Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mannigfalt, adj. und adv.

mannigfalt, adj. und adv.
von mancher art und erscheinung, mancherlei form habend; ein altes, über alle deutschen dialekte verbreitetes wort: goth. managfalþs πολλαπλάσιος; altnfr. alts. managfalt multiplex, mnd. mannichvolt, mennichfolt; ags. manigfeald (menifeld, praeditus, augmentatus, ornatus glossen in Haupts zeitschr. 9, 440ᵇ; copiosa manifealde 468ᵃ; crebra mid menifealdre 512ᵃ), engl. manifold; fries. manichfald; altnord. margfaldr, schwed. aber maͦngfalt, maͦngfaldig, dän. mangfoldig, vgl. dazu unter manch sp. 1525 oben; ahd. manacfalt multiplex, frequens, varius, mhd. manecvalt: multiplex manichfalt Dief. 371ᵃ;
dâ bî singent vogellîn
süeʒe dœne manicvalt.
minnes. 1, 23ᵇ Hagen;
im hochdeutschen sprachgebiete vereinzelung und individualisierung in einer vielheit ausdrückend:
die sach ist mannigfalt, die regel einerlei.
J. E. Schlegel 4, 109;
im gebrauche gegen die form mannigfaltig immerhin zurückstehend; mänigfalt, multiplex Maaler 281ᵃ; gern in gebundener rede:
hört, ir herrn manigfalt,
ich will euch sagen, wie ir habt ein gestalt.
fastn. sp. 622, 32;
weiszagt er, aus des stürzenden bachs
mannichfalten welle, die wechsel der fernen tage.
Klopstock 1, 261;
wir entlocketen nur durch mannichfalte berührung,
durch gelinderen stärkeren hauch,
belebende töne (den instrumenten)?
2, 204;
mannigfalt sind seine pfade.
7, 290;
mein freund, wie mannigfalt sind deine leiden.
9, 26;
es pflückte blümlein manigfalt
ein mägdlein auf der lichten au.
Uhland ged. 196;
gezieret war die stelle
mit blumen manigfalt.
371;
adverbial:
mit raiben (rauben), prennen und gewalt
zwingt man di frummen manigfalt.
Schwarzenberg 156ᵃ;
ich siegte mannigfalt.
Fleming 114;
mein süszes liebchen! hier in schachtelwänden
gar manigfalt geformte süszigkeiten.
Göthe 2, 14 (christgeschenk).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1588, Z. 80.

mannigfalt, m.

mannigfalt, m.
omasus, der dritte magen der wiederkäuer, wegen seiner gestalt auch tausendfach, blättermagen, psalter. Nemnich 4, 762; mannichfalt nennt man den blättrigen theil des magens bei den wiederkauenden thieren. Hartig lehrbuch für jäger (1832) 65; ein kuemagen sol nit uber vj dl., zwen manigfalten von einer kue nit uber iij dl. .. gegeben werden. Nürnb. pol.-ordn. 228; versulzt manigfalt (unter leckerhaften fleischwaaren). Garg. 81ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1589, Z. 37.

mannigfalt, f.

mannigfalt, f.
mannigfaltige art (vgl. zur bildung einfalt th. 3, 172 unten):
hat euch der herr im reichthum sich verkündet,
in seiner erndten schöner mannigfalt.
Arnim kronenw. 1, 443.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1589, Z. 45.

mannigfaltig, adj.

mannigfaltig, adj.
wie mannigfalt, gegen dieses in häufigerem gebrauche, namentlich der prosaischen rede, während umgekehrt das mhd. manecvaltec, manecveltec, das erst seit Notker als manigfaltic erscheint (Graff 2, 765), seltener als manecvalt ist. im älteren nhd. wird mannigfeltig vielfach gefunden, neuer nur umlautlos mannigfaltig. es bezeichnet
1)
das individuell verschiedene innerhalb einer verbundenheit oder zusammengehörigen vielheit: multifarius manichfeldich Dief. 370ᶜ; multiplex manigfaldig, manigfeldig, manigfeltig, menigfaltig u. s. w. 371ᵃ; manigfeltig multiplex. voc. inc. theut. n 4ᵃ; denn es ist in jr (der weisheit) der geist, der verstendig ist, heilig, einig, manchfeltig. weish. Sal. 7, 22; und doch der herr sie unterschieden hat, nach seiner manchfeltigen weisheit. Sir. 33, 11; auf das jtzt kund würde .. die manchfeltige weisheit gottes. Ephes. 3, 10; fürstellung des groszen creuzträgers Hiob, und der manchfaltigen, schmerzhaften und jammervollen begegnissen, mit denen er auf die gedultprob gesetzet worden. Schuppius 129; meine sünde sind mannigfaltig, wie der sand am wilden meer. 445; die schöpfung seiner (Pindars) worte, und die verkettung seiner perioden, selbst bis zur zerreiszung der sylben, selbst bis zum überstrom über die strophe, selbst bis zu seinem manchfaltigen numerus, selbst bis zu seiner anscheinenden wuth ist doch wahrlich! nicht das werk wilder phrenesie. Herder z. litt. 1, 178; lasz, o genius unsers vaterlands, bald einen jüngling aufblühen, .. dem die beste tänzerin freudig die hand reichte, den neusten mannichfaltigsten reihen vorzutanzen. Göthe 33, 42; am meisten aber empfahl sie sich ihm durch einen sehr artigen, mannigfaltigen und manchmal selbst muntern gesang. 19, 139;
ir (edelmänner) wert mir lieber nit so gwaltig (spricht der bauer),
so wer die stewr nit so mangfaltig.
H. Sachs fastn. sp. 2, 30, 130;
der erden mannigfaltge pracht.
Brockes 1, 221;
freudig begrüszten die fluthen des meeres neuer bewohner
mannigfaltige schaaren.
Stolberg 1, 202;
mit mannichfaltgem geist verherrlicht er
ein einzig bild in allen seinen reimen.
Göthe 9, 108;
und wer erzählet es wohl, das mannichfaltigste elend!
40, 238;
die mannichfaltige habe,
die ein haus nur verbirgt.
239;
es war dir kraft und fülle verliehen,
und wusztest nichts von theorieen,
und zogst auf mannichfaltiger spur,
ein bild der ewigen natur!
Platen 55;
adverbial: multipliciter manichvoldich Dief. 371ᵃ; manchfältig saepe numero Frisch 1, 638ᵇ; meine einzige tochter that ich in pension, wo sie sich freilich mannichfaltiger ausbildet, als bei einem ländlichen aufenthalte geschehen könnte. Göthe 17, 10;
auf solchem wunder-strauch, der mannigfaltig grün.
Brockes 1, 80;
substantivisch:
es hat natur das mannichfaltige
aus éinem stoffe nur hervorgebracht,
den sie nach tausend richtungen bedingt.
Platen 177;
in den sinn wechselnd, bunt übergreifend: die schaubühne führt uns eine mannichfaltige szene menschlicher leiden vor. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 519.
2)
mannigfaltig auch wechselnd im gemüte, unbeständig:
tuostu des niht, du wirst geschant,
du bist ze manicvaltic.
minnes. 2, 355ᵃ Hagen;
wann die andächtigen menschen sprechen: ach wie bin ich so manigfaltig, da meinen sie, das sie nit einfaltig seien in irem herzen, sunder zerstreut uf manige ding. Keisersberg pred. 10ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1589, Z. 55.

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Zitationshilfe
„mannigfalt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mannigfalt>, abgerufen am 06.12.2021.

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