manns sein: die heiden wurden den juden zu vil manns. Schm. 1, 1603 Fromm.; und in unsinnlicherer bedeutung: Sidonius Apollinaris hat sich understanden die thaten des konig Atzels zu beschreiben, aber es wollt jm zu vil mannes sein (über den kopf wachsen), muszt darvon lassen. Aventin. ebend.
e)
mann wozu sein, etwas durchsetzen, mit kraft ausführen: halt ich ihn .. allein für den mann zu einem solchen unternehmen. Klinger 11, 99; Sickingen ist unbändig in seinem zorn, er ist mann es zu halten. Göthe 8, 124 (er ist ein mann es zu halten 42, 161); ich verstehe, und kenne dich, dasz du mann bist, es auszuführen. 10, 107; kaum dasz er seinen triumph in gegenwart Ottiliens verbarg, so sprach er sich gegen Charlotten laut aus, und war der mann alle sorgen zu heben und alle augenblicklichen hindernisse bei seite zu bringen. 17, 299; was das schauspiel betrifft, so musz ich ihnen sagen, sie sind der mann, allein ein ganzes schauspiel auszumachen. 19, 253; Merk war in den zeiten der energie der mann, sich ins ungeheure zu schicken. 26, 229; ihr habt euch viel mühe gegeben, mir zu zeigen, dasz ihr sehr geschickt seid. ich war der mann euch aufs wort zu glauben. 36, 37; er war freilich der mann absicht und leistung am gründlichsten zu unterscheiden. 60, 264; geh, geh! du bist der mann nicht, das racheschwert der obern tribunale zu regieren, du erlagst bei dem ersten griff. Schiller räuber 2, 3; sie sind beide die männer dazu, einander gerechtigkeit widerfahren zu lassen. parasit 4, 4; hätte der physikus nicht den hof, die süszigkeit, das schwärzen, vergiften und überschwefeln rechtartig applizieren können, wenn er der mann dazu gewesen wäre? J. Paul Tit. 1, 196;
und, gnädiger herr, er ist der mann sein wort zu halten.
Wieland 4, 141 (n. Amadis 6, 30);
du bist noch nicht der mann, den teufel fest zu halten.
Göthe 12, 77.
f)
mann wofür sein, wofür seine kraft einsetzen:
(er schwört nicht) zu weichen von der stätte,
so lange, bis er das lebenslicht
der zaubrerin ausgeblasen hätte:
'sagt mir nur, wo ich sie finden kann,
für alles übrige bin ich mann.'
Wieland 18, 268;
ich hab mit Moskau frieden abgeschlossen,
und ich bin mann dafür, dasz man ihn halte.
Schiller hist.-krit. ausg. 15², 455 (Demetrius);
auch mann danach: du bist nicht der mann darnach, is non es, qui hoc administrare, exequi, praestare possit. Stieler 1232; du bist nicht der mann danach. O. Ludwig heiterethei 280; und selbst nur mann, in bezug auf einen einzelnen fall: darumb spricht man auch zu deudsch, es ist der man nicht. item, der wirt ist nicht daheim. Luther 6, 139ᵇ, und in der gleichen sprichwörtlichen wendung: meister Klügel, der schendliche schedliche man der alles besser kan und ist doch nicht der man (danach, oder dazu). ebenda; wenns schwer hielt, trank er vorher zwei schoppen Tiroler, und dann war er der mann (nämlich zur unterredung). Felder reich und arm 227.
g)
auch wenn mann mit näher bestimmendem abhängigen satze steht, kann der beisinn des kraftvollen, thatkräftigen, hervorragenden hervortreten: das heiszt gott verachten, und selbs wöllen der man sein, der es thun, und ehre einlegen könne. Luther 6, 137ᵇ; dieweil ich denn nu spür, dasz e. k. f. g. noch gar schwach ist im glauben, kann ich keinerlei wege e. k. f. g. für den mann ansehn, der mich schützen oder retten könnte. br. 2, 138; ist das der man, der die welt zittern und die königreiche beben machete? Jes. 14, 16; das wuszt ich, dasz ihr der mann seid, der helfen kann, wenn er will. Klinger Otto 8, 29; bei aller meiner neigung zu ihm wuszte ich, dasz er der mann nicht war, mit dem man ganz gerade handeln konnte. Göthe 19, 286;
der mann, der über
die brücke ritt (über eine zauberbrücke geritten ist), hat muth
für jede that.
