Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mantel, m.

mantel, m.
sagum, chlamys, pallium.
1)
das alte germanische wort für dieses einst allgemein getragene kleidungsstück (tegumen omnibus sagum. Tac. Germ. 17), goth. hakuls, altnord. hökull, ags. hacele, ahd. hachul, ward durch übernahme des lat. mantellum verdrängt, wobei sich aber das geschlecht nicht nach dem lateinischen als neutrum, sondern nach dem alten deutschen worte als masculinum festsetzte, was dann wieder auf die umformung des lat. mantellum in mittellat. mantellus einflusz hatte: ahd. mantel, mantil, mandal, mandil, chlamys, pallium, amphibulum Graff 2, 816; mhd. mantel und mandel: chlamys mantel Dief. 125ᵃ; mantellus, mantellum mantel, mandel 347ᶜ; pallium mantel 407ᵃ; sagum ritters mantel 507ᶜ; mnd. mantel, masc. und fem. Schiller-Lübben 3, 32ᵃ; fries. mantel und mentel; ags. mentel (hyre beteran mentel Thorpe dipl. 537); engl. mantle; altnord. mötull, schwed. dän. mantel. als pluralform hat sich seit der mhd. zeit mentel, mäntel festgesetzt:
wir müeʒen hiute strîten,   daʒ wil ich iu sagen.
ir sult für sîdîn hemde   halsperge tragen,
und für die rîchen mentel   guote schilde wît.
Nib. 1792, 3;
die feierkleider, die mentel, die schleier. Jes. 3, 22; also wurden diese menner in jren menteln, schuhen, hüten und andern kleidern, gebunden. Dan. 3, 21.
2)
mantel, das bekannte deckende kleidungsstück für beide geschlechter und die verschiedensten stände sowie gelegenheiten, näher bestimmt im compositum, vgl. bettler-, bischofs-, doktor-, frauen-, henker-, kinder-, königs-, krönungs-, pilger-, reiter-, weibermantel; frühlings-, herbst-, wintermantel; jagd-, nacht-, regen-, wachtmantel; pelz-, tuchmantel u. a.; als zugehör zur amtstracht und etikettemäsziges kleidungsstück: keiser Karls schwert, sein zwen sporen, sein apfel, sein zepter, sein rock, sein mantel. d. städtechr. 2, 13, 2; und er foddert einen seiner freunde, Philippum, den verordenet er zum heubtmann uber das ganze königreich, und gab jm die kron, mantel und ring. 1 Macc. 6, 15; der mantel war zur zeit der Jesuiten- und Benedictinerschulen eine den studierenden sowohl für sommer als winter vorgeschriebene tracht. von einem als student altgewordenen sagte man, es wachse ihm das mies auf dem mantel. Schm. 1, 1630 Fromm.; er, der leidige (der trauernde witwer) war mit einem schwarzen tüchen mantel verhüllet bisz auf den boden. Philander 1 (1642) s. 58; im langen mantel gehen, pallio funebri incedere Frisch 1, 641ᵃ; da ich dann (bei einer audienz) zum herrn legaten stracks in seine stuben verwiesen, mit umgehängtem mantel von ihm empfangen und mit ihm ans caminfeuer zu sitzen genöthigt worden. O. v. Guericke bericht (1647) in den mittheilungen des dür.-sächs. alterthumsvereins 11, 32; hab ich mich den 6. mai auch bei des hn. legaten Salvii hausfrauen anmelden .. lassen .. dieselbe hat mich nun in ihrer stube mit angelegten kleidern und umgehängtem mantel gar solenniter empfangen. 63;
in dem mantel an zwein steten
sol nieman hin für treten,
für den tisch und der kirchen grât (vor den altar).
K. v. Haslau jüngling 929;
als theil der amtstracht eines pfarrers: sie (die geistlichen) können mit ihren langen mänteln viel dings bedecken. Schuppius 37;
sahen
auf der diele den sarg, und den pfarrer im mantel daneben.
Hölty 43 Halm;
dem rock entgegengesetzt: sie rauben, beide rock und mantel denen, so sicher da her gehen. Micha 2, 8; und so jemand mit dir rechten wil, und deinen rock nemen, dem las auch den mantel. Matth. 5, 40;
röckel pheit dem wîbe
zôch er ab dem lîbe,
ir kürsen und ir mandel.
