Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mark, m.

mark, m.
s. markt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1628, Z. 4.

mark, n.

mark, n.
medulla.
1)
ein gemeingermanisches wort, nur im gothischen unbelegt: alts. marg, niederd. march, merch, niederl. marg, merg; ags. mearg, mearh, engl. marrow; fries. merch, merg; altnord. mergr, schwed. märg, dän. marv; ahd. marag, marg, mhd. marc, gen. marges. das stammhafte g erscheint im worte auch noch über die mhd. zeit hinaus: medulla marg Dief. 373ᶜ; das marg im bein, medulla Maaler 284ᵃ, und erhält sich in den verben abmergeln (th. 1, 78), ausmergeln (1, 917) bis heute; frühe setzt es sich in ch um, die form march erzeugend:
er duang ime die huf (hüfte),
daʒ march suizte dar ûʒ,
same in ime erdorrete
suaʒ er gelustes hête.
genesis in den fundgr. 2, 47, 40;
welche form weit verbreitet, niederdeutsch wie oberdeutsch ist (bairisch marh neben mar noch heute Schm. 1, 1647 Fromm.), und in der schriftsprache bis ins 17. jahrh. erscheint:
(damit) ich den theuren lebenssaft
in march und beinen spüre.
P. Gerhard 45, 31 Gödeke;
der march und bein erquicket.
159, 42;
aber mark, gen. markes überwiegt seit dem mhd.: diu waʒʒertier habent niht markes. Megenberg 23, 8; bisweilen zu mack verstümmelt: medulla mack Dief. 353ᶜ. eine mittel- und niederdeutsche mundartliche form marks: der und das marks das mark Albrecht 166ᵇ; marks der mark in den knochen Danneil 132ᵃ, wie man sieht, zugleich mit umsetzung des alten neutralen geschlechts in das masculine (was sich nur ganz selten in die schriftsprache verloren hat, ein beispiel aus Claudius s. unten 3, g, aus Haller 6, b), ist wol eine versteinerte genitivform, wie sie beispielsweise in verbindungen: vil pluotes ... und wênich marks. Megenberg 22, 22; daʒ man vil marks vindet in den painen der kalten tier. 22, 32, hervortritt; vgl. marks- in zusammensetzungen unter markbein, markklosz, markknochen u. a. einen plural entwickelt mark nicht.
2)
als urverwandt wird aufgeführt sanskr. maǵǵan, maǵǵas, maǵǵâ, send. mazga, kirchenslav. mozgŭ mark, welches mit sanskr. masǵ und maǵǵ untertauchen, lat. mergere, litt. mazgóju, lett. masgáju tauche ein, wasche, kirchenslav. mězga saft zusammenhängt, vgl. Fick² 151.
3)
mark, zunächst der inhalt der thierischen knochen: mark medulla, das mark im rückgrad medulla spinalis Stieler 1293; das lange oder das rückenmark, medulla spinae dorsi Frisch 1, 644ᶜ; theilweise mit hirn verwechselt: nechst von dem gehirn entspringet das mark des rückgrads, welches fast gleicher natur ist mit dem hirn; daher es unbillig ein mark genannt wirdt. J. Rüff hebammenb. (1581) 23; im gemeinen leben einiger gegenden pflegt man auch wohl das gehirn in manchen fällen das mark zu nennen; das mark aus einem kalbskopfe, aus einem schnepfenkopfe. Adelung; kälbermark, medulla vitulina Steinbach 2, 27; sonst ausdrücklich als im bein befindlich genannt: mark im bein, medulla. voc. inc. theut. n 4ᵇ; das mark aus einem beine tuhn, emedullare Stieler 1293;
gang ût, nesso, mid nigun nessiklînun,
ût fana themo marge an that bên.
Müllenhoff u. Scherer 5ᵃ, 2;
als leckere und stärkende speise geschätzt: seine gebeine werden gemest mit mark. Hiob 21, 24; und der herr Zebaoth wird allen völkern machen auf diesem berge ein fett mal, ein mal von seinem wein, von fett, von mark. Jes. 25, 6;
swenn er die löuwen und die bern
zerbrach mit sîner hende starc,
seht, als gab er im (dem knäblein) daʒ marc,
daʒ in dem beine steckete:
daʒ brûchte eʒ und leckete
vür alle spîse danne.
troj. krieg 6066;
sie wärmt und würzt des mannes wein,
und schneidet ihm die bissen klein,
legt mark und nieren reichlich vor.
Hagedorn 2, 105;
sonst in mancherlei wendungen.
a)
besonders häufig die feste formel mark und bein; sie wird (vgl. dazu unten f) mit einer gänzlichen innerlichen erschütterung des körpers in folge einer seelischen aufregung in verbindung gebracht: denn das wort gottes ist lebendig und kreftig, und scherfer, denn kein zweischneidig schwert, und durchdringet, bis das scheidet seele und geist, auch mark und bein (ἄχρι μιλεστονε θνιτ="παγε ν μερισμοῦ ψυχῆς καὶ πνεύματος, ἀρμῶν τε καὶ μυελῶν). Ebr. 4, 12; durch mark und beinen, herz, muth und sinn gegangen. Schweinichen 3, 252; will es ihm vorheulen in mark und bein zermalmenden tönen, was elend ist. Schiller kab. und liebe 3, 6; wenn die trompete klingt, ein schusz fällt, mir fährts durch mark und bein! Göthe 8, 197; warum hat mirs mark und bein durchdrungen, das glück? ebenda; es war das erstemal, dasz sie mich lieber hiesz, und es ging mir durch mark und bein. 16, 133; das wort ging mir immer durch mark und bein. Bettine briefe 2, 243;
dann jauchzen wir im siegsgeschrei:
das geht durch mark und bein!