Wieland 18, 330;
wie sie selbst vorhanden ist, wenn sie durch beigesetzte negation aufgehoben erscheint:
der könig Artus, und die dreiszig ritter
die um ihn standen, allesammt genossen
der tafelrunde, waren nicht die männer
die sich um so was zweimahl bitten lieszen.
Wieland 18, 15.
h)
es heiszt ferner ein mann werden, einen zum manne machen, als mann sich zeigen, dastehen u. ähnl.: er hält sich als ein mann, virum fortem se praestat. Stieler 1232; das geld hat ihn zum manne gemacht, opes eum in virum transscripserunt. Steinbach 2, 21; er hat den schmerz als ein mann ausgestanden, dolorem tulit ut vir. ebenda; die action, die affaire, desz königs aufmunterung und anweisung machten sie zu männern. Schuppius 34; und wolle einen an diesen general oder kriegs-obristen, den andern an diesen oder jenen königl. chur- und fürstl. hof recommandiren. also würden diese junge leute männer werden. 36; er küszte mich; da, sagt er, werd ein mann, werd unter die wenige rechtschafne kerls gezählt, die für vaterland und freunde heisz streiten. Klinger Otto 38, 31; die künftigen zeiten brauchen auch männer. ich sage dir, knabe, es wird eine zeit werden: fürsten werden ihre schätze bieten um einen mann, den sie jetzt hassen. Göthe 8, 11; jede kunst erfordert ihren mann, singulae artes totum hominem requirunt. Serz 95ᵃ;
noch hab ich mich ins freie nicht gekämpft.
könnt ich magie von meinem pfad entfernen,
die zaubersprüche ganz und gar verlernen,
stünd ich, natur! vor dir ein mann allein,
da wärs der mühe werth ein mensch zu sein.
Göthe 41, 314;
fast bin ich
jetzt so verlassen wieder, als ich einst
vom Regensburger fürstentage ging.
da hatt ich nichts mehr als mich selbst — doch, was
ein mann kann werth sein, habt ihr schon erfahren.
Schiller Wallensteins tod 3, 13;
sprichwörtlich: ein mann kein mann (ein mann vermag allein nichts). Mathes. Sar. 117ᵇ; ein mann, kein mann, sive: ein einiger mann macht keinen tanz, unus vir non facit civitatem, unus vir, nullus vir. Stieler 1232; selbs ist der man .. verlasz sich nur niemandts auf einen andern, er thuͦ selbs was er kan. Agr. spr. 37ᵃ.
4)
die verläszlichkeit einer zusage des mannes wird namentlich in der formel ein mann ein wort u. ähnl. hervorgehoben (vgl. auch manneswort): ein wort ein wort, ein mann ein mann. Simrock sprichw. 648; ein mann ein wort, ein wort ein mann. ebenda; man nimmt den mann beim wort und den hund beim schwanz. ebenda; ein wort, ein mann. Kotzebue dram. sp. 2, 341;
frau königin, ein wort ein wort:
so soll ein mann ein mann auch sein.
morgen umb zehne komb wir rein
und bringen diesen ritter mit.
J. Ayrer 399ᵇ (2005, 6 Keller);
auch was geschriebnes forderst du pedant?
hast du noch keinen mann, nicht mannes-wort gekannt?
Göthe 12, 87;
der täuscher, hoch vergnügt die waare loszuschlagen,
schlägt hurtig ein. 'ein mann, ein wort!'
und Hans trabt frisch mit seiner beute fort.
Schiller Pegasus im joche;
kurz, mann ist mann, und wort ist wort.
J. F. Kind gedichte;
bei einer bürgschaft: ich will mann darvor sein, fidem meam tibi obstringo, eventum ac periculum in me recipiam. Stieler 1232.
5)
die streitbarkeit des mannes besonders wird durch die zusammengehörigkeit von mann und waffe angezeigt: ir aber solt fur ewrn brüdern her ziehen gerüstet, was streitbar menner sind, und jnen helfen. Jos. 1, 14;
nur aus gewohnheit trag ich diesen degen;
denn selbst im frieden ziert er seinen mann.
