marder m
Fundstelle: Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1621, Z. 54
mustela martes. das wort lebt bis heute in zwei formen: einer kürzeren mard, heute der schriftsprache entfremdet, aber in mitteldeutschen mundarten noch lebend: das mârd, mârt marder. Albrecht 166ᵃ als leipzigisch und düringisch; die alt und weit verbreitet ist: ags. meard, altnord. mörd-r, dat. merđi, engl. marten, niederd. marte, schwed. maͦrd, dän. maar, auch im ältern hochd. mart, marte Dief. 349ᵇ; marte, is alzo ein ratte, i. grillus. nov. gloss. 247ᵃ; mart, marthe ebenda;
dar quam der zobel und der mart.
Reinhart fuchs 1336;
Braunrock der wiesel, falk und mart,
alles was ist derselben arth,
fressen uns frösch in hungersnoth.
froschmäus. G 8ᵃ (1, 1, 6);
und einer erweiterten, ahd. marder (Graff 2, 858), mardur (Haupts zeitschr. 16, 73), mhd. nhd. marder, mit leicht abweichenden, jetzt von der schriftsprache ganz zurückgewiesenen nebenformen, wie mardel (Dief. 349ᵃ), oder, mit verlust des inneren r, mader (ebenda, nov. gloss. 246ᵇ); mader, vulg. marder voc. inc. theut. n 3ᵃ; ain ander tier, daʒ ze däutsch mader haiʒt. Megenberg 158, 1; ir sein der oter und der mader, der in gefressen hat. Pauli schimpf 3; weitere belege unten nr. 2; oder endlich marter: marder und marter martes Stieler 1244;
mit dem marter und der wiesel hat er (der iltis) einerlei natur.
Brockes 9, 277.
von der form mard scheint das erst in der silbernen latinität und selten bezeugte lat. martes wahrscheinlicher entlehnt, als dasz letzteres jenem urverwandt sei, es setzt sich im franz. marte, prov. mart, span. portug. marta fort, während die erweiterte deutsche form mittellateinisches mardarius, mardurius, mardalus, mardellus u. ähnl. (Dief. 349ᵃ), ital. martora, franz. martre gezeugt hat. ob die eigentliche bedeutung des wortes der beiszer ist und urverwandtschaft mit lat. mordere vorliegt, kann sicher nicht entschieden werden; merkwürdig klingt ein hessisches das mârt, das gebisz, die zähne in ihrer gesamtheit (Vilmar 263) an. als geschlecht von marder gilt immer das männliche, nur Stieler giebt auch weiblich die marder, ohne dasz sein zeugnis sonst gestützt würde. marder meint
1)
das säugethier martes in seinen verschiedenen arten (vgl. baummarder, edelmarder, hausmarder, steinmarder u. a.): der marder ... möcht von den Teütschen genannt werden marder von dem mörden, dieweil er alles erwürgt und ermördt. Forer thierb. 151ᵃ; da werden unternander laufen marder und geire. Jes. 34, 14; einen marder im eisen fangen, martem ferro capere Steinbach 2, 28; seine tauben (sagt der wirt zu unversehens gekommenen gästen) hätte der stoszvogel gehohlt, und erst diese nacht hätte ein kleiner teufel von einem marder seinen ganzen hühnerstall entvölkert. Wieland 11, 336; sie (die hausfrau) wahrt ihren hühnerhof, dasz nicht der marder eindringe. Freytag ahnen 1, 98;
wolf, fuchs, marder, kraen und raben
wil als sein narung von mir haben (spricht der bauer).
H. Sachs fastn. sp. 1, 117, 89;
ein marder frasz den auerhahn;
den marder würgt ein fuchs; den fuchs des wolfes zahn.
Hagedorn 2, 44;
das wüste haus, wo in der mauer ritzen
ein marder wirft, und kauz und eule sitzen.
173;
niemand ist
uns feindlich als der marder höchstens, der
in unsre hühnerställe bricht.
H. v. Kleist familie Schroffenstein 2, 1;
in bildern: ein anschlag gegen die Doria musz den grafen in athem halten und mir im palaste zu schaffen geben. während er nun den wolf aus der hürde scheucht, soll der marder in seinen hühnerstall fallen. Schiller Fiesko 1, 3; ich wittre den frasz, laure den burschen in einem hohlweg auf. baff, liegt der marder — wir haben das huhn. 3, 4;
euch marder und euch füchse
erwartet schand und qual!
hist.-krit. ausg. 1, 208;
sie schleichen wie ein marder herein,
mein armes täubchen zu erwürgen.
Kotzebue dram. sp. 2, 272;
was ich der red entgegene?
dasz sie, herr richter, wie der marder einbricht,
und wahrheit wie ein gackelnd huhn erwürgt.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.
heute nennt norddeutscher volkswitz paletotmarder einen dieb, der in öffentlichen wirtschaften oder versammlungen die von den gästen abgelegten überzieher stiehlt; briefmarder, ein ungetreuer postbeamter, der die auf die post gegebenen briefe unterschlug, um die freimarken für sich zu verwenden.
2)
das fell des marders: gefärbter marter, pellis martis infecta, ungefärbter marter, pura Stieler 1244; mir sol auch füro hin ewigclich zobell, mader und alls vechwergk ... machen lassen und ze tragen ganz verbotten (sein). d. städtechr. 5, 283 anm. 2; in seinem damastenen mit martern durchfüttertem schlafbelz. Simpl. 4, 97 Kurz;
die deck fewerk, zöbel und mader.
H. Sachs 3, 3, 72ᶜ.
Zitationshilfe
„marder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/marder>, abgerufen am 18.09.2019.

Weitere Informationen …