Klopstock 1, 63;
die morgenschauer dringen den wartenden
durch mark und bein.
2, 101;
froheres leben dringt
mit dir (wein) durch mark und bein!
189;
frage, die mir mark und bein
mit geheimer angst erschüttert!
7, 291;
erinnerung! ein dolchstosz in mein herz!
ein mord in mark und bein!
9, 57;
drauf folgt ein donnerschlag, der mark und bein durchdringt.
Wieland 17, 273 (Idris 5, 34);
so zittert mit gerechter pein
ein schauer mir durch mark und bein.
Uz 2, 287;
und Christoph zittert, bebt und zagt,
dasz es ihm mark und bein durchbohrt.
Arndt ged. (1840) 311;
und fühl ich doch durch mark und bein,
dasz du mein erbfeind bist.
Rückert 155;
mark und gebein: es durchdringt mir mark und gebeine. Göthe 10, 150;
also sprach der geopferte, mit so göttlicher stimme,
dasz sie ihr mark und gebein durchdrang.
Klopstock Mess. 14, 1414;
jammervoll ist die scheidung, der keine stunde gesetzt ward
ach zu dem wiedersehn; ist seelenerschütternd, durchdringet
bis zu dem innersten mark und gebein des bleibenden seele.
19, 966;
ewig flieget der kuss, wie ein versengend feur,
mir durch mark und gebeine.
Hölty 116 Halm;
es dringt der blick der verklärten
tief durch mark und gebein und erschüttert die tiefen der seele.
Stolberg 1, 400.
b)
auch eine durchdringende stärkung oder erquickung geht auf mark und bein:
erfreue mich, gib meiner seel
was mark und bein erquicket!
P. Gerhard 211, 95 Gödeke;
(die liebe) stärkt dem beherzten mark und bein.
Wieland 21, 203;
denk ich: soll es doch so sein!
das erquickt mir mark und bein.
Göthe 3, 41;
und ebenso ein innerliches erfassen und durchdringen einer sache: wenn wir die liebe, deutschartige, alte felsenschrift uns recht durch mark und bein gehn lassen; wenn wir sie mit dem anhalten, mit der ausdauer, die wir haben, und die kein anderes volk hat, in ausübung bringen. Klopstock 12, 406.
c)
auch in andern formeln ist mark als das innerste des menschen aufgefaszt: mir wühlt es mark und leben durch, das elend dieser einzigen. Göthe 12, 233;
denn ihm drang durch mark und leben
die verderblich holde flamme.
2, 24;
du fühlst nicht, wie es mir durch mark und seele geht,
wenn ein geängstet herz bei ihm um rettung fleht.
56, 23;
wie in der ältern sprache marc unde verch:
der maschbaum hoch enbort
im kiel lag uberzwerg,
das mangem mark und ferg
dardurch versert wart.
Altswert 226, 36;
mark und blut:
die lügen sogen mark und blut.
Günther 205;
ach! warum wüthete ihr gift in mark und blut.
Lessing 1, 190;
mark und herz:
geliebtes kind, der schöne täuber,
der nun mein nebenbuhler ist,
macht, dasz der argwohn mir so mark als herze friszt.
Günther 560.
d)
daher bis aufs mark, bis ins mark: eine verdächtige waare, die man dem käufer doch noch nachwirft, wenn er euch schon durch die niedrigsten gebote und jüdisches ab- und zulaufen bis aufs mark gequält hat. Göthe 10, 86;
durchdrungen bis aufs mark von unlöschbarem feuer.
Wieland 17, 198 (Idris 3, 123);
das fähnlein ist verloren, herr Ulrich blutet stark;
die noch am leben blieben, sind müde bis ins mark.
Uhland ged. 364.
e)
das innerste mark: bis ins innerste mark fachte er mir die flammen, die ihn durchwühlten. Göthe 10, 148; und inmitten dieser (sommernacht) ein einsames kind, einsam bis ins innerste mark. Bettine tageb. 49;
und er kam zu sich selbst. doch trafen die schrecknisse gottes
noch sein gebein, und bebten ihm noch in dem innersten marke.
Klopstock 4, 24 (Mess. 6, 328);
allein du schürest gluth auf gluth, es kocht
das innre mark, die schmerzliche begier
der rache siedet schäumend in der brust.