Göthe 10, 240;
und in formeln, die vom kampfe ausgehen.
a)
mann gegen mann stehen, streiten, kämpfen; mann gegen mann fechten, viritim dimicare Stieler 1232; welcher einzelne neuere tritt heraus, mann gegen mann mit dem einzelnen Athenienser um den preisz der menschheit zu streiten? Schiller hist.-krit. ausg. 10, 288;
wo schwerter klirren, im feld und im turnei,
mann gegen mann, auf stechen oder hauen.
Wieland 22, 68 (Oberon 2, 19);
ein starker beherzter kriegsman begeret des manns man an man. forchtsame verzagte böszwichter lauren und schieszen im verborgnen auf die leut. Petr. 89ᵃ; vor dem mann kämpfen, im ernstkampfe: in dem sich aber der jung (beim fechten) umb sihet, schlug ihm der alte das haupt ab und sagte: sihe, dieses stücklein vorn mann hab ich dich nicht gelehret und biszher heimlich bei mir behalten. Kirchhof wendunm. 2, 361 Österley; einem manne stehen, zum zweikampfe:
verruchter räuber, halt an, halt an,
und steh dem mann,
an dem du verdammnis erfrevelt!
Bürger 81ᵃ;
mann stehen einem, ihm zum kampfe stehen:
wie ich die stadt verliesz, erzählte man,
das heer zög aus, bei Raab sich zu verschanzen,
und dort dem feinde rüstig mann zu stehn.
Körner Zriny 2, 5;
auch seinen mann stehen: er .. forderte auch, dasz sein biograph sich entferne, denn er wolle, sagte er, allein seinen mann stehen. Immermann Münchh. 3, 145; und seinen mann stellen: in einer solchen gesellschaftlichen unterhaltung stellt jeder seinen mann; jeder hat seinen eignen kopf mitgebracht, hat seine meinung. Wieland 36, 45; den mann an etwas strecken, seine tapferkeit an etwas wenden: das es gilt stets zu felde ligen und kriegen, und den man dran strecken. Luther 5, 510ᵃ.
b)
eines mann sein, es mit einem im kampfe aufnehmen: und macht ihm der Desportes alsdenn noch die geringste unruhe, so bin ich sein mann, es soll blut kosten, das versichre ich ihn. Lenz 1, 272;
kurz, hat ein feind nur fleisch und blut,
ich bin sein mann!
Wieland 22, 68 (Oberon 2, 20);
seinen mann gefunden haben, einen der es mit ihm aufnimmt, ihm meister wird (verschieden von oben 2, l): er hat ein mal seinn man gefunden ... wir sagen: er hat ein mal seinn gleich, seinn man oder herrn gefunden. S. Frank sprichw. 2, 62ᵃ; mich schmerzt, dasz ich ihm weh gethan habe. sorge für ihn, verbinde ihn, heile ihn! er hat seinen mann gefunden. Göthe 11, 26; bück du dich, dacht ich, du hast deinen mann. Lenz 1, 169;
gott, der David das erwehren
gab vom löwen und vom beeren,
gab ihm auch durch einen stein
desz Philisters mann zu sein.
Logau 1, 139, 100.
6)
mann, der einzelne einer kriegerschaar, eines heeres.
a)
bei zahlbestimmungen tritt hier der sing. auf, wenn nichts als eine zahl damit gegeben werden soll, vgl. oben I, 1, b: ein heer von zwanzig tausend mann; sag dem bischoff, er möge eilen, mit so viel mann er hätte! Klinger Otto 27, 6; da wurde ein korps von 18,000 mann helvetischer hilfstruppen errichtet. die gemeinde Boneschwyl muszte 8 mann stellen. Hebel 2, 75;
(ein spion) schwurs dem prinzen und zeigts ihm an,
wie die Türken futragieren,
so viel als man kunt verspüren,
an die 300,000 mann.
volkslied in Wackernagels leseb. 2 (1876) sp. 664;
der plur. männer aber, wenn die individualität und der werth hervorgehoben werden: und der herr sprach zu David, gehe hin, du wirst die Philister schlahen, und Kegila erretten. aber die menner bei David sprachen zu jm, sihe wir fürchten uns hier in Juda. 1 Sam. 23, 5; da macht sich David auf sampt seinen mennern, der bei sechs hundert waren. 13;
ein edler Polengraf, Albertus Lasko,
hat rüstung auf zwölf wagen zugeführt,
und an dreitausend ausgesuchte männer,
die er als ungrisch reitervolk vermummt ..
der herzog von Savoyen, Philibert,
hat uns vierhundert mann berittne schützen
unter dem grafen Cameran gesandt.
