Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mandel, m., f.

mandel, m. f.
1)
haufe frischgeschnittenen und gebundenen getreides, getreide- oder strohbund; als masc.: Boas .. legt sich hinder einen mandel. Ruth 3, 7; und zündet die (schwänze der füchse) an mit fewr, und lies sie unter das korn der Philister, und zündet also an die mandel, sampt dem stehenden korn. richt. 15, 5; am wasser Chebar ... da die mandel stunden. Hes. 3, 15; und haben so viel altar, als mandel auf dem felde stehen. Hos. 12, 12; plur. mandeln, auf feminines geschlecht weisend, welches später ausschlieszlich hervortritt: in der erndten, wenn du die mandeln solt erben. Jes. 17, 11; zur zeit der erndte sahe man die sperlinge haufenweise auf den mandeln sitzen und solches überflusses frölich genieszen. Scriver andachten (1721) 987; das getraide wird im felde zur erndtezeit, wann es gesammlet und aufgebunden ist, in mandeln gesetzt, da denn das ährenlesen hinter denen abgeführten mandeln nach, und nicht zwischen denen annoch stehenden, denen armen leuten vergönnet wird. öcon. lex. 1500; der moment, wegen der heranreifenden feldfrüchte, war sehr bedeutend. in Thüringen stand alles zum schönsten, im Fuldaischen fanden wir die mandeln auf dem felde und zwischen Hanau und Frankfurt nur noch die stoppeln. Göthe 43, 19; darauf schritten sie über die stoppeln zu den garben; der schnelle blick des landwirths übersah die zusammengelegten mandeln. Freytag handschr. 1, 97. die mandel wird ihrem umfange nach bestimmt: mandel, strues frugum ex quindecim mergitibus, quindena, funfzehn garben. Frisch 1, 638ᵇ; mandel, eine hocke von funfzehn garben. Voss 2, 337; bair. mannl, mandel, mehrere (10 bis 15) getreidegarben, die auf dem felde aufrecht zusammengestellt, und an dem obern ende mit einer umgekehrten garbe, wie mit einem hute, bedeckt werden. Schm. 1, 1601 Fromm.; in Tirol besteht ein getreidehock aus zehn garben, sechs hocken bilden einen schober oder ein mandl, die oberste garbe heiszt huet. Fromm. 6, 152; niederländ. mandele, manipulus, et duo fasces straminei, et mergites duodecim, vulgo mandula. Kilian.
2)
mandel, eine anzahl von fünfzehn (auch, mit zugabe éines stückes, von sechszehn, was in Düringen eine bauernmandel heiszt): mandel, certus numerus, quindecim. Schottel 1361; als fem., mit der gleichen form im plural bei zahlwörtern, sonst mandeln: so wolden sie eine mandel haupthechte und 3 mandel zahlhechte ... nehmen. Schweinichen 1, 359; die lerchen asz ich nicht eher, als bisz eine mandel im weinkeller 20. groschen galt. Chr. Weise erzn. 44 Braune; von einer mandel pfannkuchen solte mir wohl besser werden. comöd. 315; dasz gemeldter herr nicht eine, sondern wohl ganze mandeln der artigsten dames zu seinen guten freundinnen hätte. ehe eines mannes 338; eine halbe mandel worte. causenm. 77; eine mandel eier, eine mandel käse ... vier mandel machen ein schock aus. Jacobsson 3, 13ᵃ; hier ist das verzeichnis der weiblichen (charaktere, die in einem buche geschildert werden, 15 stück) ... eine schöne mandel! Lessing 4, 478; herr. wie viel habt ihr denn bis jetzt gefunden (von den goldenen eiern)? Papageno. ohngefähr zwei bis dritthalb schock ... herr. allerliebster Papageno, ihr lieszt mir wohl eine mandel zukommen? Göthe 11, 220; der rock kostet seine mandel thaler. Immermann Münchh. 3, 10; als neutrum: ein mandel hofleute. J. Paul a. d. teuf. pap. 1, 29.
3)
in der zweiten bedeutung reicht das wort landschaftlich zumal über das östliche Mitteldeutschland, und bis Schmalkalden (Vilmar 260), auch nach Niederdeutschland: mannl, die mandel, fünfzehn, auch die garbenmandel L. Parisius zusätze zu Danneils wörterb. 26, wo es alt bezeugt ist: quindena ein mandel Dief. nov. gloss. 311ᵇ (aus einem niederd. glossar von 1425 und aus Trochus), auch vom gelde: negen mandel nyger croschen. hallisches schöppenbuch bei Schiller-Lübben 3, 22ᵃ; die erste bedeutung steht in der latinisierten form mandala schon in einer urkunde von 1242 des chartulars der abtei Mont S. Martin zu Cambray: viginti mandalas straminis .. in illis octo modiis siliginis et avenae et viginti mandalis straminis. Du Cange v. Henschel 4, 220ᵃ, und wird, wie die früher vorkommende, so auch die ältere sein, aus der sich jene erst in manchen gegenden herausgebildet hat; sie ist auch die verbreitetere, da sie sich auszer dem nl. nd. md. im bairischen sprachgebiete findet, wo man mandl allerdings als diminutiv zu mann umgedeutet und an eine aufgerichtete menschliche figur gedacht hat (vergl. oben nr. 1 a. e.). der eigentliche begriff des wortes läszt sich sicher nicht feststellen, an mand, mande korb ist wol schwerlich anzuknüpfen, obschon dasselbe auch den gegenden angehört, wie mandel; eher an das fries. monda, manda gemeinschaft, mnd. mande gemeinschaft und gemeinschaftlich (Schiller-Lübben 3, 21ᵇ), so dasz man bei mandel zunächst an die vereinigung verschiedener garben zu einem bunde gedacht hätte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1534, Z. 11.