Helmbrecht 679;
nach form und farbe näher bestimmt: ich sahe unter dem raub einen köstlichen babylonischen mantel. Jos. 7, 21; hatte einen newen mantel an. 1 kön. 11, 29; mantel durch umb verbendlet oder beleit, chlamys circumdata limbo Maaler 283ᶜ; ein verbremter mantel, toga praetexta. gefütterter mantel, pallium duplex. prächtiger mantel, abolla. langer mantel, pallium prolixum. kurzer, curtum, palla. schäbichter mantel, da keine laus drauf haften könte, pallium detritum, depexum. Stieler 1226; darüber (über einer kappe) hieng ein beschäbter mantel mit einem geblümeten sammetkragen. Chr. Weise erzn. 93 Braune; ein spanischer mantel, theil der spanischen tracht; von der spanischen tracht ist die mode von steifen kurzen mänteln bis auf den gürtel, noch an einigen orten in Teutschland geblieben, absonderlich bei den nürnbergischen frauen. Frisch 1, 641ᵇ;
hie vor in kurzen jarn
was kain paur so reich,
si muosten all geleich
grabe mäntl an tragen.
fastn. sp. 440, 5;
Solinus hat zwar manches buch,
zum mantel aber schlechtes tuch.
Logau 3, 258, 232;
dasz ich ihm, als er abschied nahm,
da er durch mich um alles kam,
den schönen mantel noch gelassen.
Hagedorn 2, 88;
herr Goldmar ritt mit freuden
vor seinem stolzen zug,
einen rothen mantel seiden,
eine goldne kron er trug.
Uhland ged. 226;
es heiszt den mantel anlegen, abthun, umwerfen, ausziehen, sich in den mantel hüllen, wickeln, im mantel sitzen, etwas unter dem mantel tragen u. ähnl.; da nam sie den mantel und verhüllet sich. 1 Mos. 24, 65; da leget sie die widwenkleider von sich, die sie trug, decket sich mit einem mantel und verhüllet sich. 38, 14; sie macht sich auf, und gieng hin, und legt den mantel ab. 19; sie deckte jn zu mit einem mantel. richt. 4, 18; und da sie jn verspottet hatten, zogen sie jm den mantel aus. Matth. 27, 31; wirf deinen mantel umb dich, und folge mir nach. ap. gesch. 12, 8; bald nimpt sie jhm (die frau dem heimgekehrten manne) den mantel ab, bringt jhm ein frisch nasztüchlein. Garg. 73ᵃ; was habt ihr da unterm mandel? fragte der dickbauch; seind vielleicht schriften oder acten, die zum handel gehörig? Simpl. 3, 405 Kurz; einen mantel um haben, pallio amictum esse, einen andern mantel umnehmen, pallium commutare, den mantel ablegen, pallium ponere, im mantel sitzen, cum pallio sedere Steinbach 2, 25; wie er uns abends, in den mantel eingehüllt, bei der lampe überraschte. Göthe 8, 193; jene dame dort, ... von fusz zu kopf in einem mantel eingewickelt. H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 2, 5;
wan si (die bauern) in ain krieg giengen,
ir mantl si auf die achsl hiengen.
fastn. sp. 440, 20;
ach, leih mir einen mantel an,
darunter ich verbergen kan
die braten hüner und den wein.
H. Sachs fastn. sp. 2, 149, 245;
ich reit ins finstre land hinein
im wintersturm, ohn allen schein,
den mantel umgeschlagen.
Uhland ged. 59;
den mantel rührt der begehrende an:
ir muͦter ir aber bekom (kam ihr entgegen),
by dem mantel sy sie nam,
sy sprach, liebe muͦter min,
du solt es recht guͦt lan sin.
Dioclet. 3564;
unter den mantel ward derjenige genommen, den man schützen und in obhut haben wollte:
der knappe dennoch vor ir stuont ..
si bat in zuo zir sitzen nidr,
ir mantels swanc se umb in ein teil.
Willehalm 291, 5,
daher auch der mantel blosz bildlich für schutz; vielleicht aber noch in ganz sinnlicher bedeutung im folgenden: da nu Afterding sach wi iʒ zu fur, do floch her undir den mantil der edeln lantgravin, frouwen Sophien, durch schutzes willen, den her da vant. Ködiz 10, 2; und, mit bezugnahme auf bildliche darstellungen der zeit:
des bit ich sonderleich (dich Maria),
das die dein gnad zumale
bevogten thue in deines kindes reich
und sie umbschrenk mit deines mantels fachen,
so das si sei gefreiet
vor imer wer des fuers peines achen.