Göthe 9, 158.
f)
seelische bewegungen zucken, dringen, gehen durchs mark, wie sonst durch mark und bein (oben a): es ging mir durchs mark, die ehrliche mutter so leiden zu sehen. Fr. Müller 2, 77;
im beichtstuhl selber, donnere nicht so laut,
du innrer richter! wann mir die segenshand
des priesters auf der scheitel ruhte,
brannte das mädchen mir tief im marke.
Hölty 91 Halm;
den allsiegenden blick, der mir im marke zuckt.
115;
in deinen armen faszte
das übel mich mit allen seinen klauen
zum letztenmal, und schüttelte das mark
entsetzlich mir zusammen.
Göthe 9, 96;
es klirrten fremde waffen,
es zuckte mir durchs mark.
Rückert 187.
g)
das mark ist gedacht als sitz der körperlichen kraft und stärke und steht vertretend für diese: gott ist wunderbarlich, er hat das ablas gelegt, .. ob er auch so viel mark in seinen henden noch hette, das er einen garstigen chresem .. köndte aussteubern? Luther 6, 82ᵇ; und ich habe nicht arme, nicht mark wie ihr! doch hab ich, was euch allen fehlt, muth und verachtung der gefahr (worte Clärchens). Göthe 8, 272;
zwar die gewaltge brust und der Titanen
kraftvolles mark war seiner söhn und enkel
gewisses erbtheil.
9, 17;
er hatte mark in den gebeinen.
Stolberg 1, 291;
doch die mutter
füllt mit mark ihm (dem Antäus) das gebein,
und mit frischen armen ringt er
um verderbenvollen sieg.
Arndt ged. (1840) 80;
o sohn, der feind ist riesenstark,
ihm hielt noch keiner stand;
und doch, in dir ist edles mark,
ich fühls am druck der hand.
Uhland ged. 202;
was die kräfte stärkt, durchzieht das mark:
swer sîn (des weines) dan ze rehte enbîʒet,
dem durchgêt er daʒ marc.
Lamprecht von Regensburg tochter Syon 2660;
und die entziehung des markes versinnbildlicht die entziehung der kraft zum weiterexistieren: mancher herr, der sich seines gewalts überhebt, seine armen underthanen .. plaget, jhnen das mark aus den beinen sauget. wegkürzer 21ᵇ; man hatte nicht den mark aus den knochen herausgezogen. Claudius 1, 36; oder zum wirken und handeln: die müde hatt mir alles marg auszgesogen, mihi medullam lassitudo perbibit. Maaler 284ᵃ; das donnerwort wiederholen, das mir alles mark aus meinen gebeinen schlägt? Göthe 10, 119; auch mir ist das mark aus den gebeinen. 195; nun fühl ich erst, dasz mir das mark nicht mehr in den knochen sitzt wie vor alters, dasz mein arm lahm ist. 11, 22; schlaffe nerven im alter; gebeine ohne mark und säfte! Klinger Otto 28, 30; das mark scheint in den knochen erfroren zu sein. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 170; bei diesem anblick, der alles mark in meinen gebeinen erkältet! kab. u. liebe 518;
thust mit dem neide dich beladen,
verdorrt das mark in dem gebein.
H. Sachs fastn. sp. 2, 55, 181;
das ist das feur, das uns versehrt
das mark in allen beinen.
P. Gerhard 316, 37 Gödeke;
die thränen haben dir das beste mark entrissen.
Günther 581;
der hunger, der sein mark verzehrte.
Hagedorn 1, 7;
hat die freude mir,
hat das entzücken dieses augenblicks
das mark in meinen gliedern aufgelöst?
es sinken meine kniee!
Göthe 9, 122;
in bezug auf geistiges schaffen: da krabbeln sie nun, wie die ratten auf der keule des Herkules, und studieren sich das mark aus dem schädel, was das für ein ding sei, das er in seinen hoden geführt hat? Schiller räuber 1, 2; ja, es ist ihre letzte arbeit, Romano. ihr mark ist erschöpft (Fiesko zum maler). Fiesko 2, 17.
h)
das mark des löwen als sinnbild besonderer stärke: wünschest du wirklich, ich wäre herr? aber mein vater hat das mark eines löwen, und ich bin der jüngere sohn. Schiller räuber 2, 1; aber nach älterer auffassung hat der löwe wegen seiner feurigen natur überhaupt kein mark: und dar umb hat der leb niht marks, wann eʒ wirt verzert von der übrigen nâtürleichen hitz, die in des lewen painen ist. Megenberg 22, 34;
des lewen gebeine ist âne marc,
wan er von grôʒer hitz ist starc.
Renner 19174;
und ebenso der wilde mensch:
sîn muoter was ein wildeʒ wîp:
dâ von was sîn kurzer lîp
aller rûch unde starc.
sîn gebeine was âne marc,
nâch dem geslehte der muoter sîn:
deste sterker muose er sîn.
Wigal. 170, 22.
i)
mark, scherzhaft verhüllend für den schleim der nase:
hab noch ein drümlein (ein stück nase) wie ein faust (spricht ein bauer),
drieckicht und vireckicht wol,
die steckt mir almal marks so vol,
ich wolt wol ein par stiffl mit schmiren.
