Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

manschen, verb.

manschen, verb.
nasalierte form zu dem im östlichen Mitteldeutschland sowie nd. verbreiteten matschen, s. d.; auch mantschen geschrieben: manschen, manibus aliquid indecore tractare, polluere et inquinare se contrectando. Stieler 1268; im wasser manschen, aqua persterpere, im teige manschen, massam depsere, im drecke manschen, sordidari luto, manibus tractare sordes et coenum. ebenda; manschen, ist ein pöbelwort, womit man das grauenerweckende umgehen mit speisen und brühen, da man mit händen darein greift, und menget, zu verstehen gibt. Frisch 1, 641ᵃ, mit anführung der form menschen, zusammengieszen, confundere, aus Altensteigs vocab. (1508); weithin, auch im süden, verbreitet: in Brandenburg, meinem vaterlande, heiszt manschen oder mantschen etwas widriges und ekelhaftes durcheinanderwerfen und mischen. L. Tieck ges. nov. 7, 223; in der Altmark manschen, mischen, mengen, mit dem nebenbegriff des unpassenden, ungehörigen, übertragen auf ein zweckloses herumwühlen im wasser, besonders bei kindern. Danneil 131ᵇ; in Holstein mantschen im koth mit den händen wühlen, auch überhaupt wühlen Schütze 3, 88; schles. manschen, mantschen, mengen, mischen, mit dem begriff des unreinlichen Weinhold 60ᵃ; in Leipzig (und sonst in Meiszen, Düringen) manschen, mit den händen im wasser herumplätschern, gemantschtes bier, verfälschtes Albrecht 166ᵃ; ein schenkwirt manscht, wenn er sein bier oder seinen wein durch hinzugieszen anderer flüssigkeiten verschlechtert; in Althessen manschen, mantschen, besonders vom zerwühlen der speisen, bei kindern, welchen die speise nicht mundet, und von schlecht, zu flüssigem brei, gekochter speise gebraucht. Vilmar 260; daran näher angeschlossen rheinisch manschen, unanständig, gierig essen Kehrein 272; schwäb. manschen, mantschen hastig, viel essen Schmid 374; auch Stalder 2, 196 verzeichnet ein mangschen, manschen essen, was vielleicht hierher und nicht zu französ. manger fällt; in Nordböhmen manschen, mantschen, in etwas weichem herumwühlen. Fromm. 2, 234; in Baiern manschen, mantschen, mauntschen, durcheinander mengen, besonders flüssige speisen, schlecht kochen. Schm. 1, 1627 Fromm.; tirol. manschen, durcheinander mengen Schöpf 420; im alemannischen sprachgebiete in dieser bedeutung unbekannt. die schriftquellen lassen das wort seit dem 17. jahrh. bisweilen erscheinen: Kunegund Finsterbergin nam frischen koth von ihrer rothen kuh und manschte faule äpfel drunter. Paulini dreckapothek (1696) 33;
das mantschen gieng nu wirklich an,
die heuchelei nahm ihre muschelfarben
und machte sie mit gummiwasser ein.
D. Stoppe Parnass 142;
bei neueren: auch in dieser mischung sind bergblau und grünspan die hauptingredienzien .. ja Newton hätte nur immer noch kreide hinzumanschen können, um die farben immer mehr zu verdünnen. Göthe 59, 263; bildlich: (er) ist ganz zufrieden, dasz er in den kirchlichen sachen ungehindert mantschen kann. Humboldt briefe an Varnhagen 275; in allitterierender verbindung mit mengen und mischen: der krämer, der weinschenke, der bierbrauer, der reichlich miszt, der müste in kurzer zeit zum thore hinauslaufen, wenn er nicht mengte und manschte. Reiske Thucyd., vorrede; das mischen, sudeln und manschen ist dem menschen angeboren. Göthe 53, 12; als muster .. wie untersuchungen ohne mischen und manschen gemacht werden sollen. Brandis ebenda 60, 80; nie befriedigte lust zu mischen und zu manschen. Welcker bei Kekulé leb. Welckers 450.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1606, Z. 5.

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Zitationshilfe
„manschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/manschen>, abgerufen am 27.11.2021.

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