Körner Zriny 2, 5;
sonst kann durch den sing. auch jeder einzelne eines heeres gemeint sein:
ein wolkenbruch
von steinen fiel auf dein erlesnes heer,
Leosthenes! der mächtge katapult
durchbohrte brustwehr, panzerrock und mann
mit langen pfeilen.
Chr. E. v. Kleist (1765) 251.
b)
der berittene krieger und sein pferd werden in die formel ross und mann zusammengefaszt:
ze Misenburc der rîchen dâ schiften si sich an.
daʒ waʒʒer wart verdecket von ross und ouch von man,
alsam eʒ erde wære, swaʒ man sîn vlieʒen sach.
Nib. 1317, 2;
man und ross hat er ins meer gestürzt. 2 Mos. 15, 21; verlacht beide, ross und man. Hiob 39, 18; ich .. wil beide wagen mit jren reutern umbkeren, das beide, ross und man, herunter fallen sollen, ein jglicher durch des andern schwert. Haggai 2, 23;
beide ritter stoszen
so kräftig auf einander, ross und mann,
dasz sie die stange vor der faust zersprengen.
Wieland 18, 21;
und fehd entbrannte bald darauf,
und zogen ross und mann
bei Döffingen mit hellem hauf.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 345.
c)
es heiszt wie éin mann ausziehen, streiten, kämpfen, von einer schaar verbundener streitbarer männer: da zogen die kinder Israel aus, und versamleten sich zu hauf wie ein man, von Dan bis gegen Berseba. richter 20, 1; da fiel die furcht des herrn auf das volk, das sie auszogen, gleich als ein einiger man. 1 Sam. 11, 7; versamlete sich das ganze volk wie ein man. Neh. 8, 1; für éinen mann stehen: aber die preszbyterianische Schotten, welchen des königs intentionen unverborgen war, beredeten den gemeinen pöbel, dasz dieses vorhaben nur dahin zielete, die bedrückte kirche von Schottland dem abergläubischen gottesdienste und ceremonien der kirchen von Engelland zu unterwerfen, und dasz derowegen ihnen gebührete, für einen mann zu stehen, und deroselben einführungen sich zu widersetzen. A. Gryphius (1698) 1, 347; die deutschen dichter, da sie nicht mehr als gildeglieder für einen mann standen, genossen in der bürgerlichen welt nicht der mindesten vortheile. Göthe 25, 289;
und wären sie zu ihrem vortheil klug,
so würden sie als freunde sich verbinden;
dann stünden sie für éinen mann und gingen
mit macht und glück und lust durchs leben hin.
9, 172;
von man zuͦ man, den mannen nach, viritim. Maaler 282ᶜ; mann vor mann, mann für mann, von den einzelnen gliedern einer streitbaren schaar: er hatte den sold der garnison auf zwei monate mitgebracht und liesz ihn austheilen, doch so, dasz mann vor mann von dem kriegscommissair verlesen wurde, wie sie in den listen standen. Schiller 1092ᵃ;
und sagte: kinder, berg hinan,
auf schanzen und geschütz!
wir folgten alle, mann vor mann,
geschwinder wie der blitz.
Gleim 4, 19;
stoszt mit an,
mann für mann,
wer den flamberg schwingen kann!
Körner 1, 140;
dann viele herrn und knechte, gemachsam, mann für mann (kommen als gefangene gezogen).
Uhland ged. 362;
auch allgemeiner, von einzelnen einer anzahl überhaupt:
kennst du nicht mann für mann.
Göthe 4, 335;
wie der mann als einzelner gegen einen haufen steht:
schau, wie bei sturm und kriegsgefahren
ein mann oft einen haufen schreckt.
Drollinger 20.
d)
mann gegen mann streiten, viritim dimicare. Maaler 282ᶜ; bis auf den letzten mann kämpfen, streiten, fechten; den letzten mann nicht schonen; Normann. schickt ihnen nach! (den überläufern). und wieder nach, bis kein mann übrig bleibt. um mitternacht giengen sie schaarweisz. herzog. sind ihre väter da? bringt mir sie! alle sollen sie vom felsen hinunter! alle, nicht éines mannes geschont werden! Klinger Otto 25, 13.