Haupts zeitschr. 6, 44, 67;
vgl. dazu unten auch mantelkind; als blosze redensart wol aber:
ich muesz gedenken an die,
da er uns jämerlich verlie,
und sich diplich von uns schiede
und Fridraunen under den mantl kam (unterschlupf, obhut bei ihr fand).
fastn. sp. 453, 17;
mantel, das recht zu herbergen: er nimmt mir das wirthsrecht oder den mantel inner vierzehn tagen. Pestalozzi 1, 249.
3)
mantel als bild für etwas deckendes, hüllendes und schützendes: daʒ du ir kein mantel schepfest und daʒ du sie iht beschônest. Mone anz. 8, 501ᵃ; in der neueren sprache mit entsprechenden zusätzen.
a)
der mantel der gerechtigkeit, der liebe, der freundschaft u. ähnl.: Christus dekt die sünden mit dem mantel seiner gerechtigkeit zu. Butschky Patm. 88; mit dem mantel der christlichen liebe des andern fehler bedecken, pallio christiani amoris alicujus errores tegere. Frisch 1, 641ᵃ; als ein treuer diener des würdigen herrn müssen sie einen christlichen mantel auf seine schwachheit werfen. Schiller parasit 1, 7; wenn er ihr sich als den liebenden dieb der prinzesslichen wachsbüste mit allen beweisen darstellte, und so seinen bisherigen mantel der liebe ganz zurückschlage und aufmache. J. Paul komet 3, 158;
allein, er hatte, vom mantel der freundschaft umwunden,
bei beiden doch einen schleichweg zu ihrem herzen gefunden.
Wieland 4, 15 (n. Amadis 1, 17);
Elise, die gern thränen stillt,
verirrte gerne leitet,
und über kleine schwächen mild
der liebe mantel breitet.
Gotter 1, 91;
werft doch über den dichter den mantel der christlichen liebe,
statt des gemüts misgunst fromm zu bedecken mit ihm!
Platen 144;
der mantel des scherzes, der ruhe:
(ich) suchte nach dem scherz, der sonst mir das geleite
so treulich gab, mir seinen mantel heute,
nur heute noch für meinen schmerz zu leihn.
Gökingk 2, 5;
der ruhe warmer mantel.
3, 199;
mantel der täuschung:
freiheitathmender wehn lüfte des heils um ihn,
weglegt er der täuschung mantel,
und der sinne gesticktes kleid.
Platen 109;
mantel der schuld, mit dem ein missethäter bedeckt ist, wie sonst die sünde als den menschen einhüllend und deckend gedacht wird:
denn wenn der mächtige des streits ermüdet,
wirft er behend auf den geringen mann,
der arglos ihm gedient, den blutgen mantel
der schuld, und leicht gereinigt steht er da.
Schiller braut von Mess. v. 1783.
b)
der nacht wird gern ein mantel beigelegt (vgl. dazu th. 7, 153): so fing der himmel an zu brennen, der entflohenen nacht loderte der nachschleifende saum ihres mantels weg. J. Paul uns. loge 1, 42; dann legte die nacht und der traum wieder einen mantel auf alle fehler der menschen. 2, 45;
ihren mantel
deckt auf dich die nacht.
Herder z. litt. 4, 94;
sie hofften, es würde sie hüllen
im faltigen mantel
die schwarze nacht.
Stolberg 1, 93;
bei der nacht, die ihren schwarzen mantel
nur dem verbrechen und der sonnenscheuen
verschwörung leihet.
Schiller Tell 2, 2.
c)
dingen oder gesinnungen, die man verbergen will, wird ein mantel gegeben, umgehängt (ein früher beleg für die formel s. unter mäntelein): also geschehe auch nichts neues in ecclesia, sondern es werde immer einer alten ketzerei ein neuer mantel umbgehenget. Schuppius 87;
ein tapfrer heldenmut ist besser nicht zu kennen,
als wann er sich nicht scheut schwarz schwarz, weisz weisz zu nennen,
der keinen umschweif braucht, der keinen mantel nimmt.
Logau 2, 149, 50;
dasz man mag in hasz und neid wider seinen nechsten leben,
soll uns die religion einen schönen mantel geben.