H. Sachs fastn. sp. 2, 86, 146.
4)
mark, der pflanzen: lignum holz, medulla marg. voc. opt. 41, 25; die veivaltern setzent sich auf den klê und auf ander süeʒ pluomen und saugent daʒ süeʒ mark dar auʒ. Megenberg 291, 30; dieweil das mark gesunt ist, so blüet der baum. Keisersberg narrensch. 176ᵇ; das mark, sive der kern des baums, medulla arboris. Stieler 1293; mark, das inner im holz, cor, matrix. Frisch 1, 644ᶜ; das schwammige mark, als im hollunder, medulla fungosa sambuci. ebenda; bei andern pflanzen, welche in der mitte durchaus hohl und mit einem mark oder vielmehr einem zelligen gewebe ausgefüllt erscheinen. da man nun aber diesem ehemals so genannten mark seinen bisher behaupteten rang .. streitig gemacht, ihm den scheinbar behaupteten einflusz in das wachsthum abgesprochen .. hat. Göthe 58, 32; das leuchtende grün, was der baum in erneuter frühlingskraft hervortreibt, das giebt zeugnis, dasz die sonne ihm ins mark dringt. Bettine tagebuch 194;
sich hat sein duft, sein lenzgeruch, bis in des astes mark gesenkt.
Rückert 333;
in bildern:
den schmuck der zweige habt ihr abgehauen,
da steh ich, ein entlaubter stamm! doch innen
im marke lebt die schaffende gewalt,
die sprossend eine welt aus sich geboren.
Schiller Wallensteins tod 3, 13;
hat er den vetter hingerichtet,
der schuldlos war, so wird er dich nicht schonen.
die zweige abzuhaun des ganzen stammes,
das ist sein überlegter plan, damit
das mark ihm seinen wipfel höher treibe.
H. v. Kleist familie Schroffenstein 4, 2;
mark, bei saftreichen früchten: mark, was in schelfen und hülsen steckt, als in citronen, pomeranzen, weinbeeren, succus crassior, humor qui exprimitur, exsugitur. Frisch 1, 644ᶜ. vgl. dazu auch markfett (adj., von erbsen gesagt).
5)
mark, auch die krume des brotes: das mark im brot, die krume. Stieler 1293; aus dem mark oder brosam des weizenbrots destilliert man auch ein wasser. Tabernaem. 607; und dann gewendet auf das innerste, beste, in bezug auf speise und trank:
du brausender und frischer most,
du gährend mark der milden reben!
Hagedorn 3, 119;
du schenktest uns das mark der reben,
den greis und jüngling zu erfreun.
Uz 1, 60;
wein in gehenkelte krüg, und mehl, das mark der männer (καὶ ἄλφιτα, μυελὸν ἀνδρῶν).
Odyss. 2, 291;
mehl aus weizen und gerste zu fertigen, mark der männer.
20, 108.
6)
mark, bildlich, das innerste, beste, kräftigste von etwas.
a)
mark der erde:
ihr seid rein, wie das herz der wasser,
ihr seid rein, wie das mark der erde.
Göthe 2, 71;
zu einer gottheit sich aufschwellen lassen,
der erde mark mit ahnungsdrang durchwühlen.
12, 173;
so wünsch ich dasz ein neues leben
der alten erde mark durchdringt.
Rückert 175;
unserer erde mark und kern.
228;
dinge werden so oder ähnlich genannt: ich wil euch güter geben in Egyptenland, das jr solt essen das mark im lande. 1 Mos. 45, 18;
dasz ferner auch die steine,
die klüften, dieser kiesz, des berges mark und beine,
noch nicht verzehret sind nach solcher langen zeit.
Opitz 1, 45;
olivenzweig mit früchten. bin ich doch das mark der lande.
Göthe 41, 25;
der erdboden ist nit mehr so kräftig, wie vor zeiten. der welt kräfte, als deren mark verschwindet, veralten, und die allgemeine natur und derer zustand zerfellet. Schuppius 776.
b)
mark des landes, die hilfsquellen, auf denen überhaupt sein fortbestehen ruht: geld! entsetzliche erfindung! ... ohne deine zauberei wär kein räuber oder held vermögend, das mark zahlreicher provinzen in eine hauptstadt zusammenzuziehen, und unzählbare heere zum fluch seiner nachbaren zu erhalten. Möser patr. phant. 1, 170; Ferdinand, Maximilian und Rudolph, alle drei beherrscher von Siebenbürgen und Ungarn, erschöpften das mark ihrer übrigen länder. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 30; man sog das mark des landes aus. Dahlmann dän. gesch. 331 (nach Arnold. 3, 7, 1 comedentes medullam terrae); bis zum abzuge der Franzosen waren mit äuszerster härte namentlich in Hessen zahlungen und lieferungen, welche dem lande ans mark giengen, erpreszt ... worden. Schäfer gesch. des siebenj. krieges 2, 1 (1870), 51;
weil kein erpresztes ach an hof und mauern prellt,
noch der palläste zahl der länder mark verschlinget.
Drollinger 85;
wie eitler fürsten pracht den mark der länder friszt.