mandel, m. und f.

mandel, m. und f.
amygdala.
1)
ahd. nur im plur. mandilun, mandalon bezeugt (Graff 2, 817):
jû leit in erde
Aarôn eine gerte:
diu gebar nüʒʒe,
mandalon also edile.
Müllenhoff u. Scherer denkm. 39, 1, 4;
sowie in den zusammensetzungen mandalboum, mandalnuʒ; mhd. mandel. der deutschen form liegt, da die sache einst auf dem handelswege für Deutschland zunächst von Italien her eingebracht ward, auch das ital. mándola, mándorla zu grunde, das, nebst dem span. almendra, portug. amendoa, provenz. amandola, franz. amande, und einem mittellat. amandola (Diez wb. d. rom. spr. 1, 261) aus amygdala, ἀμυγδάλη entstellt ist; das niederl. amandel schlieszt sich an die provenzalische form an. amigdalum mandel, niederd. mandele Dief. 30ᶜ; amigdalum, nux longa, mandel voc. opt. 47ᵇ, 59; in der ältern sprache auch als masc., wobei wol das geschlecht von kern eingewirkt hat (vgl. unten mandelkern), und als stoffwort im sing. (wie reis, mehl u. ähnl., vergl. auch hering 3, th. 4², 1105): man sol nemen ein phunt mandels. b. v. guter speise 1; mache mandels ein halp phunt. 2; wiltu machen ein gronen, ploben oder gelben mandel (speise von mandeln). kuchenmeisterey b 2; stosz den mandel mit milch. ebenda; zwai pfunt mandels (an die brühe zu fischen). Tucher baumeisterb. 124, 31;
ich mein ouch die werden wip,
die da tugendhaften lip
tragent ân falschen wandel.
ir wird (wert) gat für den mandel
und für aller Kriechen golt.
Altswert 62, 27;
(du) tust unter mandel pfirsingkeren
und unter weinper muckenkopf.
fastn. sp. 478, 8;
ich scholt im kochen gute speis
baide von mandel und von reis.
784, 34;
auch wenn der einzelne kern gemeint ist: der mandel, nux graeca Maaler 282ᵈ;
zu süsz für euch ist diser mandel.
Weckherlin 481;
das fem. hat später sich ausschlieszlich behauptet: nemet von des landes besten früchten in ewer secke, und bringet dem manne geschenke hinab, ein wenig balsam, und honig, und würz, und myrrhen, und datteln und mandeln. 1 Mos. 43, 11; fand er den stecken Aaron des hauses Levi grunen, und die blüet aufgangen und mandeln tragen. 4 Mos. 17, 8;
(die frau) trägt fette milch voll schaum
und saftge pfirschen auf, und feigen frisch vom baum,
beklagend, dasz ihr jüngst die mandeln nicht geriethen.
Wieland 22, 167 (Oberon 4, 38);
südlich vom drei-spitzen-cap,
wo die datteln und die mandeln
wachsen.
Freiligrath dicht. 1, 134;
man unterscheidet süsze und bittere mandeln: sowohl aus denen süszen als bittern mandeln, wird ein oel gepresset. öcon. lex. 1501; bildlich bittre mandeln essen, bittres erdulden:
lasz die wetter unterdessen,
uber unsrer unschuld stehn!
must du bittre mandeln essen,
und vorjetzt auf dornen gehn;
so bedenke, das vergnügen
