Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mannschaft, f.

mannschaft, f.
1)
das mannsein, wesen und zustand als mann; namentlich in hervorragendem sinne: mannschaft virilitas (wie mannheit) Frisch 1, 640ᵇ; vgl. auch hauptmannschaft, kaufmannschaft, landsmannschaft.
2)
mannschaft im lehenwesen, verhältnis des mannes zum herrn nach eid und pflicht, vgl. Haltaus 1310 fgg.: homagium manschaft Dief. 279ᵇ; und entsatte in (der papst den kaiser) von dem riche und von allen sinen eren, und seite alle man des riches lidig ire manschaft und ire eide die sü schuldig worent disem keiser. d. städtechr. 8, 446, 11; und swuͦr im bischof Behtolt die manschaft also gewonheit ist. 477, 16.
3)
mannschaft, zeugungsfähigkeit und zeugungsglied: im heurathen ist besser seine tochter einem ohne gelt zu geben, als einem geltreichen ohne mannschaft. Lehmann 2, 137; jemanden die mannschaft benehmen, ihn des vermögens der ehelichen beiwohnung berauben. Adelung als oberdeutsch.
4)
mannschaft, gesamtheit von männern: mannschaft, sexus masculinus, numerus, congregatio virorum. Stieler 1239; manschaft heiszt versamlung (gesamtheit) der menner, priesterschaft der priester. Luther 1, 94ᵇ; er drewet mein land zu verbrennen, und meine manschaft zu erwürgen, kinder und jungfrawen weg zu füren. Jud. 16, 6; die körperliche krieggefangenschaft, die unser geist mit der ganzen menschlichen mannschaft leide, sei ehrenvoller als der persönlich-krummschlieszende arrest. J. Paul Tit. 3, 18; mit näher vereinzelnder bestimmung durch adjectiva oder andere beisätze: ire junge manschaft fras das fewr, und jre jungfrawen musten ungefreiet bleiben. ps. 78, 63; seine junge manschaft wird zinsbar werden. Jes. 31, 8; uber kinder auf den gassen, und uber die manschaft im rat mit einander. Jer. 6, 11; so doch Moab mus verstöret, und jre stedte erstiegen werden, und jre beste manschaft zur schlachtbank her ab gehen müssen. Jer. 48, 15; des vorsichtigsten artschaffers (d. i. gottes) verordnung, der das tugend und demutübende weibliche joch hiedurch der freigirigen unbändigen mannschaft, wie dem pferd das salzbestrichen gebisz, hat süsz und annemlich gemachet. Garg. 66ᵇ; erbare mannschaft olim dicebantur nobiles, multitudo equestris. Stieler 1239;
das die ebreische manschaft
geschwecht werd in Egypten landt.
H. Sachs 3, 1, 19ᵃ;
dise zürichisch gsellschaft zwar,
die auch erweisen wolt die kraft
der alten bei junger mannschaft.
Fischart glückh. schiff v. 172;
mannschaft, corpus et manus vasallorum, uni domino vel pluribus conjunctis servientium: vasalli, manni, mannorumque commilitium. Haltaus 1312; später eine für kriegszwecke zusammengehörige schar: die mannschaft, erwachsen zum streit. die dapferst mannschaft der schlachtordnung, ein rott der sterksten kriegszleüten, principia. Maaler 283ᵈ; und Saul nam drei tausent junger manschaft aus ganz Israel, und zoch hin, David sampt seinen mannen zu suchen. 1 Sam. 24, 3; achzig tausent junge streitbare manschaft wider das haus Israel zu streiten. 1 kön. 12, 21; das Abia mit seinem volk eine grosze schlacht an jnen thet, und fielen aus Israel erschlagene fünf hundert tausent junger manschaft. 2 chr. 13, 17; die junge manschaft aber die vor der stad stund, wehret sich tapfer, denn sie hatten geschütz und wehre gnug. 2 Macc. 12, 27; eine mannschaft ausmustern, copias armare Steinbach 2, 24; will aller orten ausreiten, wohin er mannschaft gestellt, will ihn selbst aufsuchen und überstellen. Fr. Müller 3, 380; Bourgogn. wie stehts auf den schiffen? Verrina. meine mannschaft ist glücklich an bord gebracht. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 288 (Fiesko 4, 1 bühnenbearbeitung);
entblöszt sind von vertheidigern die mauern,
denn rastlos fechtend fällt die mannschaft aus.
jungfrau von Orl. 1, 3;
wer führte seine mannschaft an?
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 3, 6;
auch sonst gesamtheit der für bestimmte dienste angestellten, vgl. burgmannschaft, dienstmannschaft, löschmannschaft, spritzenmannschaft; das schiffsvolk (s. schiffsmannschaft):
damit des tröstlichen reiseschlauches
niemals ermangele die schiffsmüde mannschaft.
Platen 133;
auf den raan, auf den laffeten
sitzt die mannschaft, wie gebannt.
Freiligrath dicht. 1, 52.
5)
plur. mannschaften, die bedeutung 4 wieder vereinzelnd; mannschaften die einzelnen, auf einem lehengute sitzenden lehenholde samt ihren familien: ein kleines aus 17 mannschaften bestehendes dorf. Schm. 1, 1602 Fromm.; auch die soldaten éines kriegerischen verbandes (regiment, bataillon u. s. w.) heiszen mannschaften.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1602, Z. 38.

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Zitationshilfe
„mannschaft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mannschaft>, abgerufen am 28.11.2021.

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