Haller schweiz. ged. 35.
c)
mark des daseins, des lebens: éin augenblick fürst (für einen augenblick fürst zu sein) hat das mark des ganzen daseins verschlungen. Schiller Fiesko 3, 2; auf immer das lang gewünschte götterglück des lebens in einen platten schein und kupferstich verkehrt, das herz in eine brust und larve, das mark des daseins in spitze knochen! J. Paul Tit. 3, 174; sie verstrickten sich wild, das mark des lebens, die liebe, durchdrang sie schöpferisch. 2, 111;
ungleich vertheilt sind des lebens güter
unter der menschen flüchtgem geschlecht,
aber die natur, sie ist ewig gerecht.
uns verlieh sie das mark und die fülle,
die sich immer erneuend erschafft.
Schiller braut von Mess. v. 231;
ich fühls, ich habe wenig mehr zu leben,
der innre gram friszt an des lebens mark.
Körner Zriny 3, 5;
mark der poesie, der wissenschaft: die grösze des charakters, der ernst, .. sind hier eigentlich das mark der poesie. Göthe 6, 17;
(tadelsucht) in deren ton hier auch oft kinder lallen,
die noch kein mark der wissenschaften stärkt.
Hagedorn 2, 57;
sie dringen in die wissenschaft
bis in ihr tiefstes mark hinein!
Klopstock 1, 212;
und der schöpfungen derselben, sowie der kunst: das alles (in zeichnungen) war nicht ohne charakter und nicht ohne einen gewissen geschmack, aber leider fehlte den figuren die proportion und das eigentliche mark. Göthe 25, 209; seine gedichte, obgleich ohne sonderliches poetisches verdienst, haben durchaus mark und sinn. 35, 360; nach einerlei weise lebte der dichter in seiner einbildungskraft, der geschichtschreiber in der politischen, der forscher in der natürlichen welt. alle hielten sich am nächsten, wahren, wirklichen fest, und selbst ihre phantasiebilder haben knochen und mark. 37, 21;
dichtern, die, im scherze stark,
mit geschichten voller mark
muntern mägdchen munter lehren,
was die mütter ihnen wehren.
Lessing 1, 78;
wer miszt, wie du (eine schauspielerin), der leidenschaften sphäre?
wer dringt so tief ins mark der charaktere?
Gotter 1, 340;
führt alle diese zurüstung zu nichts,
und ist kein mark in dieser hohlen kunst (der astrologie).
Schiller Wallensteins tod 1, 7;
mark der bildung, der narrheit:
und nicht vergeblich sogst du mit emsigkeit
das tiefste mark altgriechischer bildung ein.
Platen 107;
stellt frisch das leben auf den kopf,
und schlürft die narrheit bis aufs mark,
die lust zum letzten nagelknopf!
Arndt ged. (1840) 436;
und sonst in bildern:
wer der arbeit mark wil niszen,
musz ihr bein zu brechen wissen.
Logau 1, 28, 98;
die beste zeit der zeiten,
desz jahres mark und saft, die gunst der fruchtbarkeiten ..
hat sich nun wiederümm bei uns gestellet ein.
Fleming 149;
unternehmungen voll mark und nachdruck,
durch diese rücksicht aus der bahn gelenkt,
verlieren so der handlung namen.
Shakesp. Hamlet 3, 1 (enterprises of great pith and moment);
diese zehntausend veteraner sollten gleichsam nur das mark, nur der feste kern einer gröszern armee sein. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 306; es giebt nur éin mark der dinge, welches hier im metall lastet und wieget, dort in der schwankenden pflanze, im leichtsinnigen vogel vom urkern sich abzulösen ringt. Immermann Münchh. 3, 76.
7)
mark, satz oder grund beim färber die gröberen theile der farbeningredienzien einer küpe, die sich auf dem boden sammeln. Jacobsson 3, 22ᵃ.
8)
mark, name des apium graveolens, gemeinen eppichs, wasserpetersilie. Nemnich.
9)
mark, eine mürbe thonart, vgl. steinmark.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1628, Z. 5.

mark, n.

mark, n.
in einigen bedeutungen des folgenden fem. mark.
1)
zeichen, mhd. marc, mnd. mark und merk (Schiller-Lübben 3, 34ᵃ. 75ᵃ): mark, nota, markzeichen (ausdrücklich als neutrum). Schottel 1361;
lasz dir ein mark an die fersen prennen,
so kenn ich dich ausz andern knaben.
fastn. sp. 123, 35;
bair. ein march einhauen, eingraben in einen baum, einen stein. ein march aufbrennen einem thier, einem menschen. im wasser als richtschnur für die schiffer märcher aufstecken. kunststraszen in bezug auf ihre erbauung und erhaltung durch märcher abtheilen. Schm. 1, 1644 Fromm.; tirol. march, plur. march und marcher, zeichen, marke, undermarch, undermarchel zwischenzeichen, zwischenzierat Schöpf 422. vgl. brandmark oben th. 2, 299.
2)
mark, limes, meta, terminus. Stieler 1271.
3)
metallgewicht: ein mark silber, selibra argenti, ein mark geltes, bes auri ... facit autem ein mark silber, octo uncias, sive thaleros. sic ein mark goldes, octo uncias auri, sive 134 thaleros. Stieler a. a. o.