3, 248, 169;
der aberglaube ist ein schlechter mantel
für eure feigheit.
Schiller jungfr. von Orl. 2, 1.
4)
redensarten und sprichwörtliches. den wind mit dem mantel fangen, von unnützem thun: sonst, wer ein solche memme ist, das er alle wort wil auffahen, und sucht ursache, der wil den wind gewislich mit dem mantel fahen, aber was er für ruge oder nutzt davon wirt haben, das las in selbs zuletzt beichten, so wirstu es wol erfaren. Luther 3, 325ᵃ; den mantel aufsperren, einen einblick in etwas gewähren: darumb so hilft ewer verbergen gar nichts. denn jr selbs sperret den mantel durch ewre druckereien auf, und lasset solche gebrechen und mengel die ganze welt anschauen. J. Wigandus ob die newen Wittenberger u. s. w. 9ᵃ; den mantel umkehren, ein vorhaben ändern: indem sie (die zanksüchtige) den mantel umkehrte, und dasjenige, welches sie alleweile verworfen, bis auf das schlagen behauptete. ehe eines mannes 239; den mantel auf die andere schulter nehmen, anderer ansicht werden: und allerdings hat es dergleichen theologen gegeben: allein wo gibt es deren denn noch? hat man den mantel nicht längst auf die andere schulter genommen? Lessing 10, 13; er läszt sich nicht gern den mantel zerreiszen. Stieler 1226, von einem gesagt, der ohne dasz man ihn am mantel ernstlich zu halten braucht, also ohne grosze nötigung, zu einer bewirtung niedersitzt; einem den mantel zerreiszen, einen sehr nöthigen beim essen zu bleiben. Frisch 1, 641ᵃ; den mantel dahinten lassen, das nötigste seiner habe geben: mancher will lieber einen guten namen behalten und sol er den mantel dahinden lassen. Lehmann 173; in einem schlechten mantel aufziehen, als armer: jene spotteten der Sokratischen weisheit, die nur in einem schlechten mantel aufzog, und sich mit einer mahlzeit für sechs obolen begnügte, da die ihrige in purpur schimmerte, und offne tafel hielt. Wieland 1, 77; hinter dem mantel spielen, unaufrichtig und trügerisch: unter uns wenigstens ein aufrichtiges wort! in einer sache, die eigentlich blos hinter dem mantel gespielt wird. Göthe an Voigt 522; der mantel ist nicht nur altes zaubergerät: d. Faustus .. nimpt hernach einen breiten mantel, breitet jne in seinen garten, den er neben seinem hausz hatte, und setzte die grafen darauf, .. führte sie also in lüften dahin. volksbuch v. dr. Faust s. 79 Braune;
wir breiten nur den mantel aus,
der soll uns durch die lüfte tragen (Mephistopheles zu Faust).
Göthe 12, 102
(vgl. mantelfahren, zaubermantel); er dient auch dem gaukler für seine künste, mhd. trügementellîn zielt darauf:
der suochet ein trügementellîn,
in dem er schînet zaller frist
vil kunsterîcher denn er ist.
Renner 6709;
einem einen steinernen mantel anbieten, ihn ins gefängnis sperren wollen: man hat ihm den steinernen mantel angebotten, publicae custodiae tradendus. Serz 95ᵇ; du must ietzt mit deiner stelzen nach einer andern pfeifen tanzen, oder gewertig sein, wann du es zu grob machst, dasz man dir einen steinernen oder wohl gar einen spanischen mandel umlegt. Simpl. 3, 165 Kurz (vgl. zu dem letzteren unten nr. 11); sprichwörter: s. Kilian ist vermögend genug dem h. Martino den mantel zu flicken (Herbipolitanus episcopatus potest id, quod deest archiepiscopatui Moguntino, suis divitiis supplere). Pistorius thes. par. 6, 37; ein mantel und ein haus decken viel schande. der mantel ist des, den er deckt, die welt des, der ihrer genieszt. Simrock sprichw. 364; wenn die sonne scheint, nimm den mantel mit auf die reise. aus altem mantel wird ein neues wamms. 365.