7)
der alten sprache war man auch der lehnsmann, vasall:
si enphiengen albesunder
ir lêhen, ir liut unde ir lant
von ir hêrren Tristandes hant:
si swuoren hulde und wurden man.
Trist. 134, 13;
daʒ der kunig sein gnediger herr ward, und der Ernst (herzog) sein man. d. städtechr. 15, 494, 24 (gegen 1403); in der formel mâge unde man, die über das mittelalter hinaus nicht lebt, während solches mann, zwar auch dem älteren nhd. im allgemeinen fremd (landschaftlich erhält es sich: unseren gesammten vasallen, mannen und lehenleuten. Wirzburg. verordn. von 1765 bei Schm. 1, 1602 Fromm.), im 18. jahrh. von dichtern wieder erneuert wird, nun aber dasz nicht mehr der lehnsmann, vielmehr der dienstmann (th. 2, 1130) darunter zu verstehen ist:
wo hat mit seinem herrn ein mann es je gemeint
wie dieser mann? wie hielt er in gefahren
so treulich bei mir aus!
Wieland 23, 9 (Oberon 7, 7);
und hier hat sich der plur. mannen festgesetzt, der dem 18. jahrh. von alterthümlichem klange war: so turnier ich auf meiner burg mit meinen vasallen und mannen. Veit Weber sagen der vorzeit 2 (1792) s. 18, mit der note: lehns- und dienstleute der ritter, welche gemeiniglich ihr gefolge ausmachten;
zahllos stürmten mannen, ritter
gegen Zürch.
Stolberg 2, 51 (von 1787);
schickt zu seinen mannen allen
in dem lande Schweiz.
Schiller ritter Toggenburg;
denn auch der mächtige Burgund, der ländergewaltige,
hat seine mannen alle
herbeigeführt.
jungfrau von Orl., prolog, 3. auftr.;
da brannten ritter und mannen von hohem muth.
Uhland ged. 351;
wohl hatt er knecht und mannen
und hatt ein tüchtig ross.
371;
augenblicks das magierschiff besetzen
läszt die königin durch ihre mannen.
Platen 338.
8)
mann, der stellvertreter im militärdienste zu der zeit, als man sich von demselben loskaufen konnte: er hatte nicht das geld, einen mann zu zahlen, darum muszte er selbst dienen; sich einen mann stellen (verschieden von seinen mann stellen, oben 5, a); einen mann stellen, wann man selbst nicht in den krieg kan. Frisch 1, 639ᵉ; die jungen bursche müssen spielen, den guten Jakob Humbel trifft das loos, soldat zu werden .. er stellte einen mann, den er zwei jahre lang auf seine kosten unterhalten muszte. Hebel 2, 75.
9)
mann, in rücksicht auf seine rechtliche und politische stellung: mann, subditus, jurisdictioni obnoxius. Haltaus 1305; es ist der bürger einer gemeinde, seinem herrn, landesherrn gegenüber: item zoge eins herren von Trimpurg jager von Sluchter und Hungerstein herübir und benachtit zu Ylhusen, .. so soll er zu Ylhusen ynne ziehen, und sall der jager ein knecht lassen umbgeen und zu den mennern kese und brot fordern, und nit mee, das sullen yme die menner nicht versagen. weisth. 3, 405 (Wetterau, von 1460); diesz hiernach geschrieben wysen die menner zu Seuffersburg mym gnedigen hern und myner frawen (der äbtissin) zu Schonaue zu recht. 535 (Franken); das die menner und gemeindt m. gn. h. von Würzburgk weisen und theilen das wilt im waldt, fisch im wasser. 894 (von 1427); ferner der prozessführende, rechtsuchende, partei im prozess: eines mans red ist ein halbe red, mann sol die part verhören bed. das findt mann in und an den rathheusern gemalt und geschrieben, audiatur altera pars. Agr. spr. 61ᵇ;
eines mannes rede keine rede:
man soll sie billig hören beede.
Simrock sprichw. 364;
sein selbst mann, der niemandem unterthänige, freie: bin also von der zeit an bisz anno 55 solchen händeln, von anfang her mein selbst man, sowol in frembden nationen als in unserm lieben vaterlandt obgelegen. Kirchhof disc. milit.