4)
Hamburger geldmünze: er fodert fünf schillinge, und seine frau giebt ihm ein mark. Lessing 7, 126; von dem marke blieb ihm ja noch übrig. ebenda; das mark giebt ihm nicht die frau, sondern das hat er für die kutsche bezahlen müssen. ebenda; vgl. een Bremer mark, eine eingebildete münze, 32 grote. brem. wb. 3, 130; bei Steinbach als masc. aufgeführt: der mark, libra nummularia, ein halber mark selibra, ein doppelter mark, bilibra 2, 26.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1633, Z. 20.

mark, f.

mark, f.
zeichen; grenze; land; gewicht- und geldstück.
1)
das wort zeigt rücksichtlich seiner heute so verschieden gestalteten begriffsentwickelung manche berührung mit mal sp. 1493 ff.; wie dieses geht es auf die älteste vorstellung des fleckes und des durch farbe hergestellten kennzeichens zurück, und wenn seine verwandtschaft mit lat. margo rand, streif wol fest steht, so gibt es zu diesem in sanskr. marǵ wischen, streichen, griech. ὄμοργμα fleck, ὀμόργνυμι abwischen, weitere glieder der sippe, die den begriff der farbe oder der färbung noch deutlich durchscheinen lassen. hat mark, welches gemeingermanisch, bei den verschiedenen stämmen in einiger verschiedenen bedeutung, vorhanden ist, aber selbst bei den slavischen nachbarn ohne entsprechenden verwandten dasteht, auch in der goth. form marka das griech. ὅριον zu übersetzen, so kann dies doch (gegen J. Grimm kl. schr. 2, 32) der ursprüngliche sinn nicht sein. nicht eine ländergrenze bezeichnet es zunächst, sondern die art, wie eine gemeinde- oder dorfgenossenschaft oder ihre ältesten den in besitz genommenen grund und boden (das land, vgl. oben sp. 91) gegen anstoszende nachbarn kenntlich machen, durch angestrichene pfähle, gebrannte und daher theilweise geschwärzte bäume u. dergl. (wie bair. noch jetzt march die handlung des grenzzeichensetzens meint, Schm. 1, 1643 Fromm.), darum die so gezogene flurgrenze und die flur selbst, erst später sich zu der bedeutung der landesgrenze und des grenzlandes erweiternd. von der bedeutung signum, nota geht dann selbständig die des obrigkeitlich gezeichneten gewicht- und geldstückes aus.
2)
mark findet sich auszer im goth. marka wieder im alts. marka grenze, gebiet, niederd. mark, marke, merke; ags. mearc zeichen, ziel, grenze, gebiet, engl. mark, merkmal, ziel, grenze, marches grenzen; fries. merke, merk, zeichen, grenze, gebiet, merk eine münze; altnord. mörk wald, gebiet, und mit theilweise verschiedenen casusformen mörk eine gewisse münze; schwed. mark, erde, boden, feld, im geschlechte vom masc. mark, der münze, unterschieden, dän. mark, plur. marker, feld, flur, mark, plur. mark, die münze; ahd. marka, titulus, limes, fines, ora, confinium, mhd. marke und marc, grenze, gebiet, gewicht- und geldstück. die gekürzte form dringt hier vor und liegt der nhd. zu grunde, der gegenüber sich marke (s. d.) erst später, seltener und in engerer bedeutung wieder einfindet. für mark ist march bis ins vorige jahrhundert nicht selten: lachböum setzen auf die anstösz und marchen, ponere in confinio arbores Maaler 259ᶜ;
wie gut und böses sich durch enge schranken trennen,
was wahre tugend ist, wird nie der pöbel kennen.
kaum weise sehn die march, die beide reiche schlieszt,
weil ihre gränze schwimmt, und in einander flieszt.
Haller schweiz. ged. 69 (66, 85 Hirzel);
der für den staat sich schätzt,
die eignen marchen kürzt, der bürger weiter setzt.
96;
ist der vergnügen reich nicht klein genug umschränket,
dasz unser ekler witz auf engre marchen denket?
Lessing 1, 179;
die march der sterblichkeiten.
186;
alleu maʒ geleich nach dem alten recht, .. di marich geleich, di emer geleich. d. städtechron. 15, 398, 15.
3)
mark, das kennzeichen, mal im allgemeinen, wie im fries.: ief thi afte prêster .. and sîn rêdjeva findeth êne unde, ief ânna bretse, ief âna mercca inna thâ dâda lîchoma (si pastor legitimus et consul vel fracturam ossium, vel maculam viderint in cadavere). Richthofen 184, 5; niederl. marck, merck, signum, nota Kilian, hochdeutsch im folgenden, wenn hier nicht das neutrum (oben sp. 1633) vorliegt:
der schönheit maasz und mark, der majestät merkzaichen.
Weckherlin 669.