5)
besonders häufig den mantel nach dem winde wenden, kehren, drehen, hängen, zuerst nur als bild für 'sich in die zeit schicken', ohne tadelnde nebenbedeutung:
wan sol den mantel kêren als daʒ weter gât.
ein frumer man der habe sîn dinc als eʒ dâ stât.
minnes. frühl. 22, 25;
besich, in welhem zeit du pist,
dar zuo, wie daʒ weter ist,
daʒ du deinen mantel gswind
mugest keren gen dem wind!
Ring 28ᶜ, 16;
(da müssen die eheleute) inn kleidung leicht und schlecht hergehn,
spat sitzen, dazu frü aufstehn
und anhalten den ganzen tag
mit arbeit wo man kan und mag,
den mantl nach sawerm wind zu kern.
H. Sachs 1, 519ᵃ;
ich kan gering und mesig zehren
und nach dem wind den mantel keren
und halt gedult in allen schwerden (spricht die armuth).
desselben fastn. sp. 1, 27, 172;
wann ich lasz mich an dem benügn,
was mir gott teglich ist zufügn;
und henk den mantel nach dem wind,
den sack zum halben theil zubind.
88, 215;
man mus fein halten mas und ziel,
den mantel hengen nach dem wind.
Römolt D 3ᵃ
doch klingt jene nebenbedeutung im folgenden an:
wer jetzt wil gelt
und gut bekommen in der welt,
der musz sein mantel wenden stet
und sehen wo der wind her geht.
Scharpffenecker Acolast A 4ᵃ;
und ist anderswo völlig ausgebildet, so dasz der vorwurf der charakterlosigkeit in der redensart liegt: die sich aus bret und hohe ort halten und den mantel nach dem winde keren und wenden können. Mathes. Sar. 139ᵃ; einer, der in zeit desz kriegs von ihm abtrinnig worden und, wie man sagt, den mantel oder die casack nach dem windt umbgewendet hatte. Zinkgref apophth. 2, 132; ceremonienmacher, welche idweden nach gunst reden, den mantel nach dem winde tragen. Butschky Patm. 446; da gemeiniglich der mantel nach dem winde gekehret wird. kanzl. 424; gar wenig werden gefunden, di nicht den mantel nach dem winde hengeten. 674; also schiene es rathsamer zu sein, dasz man noch eine weile den mantel nach dem winde hienge. Lohenstein Arm. 1, 23ᵇ;
mancher durch lyegen würt ein herr,
dann er den kutzen strichen kan,
und mit dem falben hengst umb gan;
zuͦ blosen mäl ist er geschwind,
den mantel henken gen dem wind.
Brant narrensch. 100, 16;
was dein freunt lobt, das lob auch mit,
es sei gleich lobs wert oder nit;
und was er schent, das thw auch schenten,
den mantel nach dem wint hin wenten.
H. Sachs fastn. sp. 2, 23, 322;
das seind die rechten diener mein,
die allzeit link und recht können sein,
hengen den mantel nach dem windt.
Römolt Dᵃ;
wer yetz wil gnant sein der welt frind,
der henk den mantel nach dem wind.
Wickram irr. bilg. 22ᵇ, randglosse.
6)
mantel, der träger des mantels: (in groszen monarchien, wo) zuletzt doch der einflusz eines kammermädchens, eines musiko, oder hofnarren, die vereinigte weisheit von einem paar dutzend spanischen mänteln und langen perüken überwogen hat. Wieland 11, 209;
der schwarzen mäntel lange zahl
begleitet ihn bei paaren (beim leichenbegängnisse).
Hagedorn 3, 115;
da kam auf einmal ein weiszer mantel,
der fragte mich wüthend, wer ich sei.
Körner nachtwächter, 1. auftr.
7)
mantel, bekleidung eines altars: mantel oder altertuch oder corperal. voc. von 1482 bei Lexer mhd. wb. 1, 2038.
8)
mantel, bildlich für die himmelsdecke:
wer hatte kraft, den mantel auszubreiten,
der tausendfarbig über unsrem haupte flieszt,
des lenzes hofnung und des herbstes schätze
in seiner falten schoosz verschlieszt?
Gotter 1, 401.