10)
mann, in bezug auf sein geschlechtsleben: in den apotheken, da fint man etwas, damit die alten hen, die alten narren, meinen inen zehilf ze kummen, das sie man weren. Keisersberg brösaml. 2, 12ᵃ; so einer frawen eegemahel nit mann wer und einen bruch hett an heimlichen enden, darumb er seinem weib die schuld nit zalen möcht. Frank weltb. 83ᵇ; halber man, semivir, eunuchus Dasyp.; ich habe zwo töchter, die haben noch keinen man erkennet. 1 Mos. 19, 8; wenn ein man bei einem weibe ligt, und sie beschleft. 3 Mos. 19, 20; und sol das weib beschweren, und zu jr sagen, hat kein man dich beschlafen, .. so sollen dir diese bitter verfluchte wasser nicht schaden. 4 Mos. 5, 19; er krämet sich ab und schwächet seine natur dermaszen, dasz er sich, ins künftig vor einen mann zu bestehen, ganz untüchtig macht. Simpl. 4, 41 Kurz; habt ihr etwas, womit ein mann umgehen kann? (Lysimachus zur kupplerin). Shakesp. Pericles 4, 6 (have you that a man may deal withal); aber zwei verderbliche triebe, die schlimmsten, die gerade ein weibliches herz erfüllen können, verdarben ihr (Katharina II) leben: ruhmsucht und liebe zum manne. v. Sybel kl. schriften 2, 123.
11)
mann, der ehemann: man des weibs, maritus, i. magister domus, man eins einigen weibes, monogamus, man dreier weiber, trigamus. voc inc. theut. n 3ᵇ; mann, eemann, vir, maritus Maaler 282ᶜ.
a)
genannt im vereine mit weib, frau (th. 4¹, 73), hausfrau: sie ist eines mannes eheweib. 1 Mos. 20, 3; wenn jrgent eins mans weib sich verlief. 4 Mos. 5, 12; wenn brüder eins sind, und die nachbarn sich liebhaben, und man und weib sich miteinander wol begehen. Sir. 25, 2; es ist sonderbar, rief er aus, dasz man es dem manne verarget, der eine frau an die höchste stelle setzen will, die sie einzunehmen fähig ist: und welche ist höher als das regiment des hauses? wenn der mann sich mit äuszern verhältnissen quält .. indessen herrscht eine vernünftige hausfrau im innern wirklich. Göthe 20, 55; sprichwörtlich mann und weib sind éin leib; als mann und frau leben, wie verehelichte;
wenn mann und weib sich wol begehn
und unverrückt beisammen stehn
im bande reiner treue.
P. Gerhard 302, 11;
das frömmste herz, der schönste leib,
das inniglich geliebte weib
wird ihres jungen mannes küssen
durch einen frühen tod entrissen.
Lichtwer fab. 2, 25;
sie lebten hier, als mann und frau,
am grünen meergestade.
Hölty 26 Halm;
männer lud ich mit respect,
die auf ihre frauen
ganz allein, nicht neben aus
auf die schönste schauen.
Göthe 1, 152;
das weib fragt,
der mann sagt.
Simrock sprichw. 619;
im gegensatz zu dem lockerern verhältnisse eines geliebten: ist es ihr mann? fragte sie Philinen. es ist nur ein guter freund, versetzte diese. Göthe 19, 43;
ists nicht ein mann, seis derweil ein galan.
12, 152.
b)
mann mit possessivpronomen, mein mann, ihr mann, unsere männer u. s. w.: das weib .. nam von der frucht und asz, und gab jrem man auch davon. 1 Mos. 3, 6; dein wille sol deinem man unterworfen sein. 16; am siebenden tage sprachen sie zu Simsons weibe, uberrede deinen man, das er uns sage das retzel. richt. 14, 15; kinder (söhne) .. die ewr menner sein möchten. Ruth 1, 11; darvon, lieben töchter, seit eingedenk, ob euch jemand zusprechen oder ansuchen würde, das euwer ehre berüren möcht, möget jhr sagen, dasz man mit euwern mannen davon rede, so werden sie uberwunden und gestillet. b. d. liebe 291ᵈ; soll ich mich mit meinem manne entzweien? Gotter 3, 57; und was ist das, dasz Albert dein mann ist? Göthe 16, 180;
ihr mann, der lobt sie (die frau) spat und früh
und preiset selig sich und sie.