4)
in eingeschränkterem sinne grenzzeichen eines landstückes, und die so hergestellte grenze selbst: die march, marchstein, terminus. Maaler 284ᵃ; marchen desz weingartens, regiones vineae. ebenda; mit marchen an einanderen stoszen, collimitari. ebenda; marchen setzen, constituere fines. ebenda; einzelne reihen hochstämmiger eschen oder knorrichter rüstern, zu beiden seiten der alten grenzgräben gepflanzt, faszten einen theil der kornfelder ein und bezeichneten von weitem her kenntlich, die marken des erbes, bestimmter als steine und pfähle vermögen. Immermann Münchh. 1, 148.
5)
auch grenzzeichen und grenze des zusammengehörigen grundes und bodens einer genossenschaft, gemeinde u. ähnl., mittellat. marchia, marcha: in terminis sive marcha ville Wibelingen. Haltaus 1315 (von 1287); marchia marich, dye mark, marg. Dief. 349ᵃ; marcha mark. ebenda; disz sind gemein merk der vogti ... item das holz an der kilchstaig ob dem weg ist ain recht gmein merk ... item der Schwarzenbach ist ain recht gmein merk. weisth. 5, 155 (St. Gallen, von 1466). vgl. feldmark, flurmark.
6)
das so bezeichnete gesamteigenthum einer gemeinde an grund und boden; zahlreiche ältere belege sind verzeichnet weisth. 7, 315: die gemeinschaftliche nutzung eines waldes, weidegrundes, mohrs oder gebirges .. wir nennen dergleichen gemeinschaftliche reviere marken. Möser osn. gesch. 1, 13; mit der theilung der gemeinheiten oder der sogenannten marken, huten und weiden, ist es nunmehr in der politischen welt so weit gediehen, dasz man ihre nutzbarkeit für entschieden annehmen musz. phant. 2, 188; nein, herr holzgraf! das ist nicht länger auszuhalten. die ganze mark ist beinahe abgenarbet; und wenn wir dem plaggenmähen nicht steuern, so mögen wir unser vieh nur an die zäune binden. wir müssen hier eine andre ordnung haben, ... oder unsre kötter und heuerleute schaben uns die mark dergestalt ab, dasz auch eine ente nicht mehr darauf weiden kann. 3, 214; wir liegen auf der markgränze, und müssen unsere mehresten ländereien auszerhalb der mark heuren. 216; den begriff des röm. ager wiedergebend: ager, mark, ist die gesammtheit des einer staatsgemeinde eigenthümlichen bodens. Niebuhr 2, 694 (im gegensatze zu terra, land); auch so zueigneten in die Römer all ligende güter der von Capua, wann sie vast ein fruchtbar mark und feld hatten. Liv. v. Schöfferlin 144ᵇ.
7)
dieses gesamteigenthum ist wald, vgl. dazu holzmark th. 4², 1776 und Haltaus 1316: howet er denn holz in der marg zuͦ diseln, langwid, zuͦ rungen oder sus. weisth. 4, 509, 26 (Schwarzwald, von 1432); wer ouch ein eich in der marg uff dem grunde abhouwet. ebenda 29.
8)
mark, seit alters her, in erweiterter bedeutung, die grenze eines politischen gebietes (vgl. dazu oben nr. 1 und 2):
enphangen wart vil schône   daʒ minneclîche kint
ûf zweier lande marke.
Gudrun 13, 2;
die marchen und grenzen eines lands weiteren, proterminare fines Maaler 284ᵃ; mark, eine gränze. Gottsched kern der sprachkunst 55; wo dieselben begraben wurden und wie vere (fern), da solt ir march sein. Müglin 75ᵃ; den feind musz man auszer den marken angreifen, wann er die füsz ans land gesetzt, da ist schwer zu fechten und zu überwinden. Lehmann floril. 1, 8; haben sich diese Hohenzollern die vogtwürde des reiches im norden angemaszt, so musten sie auch seine marken sichern gegen das herandringende Ruszland. H. Heine 11, 86;
hier an dem fernsten gebirg der östlichen marken von Deutschland.
Arndt ged. (1840) 260;
in die bedeutung des gebietes, nach seiner ausdehnung hin, übergreifend:
seid fröhlich und geschwind,
kämpft für des landes marken,
für ältern, weib und kind.
505;
einen ausz seinen marchen treiben, arcere aliquem suis finibus. Maaler 284ᵃ; und, zumal in der ältern sprache, ohne diese hinsicht, gebiet überhaupt, unterabtheilung eines gaues (vgl. rechtsalterth. 496), auch mit gou wechselnd:
bâten si muosen bistên
in dere marche Gesên.
genes. in den fundgr. 2, 73, 20 (vorher in dem gouwe Gesê 72, 18);
gebiet eines fürsten oder lehensmannes:
ich wil mit dînen hulden varn
heim ûf mîne marke.
Dietrichs flucht 2793;
wer jetzt mir fehlt, was er zu lehen hat,
hab er in Frankreich bergschlosz oder stadt,
thurm oder feste, flecken oder mark,
es wird ihm all dem boden gleich gemacht.
Uhland ged. 422.