wird uns einst zusammen fügen.
Günther 256;
gebackene mandeln (als confect). öcon. lex. 1501; dasselbe sind gebrannte mandeln: schüttete ihr Laertes gebrannte mandeln in den schoos, von denen sie sogleich zu naschen anfing. Göthe 18, 145.
2)
mandel, auch der mandelbaum: wie er (der mandelbaum) denn .. in denen weinbergen am Main und Rheinstrom und Speyer und in der bergstraszen trefflich fortkommt, also dasz von denen dasigen bauern ganze wägen voll mandeln in die umliegende orte zu markt gebracht werden. öcon. lex. 1503;
die lerche singt, die mandel blüht; es knospet
der feigenbaum.
Herder z. litt. 6, 39.
s. mandelgarten.
3)
mandeln im halse, amygdalae, zwei mandelförmige oder länglicht runde schleimdrüsen, welche sich am anfang des schlundes, ein wenig unter dem zäpfchen befinden. Nemnich 1, 244; geschwulst der mandeln, tonsillarum inflammatio. Stieler 1228.
4)
versteinerte mandeln, mandelsteine, mandelförmige steine, amygdalites, mandelförmige steinspiele, welche bald in einer mutter, bald einzeln auszer der mutter gefunden werden. Nemnich.
5)
mandel, eine muschelart, venus pectinata. ebenda 4, 1549.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1535, Z. 15.

mandel, f.

mandel, f.
wäschrolle, für mangel (s. d. und mange): mandel, mangel, rolle, ist eine maschine oder werkzeug, mittelst dessen das reine leinene, wie auch ander geräthe, nachdeme es gehörig darzu bereitet worden, glatt und weich gemachet wird. öcon. lex. 1499.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1536, Z. 14.

manteln, mänteln, verb.

manteln, mänteln, verb.
mit einem mantel versehen: palliare manteln Dief. 407ᵃ; palliare mentiln nov. gloss. 277ᵃ; in bezug auf das umlegen einer amtstracht (vgl. mantel 2 sp. 1608): wenn jr (priester) pfaffen weihet, bischove mentelt, bepste krönet, keiser und könige salbet. Luther 5, 223ᵇ; im part. gemäntelt, mit einem mantel bekleidet: sie kommen gemäntelt, palliolati accedunt. Steinbach 2, 25; bildlich, verhüllen (nach mantel 4 sp. 1610): so get die list in einer gementelten warheit. Müglin 98ᵃ; nun wolt er bedecken und manteln, das man nit verstünde den pruch an den aufgesetzten rechten. 110ᵃ; was ist solche rede anders, dan ein vergebener schanddeckel, damit wir unsere nerrische begirde zu mänteln und zu beschönen gedenken? Fischart brotk. 3ᵃ; dasz sie nicht gedacht haben ihre lügen zu mänteln. 60ᵇ. vgl. bemänteln, entmänteln, vermänteln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1614, Z. 30.

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Zitationshilfe
„manteln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/manteln>, abgerufen am 04.12.2021.

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