P. Gerhard 244, 63;
ihr erster mann, ihr zweiter mann; so kan sie jr erster man, der sie auslies, nicht widerumb nemen. 5 Mos. 24, 4;
wenn ich vergangner zeit gedenk,
da noch lebet mein erster man.
H. Sachs fastn. sp. 2, 105, 3;
titelartig mein seliger mann, was auch zu mein seliger gekürzt wird (vgl. selig); ihr lieber mann war heute bei uns; und in der anrede: mein lieber, mein bester mann!; hier auch ohne pronomen: was geht vor, liebster mann? (präsidentin zum präsidenten). Gotter 3, 114.
c)
einen mann haben, nehmen, finden, eine einem manne geben, vermählen: ich bin nu zu alt, das ich einen man nehme. Ruth 1, 12; wie wolt jr verziehen, das jr nicht menner soltet nemen? 13; wenn sich ein man von seinem weibe scheiden lesset, und sie zeucht von jm, und nimpt einen andern man. Jer. 3, 1; gebt ewrn töchtern menner. 29, 6; ein mann nemmen, enubere, einer ein guͦten mann gäben, felici thalamo dotare aliquam. Maaler 282ᶜ; die noch keinen mann gehabt, nuptiarum expers puella. Frisch 1, 639ᵇ; dasz ich auch sonst noch ein ziemlich gutes mädchen bin, das seines mannes werth ist. Lessing 1, 575; die schöne findet verehrer, auch freier, und endlich wohl gar einen mann. Göthe 21, 95; mein rath ist der, dasz ihr eure tochter einem manne vermählet. Eichendorff Lucanor 32;
mich fragt ain junkfrau mit groszer ger,
ob sie zu man nemen zeitig wer.
fastn. sp. 759, 10.
d)
mann, als gebieter im ehestande und hauswesen:
ja, wen mein fraw zu pad ist aus,
so bin ich die weil herr und man.
H. Sachs fastn. sp. 150, 129;
(du sagtest) wie du ein mal dein weib wolst schlagen
und wolst sein herr und man im haus.
152, 189;
pfui schem dich! wie? pistu ein man?
pistu ein solcher wintelwascher,
ein hüenergriefer, hefennascher?
153, 202;
auch gegen die frau, die nicht in der ehe ist:
lockt sie (Elisabeth) auf eure schlösser,
sie ist euch oft dahin gefolgt. dort zeigt ihr
den mann, sprecht als gebieter!
Schiller M. Stuart 2, 8;
scherzhafter spruch: die frau ist hier der mann im hause, woraus mit anlehnung an Simon der ersonnene eigenname Siman entstanden, dem ein ebenso ersonnener Erweib zur seite steht, vgl. Wackernagel kl. schr. 3, 103.
12)
mann, in der bezeichnung spukhafter gestalten: die kleinen männer, die zwerge; vgl. auch männlein, männchen, erdmännchen; der wassermann, der nix; waldmänner, wilde männer, zauberhafte wesen im walde, als wappenhalter öfters abgebildet; der schwarze mann, eine schreckgestalt, gespenst (verschieden von oben 2, c); der mann im monde, häufig von Wieland als zeichen für etwas gänzlich fernes und unbekanntes gebraucht: vom mann im monde (will ich euch unterhalten), rief ich, .. von der wunderbarsten, wichtigsten und geheimnisvollsten materie, wovon jemahls ein sterblicher zu sterblichen gesprochen hat (u. s. w., mit langer ausführung). 13, 151;
vier ganzer wochen lang wird an die guten feen
nicht mehr als an den mann im mond gedacht.
18, 174;
und wärs der mann im mon (: schon)
der ihn (den zaum) gestohlen,
ich will ihn wieder hohlen.
308;
es war kein weiser streich,
drei jahre vermummt herum zu schlendern
den mann im monde zu suchen!
21, 54;
(er) setzt sich zu tische, iszt und — weiszt
so wenig davon, als wäre sein geist
zum mann im mond hinauf geflogen.
146;
ihr war der mann im mond kein unbekanntes wesen.
318.