9)
namentlich die vorgeschobenen grenzländer des reiches erhielten den namen einer mark, der ihnen geblieben ist, vgl. Steiermark; Dänemark; die grafschaft Mark; die mark Niderbaden, Marcomanni Rhenani Maaler 284ᵃ; Windischmark marchia Slavonica Frisch 2, 440ᵃ, gewöhnlicher die windische Mark; vgl. auch ital. Marca d'Ancona, Marca Trevisana; am häufigsten ist unter der Mark schlechthin die mark Brandenburg verstanden:
des nêhstin jâris wart gesehen
darnâch ouch kumin starke
von Brandinburc der marke
marcgrêve Otte.
Jeroschin 12092;
itzt kam der Schlesier, und wolte hülfe haben,
itzt mein vertriebner Sachsz. itz klagte mir ihr leid
die ganz entmarkte Mark.
Fleming 115;
für die auch, da sie aus Altmark, Mittelmark, Neumark, Uckermark besteht, der plur. Marken gebraucht wird:
lasz der Marken sand!
mach dich auf die beine!
deutscher männer deutsche hand
wartet dein am Rheine!
Freiligrath dicht. 3, 111.
10)
mark, grenze im bildlichen sinne: warum soll dem menschen das gelingen, was er von der ameise hat, wenn ihm das fehlschlägt, was ihn den göttern gleich macht? oder ist hier die mark seiner bestimmung? Schiller räuber 3, 2; in den zeitlichen begriff übergehend:
ich fühls an meines herzens matterm schlage,
hier steh ich an den marken meiner tage.
Körner leier und schwert 65.
11)
die mark als bezeichnung eines gewissen gewichtssatzes von edelmetallen, gold und silber, kann nur darauf fuszen, dasz ein bestimmtes stück davon von zuständiger seite mit einem zeichen versehen und in solcher form als wertmesser in den handel gebracht wurde, wo es zuerst als barren, später als münze umlief. sache und name musz sich von den handelsorten Niederdeutschlands aus verbreitet haben, weil hier beides am ausgebreitetsten und am frühesten vorkommt; von da geht es ins altengl. als mark, merk, ins nord. als mörk, gen. markar, und, seit dem 11./12. jahrh. nachweisbar, ins hochdeutsche ein: march, marca Graff 2, 846. zu unterscheiden ist
a)
das stück goldes oder silbers von bestimmtem gewichte (einem halben pfunde): fries. tuintech merka fon brondrâda golde, ther thi Fresa iêralîk thâ kairscipe tô tegetha iowa (geben) scolde. Richthofen 354, 36; mhd.
zehen marc von golde die heiʒe ich dir nu tragen.
Nib. 241, 3;
silbers nam ich von im dan
daʒ fünfzic tûsent marke wac.
guter Gerhard 1177;
daher gewicht für gold und silber: mark, species ponderis, ein gewiss gewicht. Schottel 1361; die mark im grengewicht wird ausgetheilt in loth und gren. Erker 14ᵃ; das der goltschmidt ein itlichs stück nach dem gewicht anschlug und zu marken taxiret und einschrib. d. städtechron. 15, 69, 24; die mark silbers hat sechzehen loth, .. die mark goldes hält vier und zwanzig karat, .. ein mark löthiges goldes ist 72 goldgülden. öcon. lex. 1517; verschieden sind dem gewicht nach die troische, wendische, Nürnberger, Augsburger, Kölner, Mailänder mark. Jacobsson 3, 22ᵃ; 1 mark fein (die nicht legiert ist). 6, 517ᵃ.
b)
eine rechnungsmünze für gemünztes gold oder silber, ursprünglich im gewicht eines halben pfundes, landschaftlich aber zu sehr verschiedenem werte ausgebildet, vergl. Schm. 1, 1644 Fromm.:
der künec mîn hêrre lêch mir gelt ze drîʒec marken.
Walther 27, 7;
o we, ir armen wuͦcherere,
dem lieben got sint ir unmere.
du lihest ein marg al umbe ein pfunt,
daʒ zühet dich in der helle grunt.
d. städtechron. 8, 110, 20;
meins herren gericht ist als stark,
er näm nicht tausend mark,
er peichtet iederman geleich,
er sei arm oder reich.
fastn. sp. 473, 4;
er geit euch tausend mark in gold,
das ir sein tochter nemen solt.
499, 8;
entlehen (entlehne) ein mark oder zwu,
bisz der alt thut die augen zu (narr zu einem jungen manne).
H. Sachs fastn. sp. 1, 76, 207;
die Hamburger mark (mark banco unterschieden von mark courant) hat bis 1873 gedauert.
c)
ein in silber ausgeprägtes geldstück, eben auch landschaftlich verschiedenen wertes: kaum so viel kahle mark baares geldes, dasz man arswische davon aufs scheiszhaus, und schwefellichter in die küche kaufen kan. A. Gryphius (1698) 1, 820;
dennoch setz ich zwanzig mark
an einen stüber.
Wieland 18, 325;
die mark nach dem deutschen reichsgesetze vom 9. juli 1873 ist das silberstück, welches in Deutschland die rechnungseinheit bildet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1633, Z. 47.

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Zitationshilfe
„mark“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mark>, abgerufen am 29.11.2021.

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