Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mare, f.

mare, f.,
s. mahr sp. 1466.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1623, Z. 54.

märe, f.

märe, f.
kunde, erzählung; weniger häufige nebenform zu mär sp. 1615, bis ins 17. jahrh. erscheinend, auch im 18. noch nicht ganz vergessen, doch veraltet; später wieder aufgefrischt, obschon weniger gebraucht als die form mär. es bezeichnet die herum getragene nachricht, erzählung, ruf, gerücht: fama volat, es schilt (schallt) usz, ist uszgeschollen, gatt die mere. Dief. 224ᵇ; märe auszspreiten, spargere rumores Dasyp.; die märe, gassengeschrei, rumor, fabula. Maaler 281ᵇ; guͦte märe vernemmen, ein guͦt geschrei hören, secundo rumore aliquid accipere. ebenda; mähre rumor, fama Schottel 1361; mähre, eine zeitung, erzählung. Gottsched kern der deutschen sprachkunst 1753 s. 54 (für Frisch und Adelung ist das wort veraltet); nit bekümmer dich mit neuen mären, mit unnützen müszigen, vergebenen worten, die weder dir noch dem zuloser frucht bringen. Keisersberg pred. 146ᵃ; dieser märe des morgens die statt all vol was, wie Rugieri in des wuͦcherers haus für ein werklichen diep wer gefunden und gefangen worden. Bocc. (1535) 103ᵇ; in abwesen seines herrn vatterns, dem er dise traurige unversehene mere bei aignem poten zu wissen gethon. Zimm. chron. 1, 429, 34; herr Johanns Wernher fandt anheimsch (als er wieder nach haus kam) leidige mere, dann hiezwischen und er uf der walfart umbzogen, war ime sein eltester son .. gestorben. 2, 370, 16; es heiszt mit mären kommen, mit mären klagen, unter mündlicher erzählung seiner erlebnisse, schicksale u. ähnl.: daselbs do clagt er aim rath mit heftigen meren, wie es ime gieng. 496, 14; er kam mit heftigem meren zum alten herrn, dem clagt er mit weinenden augen, wie er sein weib ganz argwönig bei dem organisten hett gefunden. 4, 162, 17 (heftigem für heftigen, vgl. unter m 2, c, oben sp. 1360);
sie kiagen sich mit grosen meren,
als ob sie hart gefangen weren.
Murner luth. narr 2450;
in die bedeutung einer unwahrscheinlichen oder lügenhaften erzählung oder nachricht übergehend: erdichte märe, mythos, fabula, fabella Dasyp.; es sind märe, es ist narrentädig, luft oder erdacht und nichts daran, fabulae. Maaler 281ᵇ; es sint mere; dann mir beim Hercules ist es nit der warheit glich. Terentius deutsch 1499 15ᵃ;
es hette Brandimart so einer frembden märe
gegeben sonsten wol nicht glauben noch gehöre,
gab aber seiner dam und jhrem glauben statt.
D. v. d. Werder Ariost 30, 55, 1;
in der neueren sprache seit der letzten zeit des vorigen jahrhunderts: genug er erzählte ihr den spasz .. dabei blieb es nicht, sondern das mädchen brachte die mähre lachend weiter und so mochte sie endlich noch kurz vor schlafengehen an den alten herrn gelangen. Göthe 23, 114; da denn viel über eine mähre gesprochen wurde, dasz in dem lager der andern seite vergangene nacht der lärm entstanden, als sei ein deutscher general zu den Franzosen übergegangen. 30, 279 (nachher: inzwischen erfuhr man, woher das mährchen der gestrigen desertion entstanden. 282, vgl. dazu unter märchen 2, sp. 1618);
sie (die liebste) erkundigt sich nie nach neuer mähre.
1, 261;
getroffen sank dein feind vom speere,
mich sendet mit der frohen märe
dein treuer feldherr Polydor.
Schiller ring des Polykrates;
die ältesten im dorf erzählen sich
von diesem baume schauerhafte mären.
jungfrau von Orleans, prolog, 2. auftr.;
schiffer, pilger, kreuzesritter
brachten dazumal die mähre,
dasz von Tripolis die gräfin
aller frauen krone wäre.
Uhland ged. 268;
ich bring euch frohe mähre: glück zum urenkelein!
Antonia hat geboren ein knäblein hold und fein.
370;
wer dort drüben wäre,
wo die blauen berge stehen,
irgend fremde mähre
möcht er hören dort und sehen.
Rückert 245;
wenn er sang von alten mähren.
Scheffel trompeter s. 57 (3. stück).
vgl.sagmäre.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1623, Z. 55.

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Zitationshilfe
„mare“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mare>, abgerufen am 27.11.2021.

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