9)
mantel, in der sprache der gewerke.
a)
in der baukunst; der mantel einer mauer, eines thurms ist der nach auszen gehende sorgfältig behandelte theil des mauerwerks, im gegensatz zum kern: der kern des thurmes besteht aus guszwerk, darum ein mantel von hausteinen; he machte üm den torm einen vyerekechten mantel von mermelsteinen. altd. bl. 1, 301; mantel, das gemäuer, so etwas umschlieszt, so nennt man z. b. das gemäuer, welches einige zusammenschlagende schornsteinröhren, die nur dünne unterscheidungsmauern oder zungen haben, umgibt. Jacobsson 3, 17ᵇ. mantel des kamins, des rauchfangs, der über den feuerherd breit ausladende theil desselben: rauchfänge, deren mantel ziemlich hoch über dem heerde. Hohberg 1, 25ᵇ. mantel, treppenhaus, heiszt auch das behältnis oder die einfassung, worin eine treppe in die höhe geht. Jacobsson a. a. o.
b)
mantel, bei den gieszern, die decke einer form, zwischen welcher und dem kern das flüssige metall flieszt und die sache selbst bildet. ebenda; der mantel einer glocke, der äuszere theil der guszform derselben:
nun zerbrecht mir das gebäude,
seine absicht hats erfüllt ...
schwingt den hammer, schwingt,
bis der mantel springt!
wenn die glock soll auferstehen,
musz die form in stücken gehen.
Schiller glocke v. 339;
der mantel einer canonen- oder mörserforme, welcher aus gebrannt und zerstoszener leimerde, pferdemist und scheerwolle zubereitet und verfertiget wird. Eggers kriegslex. 1, 499ᵇ.
c)
mantel im bergbau, auch saalband, ein schmales gestein an einigen gängen, welches das erz einfaszt. mineral. lex. 376ᵃ.
d)
mantel, auch mantelende, vorschusz, bei den tuchmachern das vorderste ende eines stückes tuch, welches zuerst gewebt, und in welches, nach der appretur, das ganze stück geschlagen wird. Jacobsson 3, 17ᵇ.
e)
mantel, bei den dachdeckern, eine lage neues stroh, welche über ein altes strohdach gelegt wird. ebenda.
f)
mantel des waldes, im forstwesen, die äuszersten oberbäume. Jacobsson 6, 515ᵃ.
g)
mantel, im kriegswesen, eine zusammenhängende befestigung von auszenwerken. ebenda.
h)
mantel, auf schiffen, ein tau oder seil, welches mitten an einer ree, dem racke gegenüber, befestigt ist, um selbige damit aufzuhissen und niederzulassen. Eggers kriegslex. 2, 129ᵃ.
i)
mantel um einen eisernen ofen, ein darum gelegtes schutzblech, um das unmittelbare ausstrahlen der hitze zu vermeiden.
k)
mantel der bühne, eine vor dem vorhange auf dem podium angedeutete grenze, jenseits derselben die darstellenden sich nicht bewegen sollen.
10)
mantel, in der naturkunde.
a)
bei einigen fluszschnecken eine gallertartige, am halse derselben angewachsene haut, mit welcher sie, im umherkriechen, ihre schale bedecken können.
b)
bei den muscheln eine haut, welche den ganzen körper des thieres umgibt, und wodurch das thier allen zuflusz und ausflusz des wassers hindern kann. Nemnich 4, 838.
c)
mantel, das gefieder auf dem rücken eines vogels.
d)
mäntel, kammdupletten, pectines, diesen namen führt eine unterabtheilung der austern. Nemnich 4, 885. 808.
e)
der bunte mantel, eine kammmuschel, ostrea varia; der glatte mantel, ostrea glabra.
f)
in der botanik ist mantel arillus, der umschlag, die samenhaut; und involucrum, eine art umschlag, welcher eine oder mehrere blumen umgibt, fruchtmantel.
g)
unserer frauen mantel, ein kraut, alchimilla Frisch 1, 641ᵇ; auf der Rhön unser lieben frauen mantel Vilmar 261; vgl. mantelkraut.
11)
der spanische mantel, ein hölzernes strafwerkzeug, nach der ähnlichkeit mit einem mantel nach spanischem schnitte so genannt: den spanischen mantel tragen müssen, ist eine leibesstrafe, da der so sie aussteht, einen tiefen und schweren zober auf der achsel tragen musz, durch dessen boden er den kopf steckt. Frisch 1, 641ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1607, Z. 26.

mantel, f.

mantel, f.
pinus sylvestris, föhre, kienföhre. bairisch. Schm. 1, 1631 Fromm. vgl. lichtmantel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1612, Z. 55.

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Zitationshilfe
„mantel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mantel>, abgerufen am 27.11.2021.

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