13)
mann, das männliche von thieren, in gewöhnlicher rede selten, weil bei kleineren wie gröszeren thieren männchen, oder auch eigene bezeichnungen eintreten: der he oder gänsemann wird von den Oberteutschen ein ganner oder ganser genannt. O. Variscus Martinsgansz s. 14; in poetischer rede:
sie (zwei stiere) streiten, wer von ihnen beiden
der herde mann sein soll.
Gleim 3, 327;
streitend mit dem wiederhall
sang der mann der nachtigall
tag und nacht und ward nicht müde.
398;
seht, wie der mann der herde (der widder)
den morgen fühlt.
Hagedorn 3, 109;
weidmännisch heiszt der volle mann eine fährte des hirsches, die da anzeigt, dasz er vollkommen ausgewachsen ist. Adelung.
14)
mann im bergbau: alter mann heiszen abgebaute, mit gesteinsmassen ausgesetzte oder eingestürzte räume in der grube; alter mann in der grube, heiszt der von den alten hingestürzte oder von eingegangenem gezimmer vermülmte oder verfaulte berg. Jacobsson 1, 38ᵃ; im alten mann bauen, solche bergwerke bearbeiten, im alten manne durchschlägig werden, mit der arbeit an eine verfallene zeche kommen. ebenda; mann an mann stellen, bei der thürstockzimmerung die thürstöcke dicht an einander setzen. Veith 333; silberner mann ist, wenn etliche gänge sich an einander lehnen, edele geschicke und fälle aus hangenden und ligenden darzu stehen, davon sich die gänge aufthun, gleichsam einen bauch werfen, auch der natürlichen würkung einen solchen raum geben, dasz daraus ein stockerz wird. Nehring hist.-polit. lex., 2. anhang, 72ᵇ.
15)
armer mann, ein essen aus altbackenem brot, in butter geröstet, bestehend. als eine eigenthümlichkeit der Mark im öcon. lex. 125; aber auch in st. Gallen armer man gebackene brotschnitte Lexer mhd. wb. 1, 2022. der blinde mann heiszt ein gebäck von brot, milch und eiern.
16)
armer mann wird von den müllern ein nebenloch im laufe des bodensteins genannt, wodurch den mahlgästen heimlich mehl entzogen wird.
17)
der schöne mann, conus nobilis, eine kegelschnecke. Nemnich 2, 1191.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1553, Z. 39.

mann, m.

mann, m.
ladung, vorladung, und das recht derselben, in der reimenden formel mann und bann der weisthümer: auch deilent sy myme obgenanten herrn bann und man, hails (hals) und hailsbein. 2, 145 (Hundsrück); item zum ersten, so haint die scheffen gewiesen dem guten herrn s. Peter und darnach unsern herrn vom thumb (den domherren von Trier) banne und manne, wasser und weide. 239 (Obermosel, von 1468); verner wiesen die scheffen einem ehrw. h. abt zu bann undt man, grundt undt erbe. 250 (ebenda 1541); weisen im darbinnen zu man und ban. 257 (ebenda); und weisen ime (dem abt) zu, allein und niemandt gemein, man und ban. 300 (Untermosel, von 1542); item weisen sie u. gn. h. von Trier allenthalb auf freien wegen und straszen allein gepodt und verpodt, aber zuckh, fluckh, mann, bann, fondt, prondt von dem himel bisz uf den grundt. 324 (ebenda, von 1561); die scheffen erkennen die erw. fraw zu Öhren vur einen rechten grunthern und vur einen rechten lehenhern, und weisen ir zu gebot und verbot, wasser und weid, flock und zock, den man, den ban, den fond, den pfrond eigen her vom himmel in den grund. 524 (Prüm, von 1556), u. ö.; es ist das dem mittellat. mannire der rechtsquellen zur seite stehende subst., wie bann neben bannire: si quis ad mallum legibus dominicis mannitus fuerit et non venerit. lex Sal. 1, 1; mannire aber ist ahd. mannire menan, bannan Steinmeyer und Sievers ahd. gloss. 2, 354, 4 (verschieden von mennan minare Graff 2, 771), der nächste verwandte zu ahd. manên, manôn, nhd. mahnen sp. 1462.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1569, Z. 43.

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Zitationshilfe
„mann“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mann>, abgerufen am 27.11.2021.

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